Hypoglykämie

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Hypoglykämie, auch Hypoglcämie geschrieben, (ugs.: Unterzuckerung) bezeichnet in der Medizin einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel bzw. eine zu niedrige Glucosekonzentration im Blut. Von einer Hypoglykämie spricht man definitionsgemäß bei Blutzuckerwerten unter 40 bis 50 mg/dl (2,8 bis 3,3 mmol/l). Eine Hypoglykämie muss nicht unbedingt zu klinischen Symptomen führen, kann aber je nach Dauer und Ausprägung des Zustandes beispielsweise mit Schweißausbrüchen und Trübung des Bewußtseins bis hin zum Koma einhergehen. Eine unbehandelte schwere und andauernde Hypoglykämie kann tödlich ausgehen.

Gewisse Zellen des menschlichen Körpers, wie beispielsweise Hirnzellen, sind auf eine kontinuierliche Energiezufuhr in Form von Glucose angewiesen. Bei der Hypoglykämie sinkt der Zuckergehalt des Blutes so weit ab, dass die Funktionsfähigkeit der Zellen beeinträchtigt wird. Daher treten bei stoffwechselgesunden Personen bereits bei Werten unter etwa 60 mg/dl erste Kompensationsmechanismen auf, deren Ziel es ist, den Blutzuckerwert wieder zu steigern. Durch diese Kompensationsmechanismen kommt es beispielsweise auch bei längeren Hungerperioden nicht zu bedrohlichen Hypoglykämien. Ursache einer Hypoglykämie ist in aller Regel ein relatives Übermaß an dem Blutzucker-senkenden Hormon Insulin im Blut, oder die Überdosierung Blutzucker-senkender Medikamente, wie bestimmter Antidiabetika, wodurch die physiologischen Kompensationsmechanismen überfordert werden. Ursache einer solchen Hyperinsulinämie ist meist eine Überdosierung einer Insulin-Injektion im Rahmen der Behandlung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). In sehr seltenen Fällen können auch insulin-produzierende Tumore (Insulinome) die Ursache sein.

Die Therapie der Hypoglykämie besteht aus der oralen Gabe von Glucose. Im medizinischen Notfall (schwere Symptome oder Koma), oder wenn der Patient nicht schlucken kann, muss Glucose intravenös verabreicht werden. Zur Blutzuckersteigerung kann notfallmedizinisch auch intramuskulär oder subkutan Glucagon verabreicht werden. Langfristig ist die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels durch eine Verbesserung der Insulintherapie, oder der Beseitigung anderer Ursachen (beispielsweise Entfernung eines Insulinoms) angezeigt.

Einführung[Bearbeiten]

Als Hypoglykämie bezeichnet man einen Blutzuckerspiegel unter 40[1] bis 50 mg/dl beziehungsweise 2,8 bis 3,3 mmol/l. Ab welchem Blutzuckerspiegel Symptome auftreten ist individuell verschieden. Auch das rasche Absenken eines erhöhten Blutzuckerspiegels begünstigt deren Auftreten. Daher wird die Hypoglykämie klinisch in vier Stufen eingeteilt von asymptomatisch (keine Symptome), über mild und moderat, bis hin zu schwer (Koma).[2][3]

Verbreitung[Bearbeiten]

Quantitative Bedeutung hat die Hypoglykämie insbesondere bei medikamentös behandelten Diabetikern. So wird geschätzt, dass von den in Großbritannien mit Sulfonylharnstoffen behandelten Typ-2-Diabetikern mehr als 5000 Patienten pro Jahr eine schwere Hypoglykämie mit Notfalleinsatz erleiden. Die Hospitalisierung einer schweren Hypoglykämie in Großbritannien wird auf 1000 Britische Pfund pro Fall geschätzt.[4]

Wiederholte schwere Hypoglykämien scheinen auch die Entwicklung einer Demenz zu begünstigen. Bei einer schweren Hypoglykämie erhöhte sich die Demenzrate bei den beobachteten Patienten nach Auswertung der Krankenakten um 26 Prozent, bei zwei Episoden um 80 Prozent und bei drei verdoppelte sich die Demenzrate fast.[5]

