Joh. A. Benckiser

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Joh. A. Benckiser SE
Rechtsform SE
Sitz Wien, Österreich

Die Joh. A. Benckiser SE ist eine Finanzholding der Familie Reimann, zu der heute unter anderem ein Anteil von 15,42 % der Reckitt Benckiser, die Mehrheit des Parfümhauses Coty und die Holding Labelux gehört. Die heutige Holding entstand aus dem Chemieunternehmen Benckiser mit Sitz in Ludwigshafen, die ab 1999 mit Reckitt & Coleman zu Reckitt Benckiser fusionierte.

Geschichte bis 1999[Bearbeiten]

Anfänge von Benckiser[Bearbeiten]

Johann Adam Benckiser gründete 1823 in Pforzheim eine Salmiakhütte, in der aus Ammoniak und Salzsäure Salmiak gewonnen wurde.[1] In den darauf folgenden Jahren erwirbt Benckiser eine Goldwarenfabrik in Pforzheim und gründet eine Fayencen-Fabrik in Durlach.[2] Später lernt er den Chemiker Ludwig Reimann in Durlach kennen, mit dem er zusammen im Jahre 1851 eine Chemiefabrik gründet. Die Chemiefabrik stellt Wein-, Zitronen- und Genusssäuren her.[3] Im Jahre 1858 zieht die Firma nach Ludwigshafen um und produziert dort Phosphate. 1854 werden erste Geschäftsbeziehungen zu Jeremiah Colman aus dem britischen Norwich geknüpft, der mit Reckitt & Sons Wäschestärke nach Ludwigshafen verkauft. Der Einstieg in die Produktion von Phosphorsalzen fand im Jahr 1916 statt.[2]

Aufbau unter Albert Reimann[Bearbeiten]

Vorstellung des Produktes Calgonit auf der DLG-Landwirtschaftsausstellung 1955 in München

Mitte der 1930er Jahre übernimmt Albert Reimann die Leitung des mittelständischen Chemieunternehmens Johann A. Benckiser GmbH in Ludwigshafen. Der Jurist und Richter Reimann war von 1937 bis 1941 Präsident der IHK Pfalz, später Mitglied des Beirates der Wirtschaftskammer Ludwigshafen [4] sowie Ehrenmitglied des ansässigen Ludwigshafener Rudervereins[5]. Das Chemieunternehmen Benckiser entwickelt ab 1956 Haushalts- und Industriereiniger. Die Marken Calgon (1956), Calgonit (1964), Clearasil, Sagrotan und Quanto (1966) werden entwickelt.[6] Im Jahre 1963 wurde Martin Gruber zum Einkaufsleiter des Chemieunternehmens verpflichtet; Mitte der 70er Jahre ernannte Reimann Gruber zum Hauptgeschäftsführer. Nach dem Tode von Albert Reimann im Jahre 1984 erbten Reimanns vier Adoptivkinder das Unternehmen.[7]

Expansion, Umbau und Fusion mit der Reckitt & Colman[Bearbeiten]

Geschäftsführer Martin Gruber holte Anfang der 1980er-Jahre von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group Peter Harf. Dieser baute das Chemieunternehmen radikal um und beschränkte sich dabei auf die Sparten Waschen, Spülen, Reinigen und Kosmetik.[3] Er stieß einige Sparten ab und kaufte über 25 Firmen in den USA, Italien, Spanien und Großbritannien auf. Während der Umsatz Anfang der 1980er-Jahre gerade einmal bei ca. 250 Mio. Deutschen Mark lag, wurde er innerhalb eines Jahrzehnts auf das Zehnfache gesteigert. Anfang der 90er Jahre holte Peter Harf dann noch Bernd Beetz ins Unternehmen.

Ende 1989 werden die Sparten Benckiser Deutschland GmbH als Vertriebsgesellschaft in Ludwigshafen und Ladenburg und Benckiser Produktions GmbH gebildet. Peter Harf spaltete das Unternehmen im Jahre 1996 weiter auf mit Benckiser für Reinigungsmittel und Coty für den Kosmetikbereich.[8] Im Jahre 1997 kommt es zum Börsengang der Benckiser N.V. an der Amsterdamer Börse.[3] Mitte 1999 fusioniert die börsennotierte Benckiser N.V. mit dem britischen Konzern Reckitt & Colman und wird zur Reckitt Benckiser.[8] Die Gesellschaft erwirtschaftet im Jahre 2000 schon ca. 3,2 Milliarden Pfund bzw. über 4,2 Milliarden Euro.[3]

