Ivica Dačić
Ivica Dačić (serbisch-kyrillisch Ивица Дачић; * 1. Januar 1966, in Prizren, SFRJ) ist ein serbischer Politiker. Seit 2006 ist er Parteivorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens und war seit 2008 serbischer Innenminister. Ende Juli 2012 wurde er zum serbischen Ministerpräsidenten gewählt.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Leben [Bearbeiten]
Ausbildung, SPS-Pressesprecher und Präsidentschaftskandidat [Bearbeiten]
Dačić besuchte das Gymnasium in Niš und die Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Belgrad. Er war 1990 der erste Vorsitzende der jungen Sozialisten in Belgrad und Pressesprecher der Sozialistischen Partei zwischen 1992 und 2000, die von Slobodan Milošević gegründet worden war. In dieser Position verteidigte Dačić die Taten der serbischen Seite im Kroatienkrieg (1991–1995) und im Bosnienkrieg (1992–1995), einschließlich der von Serbien kontrollierten Jugoslawischen Volksarmee.[2] In seinem Auftreten stark Milošević ähnelnd, wurde ihm Anfang der 1990er Jahre der Spitzname „kleiner Sloba“ zuteil.[3]
Zwischen 2000 und 2003 war er Vorsitzender des Belgrader Stadtverbandes des Sozialisten. 2004 war Dačić Präsidentschaftskandidat. Er war zeitweise Abgeordneter des serbischen Parlaments sowie des Parlaments der Bundesrepublik Jugoslawien.
Dačić war Vorsitzender des Basketballvereins KK Partizan Belgrad und stellvertretender Vorsitzender des Olympischen Komitees Serbiens.
Regierungsmitglied [Bearbeiten]
Von Oktober 2000 bis Januar 2001 war er serbischer Informationsminister in der Übergangsregierung bis zur ersten demokratischen Parlamentswahl Ende Dezember. Nach dem Tod von Slobodan Milošević wurde Dačić im Dezember 2006 dessen Nachfolger als Parteivorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS). Seit Juli 2008 ist er amtierender Vizepremier und Innenminister Serbiens.
Für Aufsehen sorgte seine Äußerung vom Mai 2011, eine Teilung des Kosovo sei auf Dauer die einzig sinnvolle Friedenslösung. SNS-Chef Tomislav Nikolić deutete Unterstützung an. Ivica Dačić betonte aber, dies sei seine rein private Meinung, auch die serbische Regierung distanzierte sich offiziell von seiner Äußerung.[4][5]
Nach den Parlamentswahlen in Serbien 2012, bei denen Dačićs SPS ihren Stimmenanteil auf 14,54 % fast verdoppeln konnte, einigte Dačić sich mit dem zum Präsidenten gewählten Vorsitzenden der SNS (Serbische Fortschrittspartei) Tomislav Nikolić und einigen kleineren Parteien im Juli 2012 auf eine neue Koalitionsregierung, bei der Dačić den Posten des Premierministers übernehmen sollte.[6] Der bisherige Bündnispartner, die Demokratska Stranka (Demokratische Partei) des als pro-westlich geltenden ehemaligen Präsidenten Boris Tadić, wurde damit auf die Oppositionsrolle verwiesen. Am 27. Juli 2012 wurde Dačić nach einer circa zwölfstündigen, teilweise tumultartigen Debatte zum neuen Ministerpräsidenten Serbiens gewählt.[1]
Er soll Kontakte zur Drogenmafia unterhalten.[7]
Kritik [Bearbeiten]
Als Sprecher des Milosevic-Regimes machte Dačić mehrmals Deutschland für den Krieg auf dem Balkan verantwortlich und bezeichnete die Deutschen als „völkermordendes Volk“. Heute bestreitet er, diese in serbischen Medien veröffentlichten und seinerzeit von ihm nicht angefochtenen Sätze gesagt zu haben. [8]
Familie [Bearbeiten]
Ivica Dačić ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Neben seiner Muttersprache spricht er Englisch und Russisch.[2]
Weblinks [Bearbeiten]
- biographische Angaben auf der Homepage des serbischen Innenministers (englisch)
- biographische Angaben auf der Homepage der Sozialistischen Partei (serbisch)
- faz.net (April 2013): Interview: „Ich bin es leid, Märchen über das Kosovo zu erzählen“
- (Serben und Albaner könnten sich „leicht“ auf einen Gebietstausch einigen)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Martens, Michael: Serbien: „Es wird Zeit, den Honig zu schmecken“ bei faz.net, 27. Juli 2012 (abgerufen am 27. Juli 2012).
- ↑ a b Ivica Dačić. In: Internationales Biographisches Archiv 47/2008 vom 18. November 2008, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 28/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
- ↑ Ivanji, Andrej: Serbiens kleiner Slobodan. In: die tageszeitung, 14. Mai 2008, S. 2.
- ↑ RIA Novosti vom 16. Mai 2011: Serbiens Innenminister: Teilung des Kosovo einzig realistische Lösung
- ↑ Die Presse online vom 1. Juni 2011: Serbischer Minister fordert die Aufteilung des Kosovos
- ↑ Pester Lloyd: Die Rückkehr der "Genossen". Abgerufen am 18. Juli 2012.
- ↑ Der Spiegel: Serbiens Premier im Sog der Mafia, abgerufen am 4. Februar 2013
- ↑ faz.net
der Teilrepublik Serbien (1991-2006):
Dragutin Zelenović | Radoman Božović | Nikola Šainović | Mirko Marjanović | Milomir Minić (kommissarisch) | Zoran Đinđić | Nebojša Čović (komm.) | Žarko Korać (komm.) | Zoran Živković | Vojislav Koštunica
der unabhängigen Republik Serbien (seit 2006):
Vojislav Koštunica | Mirko Cvetković | Ivica Dačić
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dačić, Ivica |
| KURZBESCHREIBUNG | serbischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 1. Januar 1966 |
| GEBURTSORT | Prizren |