Ignazio Silone

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Ignazio Silone (* 1. Mai 1900 in Pescina dei Marsi/Abruzzen; † 22. August 1978 in Genf; Geburtsname Secondino Tranquilli) war ein politisch engagierter italienischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Geburtshaus

Silone wurde 1900 in einem kleinen Ort in den Abruzzen in der Provinz L’Aquila als Secondino Tranquilli geboren. Während seiner Untergrundaktivitäten gegen den Faschismus ersetzte er diesen Geburtsnamen jedoch durch das Pseudonym Ignazio Silone. Silones Vater war ein kleiner Grundbesitzer, die Mutter Weberin. Durch ein Erdbeben in der Marsica verlor Silone 1915 seine Mutter und fünf Geschwister; sein Vater scheint schon ein Jahr vorher umgekommen zu sein. Bereits in dieser Zeit begann Silone, sich politisch zu betätigen. Noch als Jugendlicher nahm er an den Kämpfen der Landarbeiter teil, denen gerade in seiner Heimatregion noch Überreste des alten feudalen Großgrundbesitzes gegenüberstanden. Hierbei kam er auch in Kontakt mit sozialistischem Gedankengut, das in seinem weiteren Leben eine wichtige Rolle spielen sollte.

Ohne einen Schulabschluss erworben zu haben, widmete Silone sich ab 1917 verstärkt seinen politischen Interessen. Er schrieb Artikel für das Parteiorgan der Sozialistischen Partei Italiens (PSI) Avanti! (Vorwärts), in denen er unter anderem die Missstände kritisierte, die in der Marsica durch das Erdbeben aufgetreten waren. Im selben Jahr trat er dem regionalen Bauernbund bei und wurde Sekretär der Landarbeitergewerkschaft. 1917, nach seinem Umzug nach Rom wurde er dort Sekretär der sozialistischen Jugend und zum Direktor ihrer Wochenzeitung „L'Avanguardia“ (Die Avantgarde) gewählt. Etwas später, nach seinem Eintritt in die Kommunistische Partei Italiens (PCI), wurde er zudem Mitarbeiter der Zeitung „Il Lavoratore“ (Der Arbeiter). 1919 lernte er den römischen Polizeiinspektor Guido Bellone kennen, dem er Informationen über die sozialistische Bewegung lieferte. Der Kontakt zu Bellone dauerte auch nach der Machtergreifung durch die Faschisten an und wurde erst 1930 in einem Brief an den Polizeiinspektor gelöst. Wegen dieser Spitzeldienste wurde Silone offenbar von der Polizei in seiner Reisetätigkeit und seiner Arbeit nicht behindert. Inwieweit er den Parteifreunden mit seinen Berichten schadete, ist umstritten und bleibt Gegenstand der Forschung. [1]

Auf dem Kongress des PSI in Livorno trat Silone 1921 mit einem Großteil der sozialistischen Jugendorganisation in den sich gründenden PCI ein, in dem er die Leitung der Jugendorganisation übernahm. Durch den Sieg der Faschisten in Italien wurde Silone gezwungen, im Untergrund weiter zu arbeiten. Dabei stand er auch in Kontakt zu Antonio Gramsci, mit dem er zusammen für die geheim erscheinende L’Unità schrieb. Aufgrund seiner Funktion nahm er auch mehrmals an der Seite von Palmiro Togliatti und Gramsci an Sitzungen der Komintern in Moskau teil und unternahm im Parteiauftrag Reisen in verschiedene europäische Länder. Etwa 1930 ging Silone ins Schweizer Exil. Sein Bruder Romolo, der einzige aus seiner engeren Familie, der das Erdbeben überlebt hatte, war kurz zuvor aufgrund falscher Anschuldigungen im Zusammenhang mit einem Attentat in Mailand ins Gefängnis gebracht worden, wo ihn die Faschisten später umbrachten.

Im Exil wandelte sich Silones politische Haltung. Durch seine Position als Vertreter der italienischen Kommunisten bei der Komintern konnte er den Aufstieg Stalins und die damit verbundene Ausgrenzung innerparteilicher Gegner Stalins aus nächster Nähe miterleben. So war er zwischen 1927 und 1929 bei den Sitzungen anwesend, auf denen die Positionen Leo Trotzkis, Nikolai Bucharins und anderer vermeintlicher Stalingegner verurteilt wurden. Silone schloss sich diesen Verurteilungen nicht an. Aus Enttäuschung über die mangelnde Toleranz und Offenheit brach er mit der kommunistischen Bewegung und dem Kommunismus, was dann im Sommer 1931 auch zu seinem Parteiaustritt führte.

Erst im Schweizer Exil begann Silones Schaffen als Schriftsteller. Hier schrieb er Fontamara und die Bücher über Pietro Spina: Pane e vino (Brot und Wein) und Il seme sotto la neve (Der Samen unter dem Schnee), in denen er sich unter anderem mit seinem eignen Leben und seiner Sichtweise über den Sozialismus auseinandersetzte. In dieser Zeit entstand auch Der Faschismus – seine Entstehung und Entwicklung[2]. Im Gegensatz zu diesem Sachbuch, das zunächst auch im Nachkriegsitalien nicht verlegt werden durfte[3], fanden seine ersten beiden Romane als Untergrundliteratur im faschistischen Italien ihre Leser.

