Ventspils

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Ventspils (dt.: Windau)
Wappen von Ventspils
Ventspils (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Kurland (lettisch: Kurzeme)
Verwaltungsbezirk: Republik-Stadt Ventspils
Koordinaten: 57° 23′ N, 21° 34′ O57.39055555555621.57333333333310Koordinaten: 57° 23′ 26″ N, 21° 34′ 24″ O
Einwohner: 42.657 (1. Jul. 2010)
Fläche: 55,4 km²
Bevölkerungsdichte: 769,98 Einwohner je km²
Höhe: 10 m
Stadtrecht: seit 1378
Webseite: www.ventspils.lv
Postleitzahl:
ISO-Code:
Ventspils, Latvia.jpg
Burg des Deutschen Ordens
Ventspils
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Latvian, Environment, Geology and Meteorology Agency
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ventspils
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Max. Temperatur (°C) −0,6 −0,7 2,2 7,4 13,2 16,9 19,8 19,7 15,8 10,7 5,4 1,9 Ø 9,4
Min. Temperatur (°C) −5,4 −5,5 −3,1 1,1 5,6 10,0 13,2 12,7 9,6 5,4 1,1 −2,5 Ø 3,6
Niederschlag (mm) 56 38 38 37 42 47 64 77 77 74 75 66 Σ 691
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Ventspils (deutsch Windau) ist eine Hafenstadt im Westen Lettlands an der Einmündung des Flusses Venta in die Ostsee.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Mündung der Venta bestand eine Siedlung namens Sagare, die im Vertrag zur Teilung des Gebiets Nordkurland von 1253 schriftlich erwähnt wurde. 1290 wurde die Burg „Winda“ des Livländischen Ordens als Zentrum der Kommende Windau fertiggestellt. Die Hafenstadt gehörte zeitweise der Hanse an. 1378 erhielt Ventspils das Stadtrecht.

Als Teil des Herzogtum Kurland entwickelte sich Ventspils besonders in der Zeit Jakob Kettlers ab 1642 zu einem Zentrum des Schiffbaus. 44 Kriegsschiffe und 79 Handelsschiffe wurden gebaut; von Ventspils aus startete eine Flotte, um Gambia und Tobago zu kolonialisieren. Metall-, bernstein- und holzverarbeitende Betriebe brachten die Stadtentwicklung voran.

Während des Großen Nordischen Krieges wurde Ventspils zerstört. Die meisten der verbliebenen Einwohner fielen 1711 Seuchen zum Opfer. 1795 kam Kurland unter russische Herrschaft. Erst 1850 wurden der Schiffbau und Handel wieder wichtig; der Hafen wurde 1890 modernisiert und per Eisenbahn mit Moskau verbunden. Er entwickelte sich zu einem der profitabelsten Häfen Russlands mit einem Erlös von 130 Millionen Rubel im Jahr 1913. Die Einwohnerzahl wuchs stetig und lag 1913 bei 29.000.

Im Ersten Weltkrieg wurden viele Einwohner ins Innere Russlands zwangsevakuiert. Ab 1915 war Ventspils deutsch besetzt.

1939 installierte die Rote Armee einen Stützpunkt in Ventspils. Von 1941 bis 1945 war die Stadt von der Wehrmacht besetzt.

Unter sowjetischer Herrschaft wurde eine Öl-Pipeline nach Ventspils errichtet, und die Stadt avancierte zu einem der wichtigsten Häfen für den Rohöl-Export der UdSSR.

Durch die Einnahmen des Hafens ist Ventspils heute eine der wohlhabendsten Städte Lettlands.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hafenausfahrt
Hafenpromenade

Die Stadt hat einen eisfreien Hafen und ist wichtigster Umschlagort für russisches Öl und Kohle an der Ostsee. In der Stadt wurde mit Unterstützung der Europäischen Union der Business Inkubator Ventspils geschaffen, ein Technologie- und Innovationszentrum zur regionalen Förderung von Unternehmensneugründungen im Hochtechnologiebereich.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Reederei Stena Line betreibt zwei Fährverbindungen nach Travemünde (D) und Nynäshamn (S). Die Sommer-Verbindung zur estnischen Insel Saaremaa wurde für das Jahr 2009 sistiert.[1].

Mit Riga und weiteren lettischen Städten ist Ventspils durch Fernbuslinien verbunden. Die Bahnverbindung zwischen Riga und Ventspils wurde am 15. Februar 2010 vollständig eingestellt.

Der 1975 eröffnete Internationale Flughafen Ventspils ist einer der drei namhaften Flughäfen Lettlands (neben denen von Riga und Liepaja). 2008 bediente Air Baltic die Flugstrecke Riga – Ventspils – Riga zweimal täglich.

Bildungswesen[Bearbeiten]

An der 1997 gegründeten Hochschule Ventspils (Ventspils Augstskola) gibt es Fakultäten für Wirtschaft, IT und Übersetzung mit etwa 800 Studierenden im akademischen Jahr 2007/2008. Seit 2007 nimmt die Hochschule am europaweiten Erasmus-Austauschprogramm teil. Die engsten Kontakte bestehen mit deutschen, norwegischen und dänischen Hochschulen.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister von Ventspils ist seit 1988 Aivars Lembergs. Lembergs reduzierte die Arbeitslosigkeit durch die Einführung von kommunal subventionierten Arbeitsplätzen. In seiner Amtszeit verbesserte sich die ökologische und ökonomische Situation der Stadt wesentlich. Seit 2006 laufen jedoch Untersuchungen wegen Bestechlichkeit, Geldwäsche und Amtsmissbrauch gegen ihn, die 2007 zu vorübergehender Inhaftierung führten.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Nikolauskirche
Baptistenkirche Ventspils
Ehemalige Synagoge in Ventspils

Sehenswert sind die gut restaurierte Altstadt sowie der Ostseestrand.

Das 1290 erstmals erwähnte Schloss des Livländischen Ordens wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und ist heute das älteste existierende Bauwerk in Ventspils. Nach seiner Restaurierung beherbergt es seit September 2001 das Museum von Ventspils, das 1928 an anderer Stelle eröffnet worden war. Zu der Einrichtung gehört auch ein Open-Air-Museum an der Ostseeküste, das sich der Darstellung aller Aspekte des Lebens der lettischen und livischen Fischer und Bauern widmet.

30 km nordöstlich befindet sich das Ventspils International Radio Astronomy Center (VIRAC).

Sport[Bearbeiten]

Ventspils besitzt mit dem Olympiazentrum ein national bedeutsames Sportzentrum, zu dem seit 2004 eine moderne Eissporthalle gehört, die zum Zentrum des lettischen Shorttracks geworden ist. Im Januar 2008 fanden hier die Shorttrack-Europameisterschaften statt.

Der Fußball-Club FK Ventspils gehört zu den lettischen Spitzenvereinen und schafft es regelmäßig in die europäischen Wettbewerbe. Der 1997 gegründete Verein gewann in der Saison 2006 erstmals die lettische Meisterschaft. Noch erfolgreicher ist der Basketball-Verein BK Ventspils, der bereits achtmal lettischer Meister wurde und regelmäßig an Wettbewerben auf europäischer Ebene wie dem ULEB Cup teilnimmt.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ventspils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saaremaa-Ventspils shipping line will go on a break in the 2009 season (englisch).