Köln-Sülz

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Wappen von Köln
Sülz
Stadtteil 302 von Köln
Lage des Stadtteils Sülz im Stadtbezirk Lindenthal
Koordinaten 50° 55′ 3″ N, 6° 55′ 27″ O50.91756.9241666666667Koordinaten: 50° 55′ 3″ N, 6° 55′ 27″ O
Fläche 5,1735 km²
Einwohner 35.967 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte 6952 Einwohner/km²
Eingemeindung 1888
Postleitzahlen 50935, 50937, 50939
Vorwahl 0221
Stadtbezirk Lindenthal (3)
Verkehrsanbindung
Autobahn A4
Bundesstraße B265
Stadtbahnlinien 9 13 18
Buslinien 130 131 138 142 978
Quelle: Kölner Stadtteilinformationen – Zahlen 2012

Der Stadtteil Sülz gehört zum Stadtbezirk Köln-Lindenthal im Südwesten von Köln. Er grenzt im Südosten an die Stadtteile Zollstock und Klettenberg, im Südwesten an Hürth-Efferen, im Norden an die Kölner Neustadt und im Nordwesten an Lindenthal. Mit Klettenberg ist Sülz auf Grund einer Vielzahl gemeinschaftlich genutzter Einrichtungen wie Schulen, Kirchen und Einkaufsstraßen zusammengewachsen.

Die genauen Grenzen sind wie folgt: Zu Sülz gehören alle Straßen westlich der Luxemburger Straße und die Straßen des Rechtecks ab Gottesweg bis zur Bahnlinie und der Zülpicher Straße (inklusive), diese stadtauswärts weiter bis zur Gleueler Straße (exklusive) bis zum Autobahnring, dann den Sektor bis zur Luxemburger (exklusive) bis zum Gottesweg.

Strukturdaten[Bearbeiten]

Berrenrather Straße mit St. Nikolaus in Köln-Sülz

Sülz hatte zum 31. Dezember 2012[1]

  • 35.967 Einwohner und ist damit der viertgrößte Kölner Stadtteil
  • einen Frauenüberschuss (19.266 weibliche gegenüber 16.701 männlichen Einwohnern)
  • mit 24.047 nicht Verheirateten einen hohen Singleanteil
  • 25.027 Bürger im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, 4.218 Bürger jünger als 18 und 6.722 Bürger älter als 60 Jahre
  • 14.315 Katholiken, 14.466 Sonstige und nicht konfessionell Gebundene und 7.186 Protestanten
  • 22.219 Haushalte, davon 13.749 (61,9 %) Ein- und 5.264 (23,7 %) Zweipersonen-Haushalte
  • mit 41,7 % den höchsten Anteil an Erholungsflächen aller Kölner Stadtteile

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Sülz leitet sich vom Fronhof Sulpece ab, der im Jahr 1145 erstmals urkundlich als Villa Sultz erwähnt und 1181 in Sulpze umbenannt wurde. Er gehörte bis zur Säkularisation zu den zwölf Mensalgütern (Tafelgütern) der 957 gegründeten Benediktinerabtei St. Pantaleon. Diese sorgte 1198 mit dem Bau eines Weiherklosters und insgesamt neun Burgen und Rittergütern in dessen Umgebung, die sich 1240 zu einer Burgengenossenschaft zusammenschlossen, für einen Aufschwung im heutigen Sülzer Gebiet.

1474 beschloss der Kölner Rat während des Burgundischen Krieges, den Hof ebenso wie die im 12. Jahrhundert gebaute Wallfahrtskapelle St. Nikolaus und die gesamte Bebauung vor der Kölner Stadtmauer abzureißen, um dem Feind Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund, jegliche Deckungsmöglichkeiten zu nehmen. Ab 1487 baute man den alten Hof als Villa Nova an der Berrenrather Straße wieder auf. Er bildete mit dem 1378 urkundlich erwähnten Weißhaus auf der Luxemburger Straße und dem später zu Klettenberg gehörenden Komarhof und dem Klettenberger Hof eine Wirtschaftseinheit. Heute erinnert die Neuenhöfer Allee als ehemals repräsentative Zufahrt vom Krieler Dömchen aus an den Fronhof, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde.

Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Sülz befanden sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts, beginnend mit der Privatinitiative des Bauunternehmers Heinrich Wagner, der dort 1845 drei Morgen Land kaufte, zahlreiche Sand- und Kiesgruben, Ziegeleien und auch auf Grund der noch fehlenden Kanalisation Poudrettefabriken (Düngemittel) mit entsprechender Geruchsbildung. Zuvor lagen beim heutigen Sülz nur rein landwirtschaftlich genutzte Flächen.

In dieser ersten Entwicklungsstufe ab 1845 siedelten sich zunächst kleine Gewerbebetriebe und Fabriken im Bereich zwischen Sülzburg- und Ägidiusstraße an, daraus folgte ein enormer Bevölkerungszuzug. In Sülz gab es Maschinenfabriken und Spinnereien; es wurden Fahrräder, Motorräder, Autos und Tabakverarbeitungsmaschinen gebaut, Goldleisten, Buchdruckerschwärze, Möbel, Bogenlampen, Bürsten, Lacke, Lakritz, Zigarren, Angeln, Mieder und Strohhüte hergestellt und Brot gebacken. Auf diese Weise entstand die seinerzeit für Sülz typische Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Die Gebäude vieler Betriebsstätten sind heute noch erhalten.

Strohhutfabrik Silberberg & Mayer

Bekannte ansässige und teilweise branchenführende Unternehmen waren beispielsweise:

  • Tabakverarbeitungsmaschinen Wilh. Quester, Berrenrather Straße – Carré zwischen Sülzburg und Gerolsteiner Straße
  • Cito-Fahrradwerke, Luxemburger Straße
  • Allright-Fahrradwerke, Neuenhöfer Allee, später mit Cito zu den Köln-Lindenthaler Metallwerken verschmolzen
  • Ehemalige Strohhutfabrik Silberberg & Mayer, Lotharstraße
  • Heinrich Dumont Zigarrenfabrik, Berrenrather Straße 186–190, seit 1938 an derselben Stelle, dann Schirmfabrik Gebrüder Nolte und in den 1960er Jahren Angelgerätehersteller Brink, später von Noris aufgekauft und mit Shakespeare zu Noris-Shakespeare verschmolzen
  • Brotfabrik Hermann, Manderscheider Straße (erhalten ist nur noch das Verwaltungsgebäude an der Ecke zur Luxemburger Straße)
  • Kölner Motorenwagenfabrik, Marsiliusstraße (1897 erstes deutsches Automobilwerk), später Priamuswerke

Sülz wurde 1888 eingemeindet.

In einer zweiten Entwicklungsstufe wurden nach der Jahrhundertwende in Sülz zentrumsnahe Wohngebiete für die Kölner entlang der noch aus römischer Zeit stammenden Ausfallstraßen sowie im Bereich zwischen Berrenrather und Luxemburger Straße erschlossen, die nun planerisch auf architektonische Elemente der Kölner Neustadt zurückgreifend gestaltet wurden und unterschiedliche Zentren wie Wohnbebauung, Geschäftsansiedlungen, Plätze, Grünflächen sowie Kirchen- und Schulbebauung berücksichtigten.

Straßen, Plätze und Grünanlagen[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

In der Ägidiusstraße, der ehemaligen Wagnerstraße, begann 1845 die eigentliche Besiedlung von Sülz. Hier und in dem weiteren kleinen, nahezu rechtwinkeligen Straßenraster zwischen Berrenrather und Zülpicher Straße sowie Weyertal und Sülzburgstraße und der Gustav-, Redwitz- und Marsiliusstraße fand nicht nur die erste gewerbliche Besiedlung statt, hier wurden auch die ersten zweistöckigen Wohnhäuser für Arbeiter gebaut und Handelswaren feilgeboten. In der Marsiliusstraße steht heute noch die 1875 in einem damals typischen und später mit der geschlossenen Fensterfront in der ersten Etage veränderten Dreifensterhaus gegründete und erst 1998 geschlossene Eisenwarenhandlung Bosen, deren Inventar geborgen und in einem Museum wieder aufgebaut werden soll.

