Kloster Ilsenburg

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Blick auf das Kloster vom Buchberg
Klausurgebäude des ehemaligen Benediktinerklosters

Das Kloster Ilsenburg ist ein ehemaliges Benediktinerkloster in der Stadt Ilsenburg im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Die Klosteranlage stammt aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Eigentümer der Klosterkirche ist seit 1974 die Stadt Ilsenburg, die den sakralen Bau aufwendig restaurieren ließ. Die Reste der Klausurgebäude sind seit 2000 im Besitz der Stiftung Kloster Ilsenburg.

Das ehemalige Benediktinerkloster St. Peter und Paul ist eine Station an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Klosterkirche Ilsenburg
Refektorium

Am Ort einer vermuteten Jagdpfalz entstand nicht vor dem zweiten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts das mehr als 600 Jahre von Benediktinern bewohnte Kloster Ilsenburg.[2] Diese stiftete Bischof Arnulf von Halberstadt. Der frühere cappellanus Kaiser Otto III. hatte sich lebhaft an der Politik im östlichen Sachsen beteiligt, wie der Chronist Thietmar von Merseburg überliefert.[3] Kaiser Heinrich II. beurkundete am 15. April 1003[4] die Schenkung der Elysynaburg an das Bistum Halberstadt.

Der Ausbau der kaiserlichen Jagdpfalz zu einem Kloster zog sich vermutlich bis 1018 hin. Am 6. April 1018[5] berief Bischof Arnulf Mönche aus Fulda nach Ilsenburg und stattete die Neugründung mit dem königlichen Schenkungsgut von 1003 aus. Arnulf überließ dem neuen Kloster aus seinem Besitz umfangreiche Güter in der Region zwischen Ilsenburg und Osterwieck.

Die Blütezeit des über 500 Jahre bestehenden Klosters lag zwischen dem ausgehenden 11. und dem 13. Jahrhundert. Zahlreiche durch Kauf und Schenkungen erworbene Besitzungen ließen es zu einem der reichsten Benediktinerklöster zwischen Weser und Elbe aufsteigen. Nachdem Bischof Burchard II. den Mönch Herrand (* um 1055, † 1102) als Abt eingesetzt hatte, gewann Ilsenburg seit etwa 1070 auch auf geistigem Gebiet zunehmend an Bedeutung. Von hier aus wurden in der Folgezeit verschiedene Klöster neu eingerichtet oder reformiert, wie Huysburg, Harsefeld bei Stade, Hillersleben bei Magdeburg und Wimmelburg bei Eisleben.

Die Reformierung des Klosterlebens in Ilsenburg fand ihren baulichen Ausdruck in der Errichtung einer größeren Kirche, die am 5. Juni 1087 von Burchard II. den Heiligen Peter und Paul geweiht wurde. Ihr dreischiffiger Chor, der wiederum in drei Apsiden endete, ist in der Kirchenbaukunst des Benediktinerordens im damaligen deutschen Reich erstmals nachweisbar. Der reich verzierte Fußboden aus Gipsestrich stammt aus der Zeit um 1200 und gehört heute zu den Kostbarkeiten romanischer Kunst im deutschen Raum. Die zum Teil noch erhaltenen Klausurgebäude wurden zwischen 1120 und 1176 errichtet, nachdem Feuer die Vorgängerbauten zerstört hatte. Zum Konvent gehörten zeitweise 25 Mönche. Seit 1464/65 war die Abtei Mitglied der Bursfelder Kongregation des Benediktinerordens.

Zerstörung des Klosters und Einführung der Reformation[Bearbeiten]

Das an der Südseite der Kirche gelegene Kloster mit Kreuzgang und Marienkapelle wurde in der Zeit der Bauernkriege 1525 größtenteils zerstört. Nach der im Harzbereich sich durchsetzenden Reformation wurde im Kloster eine evangelische Klosterschule eingerichtet, die bis 1627 existierte. Auch die Grafen von Wernigerode hielten sich hier mehrfach zur Jagd auf, so Graf Albrecht Georg. Bereits 1550 wurde das gräfliche Gemach auf dem Kloster erwähnt.

Der letzte evangelische Abt Henning Dittmar verstarb 1572. Nach 1573 wurde durch den als Administrator eingesetzten Graf Christoph zu Stolberg der nördliche Teil der Klosterkirche niedergelegt. Mittelschiff, Vierung und Chor neu gewölbt und im südlichen Querarm eine Fürstenloge eingebaut. Zwischenzeitlich befand sich das Kloster Ilsenburg im Pfandbesitz des Staz von Münchhausen und fiel 1609 wieder an die von Wernigerode zurück. Graf Heinrich baute es für sich und seine Gemahlin Adriane, geb. Gräfin von Mansfeld als Witwensitz aus. Unter Graf Heinrich Ernst wurde Haus Ilsenburg 1672 der Sitz des gräflichen Hofhalts. Nachdem der Sitz nach Wernigerode verlegt wurde, dienten die Räume als Beamtenwohnungen und zu wirtschaftlichen Zwecken.

