John III. Comyn, Lord of Badenoch

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John III. Comyn, Lord of Badenoch († 10. Februar 1306 in Dumfries, Schottland), auch der der Rote Comyn (auf englisch, "Red Comyn") genannt, war ein schottischer Adliger und Guardian of Scotland während des Zweiten Interregnums.

Leben[Bearbeiten]

John III. Comyn ("der Rote") war der Sohn von John II. Comyn ("der Schwarze") und Eleanor Balliol, ältester Tochter von John de Balliol und Schwester des späteren schottischen Königs John Balliol. Die Comyns waren im 13. bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Familien Schottlands und verschiedene Mitglieder hatten eine ganze Reihe von hohen Regierungsämtern inne, so z. B. das des Guardian of Scotland während der Minderjährigkeit von Alexander III. (1249-61) und später der seiner Enkelin Margarete (1286-90).

Nach der Abdankung John Balliols als König (1296) kam es zu offenem Krieg zwischen England und Schottland, in dem die Comyns weiterhin loyal zu John Balliol standen und für die Bewahrung der schottischen Unabhängigkeit kämpften. Die Comyns – John III. Comyn, sein Vater John II. Comyn, sowie sein Cousin 2. Grades John Comyn, 7. Earl of Buchan – attackierten zu Beginn des Konflikts Carlisle, das von Robert Bruce, Earl of Carrick (der Vater des späteren Königs Robert I.) für Edward I. verteidigt wurde. Da ihre Truppe keine Belagerungswaffen mitführte, mussten sie das Vorhaben aber bald wieder aufgeben. Die in den Jahren zuvor bereits bestehenden Spannungen zwischen dem Haus Comyn und dem der de Bruce, die eigene Ambitionen auf den schottischen Thron hatten und in Opposition zu Balliol standen, waren somit in offene Feindschaft umgeschlagen.

Auf dem Rückzug vereinigten die Comyns ihre Truppen mit der schottischen Hauptarmee, die wenig später bei der Schlacht von Dunbar vernichtend von den Engländern geschlagen wurde. John III. Comyn geriet zunächst in englische Gefangenschaft und wurde in den Tower of London verbracht. Einige Monate später ließ Edward ihn gegen das Versprechen, für ihn in Flandern gegen Frankreich zu kämpfen, frei. Dort erfuhr er 1298 von dem Sieg, den William Wallace und Andre de Moray im vorigen Jahr bei Stirling Bridge über die Engländer errungen hatten, und desertierte, um nach Schottland zurückzukehren.

Es ist möglich, aber nicht gesichert, dass John III. Comyn bei der Schlacht von Falkirk (1298) mitkämpfte, die mit einem englischen Sieg endete. William Wallace musste nach der Schlacht als Guardian of Scotland zurücktreten und John III. übernahm gemeinsam mit Robert the Bruce (dem späteren König Robert I.) das Amt und übte die Regentschaft Schottlands aus. Während die Comyns immer noch für eine Rückkehr von John Balliol auf den schottischen Thron eintraten, hielt Robert the Bruce am eigenen Streben nach der Krone fest. Schon bald kam es zu Spannungen zwischen den beiden Regenten und Bischof William de Lamberton wurde zum dritten Guardian of Scotland ernannt um die Situation zu stabilisieren, was aber – da dieser ein Parteigänger von de Bruce war – nicht gelang. Im Mai 1300 schließlich trat Bruce vom Amt des Guardian wieder zurück. Beim Zusammentreten des schottischen Parlaments im gleichen Jahr wurde schließlich Ingram de Umfraville zum Nachfolger von Bruce im Amt des Guardian bestimmt, der ein Anhänger John Balliols war und somit ein Alliierter der Comyns. Diese Dreierregentschaft hielt allerdings nur ein Jahr bis 1301, danach übernahm John de Soules als alleiniger Regent das Amt des Guardian of Scotland. Im folgenden Jahr 1302 reiste de Soules in diplomatischer Mission nach Frankreich und John III. Comyn übernahm erneut die Regentschaft, diesmal ohne Ko-Regenten. Im gleichen Jahr starb auch sein Vater John II. Comyn, und er erbte den Titel Lord of Badenoch von ihm.