Neuenhöfer Allee

Knapp 100 Jahre nach dem Beginn der Sülzer Besiedlung bildete die kreuzende Palanterstraße die „Rote Zelle“ in dem ansonsten überwiegend von Nationalsozialisten durchsetzten Sülz (heute starke Rot-Grün-Mehrheit). Hier drängelten sich in den Wohnungen einfachste Arbeitergroßfamilien, die sich mit denen aus angrenzenden Veedeln prügelten. Die Nationalsozialisten hielten gerade deshalb vorwiegend dort ihre Parademärsche ab. In der Palanterstraße war auch der Boxer und dreimalige deutsche Meister im Mittelgewicht Peter Müller zu Hause.

Die Berrenrather, Luxemburger und Zülpicher Straße sind die drei großen geraden Ausfallstraßen, die sowohl stadtauswärts führen als auch Sülz mit der Kölner Innenstadt verbinden. Sie stammen noch aus römischer Zeit. Hier verkehren auch die Öffentlichen Verkehrsmittel, die in Sülz ausschließlich oberirdisch verlaufende Stadtbahn auf Luxemburger und Zülpicher Straße und Busse auf der Berrenrather Straße.

Quer durch den Stadtteil verlaufen das Weyertal und die ehemalige Kaiserstraße, die mit der Eingemeindung in Sülzburgstraße und in ihrer Verlängerung ab der Luxemburger Straße in Gottesweg umbenannt wurde. Die Sülzburgstraße bildet seit der Jahrhundertwende zwischen Berrenrather und Luxemburger Straße eine der Einkaufsstraßen der Sülzer sowie der benachbarten Klettenberger, und in dieser Höhe haben sich auch in den großen Nachbarstraßen zahlreiche Geschäfte angesiedelt, so dass dieses Carrée das Zentrum von Sülz bildet.

Die weiteren verkehrstechnischen Verbindungen zu den benachbarten Stadtteilen sind die Militärringstraße, der Sülzgürtel, auf dem ebenfalls eine Stadtbahnlinie fährt, sowie die die Innere Kanalstraße im Sülzer Bereich fortführenden Straßen Universitätsstraße und Weißhausstraße. Zwischen Militärring und Sülzgürtel befindet sich auch die idyllisch am Beethovenpark vorbeiführende Neuenhöfer Allee.

Plätze und Grünanlagen[Bearbeiten]

Beethovenpark

In der zweiten Entwicklungsphase wurden insgesamt sieben Plätze angelegt: die beiden Veranstaltungs- und Marktplätze (Auerbach- und Hermeskeiler Platz) sowie die multifunktionalen grünen Stadtplätze des Kölner Gartendirektors Fritz Encke. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Asbergplatz (1912). Hier gibt es, wie auch auf dem De-Noël-Platz (1904/05), dem Manderscheider Platz (1911) und dem Nikolausplatz (1912) sowohl Spielplätze als auch bepflanzte Ruhezonen. Der nach Geheimrat Benjamin Auerbach, der 1885 bis 1935 das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache leitete, benannte Auerbachplatz und der Hermeskeiler Platz dienen zweimal wöchentlich als Marktplätze und stehen ansonsten für Volksfeste und als Parkplätze zur Verfügung. Der Auerbachplatz verfügt im östlichen Bereich ebenfalls über Spiel- und Ruhezonen.

