Tomislav Nikolić

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tomislav Nikolić

Tomislav Nikolić (serbisch-kyrillisch Томислав Николић; * 15. Februar 1952 in Kragujevac) ist ein serbischer Politiker (Serbische Fortschrittspartei). Vom 8. bis 13. Mai 2007 war er kurzzeitig Präsident des serbischen Parlaments.[1] Seit dem 11. Juni 2012 ist er Präsident Serbiens.[2]

Leben[Bearbeiten]

Von 1998 bis 2000 war Nikolić in der Regierung Slobodan Miloševićs Vizeministerpräsident Serbiens, sowie Ende 1999 Vizeministerpräsident Jugoslawiens. Bei der Präsidentenwahl im Jahr 2000 errang Nikolić den dritten Platz hinter Vojislav Koštunica und Slobodan Milošević. Bei der Präsidentenwahl am 13. Juni 2004 erhielt er in der ersten Runde 30,1 Prozent der Stimmen, unterlag aber in der Stichwahl am 27. Juni 2004 gegen Boris Tadić, der 53,5 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt.

Nach den Parlamentswahlen vom 21. Januar 2007, aus der die SRS wieder als stärkste Partei hervorging, wurde Tomislav Nikolić am 8. Mai 2007 als neuer Parlamentspräsident Serbiens gewählt. Dabei erhielt er neben den Stimmen seiner Partei auch die der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) unter Führung von Vojislav Koštunica. Nach der Einigung des so genannten demokratischen Blocks aus DS, DSS und G17plus auf die Bildung einer Koalitionsregierung trat er am 13. Mai 2007 wieder von diesem Amt zurück.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 20. Januar 2008 errang Nikolić vor dem Amtsinhaber Boris Tadić die meisten Stimmen, unterlag ihm aber zwei Wochen später knapp in der Stichwahl um das Präsidentenamt.[3] Bei den Parlamentswahlen 2008 konnte die abermals von Nikolić geführte Partei zwar ihren Stimmenanteil halten, allerdings erzielte das Wahlbündnis um die Demokratische Partei mit knapp 38 % der abgegebenen Stimmen das beste Ergebnis. Auf Grund der von der SRS rhetorisch bekämpften Unabhängigkeitserklärung des Kosovo hatten Beobachter mit einem Zuwachs des Stimmenanteils gerechnet.[4]

Im September 2008 trat er vom Fraktions- und Vizeparteivorsitz zurück und begründete eine neue Fraktion unter dem Namen „Napred Srbijo“ (deutsch Vorwärts Serbien), ohne jedoch aus der SRS auszutreten[5]. Zuvor hatte es einen heftigen innerparteilichen Streit um die Haltung der Fraktion zum Assoziierungsabkommen Serbiens mit der Europäischen Union gegeben. Während Nikolić im Parlament für dieses stimmte, lehnte der Parteivorsitzende Vojislav Šešelj dies strikt ab und forderte aus der Haft in Den Haag heraus Nikolićs Ausschluss aus der Partei. Am 12. September 2008 wurden so Nikolić und 17 weitere führende Parteimitglieder aus der SRS ausgeschlossen. Nikolić kündigte daraufhin die Gründung einer eigenen Partei an.[6] Am 10. Oktober 2008 wurde die neue Partei Srpska Napredna Stranka (SNS, dt. Serbische Fortschrittspartei) registriert. Am 16. April 2011 begann er einen Hungerstreik, um Neuwahlen zu erzwingen.[7]

Am 20. Mai 2012 setzte sich Nikolić bei den serbischen Präsidentschaftswahlen in einer Stichwahl gegen Boris Tadić durch.[8]

Nikolić galt vor seiner Wahl als konservativer Nationalist[9]. Er war 1991 bis 2008 Vizepräsident der nationalistischen SRS. Als Staatspräsident bemühte er sich aber erfolgreich, den pro-europäischen Kurs seines Amtsvorgängers Tadić fortzusetzen. So unterstützte Nikolić das im April 2013 unterzeichnete Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo, dessen ungeachtet betone er, dass Serbien weiterhin nicht Kosovos Unabhängigkeit anerkennen werde.[10] Das Kosovo-Abkommen gilt als Voraussetzung zur Fortführung der EU-Beitrittsverhandlungen Serbiens.

Ebenfalls im April 2013 bat Nikolić in einem Interview mit dem bosnischen Fernsehen darum, dass Serbien das 1995 begangene Massaker von Srebrenica verziehen wird. Nikolić vermied den Ausdruck „Völkermord“, erkannte aber wie bereits sein Amtsvorgänger Tadić das Massaker als von Serben begangenes Verbrechen an.[11][12] Serbien ist seit dem 1. März 2012 offiziell EU-Beitrittskandidat.

Nikolić ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tomislav Nikolić – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Rücktritt des serbischen Parlamentspräsidenten Nikolic. In: Der Standard, 22. Mai 2007.
  2. Neues Parlament, neuer Präsident in Belgrad. In: Der Standard, 31. Mai 2012.
  3. Tagesschau: Amtsinhaber Tadic bleibt Präsident Serbiens (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung vom 3. Februar 2008.
  4. Serbian reformers claim victory. In: BBC News, 12. Mai 2008 (englisch).
  5. Nikolić oformio poslanički klub. In: B92, 8. September 2008 (serbisch).
  6. Serbische Radikale schliessen Nikolic aus. In: Neue Zürcher Zeitung, 12. September 2008.
  7. Serbia anti-government protesters demand early election. In: BBC News, 16. April 2011 (englisch).
  8. Tomislav Nikolic gewinnt Stichwahl. In: Focus, 20. Mai 2012.
  9. Der Standard: "Nikolić ist ein Nationalist geblieben", 21. Mai 2012.
  10. die tageszeitung: Ungeliebtes Abkommen, 21. April 2013.
  11. Focus: Präsident Nikolic entschuldigt sich für Srebrenica-Massaker, 25. April 2013.
  12. FAZ: Serbiens Präsident entschuldigt sich für Srebrenica-Massaker