Johannes von Guenther

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Johannes von Guenther (* 14. Märzjul./ 26. März 1886greg.[1] in Mitau, Kurland; † 28. Mai 1973 in Kochel oder München; auch Johannes von Günther, Hans von Günther oder Erich M. Kamp) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Verleger

Leben[Bearbeiten]

Guenther wurde erstmals 1906 mit der Publikation seines Gedichtbands Schatten und Helle in der Tradition Stefan Georges bekannt. Von 1909 bis 1913 war Guenther in Sankt Petersburg deutscher Redakteur der Zeitschrift Apollon. Seit 1914 lebte er in Deutschland, wo er als Übersetzer, Dramatiker, Lyriker und Erzähler wirkte. Seinen Einstieg in die deutsche Verlags- und Autorenlandschaft verdankte er, wie er in seinen Erinnerungen ausführt, Karl Gustav Vollmoeller:

„Vollmoeller, der eine elegante Wohnung am Pariser Platz hatte … war damals Anfang dreißig, ein Europäer … ein reicher Mann, der sich alles leisten konnte … Für mich hatte er etwas Faszinierendes … Er verstand viel von Dichtung, war von einer immensen Bildung und mir in jeder Hinsicht überlegen … Vollmoeller war nämlich nicht nur Dichter … vor allem aber gehörte er zu dem engsten Kreis um Max Reinhardt … Er imponierte mir maßlos … Vollmoeller hatte einen Kreis sehr interessanter Menschen um sich. Dazu gehörte vor allem Rudolf G. BindingFritz von Unruh.“

Johannes von Guenther: Ein Leben im Ostwind, Biederstein, München 1969, S. 341–345

Vollmoeller brachte von Guenther mit den Verlegern Alfred Walter Heymel, Anton Kippenberg, Georg Müller sowie mit Max Reinhardt, Richard Dehmel, Stefan George, Ernst Hardt, Hugo von Hofmannsthal, Melchior Lechter, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler sowie Karl Wolfskehl zusammen. 1919 übertrug Vollmoeller seine Autorenrechte vom Insel und S. Fischer Verlag auf den Georg Müller Verlag, in dem von Guenther Geschäftsführer war.[2]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten unterschrieb von Guenther im Oktober 1933 zusammen mit weiteren 87 Schriftstellern das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.[3] 1939 erschien Guenthers erfolgreichstes Werk Rasputin.

Weithin bekannt wurde er auch als Übersetzer und Herausgeber russischer Autoren des 19. Jahrhunderts; seine zahlreichen Übersetzungen erschienen unter anderem im Reclam-Verlag und im Diogenes-Verlag.

1969 veröffentlichte er seine Erinnerungen Ein Leben im Ostwind. Zwischen Petersburg und München.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Martinian sucht den Teufel, München 1916
  • Fahrt nach Thule, München 1916
  • A. Puschkin, Der Reiter von Erz. Deutsch von J. v. Guenther. München, Orchis-Verlag, 1922
  • Die Literatur Russlands, Stuttgart, Union-Verlag, 1964
  • Der Kreidekreis, Potsdam 1942
als Bearbeiter

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister der Stadtgemeinde St. Trinitatis zu Mitau (lettisch: Jelgavas sv. Trīsvienības vācu pilsētas)
  2. Frederik D. Tunnat: Karl Vollmoeller. Hamburg: Tredition 2008. S. 392.
  3. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer 2007. S. 215.