Ike Turner

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Ike Turner, 1997
Long Beach Blues Festival

Ike Turner (* 5. November 1931 in Clarksdale, Mississippi, USA; † 12. Dezember 2007 in San Marcos, Kalifornien), (eigentlich Izear Luster Turner Jr.[1] oder Ike Wister Turner) war ein US-amerikanischer Musiker (Piano, Gitarre, Bass) und Produzent.

Leben[Bearbeiten]

Turner war der Sohn der Näherin Beatrice Cushenberry und des Baptistenpfarrers Izear Luster Turner. Nach eigenen Angaben musste Turner im Alter von vier oder fünf Jahren die Lynchung seines eigenen Vaters miterleben, der innerhalb von wenigen Jahren den zugefügten Wunden am Bauch erlag.[2] Seine musikalische Karriere verdankte Turner dem Blues-Pianisten Pinetop Perkins, der ihm und seinem Schulfreund Ernest Lane ab dem Alter von sechs oder sieben Jahren[3] Boogie-Woogie beibrachte, den Turner später zu einer frühen Form des Rock 'n' Roll weiterentwickelte. In seiner Heimatstadt Clarksdale, wo Turner als Liftboy in einem Hotel arbeitete, in dem sich auch eine Radiostation befand, sammelte er seine ersten Erfahrungen mit der Musikbranche.[4] Später war Turner als Pianist für Sonny Boy Williamson II. und Robert Nighthawk tätig.[5] Als Talentscout für verschiedene Plattenlabel entdeckte er u.a. Howlin' Wolf und B.B. King. [6] Bald wurde er zu einem gefragten Sessionmusiker und steuerte u.a. Piano-Partien zu Howlin' Wolfs „How Many More Years" und B.B. Kings Interpretation des „Three O'Clock Blues" bei.

Turners 1951 erschienene, von Sam Phillips produzierte Single „Rocket 88“ gilt heute allgemein als eine der ersten Rock-’n’-Roll-Aufnahmen. Die Aufnahme erschien unter dem Namen von Jackie Brenston und seinen Delta Cats, wurde aber von Ike Turner und seinen Kings of Rhythm gespielt, bei denen Brenston Saxophon spielte und sang. Little Richard benutzte Turners Piano-Intro nahezu unverändert für seinen Song „Good Golly Miss Molly“ (1958). Außerdem gehört Rocket 88 zu einer der ersten Aufnahmen mit verzerrtem Gitarrenklang, verursacht durch einen möglicherweise durchnässten Amplifier.[7] E-Gitarre zu spielen lernte Turner erst in den frühen 1950er Jahren von seinem Band-Mitglied Willie Kizart. Charakteristisch für Turners Gitarrenstil ist der gezielte Einsatz von Whammy Bar. Anstatt den Tremoloarm zum Korpus hin zu bewegen, zerrte er ihn aus Unkenntnis vom Korpus weg und erzeugte auf diese Weise einen charakteristischen Sound.[8]

Turner gilt als Wegbereiter der klassischen Soul-Musik, die er in der „Ike and Tina Turner Revue“ einem großen Publikum darbot. Er war 16 Jahre lang, von 1962 bis 1978, mit Tina Turner verheiratet, die sich allerdings bereits 1976 von ihm trennte. Die Ehe wurde 1978 aufgrund seiner Drogensucht, mehrfachen Ehebruchs und schwerer Gewalttätigkeiten gegen seine Frau geschieden. Unter anderem warf ihm seine Frau Tina Vergewaltigung vor. 1989 wurde Ike Turner wegen Drogenbesitzes zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, von der er allerdings wegen guter Führung nur 17 Monate verbüßte.[9]

Zu Turners bekanntesten Aufnahmen gehören „A Fool In Love“, „It's Gonna Work Out Fine“, „I'm Blue“, „I Wanna Take You Higher“, „Nutbush City Limits“, „Proud Mary“. Als Meisterwerk von Ike und Tina Turner gilt „River Deep − Mountain High“, eine von Phil Spector produzierte Popsymphonie, deren Produktion 1966 22.000 Dollar kostete. 1991 wurden Ike und Tina Turner in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen.[10] Ein Gastauftritt auf dem Album „Great Guitars“ des Bluesmusikers Joe Louis Walker animierte Turner, sich musikalisch verstärkt seinen Blues-Wurzeln zu widmen.[11] Sein Album „Here And Now“ brachte Ike Turner 2001 eine Grammy-Nominierung ein. Im Jahr 2004 wurde er mit einem „Memphis Heroes Award“ ausgezeichnet. Die Stadt St. Louis verlieh ihm einen Stern auf dem berühmten „St. Louis Walk of Fame“. Ein Jahr später wurde Ike Turner in die „Blues Hall of Fame“ aufgenommen und durfte auf „Hollywood's Rockwalk“ seinen Handabdruck hinterlassen. Im selben Jahr war er in dem Song „Every Planet We Reach Is Dead“ der Comic-Band Gorillaz aus dem Album „Demon Days“ mit einem Piano-Solo zu hören. In Deutschland war er 2006 bei der Nokia Night of the Proms live zu sehen. Sein Album „Risin' With The Blues“ erhielt am 11. Februar 2007 den Grammy in der Kategorie „Best Traditional Blues Album“.

Ike Turner starb am 12. Dezember 2007 im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in San Marcos bei San Diego. Seine Witwe Jeanette Bazzell Turner gab keine Todesursache bekannt, sagte aber, Turner hätte an einem Lungenemphysem gelitten.[12][13] Untersuchungsergebnissen zufolge starb er an einer Überdosis Kokain.[14] Die beiden Musiker hatten 1995 geheiratet. Die Beisetzung fand am 21. Dezember 2007 in Gardena (Kalifornien) statt − in Form einer Mischung aus Trauerfeier und Rockkonzert.[15]

Ehen und Kinder[Bearbeiten]

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Nach eigenen Angaben war Ike Turner mit vierzehn Frauen verheiratet. Die Ehen mit Lorraine Taylor, Ann Thomas, Anna Mae Bullock (besser bekannt als Tina Turner) und Jeanette Bazzell Turner waren wohl offiziell. Die Ehe mit Tina Turner wurde von ihm selbst später aber bestritten.

