Institut zur Zukunft der Arbeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des IZA
Sitz des Instituts zur Zukunft der Arbeit in der ehemaligen Bremer Landesvertretung in Bonn (2008)

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ist ein von der Deutsche Post AG gegründetes privates Wirtschaftsforschungsinstitut in der Rechtsform gemeinnützige GmbH (gGmbH). Es hat seinen Sitz in der ehemaligen Landesvertretung Bremens in Bonn.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Das IZA wird von der Deutsche Post-Stiftung mit umfangreichem Wissenschaftssponsoring gefördert. Darüber hinaus wird Auftragsforschung für namhafte Institutionen wie die Europäische Kommission, das EU-Parlament, die Weltbank sowie die INSM und die Bertelsmann-Stiftung betrieben. Zudem kooperiert das IZA mit zahlreichen internationalen Organisationen, Institutionen und Netzwerken, darunter OECD, Rand Europe, Society of Labor Economists (SOLE), CEPR und die Slowenische Zentralbank.[1] Für das britische Entwicklungshilfeministerium (DFID) koordiniert das IZA ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in Entwicklungsländern.[2] Das Institut ist an den wissenschaftlichen Lehrbetrieb der Universität Bonn angebunden und in die Doktorandenausbildung der Bonn Graduate School of Economics integriert. Laut RePEc-Ranking zählt das IZA zu den zehn forschungsstärksten wirtschaftswissenschaftlichen Institutionen in Europa,[3] und zu den top drei wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabriken auf der ganzen Welt[4].

Zusätzlich bietet das IZA Politikberatung in allen Bereichen der Arbeitsmarktökonomie an. 2010 beriet das IZA u. a. die Bundesregierung bei der Reform der Hinzuverdienstregeln. Ebenso berät es Projekte auf europäischer und internationaler Ebene.

Präsident des Instituts ist Klaus Zumwinkel, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post World Net. Direktor ist seit Gründung im April 1998 Klaus F. Zimmermann, der bis Februar 2011 zugleich auch Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin war.

Das IZA ist mit 1300 Wissenschaftlern weltweit das größte Forschungsnetzwerk der Ökonomie.[5] Zu seinen internationalen Research Fellows zählen u.a. die Nobelpreisträger George Akerlof, James Heckman, Dale Mortensen und Christopher Pissarides. Darüber hinaus verfügt das Institut über ein Netzwerk von Policy Fellows, führenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Policy Fellows aus Deutschland sind bzw. waren u.a. Entwicklungsminister Dirk Niebel, Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer, Klaus Rürup, Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky [6] sowie Gewerkschaftsvertreter wie Hubertus Schmoldt (IG BCE) und Ruprecht Hammerschmidt (IG BAU).

Wie die American Economic Association und der Verein für Socialpolitik hat sich das IZA ethische Regeln wissenschaftlichen Arbeitens auferlegt.[7]

Ziele[Bearbeiten]

Das Institut zur Zukunft der Arbeit versteht sich als Wirtschaftsforschungsinstitut für internationale Arbeitsmarkt-Grundlagenforschung und Politikberatung sowie als weltweit vernetzter Think Tank für ökonomische Analysen nationaler wie internationaler Entwicklungen im Bereich Arbeit und Beschäftigung.

Das Forschungsprogramm des IZA erstreckt sich über sieben Bereiche:

  • Evaluation arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen
  • Verhaltens- und Personalökonomie
  • Migration, Integration, demografischer Wandel
  • Arbeitsmärkte und Institutionen
  • Arbeitsmärkte in Transformations- und Schwellenländern
  • Zukunft von Arbeit und Beschäftigung
  • Internationale Beschäftigung und Entwicklung
  • Umwelt und Beschäftigung

Das Institut zur Zukunft der Arbeit verfolgt damit drei zentrale Aufgaben:

  • International wettbewerbsfähige Forschungstätigkeit auf allen Gebieten der Arbeitsökonomie
  • Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktikable Konzepte
  • Vermittlung von Forschungsergebnissen und Konzepten an die Öffentlichkeit.