Kindliche Hypoglykämien nach der Entbindung stellen die quantitativ bedeutsamste Komplikation nach einer mütterlichen diabetischen Stoffwechsellage in der Schwangerschaft dar.[6]

Ursachen[Bearbeiten]

Als Ursache eines erniedrigten Nüchternblutzuckers gelten das Insulinom, schwere Lebererkrankungen bei denen die Gluconeogenese und die Freisetzung von Glukose ins Blut eingeschränkt ist, die Urämie, die mit einer Insuffizienz von Nebennierenrinde oder Hypophysenvorderlappen verbundene Minderung blutzuckersteigernder Hormone, die Zuckerausscheidung über die Niere und Tumoren wie beispielsweise das Leberzellkarzinom. Auch die Ausscheidung insulinähnlicher Peptide im Rahmen einer Paraneoplasie und Glykogenosen können dafür verantwortlich sein. Auch bereits bei Neugeborenen, deren Mütter Diabetikerinnen sind, oder bei Kindern mit einer angeborenen Hyperplasie der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse kann ein erniedrigter Nüchternblutzucker auftreten.

Postprandiale Hypoglykämien finden sich bei Magenentleerungsstörungen, im Anfangsstadium eines Diabetes mellitus, nach Magenresektionen, infolge von Erbkrankheiten, wie der Fruktoseintoleranz und reaktiv nach kurzfristiger Aufnahme hoher Mengen an Zucker oder vegetativer Labilität mit erhöhter Vagotonie.

Typische äußere Ursachen für eine Hypoglykämie sind eine überhöhte Dosis von Insulin oder von Sulfonylharnstoffen sowie ein übermäßiger Alkoholkonsum ohne gleichzeitige Nahrungsaufnahme.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

An der Regulation des Blutzuckerspiegels sind bei gesunden Personen unterschiedliche Mechanismen beteiligt. So senkt ihn das, von der Bauchspeicheldrüse ausgeschiedene Insulin, indem es die Aufnahme von Traubenzucker (Glucose) in Fett- und Muskelzellen steigert. Gleichzeitig stehen dem menschlichen Körper jedoch auch Mechanismen zu Verfügung, einen erniedrigten Blutzuckerspiegel zu steigern. Ein wesentlicher davon ist das Glucagon das die Gluconeogenese anregt. Eine Hypoglykämie entsteht, wenn die blutzuckersteigernden Maßnahmen des Körpers die blutzuckersenkenden nicht kompensieren können.

Das kann nicht nur bei Diabetikern auftreten, die beispielsweise zu viel Insulin bekamen, sondern auch bei stoffwechselgesunden Personen. Bei der reaktiven Hyperglykämie stimuliert eine kurzfristige hochdosierte Zuführung von Zucker die Insulinausschüttung derart intensiv, dass die Kompensationsmechanismen überfordert werden. Eine analoger Mechanismus liegt auch der Dumping-Hypoglykämie infolge einer gestörten Reservoirfunktion des Magens (Dumping-Syndrom) nach operativen Eingriffen am Magen-Darm-Trakt zugrunde.[7]

Hypoglykämie bei Diabetes mellitus[Bearbeiten]

Bei der Behandlung des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann es zu Hypoglykämien kommen. Die Insulinverabreichung selbst kann bei Überdosierung, zu geringer Kohlenhydrataufnahme, nicht berechneter Bewegung oder versehentlicher intramuskulärer Injektion zu Hypoglykämien führen. Werden Typ-2-Diabetiker mit Insulin behandelt, so ist die Häufigkeit schwerer Hypoglykämien – abhängig vom Stadium der Insulinresistenz – nahe der von Typ-1-Diabetikern. Die Dauer der Insulinbehandlung (und damit der Krankheitsdauer) ist Hauptprädiktor für Hypoglykämien bei Typ-2-Diabetes.[8] Eine fehlerhafte Wahrnehmung der Hypoglykämie tritt typischerweise bei Typ-1-Diabetikern mit langer Krankheitsdauer auf. Zwei Mechanismen spielen dabei eine Rolle:

  • Im Laufe der Erkrankung kommt es neben dem Insulinmangel auch zum Erliegen der hormonellen Gegenspieler wie z. B. Glucagon.
  • Wenn dann der Diabetiker, z. B. aus Angst vor Folgeschäden, seinen Blutzucker immer nahe-hypoglykämisch hält, trainiert er seinen Körper regelrecht auf tiefe Blutzuckerwerte. Dann kann es dazu kommen, dass adrenerge Symptome nicht mehr bemerkt werden und relativ schlagartig bei Blutzuckerwerten von ca. 27 mg/dl die Bewusstlosigkeit eintritt.

Auch die Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe (insbesondere Glibenclamid und Glimepirid) können zur Unterzuckerung führen. Auch hier gilt, dass mit der Zahl der in engem zeitlichen Abstand erlebten Unterzuckerungen die Wahrnehmungsschwelle für diese sinkt. Damit werden unbemerkte, aber lebensbedrohliche Hypoglykämien möglich. [9]

Die genaue Bestimmung der Hypoglykämiefrequenz bei Typ-2-Diabetikern ist unterschätzt, da die meisten Patienten mittleren bis höheren Alters sind. Bei älteren Personen gehen meist das Auftreten von Symptomen mit kognitiven Störungen einher. Das klinisch wesentliche Problem ist jedoch, dass diese Unterzuckerungen oft über Stunden bis Tage anhalten können.[10]

Andere Ursachen[Bearbeiten]

Auch Personen ohne Diabetes mellitus können Hypoglykämien bekommen: Bei starker körperlicher Betätigung (z. B. Sport), hoher Stressbelastung und bei Mahlzeiten, die sehr starke Insulinausschüttungen veranlassen (hoher glykämischer Index). Differentialdiagnostisch sollte man auch an eine Malabsorption (d. h. mangelnde Aufnahme) von Kohlenhydraten und Nährstoffen denken. Dies kann insbesondere mit einer (mitunter jahrelang unerkannt gebliebenen) Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) zusammenhängen, bei der die Dünndarmschleimhaut im Rahmen einer Autoimmunreaktion durch eine Aufnahme von Gluten (enthalten v. a. in Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer und in vielen Fertiggerichten sowie Fleischereiwaren) so stark geschädigt wird, dass Kohlenhydrate und Nährstoffe nicht in ausreichendem Maße verwertet werden können (Siehe auch postprandiale Hypoglykämie, früher auch als funktionelle oder reaktive Hypoglykämie bezeichnet).

Medikamente wie Salicylsäure und ihre Derivate können durch Störung der körpereigenen Zuckermobilisierung aus der Leber eine Hypoglykämie verursachen. Das gegen Leishmaniose verwendete Medikament Pentamidin wirkt direkt toxisch auf die Insulin-produzierenden Zellen und kann durch deren Zerstörung eine körpereigene Insulinfreisetzung mit Unterzuckerung hervorrufen. Chinine und Sulfonamid-Antibiotika fördern ebenso die Insulinausschüttung. Ebenso werden Chinolonantibiotika und der heute nur noch selten verwendete Betablocker Propanolol mit Hypoglykämien in Verbindung gebracht. Betablocker können durch ihre Wirkung auf periphere Beta-Rezeptoren die Warnsignale einer Unterzuckerung maskieren.

In sehr seltenen Fällen können eine Nebennierenrindeninsuffizienz durch Ausfall des Nebennierenrindenhormons Cortisol, eine Schilddrüsenhormonstörung oder eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse zu Unterzuckerungen führen. Ebenfalls selten ist ein Insulinom, ein Insulin-produzierender Tumor.[11]

Eine Hypoglykämie kann nach Konsum von Alkohol entstehen, da Alkohol die Gluconeogenese (Neubildung von Zucker) in der Leber hemmt und dem Körper so die Möglichkeit zur Gegenregulation fehlt. Alkohol stört auch die Hypoglykämiewahrnehmung und die entsprechenden kognitiven Funktionen. Zur Vermeidung von Unterzuckerungen sollte der in alkoholischen Getränken enthaltene Kohlenhydratanteil bei der Insulindosierung nicht berücksichtigt werden.[12] Bei Nicht-Diabetikern kann es bei chronischer Unterernährung z. B. im Rahmen eines fortgesetzten Alkoholabusus zu einem mangelnden Glucoseeinbau in die Leber und dadurch zu Unterzuckerungen kommen.