Decksteiner Weiher

Sülz erstreckt sich im Westen über den äußeren Grüngürtel Kölns und damit über den Beethovenpark mit der Pappelgruppe als Zentrum und einer Reihe von Sportplätzen, Liegewiesen und Waldstücken. Im direkten Anschluss an den Beethovenpark wurde die Kleingartenanlage Kletterrose angelegt. Auch große Teile des 20 Hektar großen Decksteiner Weihers, welcher wie der Beethovenpark ebenfalls nach Plänen von Fritz Encke angelegt wurde, gehören zum Sülzer Bereich des äußeren Grüngürtels. Der Decksteiner Weiher war hierbei schon in den 1920er Jahren als Mittel zur Ausübung des Ruder-, Segel- und Eissports geplant. Der auf der Gleueler Straße überbrückte Mittelteil ist von zwei Kastanienalleen umsäumt, die zu den schönsten Alleen Kölns gehören.

Gebäude und Denkmäler[Bearbeiten]

Kirchen, Kapellen und Friedhöfe[Bearbeiten]

Krieler Dömchen

Katholisch[Bearbeiten]

Die heute zum Stadtteil Lindenthal gehörende, in unterschiedlichen Bauetappen vom 9. bis 13. Jahrhundert entstandene und vom Volksmund Krieler Dömchen genannte Kirche St. Stephanus war ehemals die Pfarrkirche St. Stephan des Gutes Creile.

Der 1903 bis 1909 von Franz Statz, Sohn des Dombaumeisters Vincenz Statz erbauten Nikolauskirche samt dem katholischen Pfarramt auf dem von Fritz Encke gestalteten Nikolausplatz dürfte die größte historische Bedeutung zukommen. In St. Nikolaus finden sich neben byzantinisch anmutenden Mosaiken (1919) expressionistische Fresken von Peter Hecker aus den 1960er Jahren.

1930 erbauten Ferdinand Passmann und J. Bonn die St.-Karl-Borromäus-Kirche in der Zülpicher Straße an der Ecke Redwitzstraße. Hochkreuz und Kreuzweg wurden von Wilhelm Tophinke geschaffen. Die Verglasungen aus dem Jahr 1958 stammt von Georg Meistermann. Im Zuge einer Renovierung in den Jahren 1967/68 wurde der Chorraum von Gottfried Böhm und die Chorwand ebenfalls von Georg Meistermann neu gestaltet. Der Tabernakel wurde nach einem Entwurf von Gottfried Böhm gefertigt. Eine Modonna aus Nordspanien datiert um die Mitte des 14. Jahrhunderts.

Inmitten des Kinderheims am Sülzgürtel findet sich noch die Waisenhauskirche Zur Heiligen Familie der Architekten Dominikus Böhm und Gottfried Böhm. 1956 bis 1958 erbaut, ersetzte sie den kriegszerstörten Vorgängerbau unter Einbeziehung des erhaltenen neobarocken Turmes. Im Mai 2007 wurde sie vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) zum „Denkmal des Monats“ gekürt.

Zum Weißhaus gehört eine private von Vincenz Statz erbaute Kapelle mit Gemälden von Johann Anton Ramboux.

Evangelisch[Bearbeiten]

Für die Protestanten war Köln lange Zeit eine Diaspora. Hiervon zeugt auch der Geusenfriedhof am Weyertal von 1576, der bis 1871 den evangelischen Christen als Friedhof diente. Er lag seinerzeit außerhalb des Stadtgebiets von Köln und ist mit seiner Vielzahl von hervorragenden Grabdenkmälern und den mit zahlreichen Inschriften versehenen Grabplatten aus dem 16.-19. Jahrhundert in Lindenthal an der Grenze zu Sülz bis heute erhalten.

Die beiden evangelischen Kirchen sind das 1928 von Heinrich Matter und Eduard Scheler zunächst nur als Gemeindehaus erbaute Tersteegenhaus mit später angefügtem Kirchturm in der Emmastraße und die Johanneskirche in der Nonnenwerthstraße.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

Römischer Schlammfang

Reste des ältesten Sülzer Bauwerks finden sich auf der Berrenrather Straße, die in ihrem gesamten Verlauf von Hürth-Efferen bis Sülz identisch mit der Trasse der römischen Wasserleitung und heute daher Bestandteil des Römerkanal-Wanderweges ist. Es handelt sich hierbei um einen Pfeilerrest sowie einen Schlammfang der Eifelwasserleitung aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts.

