Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Geilweilerhof während der Mandelblüte

Das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof ist eines von 15 Instituten des Julius Kühn-Instituts (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Es hat seinen Standort im Hofgut Geilweilerhof, welches zu Siebeldingen bei Landau in der Pfalz gehört.

Hauptaufgabe des Instituts ist die Züchtung neuer, an das deutsche Klima angepasster Rebsorten mit Resistenzen gegen Schädlinge und andere Stressfaktoren bei gleichzeitig hoher Weinqualität. Aus diesen Zuchtarbeiten stammen die pilzresistenten Neuzüchtungen Calandro, Felicia, Orion, Phoenix, Reberger, Regent, Sirius, Staufer und Villaris.[1] Die Sorte Regent ist mit 2065 ha Anbaufläche in Deutschland (Stand 2011) die bislang erfolgreichste pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung.[2] Traditionelle Züchtungen ohne Mehltauresistenzen sind die weißen Rebsorten Morio-Muskat, Bacchus und Optima, sowie die rote Sorte Domina.

Die Entwicklung neuer Rebsorten erfolgt über klassische Kreuzungszüchtung unter Verwendung molekularer Marker (Präzisionszucht). Diese erlaubt eine gezielte Wahl der Kreuzungseltern, eine frühzeitige Selektion im Zuchtmaterial und die Kombination mehrerer Resistenzen. Dadurch lässt sich der langwierige Zuchtprozess deutlich beschleunigen. Dies wird durch genetische Kartierungsarbeiten und die Entwicklung neuer, merkmalskorrelierender Marker mit den Schwerpunkten auf Resistenzen und Weinqualität ermöglicht. Marker für verschiedene Resistenzen gegen die Hauptschädlinge der Rebe (Echter Mehltau, Falscher Mehltau und Reblaus) sind aus den Arbeiten des Instituts veröffentlicht und werden bereits im Zuchtprozess genutzt.[3]

Das Institut unterhält das umfangreichste deutsche Rebsortiment und verwaltet mehrere Datenbanken über Rebsorten um die genetische Vielfalt der Rebe zu erhalten und zu evaluieren. Diese Informationen werden über das Fachinformationszentrum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein frei zugänglicher Rebenlehrpfad mit informativen Schautafeln vermittelt Interessierten wissenswertes über die Rebe sowie die Aufgaben und laufenden Arbeiten des Instituts.[4]

Für den Weinausbau stehen dem Institut einen Versuchsweinkeller sowie ein Wirtschaftsweinkeller zur Verfügung. Der Versuchsweinkeller baut Weine in kleinen Volumina, teilweise bereits von Einzelstöcken aus, während der Wirtschaftsweinkeller das Lesegut aus den Hauptprüfungen verarbeitet. Dadurch wird eine qualitative Überprüfung der Weine von Neuzüchtungen in den verschiedenen Entwicklungsstufen ermöglicht. Die Erzeugnisse des Wirtschaftsweinkellers können im institutseigenen Weinverkauf erworben werden, was fachlich Interessierten und Endverbrauchern die Möglichkeit bietet neue Sorten und Zuchtstämme zu probieren.

Mit Gründung des JKI wurde die Abteilung Weinbauforschung des Institut für Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau von Bernkastel-Kues an den Geilweilerhof verlagert.

Geschichte des Geilweilerhofs[Bearbeiten]

Das Hofgut Geilweilerhof war ehemaliger Besitz des Klosters Eußerthal und steht heute unter Denkmalschutz. Der Geilweilerhof wurde 1184 erstmals urkundlich erwähnt. Während des Pfälzischen Bauernkriegs wurde das Klostergut niedergebrannt und kam in kurpfälzischen Besitz. Als nach der Französischen Revolution die Pfalz unter französische Verwaltung stand wurde der Geilweilerhof Nationalgut, bis er durch Versteigerung in Privatbesitz gelangte. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb August Ludowici, Ziegelfabrikant 1895 den Geilweilerhof und baute ihn zu einem Musterbetrieb aus, wobei auch der markante Turm entstand. Da seine drei Söhne im Krieg gefallen waren, vermachte August Ludowici den Geilweilerhof 1925 der Kreisregierung der Pfalz mit der Auflage dort eine Rebenzucht- und Versuchsstation einzurichten.