Bei Beginn einer Unterzuckerung veranlasst das Gehirn einen erhöhten Adrenalinausstoß, da die Freisetzung von Adrenalin zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels führt (Sympathikusaktivität). Gleichzeitig wird die Leber zu einer erhöhten Freisetzung von Glucose aus Glycogen (der Speicherform der Glucose) angeregt, und die Bauchspeicheldrüse stellt die Produktion von Insulin ein; im Gegenzug wird die Freisetzung von Glucagon erhöht. In der Regel reichen die körpereigenen Regulierungsmaßnahmen aus, um einer Unterzuckerung vorzubeugen.

Durch die Unterversorgung des Gehirns mit Glucose sind neurologische Ausfälle die ersten Anzeichen einer akuten Unterzuckerung. Miteinhergehend können Wesensveränderungen, auch Aggressivität, sein. Im Stadium einer tiefen Unterzuckerung tritt die Bewusstlosigkeit mit den entsprechenden Gefahren ein.

Die sympatho-adrenerge Aktivierung während einer Hypoglykämie ist hauptverantwortlich für abnorme kardiale Repolarisation. Bei hohem Adrenalinspiegel durch akute Hypoglykämie gibt es intensive Effekte auf das kardiovaskuläre System. Es kommt zu erhöhter Herzfrequenz, erhöhtem systolischen und erniedrigtem diastolischen Blutdruck. Dadurch kann eine bestehende Herzinsuffizienz verschlechtert werden. Das Risiko einer kardialen Ischämie durch eine Hypoglykämie ist statistisch signifikant erhöht.

Die Hypoglycaemia factitia ist ein Krankheitsbild, bei dem es durch gezielte Selbstverabreichung von blutzuckersenkenden Mitteln zu einem gewollten Absenken des Blutzuckers kommt. Sie stellt eine wichtige Differentialdiagnose bei allen Hypoglykämien dar, die bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern auftreten.

Hypoglykämie bei Neugeborenen[Bearbeiten]

Neugeborene von unzureichend eingestellten diabetischen Müttern neigen zu Unterzuckerungen nach der Geburt. Die Ursache ist der hohe Glukosespiegel im Blut der Mutter. Die Glukose gelangt über die Plazenta zum Fetus. Als Reaktion des Überangebotes bildet die Bauchspeicheldrüse des Feten übermäßig viel Insulin. Nach der Entbindung fällt zwar die Glukose der Mutter weg, aber die Zellen der kindlichen Bauchspeicheldrüse haben sich noch nicht umgestellt und produzieren weiterhin mehr Insulin als nötig. Dies führt dazu, dass die im Blut vorhandene Glukose rascher aufgebraucht wird, es kommt zur Unterzuckerung des Neugeborenen.

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten]

Erniedrigte Blutzuckerwerte müssen auch unter 50 mg/dl nicht per se zum Auftreten von Beschwerden führen. Bei Diabetikern können sie dagegen auch bereits bei höheren Werten auftreten.

Typische Symptome sind Heißhunger, Übelkeit, Erbrechen und Asthenie (parasympathische Reaktionen), Nervosität, Schwitzen, Tachykardie, Tremor, Mydriasis und Bluthochdruck (sympathische Reaktionen), sowie Symptome, die auf eine Beeinflussung des Zentralnervensystems durch die Hypoglykämie zurückgeführt werden, wie Kopfschmerzen, Verstimmung, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit, Koordinationsstörungen, primitive Automatismen (beispielsweise Grimmassieren, Greifen und Schmatzen), sowie fokale Zeichen (beispielsweise Doppelbilder, Krampfanfälle, halbseitige Lähmungen, Sprachstörungen und Schläfrigkeit). Ihre maximale Ausprägung erreichen die Symptome der Hypoglykämie beim hypoglykämischen Schock, der mit zentralen Atem- und Kreislaufstörungen bis hin zum Tod einhergeht. In der Notfallmedizin sollte bei unklaren neurologischen oder psychiatrischen Auffälligkeiten grundsätzlich eine Hypoglykämie ausgeschlossen werden.[1]

Hypoglykämien unter einer Therapie sind ein Hauptfaktor für Lebensqualität und Lebenserwartung von Diabetespatienten. Die schwere Hypoglykämie ist mit 88 % der häufigste Notfall unter diabetischen Akutkomplikationen.