Direkt gegenüber dem Schlammfang befindet sich das von Franz Kremer, dem ersten Präsidenten des Kölner Fußballclubs 1. FC Köln gebaute Vereinsheim Geißbockheim, benannt nach dem Maskottchen des 1. FC Köln. Einen solchen Geißbock hatte der Zirkusdirektor H. Williams 1950 im Rahmen einer Karnevalsveranstaltung Franz Kremer überreicht.

Uni-Center

Von historischer Bedeutung sind zudem das in Privatbesitz befindliche, im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte, restaurierte Wasserschloss Weißhaus mit der Wolffschen Immobilienanlage und dem nach dem Weißhaus benannten einzigen noch erhaltenen Vorstadtkino Kölns an der Luxemburger Straße, das Waisenhaus am Sülzgürtel, die Strohhutfabrik Silberberg & Mayer in der Lotharstraße und das in einer ehemaligen Ausbildungswerkstatt der Maschinenfabrik Wilh. Quester untergebrachte Jugendzentrum in der Sülzburgstraße. Zu Sülz gehört zudem das Uni-Center, eines der größten Wohnhäuser Europas, sowie die Volkssternwarte Köln auf dem Dach des Schiller-Gymnasiums.

Das Sülzer Stadtbild ist heute geprägt von Wohngebieten unterschiedlicher Art. Diese bestehen aus den ehemaligen zweigeschossigen Arbeiterwohnungen im Kernbereich rund um die Ägidiusstraße, sowie zahlreichen ab der Jahrhundertwende, teilweise auch noch in den 1920er und 1930er Jahren von der GAG, der GRUBO, der GWG und der Grundstein erbauten Genossenschaftswohnungen mit großzügigen begrünten Innenhöfen, aber auch aus Luxuswohnanlagen und in die ehemaligen Fabrikationsstätten eingebauten Loftwohnungen. Im westlichen Bereich stadtauswärts findet man auch Gartenstadtsiedlungen. Südlich der Berrenrather Straße prägen hingegen viele ab 1900 erbaute Bürgerhäuser aus der zweiten Entwicklungsphase und östlich der Luxemburger Straße rote Backsteinhäuser mit Gärten aus der Zeit von 1930 bis 1955 das Erscheinungsbild.

Denkmäler[Bearbeiten]

Transformatoren- Häuschen
Stolperstein Louise Straus-Ernst

In die Wand des Jugendzentrums in der Sülzburgstraße ist ein von den Jugendlichen 1981 selbst geschaffenes Zwangsarbeiterdenkmal eingelassen. Gunter Demnig verlegte zur Erinnerung an deportierte Juden in Sülz eine Reihe von Stolpersteinen; der vor dem Haus Emmastraße 27 erinnert beispielsweise an die in Auschwitz ermordete Dr. Louise Straus-Ernst, die zunächst mit ihrem Mann Max Ernst Dada Köln stark mitprägte, später dort journalistisch tätig war und viele bekannte Theaterleute und Künstler empfing. Am Haus Sülzgürtel Nr. 8 befindet sich eine Gedenktafel für die von dort seit Herbst 1944 agierende Kölner Gruppe der Widerstandsbewegung Nationalkomitee Freies Deutschland.

Zu den Sülzer Denkmälern gehören auch die ersten Schulgebäude, ein 1923 auf dreieckigem Grundriss erbautes Transformatorenhäuschen mit Keramikreliefs von Erwin Holler am Sülzgürtel, die Plätze und Grünanlagen mit dem Decksteiner Weiher, das Weißhaus mit Kapelle, der römische Schlammfang und der Pfeilerrest der römischen Wasserleitung, sowie knapp 200 im Denkmälerverzeichnis einzeln aufgeführte Wohnhäuser, Siedlungen und ehemalige Betriebsstätten.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Schulen und Hochschulen[Bearbeiten]