Geschichte des Instituts für Rebenzüchtung[Bearbeiten]

Das Institut ging aus zwei, im Jahre 1926 unabhängig voneinander gegründeten Forschungseinrichtungen hervor. Zum einen aus der Außenstelle Rebenzüchtung der Bayrischen Landesanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau auf dem Geilweilerhof durch Landwirtschaftsrat Peter Morio, zum anderen aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg unter der Leitung von Erwin Bauer. Peter Morio begann 1926 damit, seine aus Kreuzungen gewonnenen Sämlinge am Geilweilerhof zu pflanzen. Aus seinen Arbeiten gingen die intraspezifischen Neuzüchtungen Bacchus, Domina, Morio-Muskat und Optima hervor. Den überwiegenden Teil seiner Sämlinge bildeten aber interspezifische Kreuzungen für die Resistenzzüchtung. Diese Arbeiten musste er jedoch 1937 mit der Gründung der „Reichsrebenzüchtung“ einstellen, bei der die Resistenzzüchtung auf die Standorte Müncheberg, Freiburg im Breisgau und Geisenheim konzentriert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Bernhard Husfeld das „Forschungsinstitut für Rebenzüchtung“ und überführte die wichtigsten Zuchtstämme aus Müncheberg nach Siebeldingen. Erste Müncheberger Zuchterfolge waren die Sorten Siegfried-Rebe und Aris. Auch wenn diese Sorten noch gewisse weinbauliche Unzulänglichkeiten zeigten, darunter geringer Ertrag und Virusanfälligkeit, waren sie ein züchterischer und wissenschaftlicher Erfolg, da sie bewiesen, dass Resistenz und Qualität kombinierbar sind.

1970 übernahm Gerhardt Alleweldt die Leitung des Instituts. Er verstärkte die Forschungstätigkeiten insbesondere auf die Resistenz gegen Pilzkrankheiten. Die ersten Rebsorten aus seinen Arbeiten waren Castor und Pollux, die 1977 Sortenschutz erhielten, jedoch in manchen Jahren einen unerwünschten Erdbeergeschmack (Furaneol) aufwiesen. Erst in der nächsten Züchtungsgeneration gelang es weinbaulich geeignete Rebsorten mit hoher Mehltauresistenz und guten Qualitätseigenschaften zuzulassen. Dabei handelte es sich um die weißen Sorten Phoenix, Orion, Sirius und Staufer, sowie die Rotweinsorte Regent. Bei Regent handelt es sich um die in Deutschland bislang erfolgreichste pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung die auch vom Rotweinboom der 80er Jahre profitiert hat.

Seit 1995 steht das Institut unter der Leitung von Reinhard Töpfer. Gemeinsam mit dem Züchter Rudolf Eibach wurden die Sorten Felicia, Villaris, Reberger und Calandro entwickelt. Seit 1972 erfährt das Institut eine unterstützende Förderung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten durch die Gemeinschaft der Förderer und Freunde des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof e.V.[5]

Fachinformationszentrum[Bearbeiten]

Das Institut unterhält mehrere Datenbanken in denen es Fachinformationen für den weinbaulichen Bereich bereitstellt. Der Vitis International Variety Catalogue (VIVC) ist eine umfangreiche Rebsorten-Datenbank.Dort lassen sich Informationen zu etwa 21.000 Vitis-Arten, Rebsorten und Zuchtstämmen abrufen. Die Deutsche Genbank Reben[6] dient der langfristigen und effizienten Sicherung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland um deren Verfügbarkeit gewährleisten zu können. Deren europäisches Pendant ist die Europäische Vitis-Datenbank[7] (The European Vitis Database), welche ebenfalls durch das Institut unterhalten wird. Die internationale Literaturdatenbank Vitis-VEA[8] ist ein bibliographisches Verzeichnis für das Gebiet des Weinbaus. In ihr sind ein Großteil der umfangreichen Bestände der weinbaulichen Spezialbibliothek des Instituts aufgeführt. In ihr sind auch die älteren Volltexte der hauseigenen, englischsprachigen Fachzeitschrift Journal of Grapevine Research[9] verfügbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff: Taschenbuch der Rebsorten. Fachverlag Fraund, Mainz 13. Auflage 2003 ISBN 3-921156-53-X
  • H. Hess, G. Alleweldt: Der Geilweilerhof und das Institut für Rebenzuechtung. Gemeinschaft der Freunde und Förderer des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof e.V. 1993 online (PDF; 1,9 MB)
  • R. Töpfer, E. Maul und R. Eibach: Geschichte und Entwicklung der Rebenzüchtung auf dem Geilweilerhof Schriften zur Weingeschichte Nr. 172, Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V 2011 online (PDF; 1,8 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neue Rebsorten des Instituts
  2. Deutscher Wein Statistik 2012/2013 des Deutschen Weininstituts (PDF; 1,0 MB)
  3. Traits and alleles relevant for breeding and genetics (PDF; 51 kB)
  4. Informationsblatt Rebenlehrpfad (PDF; 98 kB)
  5. Gemeinschaft der Förderer und Freunde des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof e.V.
  6. Deutsche Genbank Reben
  7. Europäische Vitis-Datenbank
  8. Vitis-VEA
  9. VITIS – Journal of Grapevine Research

49.2180048.04594Koordinaten: 49° 13′ 5″ N, 8° 2′ 45″ O