Wiederholte schwere Hypoglykämien haben in einer retrospektiven Beobachtungsstudie bei Typ-2-Diabetikern ein erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung einer Demenz gezeigt. Bei einer schweren Hypoglykämie erhöhte sich die Demenzrate bei den beobachteten Patienten nach Auswertung der Krankenakten um 26 Prozent, bei zwei Episoden um 80 Prozent und bei drei Hypoglykämien verdoppelt sich die Demenzrate fast.[5] Bei langer Krankheitsdauer, insbesondere beim Typ-2-Diabetes mit den häufigen Begleiterkrankungen wie Hypertonie und koronarer Herzerkrankung, erhöhen Hypoglykämien das Risiko von lebensbedrohlichen Komplikationen.[13]

Die Hypoglykämie-Wahrnehmung des Typ-2-Diabetikers ist in der Frühphase der Erkrankung meist eine Fehlwahrnehmung. Da zu Beginn des Diabetes mellitus oder bei unzureichender Stoffwechseleinstellung der Körper an erhöhte Blutzuckerwerte gewöhnt ist, werden selbst hoch-normale Werte von 90 oder 120 mg/dl als Hypoglykämie gespürt. In der weiteren Krankheitsphase kommt es aufgrund der erhaltenen Gegenregulation und insbesondere aufgrund der Insulinresistenz nur selten zu Hypoglykämien. Erst in der späten Phase des Typ-2-Diabetes kann es bei Ausfall der Insulin-Eigenproduktion sowie auch der allgemeinen Zunahme der Begleiterkrankungen zu Symptomen wie beim Typ-1-Diabetiker kommen.

  • Asymptomatische Hypoglykämien können beim Typ-2-Diabetiker bei höheren Schwellenwerten auch mehr bestätigt werden (z. B. von 30,7 % bei Schwelle < 3,1 mmol/l auf 61,7 % bei Schwelle < 3,9 mmol/l (70 mg/dl)).
  • Gegenregulatorische Hormone werden vom Typ-2-Diabetiker schon bei höheren Glucosewerten ausgeschüttet als bei vergleichbaren Typ-1-Diabetikern (z. B. ACTH schon bei 3,7 mmol/l = 67 mg/dl), ohne dass die Symptomatik verstärkt ist.
  • Die Ausschüttung gegenregulatorischer Hormone auf eine Hypoglykämie erfolgt bei gut eingestellten Typ-2-Diabetikern schon bei normalen Glucosewerten (z. B. Epinephrin bei 68 mg/dl, 3,8 mmol/l).
  • Der Typ-2-Diabetiker unterliegt schon einer Gegenregulation, bevor eine Symptomatik einsetzt.

Als akute Symptome der neonatalen Unterzuckerung sind Tremor, Irritabilität, Lethargie, Atemstillstand, Trinkschwäche, muskuläre Hypotonie, Hypothermie, schrilles Schreien und zerebrale Krampfanfälle beschrieben.

Untersuchungsmethoden[Bearbeiten]

Unterschiedliche, für Schnelltests geeignete Blutzuckermessgeräte

Die Messung des Blutzuckers erfolgt apparativ in der Regel aus kapillarem oder venösem Blut. Die Angabe der Höhe des Blutzuckerspiegel erfolgt von den Geräten in aller Regel in der Einheit mg/dl (Milligramm pro Deziliter), kann aber in seltenen Fällen auch in mmol/l (Millimol pro Liter) erfolgen, wobei dann 1,000 mg/dl etwa 0,05549 mmol/l entspricht.

