Juval Ne’eman

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Juval Ne’eman (hebräisch ‏יובל נאמן‎; * 14. Mai 1925 in Tel Aviv; † 26. April 2006 ebenda) war ein israelischer Physiker und Politiker.

Militärische und politische Karriere[Bearbeiten]

Ne’eman trat mit 15 der Hagana bei und diente im Unabhängigkeitskrieg 1948 als Bataillonskommandeur, „Operations Officer“ für Tel Aviv und Kommandeur der Giv'ati-Brigade. 1952-1954 war er „Deputy Commander“ im Generalstab und als Hauptmann Leiter der Planungsabteilung der israelischen Armee. Er organisierte das Mobilisierungs- und Reservistensystem der israelischen Armee und schrieb den ersten Entwurf ihrer Verteidigungsdoktrin. Von 1955 bis 1957 war er stellvertretender Direktor des Armeegeheimdienstes (1956 Direktor), wo er u.a. an den Verhandlungen mit Briten und Franzosen in der Suez-Krise beteiligt war. Anschließend war er von 1958 bis 1960 Attaché des Verteidigungsministeriums in London, bevor er in die Reserve entlassen wurde, um einer wissenschaftlichen Karriere nachzugehen. Zuletzt hatte er den Rang eines Oberst.

Von 1982 bis 1992 war er Abgeordneter in der Knesset für die rechte Techija-Partei, die von ihm 1979 als Splittergruppe des Likud in Protest gegen Menachem Begins Camp-David-Verhandlungen mit Ägypten (Camp David I) gegründet worden war. 1981 gewannen sie drei Sitze in der Knesset. Als Preis für die Beteiligung seiner Partei im Likud-Block von Begin wurde er von 1982 bis 1983 Wissenschaftsminister, diese Position hatte er auch von 1990 bis 1992 inne. Von 1988 bis 1992 war er außerdem Minister für Energie und Infrastruktur. Nachdem seine Partei zweimal von Koalitionen in den 1980er Jahren ausgeschlossen war, gab er seinen Sitz in der Knesset 1990 auf. Nach seiner Zeit als Minister gab er 1992 seine politische Karriere endgültig auf.

1983 gründete er die Israel Space Agency und war bis 2005 ihr Vorsitzender. Von 1965 bis 1984 war er in der israelischen Atomenergie-Kommission und wissenschaftlicher Leiter ihres Soreq Nuclear Research Centers, das der zivilen Forschung dient. Von 1974 bis 1976 war er Chef-Wissenschaftler des israelischen Verteidigungsministeriums.

Karriere als Physiker[Bearbeiten]

Ne’eman schloss mit 15 die High School ab und studierte Ingenieurwissenschaften (mechanical engineering) am Technion in Haifa, wo er nach zwei Jahren 1945 seinen Abschluss machte, obwohl er sein Studium mehrfach unterbrechen musste. Er studierte Ende der 1950er Jahre weiter in Paris (an der Militärakademie) und in London am Imperial College, wo er einen Abschluss in Physik machte. Während seiner Zeit als Attaché in London promovierte er dort 1960/61 bei Abdus Salam mit einer Arbeit, in der er 1962 unabhängig von Murray Gell-Mann eine Klassifikation der Hadronen durch eine SU(3)-Symmetrie vorschlug. Dies war ein Vorläufer des heutigen Quark-Modells. In den 1980er Jahren befasste er sich u.a. mit der gruppentheoretischen Struktur der Stringtheorie und mit Gravitationstheorie.

Er war Gründer und von 1965 bis 1972 Direktor der Physik-Abteilung der Tel Aviv University (TAU). Von 1971 bis 1975 war er Präsident der TAU und von 1979 bis 1997 Direktor des dortigen „Sackler Institutes for Advanced Study“. Das Zentrum für Teilchentheorie an der University of Texas at Austin leitete er von 1968 bis 1990 als Direktor.

1969 erhielt er den Israel-Preis und den Albert Einstein Award sowie 2003 den EMET-Preis.

Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb 2006 an einem Schlaganfall.

Literatur[Bearbeiten]

  • mit Yoram Kirsh: Die Teilchenjäger. Springer, Berlin 1995.
  • From the quarks to the cosmos. 70 years of physics in Israel.
  • Matter particled: patterns, structure and dynamics. Selected research papers of Yuval Neeman. Imperial College Press 2006.
  • Nuclear Physics, Bd. 26, 1961, S. 222. (zum Quark-Modell)
  • mit L. Corwin und Shlomo Sternberg: Graded Lie algebras in mathematics and physics, Review of Modern Physics, Bd. 47, 1975, S. 573-603.
  • The spectrum generating group program and the string. Foundations of Physics, Bd. 19, 1988, S. 245.
  • Quantum gravity and supergravity. In: Harry Woolf (Hg.): Some Strangeness in proportion. A centennial symposium to celebrate the achievements of Albert Einstein. Addison-Wesley 1980.

Weblinks[Bearbeiten]