Im Exil betätigte sich Silone weiterhin politisch. So hatte er ab 1939 die Leitung des sozialistischen Auslandbüros inne. 1941 und 1943 wurde er interniert, da er gegen das Verbot der politischen Betätigung verstoßen hatte.

Nach seiner Rückkehr nach Italien 1944 war Silone weiter im PSI aktiv und nahm als einer seiner Delegierten an der konstituierenden Nationalversammlung teil. Er wurde 1945 in die Direktion der sozialistischen Zeitung "Avanti!" berufen und leitete ab 1947 außerdem noch die von ihm mitgegründete Zeitung "Europa Socialista" (Sozialistisches Europa). Nach der Spaltung des PSI, bei der Silones Sympathien offenbar bei dem sozialdemokratischen Flügel lagen, entschloss er sich zum weitgehenden Rückzug aus der Politik und widmete sich vor allem der schriftstellerischen Tätigkeit.

In diesem Zusammenhang übernahm er 1952 die Leitung der Zeitung "Tempo presente" (Unsere Zeit) und war gleichzeitig Vorsitzender der proamerikanischen "L'Associazione Italiana per la Libertà della Cultura" (Italienische Vereinigung für die Freiheit der Kultur). Diese Organisation war das italienische Pendant zum Kongress für kulturelle Freiheit, und wurde vom amerikanischen Geheimdienst CIA finanziert, um antiamerikanische und prokommunistische Kulturschaffende zu isolieren. Die Zeitung Tempo presente war das italienische Gegenstück zu Preuves in Frankreich, Encounter in Großbritannien und Der Monat in Westdeutschland. 1967 wurde bekannt, dass die Zeitung durch geheime Fonds der CIA mitfinanziert wurde, woraufhin Silone sich von seiner Tätigkeit für die Zeitung zurückzog, obwohl er noch bis 1969 Vorsitzender der L'Associazione Italiana per la Libertà della Cultura blieb.

1969 erhielt Silone den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft.

Grabstätte in Pescina dei Marsi

Neben seinem Abschied vom politischen Tagesgeschehen begann er sich auch in anderer Hinsicht neu zu definieren. Er beschrieb sich nunmehr als "Christ ohne Kirche und Sozialist ohne Partei". Die Entwicklung in diese Richtung begann allerdings bereits in den 1930er Jahren; schon in seinem zweiten Buch Pane e vino wird die Figur Pietro Spina in ähnlicher Weise beschrieben. Am 22. August 1978 starb Ignazio Silone nach schwerer Krankheit in einer Genfer Klinik.

Antifaschismus-Zitat[Bearbeiten]

Mitunter wird der Satz „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“ als Aussage Silones zitiert. Die Quelle für diesen Ausspruch ist eine 1988 veröffentlichte Schilderung von François Bondy, zu dem Silone dies im persönlichen Gespräch gesagt haben soll. Von Bondy wurde dies als Kritik an unkritischem Antifaschismus interpretiert: „Viele Jahre später, als «Antifaschismus» in der Tat instrumentalisiert wurde und zu einem Slogan herunterkam, verstand ich, daß dieses kaustische Aperçu prophetisch war.“[4] Eine Niederschrift des Zitats aus Silones Lebzeiten oder gar in seinen eigenen Werken existiert nicht.

Werke[Bearbeiten]

  • 1930: Fontamara
  • 1934: Der Fascismus: seine Entstehung und seine Entwicklung
  • 1937: Brot und Wein (Pane e vino, zuerst in deutscher Übersetzung erschienen; späterer Titel Vino e pane bzw. Wein und Brot)
  • 1938: Schule der Diktatoren
  • 1940: Der Samen unter dem Schnee
  • 1952: Eine Handvoll Brombeeren
  • 1957: Das Geheimnis des Luca
  • 1969: Der Fuchs und die Kamelie
  • 1965: Notausgang. Autobiographie
  • 1968: Das Abenteuer eines armen Christen

Literatur[Bearbeiten]

  • Dagmar Ploetz: Ignazio Silone. Rebell und Romancier Ein Schriftstellerleben im 20. Jahrhundert. Kiepenheuer & Witsch, 2000, ISBN 3-462-02910-X.
  • Elisabeth Leake: The Reinvention of Ignazio Silone. Toronto 2003.
  • Dario Biocca: Ignazio Silone – La doppia vita di un italiano. Mailand 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biocca: Ignazio Silone. 2005.
  2. Titelnachweis bei DNB
  3. Seit 1991 sind mehrere Übersetzungen ins Italienische veröffentlicht worden
  4. François Bondy: Pfade der Neugier: Portraits. Benziger, Einsiedeln 1988. S. 84.