Ignaz Josef Pleyel

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Ignaz Josef Pleyel

Ignaz Josef Pleyel (* 18. Juni 1757 in Ruppersthal in Niederösterreich; † 14. November 1831 bei Paris) war ein österreichischer Komponist und Klavierfabrikant. Er war das achte Kind aus der ersten Ehe des Schulmeisters Martin Pleyl und dessen Gattin Anna Theresia Pleyl; geb. Forster und hatte noch neun Halbgeschwister (die im Kindesalter an Diphtherie starben) aus der zweiten Ehe des Vaters mit Maria Anna Pleyl; geb. Placho.[1]

Leben[Bearbeiten]

Pleyel wuchs in bescheidenen Verhältnissen als Sohn des Schulmeisters, Mesners und Chorleiters von Ruppersthal auf. Der Vater erkannte bereits in jungen Jahren das musikalische und kompositorische Talent seines Sohnes. Pleyel war Schüler Joseph Haydns und Johann Baptist Vanhals in Pressburg und Eisenstadt. Seine Gönner, die Grafen Erdödy, bezahlten ihm die fünfjährige Ausbildung und den Aufenthalt ab dem Jahre 1772 in Haydns Haushalt – 100 Louis d’or pro Jahr. Während der Lehrzeit bei Haydn, mit dem ihn von da an eine enge Freundschaft verband, komponierte der 19–jährige Pleyel zwei Opern, eine Sinfonie und ein Violoncellokonzert.[2]

Er vollendete seine Ausbildung in Italien und übersiedelte 1783 nach Straßburg, wo er Adjunkt des Domkapellmeisters Franz Xaver Richter wurde und sich fortan „Ignace“ nannte. Bevor er nach Richters Tod 1789 dessen Nachfolge antrat, nahm er die französische Staatsbürgerschaft an, fügte seinem Geburtsnamen Pleyl ein „e“ hinzu und nannte sich fortan Pleyel. Im Jahre 1788 heiratete er die Straßburgerin Franziska Gabrielle Ignatia Lefebvre, mit der er insgesamt vier Kinder hatte. Während der Französischen Revolution komponierte er aus Anlass der Proklamation der neuen Straßburger Verfassung im Jahre 1790 die „Hymne à la Liberté“ nach einem Text seines Freundes Claude Joseph Rouget de Lisle. Im Jahre 1791 wurde Pleyel seines Amtes als Domkapellmeister enthoben.[2]

Von Dezember 1791 bis Mai 1792 kam er auf Einladung von Wilhelm Cramer nach London, um an dessen Professional Concerts mitzuwirken, zeitgleich wirkte sein früherer Lehrer Haydn in London. Am 16. Mai 1792 kehrte er nach Straßburg zurück und erwarb das vor den Toren der Stadt liegende Château d’Ittenwiller.

Ab 1795 lebte er in Paris, wo er 1796 eine Musikalienhandlung und 1807 die bis zum Ende des Jahres 2013 unter der Firma Pleyel, Wolff et Comp. bestehende Klavierfabrik gründete. Im Verlag „Chez Pleyel“, dem sein Schwager Jean-Daniel Schäffer als Geschäftsführer vorstand, erschienen innerhalb von 39 Jahren etwa 4000 Werke, von Komponisten wie Beethoven, Boccherini, Dussek, Clementi, Haydn, Hummel, Mozart, Onslow und anderen. Eine von Pleyels Innovationen war die sogenannte Bibliothèque musicale, die 1802 mit der Veröffentlichung von vier Sinfonien Haydns im Taschenpartiturformat begann. Pleyel erwarb am 24. Januar 1827 die Vermarktungsrechte (für Frankreich) für die opp. 130, 133 und 134 von Ludwig van Beethoven. Der Vertrag in französischer Sprache wurde in Gegenwart von Zeugen in Wien geschlossen und notariell beglaubigt.[3]

Sein Sohn Camille Pleyel, geb. 1788, bildete sich unter Leitung seines Vaters, des Komponisten Jan Ladislav Dusík und Friedrich Kalkbrenner zum Klavierspieler aus. Nachdem das Interesse an Ignaz Pleyels Kompositionen bereits ab der Jahrhundertwende nachgelassen hatte, übergab er 1824 dem Sohn die Klavierfabrik, die dieser bis zu seinem Tod am 4. Mai 1855 leitete. Am 19. Oktober 1827 gründete Pleyel einen kleinen Musiksalon in der Rue Cadet Nr. 9, in dem neben anderen Künstlern und Virtuosen Clara Wieck, die spätere Frau von Robert Schumann, auftrat. Camille Pleyel übernahm auch diesen Salon und übersiedelte in ein von ihm entworfenes Gebäude. Aus diesem Musiksalon entwickelte sich der größte Konzertsaal von Paris, La Salle Pleyel, der im Jahre 1927 erbaut wurde.[4]

Ignaz Pleyel zog sich auf sein Landgut bei Paris zurück und widmete sich der Landwirtschaft. Er verstarb an den Folgen einer Bronchitis. Sein Grab befindet sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise (Division 13, Nummer 40.906). Im Jahre 1959 wurde die Ignaz-Pleyel-Gasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt und 1998 sein Geburtshaus gerettet und als Museum eingerichtet.