1303 führte John III. Comyn zusammen mit Simon Fraser die schottischen Truppen in die Schlacht von Roslin gegen die Engländer und errang einen Sieg. Unabhängig von diesem Sieg hatte sich die gesamtpolitische Lage für Schottland allerdings deutlich verschlechtert. Der französische König Philipp hatte einen Separatfrieden mit England ausgehandelt, von dem Schottland explizit ausgenommen war. Die Rückkehr von John Balliol auf den schottischen Thron schien mittlerweile praktisch ausgeschlossen und so begann John III. Comyn als Regent Schottlands Friedensverhandlungen mit dem englischen König anzustreben, die 1304 erfolgreich zum Abschluss gebracht wurden.

Die Rivalität zwischen John und Robert the Bruce blieben bestehen, auch wenn sich die Rollen im Konflikt mit England mittlerweile gewandelt hatte. Comyn sucht in Verhandlungen einen Ausgleich und Friedensschluss mit England zu erreichen, während Bruce weiterhin seinen Anspruch auf den Thron vorantreiben wollte und dafür auch eine Fortführung des Konflikts mit England in Kauf zu nehmen bereit war. Am 10. Februar 1306 trafen sich schließlich beide zu einer geheimen Unterredung in der Franziskanerkirche von Dumfries. Angeblich soll Comyn bereit gewesen sein, den Anspruch Bruces auf den Thron im Tausch gegen dessen Land anzuerkennen. Diese mögliche Übereinkunft ist aber historisch nicht gesichert und erscheint zumindest zweifelhaft, so dass über den tatsächlichen Gegenstand dieses Treffens nur spekuliert werden kann. Als sicher verbürgt gilt nur, dass die Aussprache in einem heftigen Streit endete, bei dem Bruce wahrscheinlich im Affekt John Comyn mit dem Dolch niederstach und dabei schwer verletzte. Bruce floh in heller Aufregung aus der Kirche, sein vor der Tür wartender Begleiter Roger de Kirkpatrick betrat dann das Gebäude, fand den noch lebenden Comyn und tötete ihn. Beim Hinaustreten soll er zu Bruce gesagt haben “You doubt! I mak sikkar!” (zu deutsch etwa: “Du zweifelst! Ich gehe auf Nummer sicher!”). Bis heute ist dies der Wahlspruch der Familie Kirkpatrick. Da der Mord auf heiligem Boden geschehen war, wurde Robert the Bruce von Papst Clemens V. mit dem Kirchenbann belegt. Robert the Bruce erklärte noch im gleichen Jahr seinen offiziellen Anspruch auf den schottischen Thron und konnte diesen in blutigen Auseinandersetzungen mit dem schottischen Adel schließlich 1308 auch durchsetzen.

Familie[Bearbeiten]

John III. Comyn war mit Joan de Valence verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn, John Comyn. Dieser wurde nach dem Tod von seiner Mutter nach England in die Obhut von John Weston gegeben. Er blieb in England bis zu seiner Volljährigkeit und kehrte nach Schottland zurück. Er nahm 1314 an der Schlacht von Bannockburn teil, in der er fiel. Anspruch auf den Titel Lord of Badenoch scheint er nicht erhoben zu haben, so dass der Titel zunächst verwirkt blieb und schließlich in dem Titel Earl of Moray aufging, der 1314 neu geschaffen wurde. Die Ländereien von John III. Comyn wurden nach seinem Tod beschlagnahmt und von Robert the Bruce an seine Gefolgsleute verteilt.

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
John II. Comyn Lord of Badenoch
1302–1306
Titel bis 1314 vakant,
fiel dann zurück an die Krone
Andrew de Moray (1297),
William Wallace (1297–1299)
Guardian of Scotland
1299–1301
Mitregenten:
William de Lamberton,
Robert the Bruce (1299-1300),
Ingram de Umfraville (1300-1301)
John de Soules
John de Soules Guardian of Scotland
1303–1306
kein direkter Nachfolger