IZA Prize in Labor Economics[Bearbeiten]

Positionen des IZA[Bearbeiten]

Im März 2010 hat das IZA ein umfangreiches Positionspapier „Agenda 2020 – Strategien für eine Politik der Vollbeschäftigung“ vorgelegt. Im November 2010 wurde die „Agenda Zuwanderung: Ein Zehn-Punkte-Aktionsplan für gesteuerte Arbeitsmigration und bessere Integration“ veröffentlicht.[8] Am 8. Januar 2011 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein umfangreiches Positionspapier von IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann zur Zukunft der Arbeit.[9] DIE ZEIT vom 9. Januar 2014 veröffentlichte einen Beitrag von Klaus F. Zimmermann zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der Großen Koalition. Darin spricht er sich u.a. für eine größere Mobilität auf den europäischen Arbeitsmärkten aus. [10] Laut Studien und Stellungnahmen des IZA hat die EU-Osterweiterung in Deutschland weder zu "Lohndumping" noch "Sozialtourismus" geführt.[11][12][13][14] [15] Allerdings fordert das IZA eine bessere europaweite Integration der Roma.[16] Auf Initiative des IZA haben führende Europäische Arbeitsökonomen ein Manifest zum Ausbau der Freizügigkeit von Arbeitnehmer innerhalb der Europäischen Union unterzeichnet, welches in mehr als 10 europäischen Ländern abgedruckt wurde.[17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25].

Zu den – teils kontrovers diskutierten – Reformvorschlägen des IZA für den deutschen Arbeitsmarkt zählen das Workfare-Konzept[26] als Alternative zum Kombilohn-Modell, die Ablehnung der flächendeckenden Einführung von Mindestlöhnen, flexiblere (längere) Arbeitszeiten, die Lockerung des Kündigungsschutzes, die Anhebung des Renteneintrittsalters, die Unterstützung des DGB-Aufrufs zur Abschaffung der Minijobs [27] sowie die Unterstützung von Modellversuchen für anonymisierte Bewerbungen gegen Diskriminierung in der Arbeitswelt,[28][29] die von Arbeitgeberverbänden abgelehnt werden.[30][31] Laut Medienberichten von 2006 präsentierte der damalige IZA-Direktor für Arbeitsmarktpolitik Hilmar Schneider auf einer Tagung den Vorschlag einer „Arbeitslosen-Auktion“, bei der Unternehmen Arbeitskraft ersteigern können. Schneider verteidigte dies später in einem Interview als „Detail eines Vortrags“.[32] Das IZA veröffentlichte am 24. November 2010 eine Pressemitteilung laut der das IZA „seit langem“ für die Einführung einer Absolventensteuer als Alternative zu Studiengebühren plädiert.[33]

Kritik[Bearbeiten]

