Hyperglykämie

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Klassifikation nach ICD-10
R73 Erhöhter Blutglukosewert
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Begriff Hyperglykämie (griechisch ὑπέρ hyper ‚über‘ und griech. γλυκύς glykys ‚süß‘ und griech. αἷμα haima ‚Blut‘) bezeichnet eine vermehrte Menge an Glukose im Blut (Blutzucker).[1] Festgestellt wird eine akute Hyperglykämie durch die Bestimmung des Glukose-, eine langfristige durch die des HbA1c-Spiegels im Blut.

Hyperglykämie ist das Leitsymptom der Zuckerkrankheit, bei der die entsprechend notwendige Regulation der Nährstoffes Glukose gestört ist, so daß dieser dann auch über den Urin ausgeschieden wird. Die bei einer Hyperglykämie auftretenden Symptome reichen kurzfristig von Durstgefühl und trockenem Mund über vermehrte Urinausscheidung und Sehstörungen bis hin zum unbehandelt tödlich verlaufenden hyperglykämischen Koma. Langfristig ist die Hyperglykämie wesentlich an den klassischen Folgen einer Zuckererkrankung wie Schlaganfall, Verlust der Sehkraft oder Nierenschwäche beteiligt. Ihre Behandlung besteht in einer Regulation der Glukosespiegels im Blut mittels geeigneter Maßnahmen, wie beispielsweise der Gabe von Insulin.

Auftreten[Bearbeiten]

Die Hyperglykämie ist das Leitsymptom für einen Diabetes mellitus. Sie ist dafür ab nicht beweisend. Denn auch ein Morbus Cushing (erhöhter Cortisonspiegel), eine Akromegalie (erhöhter Somatotropinspiegel), ein Phäochromozytom (erhöhte Spiegel von Adrenalin und Noradrenalin), eine Hyperthyreose (beispielsweise infolge eines Morbus Basedow), Eisenablgerungen in den Betazellen des Pankreas (Hereditäre Hämochromatose) und Medikamente können sie auslösen. Auch ist sie begleitend immer wieder zu finden bei Infekten, nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Narkosen.[2]

Ursache[Bearbeiten]

Der Blutzuckerspiegel sollte bei Gesunden nüchtern (also mindesten 8 Stunden nach der letzten Kalorienzufuhr) unter 100 mg/dl und auch nach einem Zuckerbelastungstest unter 140 mg/dl liegen. Nimmt der Körper Nahrung auf, dann werden Glokose und andere Zucker, von Ausnahmen abgesehen, über der Darm aufgenommen und über den Pfortaderkreislauf zur Leber geführt, bevor sie ins Blut gelangen. Durch verschiedene Regulationsmechanismen wird der Blutzuckerspiegel dort bei Gesunden langfristig bei etwa 70 bis 80 mg/dl konstant gehalten. Steigt nun infolge einer kohlenhydratreichen Nahrungszufuhr der Glukosespiegel im enterohepatischen Kreislauf, werden die Betazellen des Pankreas angeregt, Insulin auszuschütten, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Versagt diese Regulation, kommt es zu kurz- oder langfristiger Hyperglykämie.

Krankheitsentstehung[Bearbeiten]

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum der Körper den Blutzuckerspiegel nicht im physiologischen Bereich stabilisieren kann. Klassisch ist sie Folge einer verminderten Insulinausschüttung des Pankreas (pankreapriver Diabetes) oder eines verminderten Ansprechens von Zellen (Fett- und Muskelzellen) in denen Glukose aufgenommen werden kann auf Insulin (dabei kann die Insulinausschüttung auch erhöht sein). In beiden Fällen ist dann ein zumindest zeitweise zu hoher Blutzuckerspiegel die Folge.


Klinische Erscheinungen[Bearbeiten]

Eine typische Kombination von Symptomen, die den Verdacht auf eine Hyperglykämie (und damit auf einen Diabetes mellitus) als Ursache lenkt ist häufiges Urinieren großen Harnmengen bei gleichzeitig bestehendem vermehrten Durstgefühl trotz großer Trinkmengen. Dazu kommen nicht selten unspezifische klinische Zeichen wie Exsikkose, Schwäche, Schwindel, Sehstörungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Muskelreflexabschwächung, trockener Mund und trockene Haut. In schweren Fällen, die zum hyperglykämischen Koma führen sind die Patienten dann bewußtlos und können unbehandelt auch daran versterben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Hypoglykämie, zu niedriger Blutzuckerwert (Unterzucker) und Postprandiale Hypoglykämie

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Schatz (Hrsg.): Diabetologie kompakt. Grundlagen und Praxis. 4. erweiterte und aktualisierte Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 978-3-13-137724-1.
  • Hellmut Mehnert, Eberhard Standl, Klaus-Henning Usadel, Hans-Ulrich Häring (Hrsg.): Diabetologie in Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag 2003, ISBN 3-13-512805-9, auch als Google-Book [1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adolf Faller, Michael Schünke: Der Körper des Menschen, Thieme Verlag, Stuttgart 2008, S. 371.
  2. Dörner K.: Klinische Chemie und Hämatologie: 69 Tabellen, Thieme Verlag, 2009, S. 148, ISBN 3131297174, hier online
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