Direkte und indirekte Steuer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Konzept aus dem amerikanischen Verfassungsrecht siehe Direkte Steuer (Vereinigte Staaten).
Zusammenhang zwischen Einkommen und direkten oder indirekten Steuern

Direkte Steuern[Bearbeiten]

Direkte Steuern gibt es mit Ausnahme des Zehnten erst seit rund zweihundert Jahren und setzen eine hochentwickelte, arbeitsteilige Wirtschaft voraus.[1]

Bei direkten Steuern sind Steuerschuldner (der gesetzlich Verpflichtete) und Steuerträger (der wirtschaftlich Belastete) identisch, d. h. eine Übertragung der Steuer auf Dritte ist nicht direkt möglich, kann aber durch Überwälzung weitergegeben werden. Die direkten Steuern werden unmittelbar bei dem Steuerschuldner festgesetzt und erhoben. Zu den direkten Steuern zählen Steuern auf das Einkommen und das Vermögen (z. B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Abgeltungsteuer) sowie Steuern im Zusammenhang mit dem privaten Verbrauch (z. B. Jagdsteuer).

Indirekte Steuern[Bearbeiten]

Bei den indirekten Steuern sind die Person, die die Steuer schuldet (Steuerschuldner), und die Person, die die Steuer wirtschaftlich trägt (Steuerträger), nicht identisch; die Steuer wird vom Steuerschuldner auf andere Personen abgewälzt. Die Steuer wird aber nicht vom Steuerträger an die Finanzbehörden abgeführt, sondern vom Steuerschuldner. Zu den indirekten Steuern zählen die Umsatzsteuer sowie die Verbrauchsteuern (Energiesteuer, Tabaksteuer, Stromsteuer, Biersteuer, Kaffeesteuer, Alkopopsteuer, Branntweinsteuer, Schaumweinsteuer und Zwischenerzeugnissteuer und die Rennwett- und Lotteriesteuer).

Beispiel: Bei der Stromsteuer wird die Stromentnahme aus dem Netz besteuert. Die Steuer belastet also den Endverbraucher. Erhoben wird die Steuer jedoch beim Stromversorgungsunternehmen, welches die Steuer über den Preis auf die Kunden abwälzt.

Kritik[Bearbeiten]

Diese Unterscheidung ist teils umstritten, da letztlich alle Steuern in die Kosten-/Preiskalkulation eingehen. Es wird manchmal die Meinung vertreten, dass durch die Kosten-/Preiskalkulation in der Regel beide Seiten die Steuer mittragen, auch wenn nur eine Partei die Steuer zahlen muss und es die Intention des Staates war, nur eine Seite der Transaktion zu belasten. So sei es nach dieser Ansicht zum Beispiel unerheblich, ob die Beiträge zur Sozialversicherung je zur Hälfte auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt werden oder nicht, der Nettolohn verändert sich dadurch nicht.

Anmerkung zur Kritik

Die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Steuer setzt an der Erhebungsform an. Mit Erhebungsform ist gemeint, ob ein direkter oder indirekter Zugriff auf den vom Gesetz als letztlich belasteten „Vorgesehenen“ stattfindet. Wo letztlich die Belastung entsteht, ist nicht nur von der individuellen Preiskalkulation abhängig, sondern auch von der Durchsetzbarkeit des kalkulierten Preises am Markt. d. h. letztlich von Angebot und Nachfrage. Außerdem ergibt sich durch die Unterteilung eine unterschiedliche Steuerungsmöglichkeit für Einkommen (beispielsweise bei der Steuerprogression) und Konsumausgaben (unterschiedliche Steuersätze für Lebensmittel und Luxusgüter).

Die in der Kritik dargestellte Unveränderlichkeit des Nettoeinkommens bezüglich der Aufteilung der SV-Beiträge auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist nur bei einer statischen Betrachtung von Gesamtbrutto und SV-Beiträgen zutreffend. Erhöht sich langfristig der Beitragssatz in der gesetzlichen Sozialversicherung, zum Beispiel weil die Lohnquote (Anteil der Löhne am Volkseinkommen) sinkt, so bewirkt die hälftige Aufteilung der SV-Beiträge, dass das Gesamtbrutto um die Hälfte der Differenz des SV-Beitragssatzes erhöht wird. Ohne die Aufteilung der SV-Beiträge auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer würde das Nettoeinkommen doppelt so stark sinken.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Pribnow: Die Rechtfertigung obrigkeitlicher Steuer- und kirchlicher Zehnterhebung bei Huldrich Zwingli. (= Zürcher Studien zur Rechtsgeschichte. Band 34). (Zugl.: Zürich, Univ., Diss., s.a.) Schulthess Polygraphischer Verlag, Zürich 1996, ISBN 3-7255-3501-9, S. 34-35.
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