In der Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik kritisierte Werner Rügemer „eine neue Form des Lobbyismus“, bei der die Lobbyisten „längst im Staat“ sitzen und vielfach von diesem finanziert würden und benannte hierzu auch das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) als Beispiel „für diese Form des unsichtbaren Lobbyings unter staatlichem Siegel“.[34] Auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Vertretern des Bundesverband der Deutschen Industrie und der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stellte Rügemer die Unabhängigkeit und Neutralität des Instituts infrage. Der Artikel wurde später auch von der Internet-Zeitung NRhZ-Online veröffentlicht. IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann verklagte daraufhin Werner Rügemer, die Monatszeitschrift und die Internet-Zeitung. Die Publikationen beugten sich dem juristischen Druck, auch aufgrund der möglichen Kosten in Höhe von 250.000 Euro und entfernten nach einer Einstweiligen Verfügung vorläufig die entsprechenden Stellen. Der Politiker Sven Giegold bezeichnete das Vorgehen von Zimmermann und der IZA als Einschüchterungsversuch gegen kritische Journalisten, machte sich die Kritik von Werner Rügemer zu eigen und forderte Zimmermann öffentlich auf, ihn ebenso für seine Kritik zu verklagen. Allerdings attestiert Giegold dem IZA auch "viele international hoch anerkannte Forscher" und wendet ein, man müsse vielleicht "nicht im globalen Rundumschlag jedes von Unternehmen finanzierte Engagement in der Zivilgesellschaft verteufeln." [35] Während die Monatszeitschrift eine Unterlassungserklärung unterzeichnete, verweigerten dies die Internet-Zeitung und auch Autor Rügemer, der weiterhin zu seinen Aussagen steht.[36]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.iza.org/en/webcontent/research/partners
  2. DFID-Projektseite
  3. http://blog.inomics.com/en/top-research-institutions-in-europe/
  4. http://www.thinktankwatch.com/2014/07/top-economic-think-tanks-rated.html
  5. Experte warnt vor Mindestlohn in DER SPIEGEL vom 28. Oktober 2013
  6. Die unterwanderte Demokratie: Der Marsch der Lobbyisten durch die Institutionen in Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 8/2013, S. 75 (Nach Forderungen des IZA an den Verlag wurden kleine Teile des Artikels gestrichen ohne die Streichungen zu kennzeichnen.)
  7. http://www.wiwo.de/politik/verein-fuer-socialpolitik-volkswirte-geben-sich-ethik-kodex/7108478.html
  8. http://ideas.repec.org/p/iza/izasps/sp32.html IZA Standpunkte Nr. 32
  9. Die Zukunft der Arbeit: Arbeitnehmer, wappnet Euch in Süddeutsche Zeitung vom 9. Januar 2011
  10. [1] in DIE ZEIT, 9. Januar 2014 „Politik muss visionär sein – die große Koalition ignoriert die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt“
  11. http://www.wiwo.de/politik/ausland/studie-eu-osterweiterung-hat-nicht-zu-lohndumping-gefuehrt/9809994.html
  12. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/zuwanderung-arbeitsmarktexperte-warnt-vor-stammtischparolen/9268046-2.html
  13. http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-04/eu-osterweiterung-arbeitsmarkt
  14. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/iza-eu-osterweiterung-hat-nicht-zu-lohndumping-gefuehrt-12911349.html
  15. http://www.taz.de/!130016/
  16. http://www.zeit.de/news/2014-04/29/deutschland-studie-arbeitsbedingungen-fuer-roma-in-osteuropa-oft-schlecht-29150603
  17. http://www.lefigaro.fr/vox/economie/2014/06/30/31007-20140630ARTFIG00255-pour-des-travailleurs-europeens-sans-frontieres.php
  18. http://www.enet.gr/?i=issue.el.home&date=26/06/2014&id=437193
  19. http://openiazoch.zoznam.sk/cl/144987/Merkelova-EU-nie-je-socialna-unia
  20. http://www.lavanguardia.com/20140608/54409711717/trabajar-sin-fronteras-un-manifiesto-para-el-futuro-de-europa.html
  21. http://news.lv/Dienas_Bizness/2014/06/05/manifests-stradasanai-bez-robezam
  22. http://pulsbiznesu.pb.pl/3782352,66833,praca-bez-granic-manifest-dla-europy
  23. http://www.hotnews.ro/stiri-opinii-17335025-economisti-prestigiu-lanseaza-manifest-prin-care-atrag-atentia-restrictionarea-dreptul-libera-circulatie-fortei-munca-actioneaza-impotriva-intereselor-europenilor.htm
  24. http://www.lavoce.info/libera-circolazione-lavoratori-ue/
  25. http://www.worldcommercereview.com/feeds/show/WCRVol8Issue2
  26. IZA Research Report No. 18: Umsetzung des Workfare-Ansatzes im BMWi-Modell für eine existenzsichernde Beschäftigung – Abschlussbericht bmwi.de, abgerufen am 22. Juli 2008
  27. http://www.vbm-online.de/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=680
  28. http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Abschlussbericht-anonymisierte-bewerbungsverfahren-20120417.pdf?__blob=publicationFile
  29. http://www.zeit.de/karriere/bewerbung/2010-08/anonyme-bewerbungen
  30. http://www.sueddeutsche.de/karriere/anonyme-bewerbung-in-der-testphase-nur-augen-fuer-die-qualifikation-1.991974
  31. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/buero-special/jobsuche-bda-und-dihk-halten-anonymisierung-fuer-zweifelhaft/6523624-2.html
  32. "Das ist Ökonomie pur" in Die Tageszeitung vom 11. März 2006
  33. iza.org: Pressemitteilung des IZA (deutsch, abgerufen am 13. September 2013; PDF; 50 kB)
  34. Die unterwanderte Demokratie: Der Marsch der Lobbyisten durch die Institutionen in Blätter für deutsche und internationale Politik, Ausgabe 8/2013, S. 67-76 (die betreffenden Stellen der gedruckten Ausgabe wurden in der Online-Version entfernt)
  35. Herr Dr. Zumwinkel – schreiten Sie ein! Prof. Zimmermann – verklagen Sie mich!, offizielle Internetpräsenz von Sven Giegold vom 8. Mai 2014
  36. Institut zur Zukunft der Arbeit klagt: Unabhängigkeit vor Gericht in Die Tageszeitung vom 8. Mai 2014

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Selbstbeschreibung, Publikationen:

Kontroverse Themen in der Presse:

50.73017.1093583333333Koordinaten: 50° 43′ 48″ N, 7° 6′ 34″ O