Pfarrsaal und Kindertagesstätte St. Nikolaus

In Sülz gibt es zwei Grund- und eine Realschule in der Berrenrather Straße sowie eine Realschule in der Euskirchener Straße. In der Nikolausstraße befinden sich das Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium und das Schiller-Gymnasium sowie in der Leybergstraße das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Nahe dem ehemaligen Waisenhaus gibt es die englische St. George’s School sowie am Sülzgürtel die Schule für Erziehungshilfe und in der Redwitzstraße eine Förderschule für den Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Die in der ehemaligen Strohhutfabrik untergebrachte Regionalschule Sülz der Rheinischen Musikschule in der Lotharstraße ist dem Hochschulbereich zuzuordnen. Darüber hinaus befinden sich einige zur Universität zu Köln gehörenden Institute in Sülz: Das Institut für Angewandte Sozialforschung und das Forschungsinstitut für Soziologie in der Greinstraße, das Institut für Anwaltsrecht am Justizzentrum sowie das Institut für Energierecht am Nikolausplatz.

Private Theater- und Musikschulen, Rechtsreferendarkurse im Pfarrsaal von St. Nikolaus sowie einige Kurse der Volkshochschule in der ehemaligen Strohhutfabrik runden das Sülzer Ausbildungsprogramm ab.

Soziales[Bearbeiten]

Sonnenuhr am ehemaligen Kloster

Das 1914 eröffnete Waisenhaus am Sülzgürtel, dessen Direktor Friedrich Tillmann in nationalsozialistischer Zeit 1940 als Büroleiter der Kommandozentrale in Berlin die Vernichtung lebensunwerten Lebens mitorganisierte, wurde in den letzten Jahren nicht nur als Kinderheim genutzt. Bis auf die Kirche Zur Heiligen Familie (Köln), Teile des Aufnahmegebäudes und das Elisabeth-Haus, die unter Denkmalschutz stehen, wurde das Heim ab Anfang 2010 abgerissen.

Ehemaliges Jugendzentrum Sülz mit Zwangsarbeiterdenkmal

Das städtische Dr.-Ernst-Schwering-Altersheim am Auerbachplatz, das Ende 2005 in eine neu erbaute Wohnanlage integriert wurde, war in den 1960er Jahren ein jüdisches Altersheim.

Für das Jugendzentrum in der Sülzburgstraße wurden die Räumlichkeiten der ehemaligen Testwerkstatt der Wilhelm Quester Maschinenfabrik genutzt, derzeit wird das Gebäude entkernt. Eine Reihe von in den 1920er Jahren gegründeten Wohnungsbaugenossenschaften, die sich die damalige Beseitigung der Wohnungsnot für die vielen Arbeiterfamilien zum Ziel gesetzt hatten, bieten noch immer die inzwischen wenigen preiswerten Wohnungen in Sülz an. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung KAB war über viele Jahrzehnte hinweg die eigentliche Sülzer Bürgergemeinschaft, die das gesamte soziale Beziehungsnetz prägte.

Der Bundesverband des Arbeiter-Samariter-Bund ASB ist in der Sülzburgstraße in einem mit einer Sonnenuhr verzierten großzügigen Gebäudekomplex eines ehemaligen Klosters untergebracht. Dieses ehemalige Kloster befindet sich direkt gegenüber dem zweiten Standort der Nikolauskirche, bevor diese 1906 in einer größeren, der stark gewachsenen Bevölkerung angemessenen Dimension am ursprünglichen Platz, dem heutigen Nikolausplatz, wiederaufgebaut wurde.

Kirchliche, städtische und private Organisationen bieten in Sülz insgesamt 18 Kindertagesstätten mit 998 Plätzen an.