Seine Schwiegertochter Marie Moke-Pleyel war eine Schülerin Friedrich Kalkbrenners und eine der bedeutendsten Pianistinnen ihrer Zeit.

Werke[Bearbeiten]

Titelblatt der Grande Sonate op. 45,3 (Druck von 1797)

Pleyel hinterließ zahlreiche Kompositionen (zumeist Instrumentalwerke), welche zeitweilig an Beliebtheit selbst mit Haydn wetteifern konnten, jedoch noch zu Lebzeiten ihres Autors in Vergessenheit gerieten. Bekannt ist seine Klavierschule von 1797, die er gemeinsam mit Dussek schuf. Pleyel verfasste daneben 41 Sinfonien, 6 Symphonies concertantes, 2 Opern (Die Fee Urgèle und Ifigenie in Aulide), ein Requiem, Lieder sowie eine große Zahl kammermusikalischer Kompositionen.

Von seiner Kammermusik ragen die Streichquartette heraus, da sie von großer musikalischer Qualität sind, was ihm zu seiner Zeit einen ausgezeichneten Ruf als Komponist einbrachte. Über Pleyels Streichquartette schrieb Mozart am 24. April 1784 in einem Brief an seinen Vater:

Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister [Haydn] herauskennen. Gut – und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu remplacieren!

Ein Werkverzeichnis Pleyels ist unter der Website der Pleyel-Gesellschaft (s. Weblinks) zu finden. Dieses Verzeichnis basiert auf der umfangreichen Forschung der Musikwissenschaftlerin Rita Benton (1918–1980).

Klavierbau[Bearbeiten]

Neben dem Konkurrenten Érard und anderen Klavierbaubetrieben wie Gaveau und Mangeot Freres war der von Ignace Pleyel gegründete Klavierbaubetrieb in den Jahrzehnten bis ca. 1870 zu den großen europäischen Klavierfabrikanten zu zählen, im Stückzahl-Ausstoß um die Mitte des 19. Jahrhunderts nur von Broadwood, London übertroffen. Frederic Chopin bevorzugte die Instrumente Pleyels. Noch heute sind zwei Pleyel-Flügel aus dem persönlichen Besitz Chopins bekannt. Eines der Chopin-Instrumente, das in Großbritannien erhalten wird, ist von herausragendem Klang. Chopin widmete der Gastgeberin seines ersten Pariser Aufenthaltes, Marie Moke-Pleyel, Ehefrau des Klavierfabrikanten Camille Pleyel, Sohn des Gründers Ignace, seine drei Nocturnes op. 9.

Würdigung[Bearbeiten]

1998 wurde, initiiert von der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft (IPG), Pleyels Geburtshaus gerettet und als Museum eingerichtet, 2009 wurde das Grab Pleyels auf dem Père Lachaise Friedhof mit Unterstützung des Bundeslandes Niederösterreich restauriert. Im Jahr 2007 wurde von der Pleyel Gesellschaft (IPG) anlässlich seines 250. Geburtstages ein Festakt vor dem Geburtshaus abgehalten, eine erste Pleyel-Biographie herausgegeben und eine Sonderpostmarke initiiert. Seit dem Jahre 2007 werden von der IPG, in Zusammenarbeit mit der Musikuniversität Graz im Museum Internationale Pleyel Symposien abgehalten. Seit 2010 arbeitet die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit neun Musikwissenschaftlern, an einer Pleyel Gesamtausgabe [5].

Der Asteroid (11524) Pleyel wurde nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "PLEYEL 1757-1831 von Ruppersthal in die Welt" 2. Auflage Juni 2011, Prof. Adolf Ehrentraud, Seite 79 ff., Daten der Grabnummer ebenda, S. 260 ISBN 978-3-9503176-0-2
  2. a b Das etwas andere Weinviertel S. 87
  3. Vertrag zwischen Beethoven und Pleyel im Beethoven-Haus Bonn, abgerufen am 7. März 2013
  4. Das etwas andere Weinviertel S. 89
  5. Eintrag zu Ignaz Josef Pleyel in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (als Briefmarkendarstellung) abgerufen am 9. Dezember 2011