Neben einer exakten laborchemisch quantitativen Analyse (beispielsweise mittels der Hagedorn-Jensen-Methode) im Regelfall, sind insbesondere in Notfallsituationen, aber auch zur Selbstkontrolle möglichst genaue Erfassungen der Größenordnung einer Hypoglykämie wichtig (semiquantitative Analyse). Dazu sind Schnelltests geeignet, bei denen das Blut auf einen Teststreifen gegeben wird und dort zu einer Verfärbung führt. Diese Verfärbungen werden dann optisch mittels eines Blutzuckermessgerätes ausgelesen. Es gibt auch Teststreifen, die ohne Hilfsmittel, also mit bloßem Auge eine sinnvolle Abschätzung zulassen. Im Blut verbrauchen typischerweise rote Blutkörperchen Glukose. Daher können Meßwerte, die aus Proben gewonnen wurden, die bereits längere Zeit ungeeignet gelagert waren, falsch niedrige Werte aufweisen.

Findet sich eine Hypoglykämie bei Nichtdiabetikern, so bedarf dies weiterer Abklärung.

Therapie[Bearbeiten]

Durch Zuführung von Kohlenhydraten (insbesondere Traubenzucker) kann eine akute Hypoglykämie kurzfristig beendet werden. Dies kann bei einem Patienten, der bei Bewusstsein ist, durch Gabe von zuckerhaltigen Getränken oder entsprechender Nahrung geschehen.

Ist Bewusstlosigkeit jedoch bereits eingetreten, darf oral keine Flüssigkeit oder Nahrung zugeführt werden, da aufgrund aussetzender Schluckreflexe beim bewusstseinsgetrübten Patienten die Gefahr einer Aspiration besteht. Bei bewusstlosen Patienten spritzt ein Arzt deshalb Glukose direkt intravenös.

Alternativ kann eine eingewiesene Hilfsperson bei bewusstlosen Patienten eine Dosis Glukagon intramuskulär verabreichen. Glukagon erhöht den Blutzucker, indem Glukose aus den körpereigenen Glykogenspeichern freigesetzt wird. Glukagon wirkt jedoch nicht nach Erschöpfung des Glykogenspeichers, zum Beispiel nach Alkoholkonsum. Nach Erwachen wird Glukose oral gegeben (s. o.), dabei sind mindestens 15 g Glukose notwendig.

Auf jeden Fall ist in einer solchen Situation das Absetzen eines Notrufs bzw. die Verständigung von Arzt oder Rettungsdienst zwingend notwendig.

  • Dem wachen Patienten 1 bis 4 Täfelchen (entspricht 1 bis 2 BE) Traubenzucker oder die entsprechende Menge eines handelsüblichen Präparates zu essen bzw. 200 bis 400 ml Fruchtsaft oder entsprechend andere kohlenhydrathaltige Getränke zu trinken geben
  • Ist die Person bewusstseinsgetrübt, keinen Traubenzucker in den Mund legen (Aspirationsgefahr)
  • Arzt oder Rettungsdienst verständigen
  • Glucose intravenös (i. v.) (nur vom Arzt oder Rettungsdienst)
  • Glucagon ins Unterhautfettgewebe oder intramuskulär spritzen (bei bekannten Diabetikern von eingewiesenen Personen)

Bis zum Eintreffen des Arztes:

  • Kontrolle des Blutzuckermesswerts (BZ) mit einem Blutzucker-Messgerät, allerdings steigt der Blutzucker nur relativ langsam an und korreliert nicht direkt mit der spürbaren Erholung des Patienten
  • Wachheit, Atmung und Kreislauf überprüfen (Vitalzeichen)
  • Ist der Patient ansprechbar: bei Bedarf Traubenzucker oder Ähnliches (siehe oben) geben
  • Wird der Patient bewusstlos, den Patienten in die stabile Seitenlage bringen.

Bei Neugeborenen genügt meist eine Nahrungszufuhr (Anlegen an die Brust, Füttern abgepumpter Muttermilch, hydrolysierte Formula- oder Maltodextrin-Lösung, gegebenenfalls auch über eine Magensonde).