Finanzholding Johann A. Benckiser[Bearbeiten]

Die Johann A. Benckiser GmbH mit seinen Beteiligungen an Coty und Reckitt Benckiser wurde zur Finanzholding Johann A. Benckiser (JAB) der Familie Reimann. Zwei der Adoptivkinder brachten Kapital in Stiftungen ein: die Günter Reimann-Dubbers Stiftung im Bereich Familie, Bildung und Gesundheit und eine Stiftung im Bereich der erneuerbaren Energien, beide mit Sitz in Heidelberg.[9][10][11][12] Im Jahre 2004 traten zwei Cousins in die Finanzholding ein, mit insgesamt 10 Kindern. Das Vermögen der Familie Reimann wird im Herbst 2012 auf ca. 11 Mrd. Euro geschätzt.[13]

Donata und Parentes Holding[Bearbeiten]

Aufgrund der Diskussionen um die deutsche Erbschaftsteuer wurde die Finanzholding im Dezember 2006 nach Wien verlagert und die Beteiligungen auf die Parentes Holding SE und die Donata Holding SE übertragen. Über diese Gesellschaften werden weiterhin ca. 10,5 Prozent des Aktienkapitals der Reckitt Benckiser gehalten.

Im Jahr 2012 erwarb JAB über Parentes/Donata für eine Milliarde Dollar die kalifornische Kaffeehaus-Kette und Rösterei Peet's Coffee & Tea und für 340 Millionen Dollar die Kaffeehaus-Kette Caribou Coffee Company.[14] Im Juni 2013 erfolgte der Börsengang von Coty in New York; nach erfolgreichem Börsengang hält JAB weiterhin 85% der Stimmrechte.

2013 übernahm ein Konsortium unter Führung von Benckiser den niederländischen Kaffee- und Teeproduktehersteller D.E Master Blenders 1753 (u.a. Douwe Egberts, Pickwick).

Labelux[Bearbeiten]

Im Jahre 2007 wurde die Holding Labelux Group für neue Akquisitionen der Luxusgüterbranche gegründet, zu der neben der Londoner Schmuckdesignerfirma Solange Azagury-Partridge, der Schweizer Luxus-Modemarke Bally und der italienische Lederwarenhersteller Zagliani gehören.[15] Im Juli 2008 wurde das US-amerikanische Modemarke Derek Lam übernommen,[16] im Mai 2011 für 576 Millionen Euro der US-Schuhhersteller Jimmy Choo.[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. hessen-forst.de: Archäologie im Wald (PDF; 4,7 MB), S. 38.
  2. a b reckittbenckiser.de: Struktur in Deutschland (Version vom 2. März 2009 im Internet Archive)
  3. a b c d brainstorms42.de: Aus dem Milliardärsclub: Die Familie Reimann
  4. Industrie- und Handelskammer für die Pfalz: 18 Präsidenten seit Gründung am 30. April 1843
  5. Ludwigshafener Ruderverein: Die Historie des Ludwigshafener Rudervereins
  6. Reckitt Benckiser: RB Germany - Über uns
  7. Michael Gassmann: Diese Reimanns – WamS vom 13. Juli 2014 / Ausgabe 28 / Seite 5
  8. a b manager-magazin.de: Benckiser: Von Calgon bis Bally
  9. Günter Reimann-Dubbers Stiftung
  10. bildungsstiftungen.org: Günter Reimann-Dubbers-Stiftung (Version vom 20. Juli 2012 im Internet Archive)
  11. rp-karlsruhe.de: VRD Stiftung für Erneuerbare Energien (PDF; 14 kB)
  12. bioenergiehof.de: Nachrichten und Aktuelles: Ein Projekt der VRD Energie Stiftung (Mannheim)
  13. spiegel.de: Reichenliste des manager magazin: Aldi-Clan dominiert Liste
  14. Handelsblatt: Milliardärsfamilie will Senseo-Hersteller kaufen vom 28. März 2013, abgerufen am 28. März 2013.
  15. alacrastore.com: Labelux Group acquires Bally International AG from Texas Pacific Group Inc (Version vom 10. April 2012 im Internet Archive)
  16. fashionunited.de: Labelux: Mehrheitsbeteiligung an Derek Lam
  17. rp-online.de: Kult-Schuhmarke aus "Sex and the City": Deutscher Milliardär kauft Jimmy Choo

Weblinks[Bearbeiten]