Institut zur Zukunft der Arbeit

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Logo des IZA
Sitz des Instituts zur Zukunft der Arbeit in der ehemaligen Bremer Landesvertretung in Bonn (2008)

Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ist ein von der Deutsche Post AG gegründetes privates Wirtschaftsforschungsinstitut in der Rechtsform gemeinnützige GmbH (gGmbH). Es hat seinen Sitz in der ehemaligen Landesvertretung Bremens in Bonn.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Das IZA wird von der Deutsche Post-Stiftung mit umfangreichem Wissenschaftssponsoring gefördert. Darüber hinaus wird Auftragsforschung für namhafte Institutionen wie die Europäische Kommission, das EU-Parlament, die Weltbank sowie die INSM und die Bertelsmann-Stiftung betrieben. Für das britische Entwicklungshilfeministerium (DFID) koordiniert das IZA ein umfangreiches Forschungsprogramm zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in Entwicklungsländern.[1] Das Institut ist an den wissenschaftlichen Lehrbetrieb der Universität Bonn angebunden und in die Doktorandenausbildung der Bonn Graduate School of Economics integriert.

Zusätzlich bietet das IZA Politikberatung in allen Bereichen der Arbeitsmarktökonomie an. 2010 beriet das IZA u. a. die Bundesregierung bei der Reform der Hinzuverdienstregeln. Ebenso berät es Projekte auf europäischer und internationaler Ebene.

Präsident des Instituts ist Klaus Zumwinkel, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post World Net. Direktor ist seit Gründung im April 1998 Klaus F. Zimmermann, der bis Februar 2011 zugleich auch Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin war. Direktor Forschung ist Corrado Giulietti, Direktor Administration Martin T. Clemens.

Das IZA arbeitet weltweit mit über 1200 Wissenschaftlern als Research Fellows und Affiliates zusammen, darunter die Nobelpreisträger George Akerlof, James Heckman, Dale Mortensen und Christopher Pissarides. Darüber hinaus verfügt das Institut über ein Netzwerk von Policy Fellows, führenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Policy Fellows aus Deutschland sind bzw. waren u.a. Entwicklungsminister Dirk Niebel, Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer, Professor Klaus Rürup, Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky [2] sowie Gewerkschaftsvertreter wie Hubertus Schmoldt (IG BCE) und Ruprecht Hammerschmidt (IG BAU).

Ziele[Bearbeiten]

Das Institut zur Zukunft der Arbeit versteht sich als Wirtschaftsforschungsinstitut für internationale Arbeitsmarkt-Grundlagenforschung und Politikberatung sowie als weltweit vernetzter Think Tank für ökonomische Analysen nationaler wie internationaler Entwicklungen im Bereich Arbeit und Beschäftigung.

Das Forschungsprogramm des IZA erstreckt sich über sieben Bereiche:

  • Evaluation arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen
  • Verhaltens- und Personalökonomie
  • Migration, Integration, demografischer Wandel
  • Arbeitsmärkte und Institutionen
  • Arbeitsmärkte in Transformations- und Schwellenländern
  • Zukunft von Arbeit und Beschäftigung
  • Internationale Beschäftigung und Entwicklung
  • Umwelt und Beschäftigung

Das Institut zur Zukunft der Arbeit verfolgt damit drei zentrale Aufgaben:

  • International wettbewerbsfähige Forschungstätigkeit auf allen Gebieten der Arbeitsökonomie
  • Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktikable Konzepte
  • Vermittlung von Forschungsergebnissen und Konzepten an die Öffentlichkeit.

IZA Prize in Labor Economics[Bearbeiten]

Positionen des IZA[Bearbeiten]

Im März 2010 hat das IZA ein umfangreiches Positionspapier „Agenda 2020 – Strategien für eine Politik der Vollbeschäftigung“ vorgelegt. Im November 2010 wurde die „Agenda Zuwanderung: Ein Zehn-Punkte-Aktionsplan für gesteuerte Arbeitsmigration und bessere Integration“ veröffentlicht.[3] Am 8. Januar 2011 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein umfangreiches Positionspapier von IZA-Direktor Professor Klaus F. Zimmermann zur Zukunft der Arbeit.[4]

Zu den – teils kontrovers diskutierten – Reformvorschlägen des IZA für den deutschen Arbeitsmarkt zählen das Workfare-Konzept[5] als Alternative zum Kombilohn-Modell, die Ablehnung der flächendeckenden Einführung von Mindestlöhnen, flexiblere (längere) Arbeitszeiten, die Lockerung des Kündigungsschutzes sowie die Anhebung des Renteneintrittsalters. Laut einer Meldung des Magazins Focus[6] von 2006 präsentierte der damalige IZA-Direktor für Arbeitsmarktpolitik Hilmar Schneider auf einer Tagung den Vorschlag einer „Arbeitslosen-Auktion“, bei der Unternehmen Arbeitskraft ersteigern können.

Das IZA veröffentlichte am 24. November 2010 eine Pressemitteilung laut der das IZA „seit langem“ für die Einführung einer Absolventensteuer als Alternative zu Studiengebühren plädiert.[7]

Quellen[Bearbeiten]

  1. DFID-Projektseite
  2. Werner Rügemer, Die unterwanderte Demokratie, Blätter für deutsche und internationale Politik, 8/2013, S. 75 (Nach Forderungen des IZA an den Verlag wurden kleine Teile des Artikles gestrichen ohne die Streichungen zu kennzeichnen.)
  3. http://ideas.repec.org/p/iza/izasps/sp32.html IZA Standpunkte Nr. 32
  4. http://www.sueddeutsche.de/karriere/die-zukunft-der-arbeit-arbeitnehmer-wappnet-euch-1.1043554 Süddeutsche Zeitung: Die Zukunft der Arbeit. Arbeitnehmer wappnet euch. Zehn Thesen
  5. IZA Research Report No. 18: Umsetzung des Workfare-Ansatzes im BMWi-Modell für eine existenzsichernde Beschäftigung – Abschlussbericht bmwi.de, abgerufen am 22. Juli 2008
  6. Focus: Arbeitslose zu versteigern
  7. iza.org: Pressemitteilung des IZA (deutsch, abgerufen am 13. September 2013; PDF; 50 kB)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Selbstbeschreibung, Publikationen:

Kontroverse Themen in der Presse:

50.73017.1093583333333Koordinaten: 50° 43′ 48″ N, 7° 6′ 34″ O