Kulturelles[Bearbeiten]

Los Brillantos, Schillergymnasium, Veedelszug, 28. Februar 2006

Traditionelle Veranstaltungen sind der Veedelszoch am Karnevalsdienstag, zahlreiche Kirchfeste wie die Ökumenische Pfarrgemeindekirmes rund um die Nikolauskirche und die Fronleichnamsprozession durch die Sülzburgstraße zum deshalb so benannten Gottesweg. Die Interessengemeinschaft der Sülzer Geschäftsleute veranstaltet am 1. Wochenende im September das „Carreéfest“, und im November stellt sie Künstlern eine Woche lang ihre Schaufenster im Rahmen der „Kunst im Carrée“ zur Verfügung. Zu den bekannteren Künstlern gehören der seit Mitte der 1950er Jahre in Sülz lebende Raffael Becker, und seit Juni 2011 lebt und arbeitet auch der Zeichner Wilhelm Schlote hier. Im Veedel ansässige Künstler sowie die Ateliergemeinschaften Ägidiusstraße und Lichthof (in der ehemaligen Strohhutfabrik Silberberg & Mayer) beteiligen sich im November an den „Tagen des Offenen Ateliers“.

Seit 1996 veranstaltet das Forum Klettenberg Lesungen und Konzerte im Tersteegenhaus und in der Johanneskirche; auch in den katholischen Kirchen finden regelmäßig Konzerte statt. Weitere regelmäßige Veranstaltungen richten die ansässigen Gymnasien, der Kultursalon Freiraum am Gottesweg, das Kindertheater Casamax im Hinterhof der Berrenrather Straße und die Studiobühne der Universität zu Köln sowie diverse Buchhandlungen aus. In Sülz ist zudem die Johanneskantorei und das Klettenberger Kammerorchester mit jährlichen Veranstaltungen in der Johanneskirche ebenso beheimatet wie die Regionalschule Sülz der rheinischen Musikschule (ebenfalls in der ehemaligen Strohhutfabrik) und eine Reihe von Laienchören. Das Weißhauskino auf der Luxemburger Straße rundet das Kulturprogramm ab. Zahlreiche Musiker wie beispielsweise die Bläck Fööss, Hans Süper und die Wise Guys kommen ebenso wie Fernsehmoderator Stefan Raab aus Sülz.

Institutionen[Bearbeiten]

Uni-Center und Justizzentrum (Ballonfahrt): Foto mit Markierungen

Gegenüber dem Uni-Center, auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Köln-Bonner-Eisenbahnen, liegen das Kölner Arbeitsamt sowie das Justizzentrum mit Amts- und Landgericht, Staatsanwaltschaft und der Rheinischen Notarkammer; in der Wichterichstraße befindet sich eine Zweigstelle der Stadtbibliothek.

Politik & Wirtschaft[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Sülzer Wahlergebnisse von 2009 bzw. 2012
(in Klammern das Ergebnis des gesamten Stadtbezirks Lindenthal)[2]:

Partei Kommunal 2009 in % Landtag 2012 in % Bundestag 20091 in %
SPD 28,02 (24,26) 40,543 (35,91) 36,52 (31,38) Lale Akgün
CDU 23,63 (31,97) 23,51 (32,41) 29,35 (37,8) Michael Paul
Grüne 29,242 (22,94) 21,88 (17,27) 18,76 (14,29) Volker Beck
FDP 9,54 (12,45) 4,87 (6,45) 9,52 (11,43) Werner Hoyer
Piraten ./. 6,16 (5,65) ./.
Linke 4,06 (3,2) 3,04 (2,31) 5,24 (4,46) Matthias Birkwald
1 Erststimmen. Zweitstimmen im Stadtbezirk Lindenthal:
CDU 30,7 %,SPD 21,04 %, Grüne 18,88 %, FDP 20,36 %
2 Ossi Helling und Gabriele Schlitt
3 Lisa Steinmann

