Kalscheuren

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DB-Bahnhof, Hürth-Kalscheuren
Villa Holzbauwerke
Industrie- und Medienzentrum
St. Ursula/Böhm Chapel

Kalscheuren ist ein Stadtteil von Hürth im Rhein-Erft-Kreis bei Köln. Er hat nur 583 Einwohner (Stand: 31. Oktober 2008), ist aber ein bedeutender Medienstandort sowie Industrie- und Gewerbegebiet für Hürth und die Region.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kalscheurer Hof, aus dem der Ort hervorgegangen ist, wurde erstmals 1305 urkundlich erwähnt. Er war zeitweise im Besitz des Deutschen Ordens, Kalscheuren gehörte zur alten Gemeinde Kendenich. Durch den Bau der Bonn-Cölner Eisenbahn 1844, die dann als Linke Rheinstrecke nach Koblenz weitergeführt wurde, und die in Kalscheuren abzweigende Eifelstrecke sowie den Bau eines Bahnhofs 1859 begünstigt, siedelte sich Industrie und Wohnbebauung an. Der Ausbau der Wohngebiete war geplant in Richtung auf Hermülheim hin, deshalb wurden die Kirchen an die beiden Ortsränder gebaut. Die evangelische Kirche wurde gleichzeitig ans andere Ende der Hans-Böckler-Straße an die Ecke Kölnstraße in Hermülheim gebaut. Sie wurde 2012 verkauft und abgerissen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Erstes sich ansiedelndes Unternehmen mit Bedarf an Arbeitskräften war 1888 eine Steinzeugfabrik für Kanalisationsröhren, die nicht mehr besteht. Das heutige Werk der Evonik in Kalscheuren (im Volksmund "die Schwätz" genannt) ging aus einem 1895 vom Kölner Stadtteil Sülz nach Kalscheuren verlegten Werk hervor. Es ist heute eines von weltweit 15 Rußwerken des Konzerns mit einer Jahreskapazität von über 160.000 Tonnen und das älteste, größte und vielseitigste Werk seiner Art in Europa. In mehreren Anlagen entstehen etwa 80 verschiedene Rußtypen für unterschiedliche Anwendungen. Das Werk liegt gerade jenseits der Grenze der Stadt auf dem Gebiet des Kölner Stadtteils Hönningen, da sich die damalige Gemeinde zuerst gegen eine Ansiedlung aussprach. Dennoch wird ein Teil der Gewerbesteuer nach Hürth abgeführt.

1902 folgte eine Malzfabrik. Die noch heute existierende Fabrik an der Ursulastraße beliefert fast alle Brauereien in der Umgebung und bis ins Ruhrgebiet mit dem für das Bier notwendigen Malz. Weitere Werke, wie Asphaltbau, Lacke und Holzbau, sind heute aufgegeben. Auf ihren Flächen haben sich Firmen aus der Speditions- und Logistikbranche sowie der Medienbranche angesiedelt. Die neuen Medienorte für Film und Fernsehen in Kalscheuren besuchen täglich Hunderte von Besuchern und Teilnehmern von Rateshows und Aktionen, wie Castings rund um die Filmstudios.

Das Gewerbegebiet Kalscheuren verfügt heute über eine Fläche von ca. 220.000 m². Der überwiegende Teil befindet sich im städtischen Besitz.

Verkehr[Bearbeiten]

In Kalscheuren befindet sich der Bahnhof Hürth-Kalscheuren. Außerdem wird der Stadtteil von einigen Buslinien angefahren.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Kalscheuren

  • Eine Sehenswürdigkeit in Kalscheuren ist die 2006 profanierte Kirche St. Ursula des Kölner Architekten Gottfried Böhm, heute mit Einverständnis des Architekten Böhm Chapel genannt und als Ausstellungsraum einer Galerie genutzt (Denkmalschutz).
  • Das nahe Kriegerdenkmal des Osnabrücker Bildhauers Willi Witte wurde aus Flusspfeilerstücken der Kölner Südbrücke hergestellt.
  • Die Villa der ehemaligen Besitzer der Kölner Holzbauwerke steht auch unter Denkmalschutz
  • Zwischen Kalscheuren und der Blumensiedlung Hermülheims befinden sich noch Reste der Flakstellungen, welche im Zweiten Weltkrieg aus dem Leitstand nahe der damaligen Kendenicher Grundschule kommandiert wurden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hürth-Kalscheuren – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.8755555555566.9083333333333Koordinaten: 50° 53′ N, 6° 54′ O