Vorbeugung[Bearbeiten]

Bei Neugeborenen von diabetischen Mütter wird die routinemäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegel empfohlen, um bereits vor Auftreten einer Hypoglykämie eine entsprechende Tendenz erkennen zu können.

Heilungsaussicht[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • S. A. Amiel, T. Dixon, R. Mannt, K. Jameson: Hypoglycaemia in Type 2 diabetes. In: Diabetic Medicine. 25, 2008, ISSN 0742-3071, S. 245–254.
  • Mehnert, Standl, Usadel, Häring (Hrsg.): Diabetologie in Klinik und Praxis. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-512805-9.
  • Silbernagl, Lang: Taschenatlas der Pathophysiologie. Thieme, Stuttgart 1998, ISBN 3-13-102191-8.
  • Lothar Thomas: Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik. 7. Auflage. TH-Books Verlags-Gesellschaft, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-9805215-6-7.
  • Whitmer, R. A., et al., Hypoglycemic episodes and risk of dementia in older patients with type 2 diabetes mellitus. JAMA 301 (2009) 1565–1572.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Herold, G. et. al.: Innere Medizin, Eigenverlag, Köln 2007, S.659.
  2. Mehnert H.: Diabetologie in Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, 2003, S.400, ISBN 3135128059, hier online
  3. Baenkler H.-W.: Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 2001, S.955, ISBN 3131287519, hier online
  4. S. A. Amiel, T. Dixon, R. Mann, K. Jameson: Hypoglycaemia in Type 2 diabetes. In: Diabetic medicine : a journal of the British Diabetic Association Band 25, Nummer 3, März 2008, S. 245–254, ISSN 1464-5491. doi:10.1111/j.1464-5491.2007.02341.x. PMID 18215172. PMC 2327221 (freier Volltext). (Review)
  5. a b R. A. Whitmer, A. J. Karter, K. Yaffe, C. P. Quesenberry, J. V. Selby: Hypoglycemic episodes and risk of dementia in older patients with type 2 diabetes mellitus. In: JAMA. 301, Nr. 15, April 2009, S. 1565–1572. PMID 19366776, doi:10.1001/jama.2009.460.
  6. Betreuung von Neugeborenen diabetische Mütter. AWMF Leitlinie Mai 2010.
  7. Carlos T.: Spezielle Pathologie, Schattauer Verlag, 1996, S.314, ISBN 379451713X, hier online
  8. L. A. Donnelly, A. D. Morris, B. M. Frier, J. D. Ellis, P. T. Donnan, R. Durrant, M. M. Band, G. Reekie, G. P. Leese: Frequency and predictors of hypoglycaemia in Type 1 and insulin-treated Type 2 diabetes: a population-based study. In: Diabetic medicine : a journal of the British Diabetic Association Band 22, Nummer 6, Juni 2005, S. 749–755, ISSN 0742-3071. doi:10.1111/j.1464-5491.2005.01501.x. PMID 15910627.
  9. S. A. Amiel, T. Dixon, R. Mann, K. Jameson: Hypoglycaemia in Type 2 diabetes. In: Diabetic medicine : a journal of the British Diabetic Association Band 25, Nummer 3, März 2008, S. 245–254, ISSN 1464-5491. doi:10.1111/j.1464-5491.2007.02341.x. PMID 18215172. PMC 2327221 (freier Volltext). (Review)
  10. Björn Lemmer, Kay Brune: Pharmakolotherapie – Klinische Pharmakologie. 13. Auflage. Heidelberg 2007, S. 388f, S. 392f.
  11. Unterzucker bei Nicht-Diabetikern (Version vom 29. Dezember 2010 im Internet Archive) Auf: Diabetes-World.Net
  12. Philip E. Cryer: Hypoglycemia. In: Anthony Fauci et al. (Hrsg.): Harrison's Principles of Internal Medicine. 17. Auflage, New York 2008, S. 2306ff.
  13. Ist Hyperglykämie oder Hypoglykämie risikoreicher? In: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 106, Heft 27, 3. Juli 2009.
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