Im Bundestag wird Sülz respektive der gesamte Stadtbezirk Lindenthal damit durch Dr. Michael Paul (CDU) vertreten, im Landtag hingegen von Lisa Steinmann (SPD). In der Kommunalpolitik wird der mehrheitlich rot-grün wählende Stadtteil Sülz im Rat der Stadt Köln von Ossi Helling (Grüne, Wahlkreis Sülz II) und Gabriele Schlitt (Grüne, Wahlkreis Klettenberg/Sülz I) vertreten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die ehemalige industrielle Fertigung mit ihren Fabrikschornsteinen ist aus Sülz seit längerem verbannt. Gemäß Flächennutzungsplan[3] ist der überwiegende bebaute Teil von Sülz heute als Wohngebiet definiert und die Altstadt sogar als „besonderes Wohngebiet“. Industriegebiete finden sich in Sülz gar nicht mehr, und nur der kleine Bereich um die Rhöndorfer Straße ist ein Gewerbegebiet. Weiter stadteinwärts ab der Universitätsstraße auf beiden Seiten der Luxemburger Straße findet sich noch Mischgebiet sowie eine Sonderbaufläche für die Universität. Darüber hinaus gibt es noch kleinere Gemeinbedarfsplätze, hauptsächlich für Schulen.

Scherenschleiferei

Das Erwerbsleben in Sülz findet vorwiegend in Arztpraxen, Rechtsanwalts-, Architektur- und Wirtschaftsberatungsbüros, einer Reihe von Handwerksbetrieben, Kunstateliers und Galerien, auf den beiden Wochenmärkten sowie in einer Vielzahl von Kneipen, Brauhäusern, Restaurants, Cafés und Supermärkten, Drogerieketten und kleinen Fachgeschäften statt.

Buchhandlungen und Antiquariate erreichen neben Sonnenstudios, Frisören, Fahrradläden und Weinhandlungen nahezu Apothekendichte. Aber auch Obst- und Gemüsehandlungen mit italienischem Flair sowie Delikatessenläden, alteingesessene Schuhmacher, Autowerkstätten, Transport- und Umzugsunternehmen, private Musik- und Theaterschulen sowie bis 2009 eine Scherenschleiferei prägen das gewerbliche Angebot in Sülz. Darüber hinaus sind in Sülz viele in der Medienstadt Köln Beschäftigte ansässig, die teilweise auch freiberuflich oder kleingewerblich Medienproduktionen erstellen.

Große Bürohauskomplexe stehen hierbei, vom Justizzentrum an der Luxemburger Straße abgesehen, nicht zur Verfügung. Die zumeist kleinen Arbeitsstätten der Angehörigen der freien Berufe werden ebenfalls in den ehemaligen, nun restaurierten Produktionsbetrieben eingerichtet.

Die meisten Sülzer arbeiten allerdings nicht in Sülz, sondern wohnen lediglich dort. Der Anteil der Arbeitslosen betrug im Jahr 2012 4,9 %.[4] Nur 12 der insgesamt 85 Stadtteile von Köln hatten noch niedrige Arbeitslosenquoten.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Cito-Fahrrad-Werke Act.-Ges. Köln-Klettenberg (Hrsg.): Verkaufsprospekt Cito. Köln 1899
  • Denkmäler in Lindenthal. Mit einem städtebaulichen und geschichtlichen Überblick über die Stadtteile des Bezirkes sowie historischen Fotos. Stadt Köln, Köln 2000
  • Hans-Michel Becker: Äbte, Kies und Duffesbach. Bachem, Köln 1987
  • Josef van Elten, Rochus Witton: 100 Jahre Pfarrgemeinde St. Nikolaus, Köln-Sülz. Erzbischöfliches Generalvikariat Köln, Köln 1992
  • Hiltrud Kier (Hrsg.): Denkmälerverzeichnis 12.3 Stadtbezirke 2 und 3 Rodenkirchen und Lindenthal. Rheinland-Verlag, Köln 1984
  • Dr. Heinz Schliski: Das Wasserschloß Weißhaus. Selbstverlag, Köln 1987
  • Johannes Schuster: Sülzer Grenzen und Straßen. Selbstverlag, Köln 2000
  • Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Das Große Köln Lexikon. Greven Verlag, Köln 2005
  • Adam Wrede: Das Klostergut Sülz bei Köln. Stauff, Köln 1909

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Köln-Sülz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand 31. Dezember 2012
  2. http://www.stadt-koeln.de/1/wahlen/
  3. http://fnp.koelnarchitektur.de/
  4. Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand 31. Dezember 2012