  • Bonnie Turner (1953; Pianistin und Leadsängerin)
  • Annie Mae Wilson (1954; Pianistin und Leadsängerin)
  • Lorraine Taylor
  • Anna Mae Bullock (1962–1978; Tina Turner)
  • Ann Thomas (1981; ehem. Ikette)
  • Jeanette Bazzell Turner (1995-2001; Ikette und Leadsängerin)
  • Audrey Madison Turner (seit 2006; Ikette und Leadsängerin)

Kinder:

  • Ike jr. (* 1958; Mutter: Lorraine Taylor)
  • Michael (* 1959; Mutter: Lorraine Taylor)
  • Ronald Renelle (* 1960; Mutter: Tina Turner)
  • Mia (* 1969; Mutter: Ann Thomas)
  • Laut eigenen Aussagen in „Ich, Tina“ bekam er 1959/60 auch von einer Pat aus East St. Louis, an deren Nachnamen er sich nicht mehr erinnern könne, ein Baby. Ike Turner lernte seine aus einem Seitensprung mit Pat Richard hervorgegangene Tochter Twanna Turner, eine Sängerin, erst nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis kennen.[16]

Irrtümlich wird behauptet, dass Ike und Tina Turner zwei gemeinsame Kinder hätten. Tina Turners erster Sohn Raymond Craig (* 20. August 1958) stammt aus einer früheren Beziehung mit dem Musiker Raymond Hill. Ike und Tina haben die vier Söhne aber gemeinsam aufgezogen.[17]

Diskografie[Bearbeiten]

[18]

  • Rocket 88 (1951)
  • Ike Turner & the Kings of Rhythm (1963)
  • Ike Turner Rocks the Blues (1963)
  • River Deep - Mountain High (1966)
  • A Black Man’s Soul (1969)
  • Get It Get It (1969)
  • Workin’ Together (1971)
  • Bad Dreams (1971)
  • Blues Roots (1972)
  • I'm Tore Up (1978)
  • Hey Hey (1984)
  • My Blues Country (1996)
  • Without Love ... I Have Nothing (1997)
  • Joe Louis Walker: Great Guitars (1997), Gastauftritt
  • Here and Now (2001)
  • A Black Man's Soul (2003)
  • Gorillaz: Demon Days (2005), Gastauftritt
  • Risin' with the Blues (2006)

Ikettes[Bearbeiten]

Nach seinem Vornamen Ike leitete sich die Bezeichnung der Ikettes ab, die als Backgroundsängerinnen- und tänzerinnen bei der Bühnenshow der „Ike and Tina Revue“ mitwirkten, aber auch Soloprojekte hatten und andere Künstler begleiteten.

Autobiografie[Bearbeiten]

  • Ike Turner und Nigel Cawthorne: Takin' Back My Name. The Confessions of Ike Turner. Newstar Press, 1997, gebunden, ISBN 978-0787110444; neu aufgelegt bei Virgin Books, 1999, gebunden, ISBN 978-1852278502

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ike Turner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie bei Allmusic.com. Abgerufen: 7. Juli 2009.
  2. The Roseanne Show, Interview, 1999 In: YouTube.com. Abgerufen am: 6. August 2014.
  3. Ike Turner finally gets his act together, 1997 In: Wikispaces.com. Abgerufen am: 6. August 2014.
  4. laut.de-Biographie In: laut.de. Abgerufen am: 6. August 2014.
  5. Bob Gulla: Icons of R & B and Soul. ABC-CLIO, 2007, S. 169.
  6. Ike Turner Biography In: biography.com. Abgerufen am: 6. August 2014.
  7. Interview der Grammy Foundation In: openvault.wgbh.org. Abgerufen am: 6. August 2014.
  8. Ike Turner Then And Now, Interview, 2006 In: GuitarPlayer.com. Abgerufen am: 6. August 2014.
  9. Singer Ike Turner freed after 17 months in jail In: Ocala Star-Banner vom 4. September 1991. Abgerufen am: 6. August 2014.
  10. Rock and Roll Hall of Fame Ike and Tina Turner in der Rock and Roll Hall of Fame.
  11. Palle Paulsson: Interview, 1998 Joe Louis is a great artist. He kind of helped me somewhat getting back to the blues. In: jeffersonbluesmag.com. Abgerufen am: 07. August 2014.
  12. Jon Pareles: „Ike Turner, Musician and Songwriter in Duo With Tina Turner, Dies at 76“, New York Times, 13. Dezember 2007
  13. Jacek Slaski: „Nicht nur Macho, Ike Turner war Musiker, Produzent und Songschreiber. Legendär wurde er als umtriebiger Mentor und fieser Ehemann seiner Frau Tina − jetzt ist er mit 76 Jahren gestorben.“ Berliner Zeitung, 14. Dezember 2007
  14. „Rockmusiker Ike Turner: Todesursache Kokain“, Süddeutsche Zeitung, 17. Januar 2008
  15. „Rock-Pionier Ike Turner beigesetzt“, ORF News
  16. Ebony Magazine. Oktober 2008. The Last Days of IKE TURNER. Seite 98.
  17. Tina Turner und Kurt Loder: Ich, Tina - Mein Leben, Goldmann Verlag, 1986.
  18. Diskografie. In: WangDangDula.com. Abgerufen am: 6. August 2014.