Es folgten im 17. und 18. Jahrhundert der Abriss des Westflügels der Klausur und des Kreuzganges. Die verbliebenen Gebäudeteile erfuhren in den folgenden Jahrhunderten eine sehr unterschiedliche Nutzung. Größere Erhaltungsmaßnahmen an der Bausubstanz sind mit der Errichtung des Schlossflügels an der Westseite des ehemaligen Klostergeländes belegt. In Verbindung mit den Klostergebäuden wurde von Graf Otto zu Stollberg-Wernigerode für dessen Oheim Graf Botho nach dem Plan des Eisenbahnbaumeisters Ebeling aus Braunschweig und unter Leitung des Baurats Frühling ein neues Schloss im neoromanischen Stil errichtet und 1861 im Rohbau fertiggestellt.[6]

Baulichkeiten[Bearbeiten]

Die Ilsenburger Klosterbauten sind zu erheblichen Teilen erhalten. Die Klosterkirche, ohne nördliches Seitenschiff, Teile des Sanktuariums, Teils der Westpartie sowie die Klausur ohne Westflügel und Kreuzgänge. Auch das früher nachweislich höhere Gewölbe ist nicht mehr vorhanden.

Die Klosterkirche wurde Ende des 11. Jahrhunderts als romanische Basilika erbaut. Sie besaß ein Querschiff und ein dreischiffiges Presbyterium. Sie wurde im Westen durch ein großes Säulenportal eröffnet. Die Umrisse sind heute noch erkennbar.

Im 14. und 15. Jahrhundert wurden nur wenige bauliche Veränderungen an der Kirche und der Klausur vorgenommen. Reichhaltiger war aber die Ausstattung und der Bauschmuck im gotischen Stil. Während der Erstürmung und Plünderung des Klosters 1525 gab es neben Verlusten bei der Ausstattung auch Schäden an der Bausubstanz.

Weitere Nutzung[Bearbeiten]

1929 verpachtete Fürst Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode neben dem Schloss auch die alten Klostergebäude für 30 Jahre an die Altpreußische Union der Evangelischen Kirchen Berlin, die verschiedene Fortbildungsstätten in den Räumlichkeiten etablierte.

Nach Ablauf des Vertrages blieben die inzwischen enteigneten Reste der Klausur ungenutzt. Erst mit dem Verkauf der Klosterkirche an die Gemeinde Ilsenburg 1974 und der Eröffnung eines Erholungsheimes für Mitarbeiter des Ministeriums für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft im Schlossflügel wurden die Gebäude zumindest für angemeldete Besucher wieder begehbar und erste Sicherungsarbeiten und kleinere Reparaturarbeiten veranlasst. Im Jahre 2000 übernahm die Stiftung Kloster Ilsenburg unter dem Vorsitz von Maria Fürstin zu Stolberg-Wernigerode den Ost- und den Südflügel der Klausur des einstigen Benediktinerklosters. Sie gehören inzwischen zu den Schwerpunktobjekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.[7] Es soll ein Kunst- und Kulturzentrum entstehen, in das auch das Schloss mit einbezogen wird.

Äbte[Bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Abt.[8] [9]

  • 1018–1023 Ezilo
  • 1023–1065 Ulrich (im Kloster begraben)
  • 1065–1190 Herrand
  • 1090–1100 Otto
  • 1100–1105 Vakanz
  • 1105–1129 Martin
  • 1129–1135 Heinrich (abgesetzt durch Lothar III.)
  • 1135–1138 Lambert (Lamprecht)
  • 1138–1161 Sigebodo (Sigibodo)
  • 1161–1176 Thioter (Thieter, Tether)
  • 1176–1192 Dietrich (Thideric)
  • 0000–1195 Bertold
  • 1196–1207 Hermann
  • 1201–0000 Conrad (Abbas de Hilsineburch)
  • 1207–1211 Ludolf von Schladen
  • 1212–1219 Heinrich (abgesetzt)
  • 1220–1239 Johann I.
  • 1240–1243 Elias von Gröningen
  • 1243–1253 Bernhard I. von Oldenrode
  • 1254–1256 Gebhard (zugleich Abt von Hillersleben)
  • 1256–1258 Bernhard II.
  • 1259–1277 Hugold
  • 1277–1305 Heinrich Paschdag (Paschalis)
  • 1305–1308 Burchard von Cramm
  • 1308–1316 Heinrich Graf von Klettenberg
  • 1316–1325 Albrecht von Burgdorf
  • 1326–1358 Ditmar von Hardenberg
  • 0000–1358 Lippold von Cramm
  • 1358–1366 Wiprecht Nobilis
  • 1366–1393 Anno von Oberg
  • 1393–1397 Nikolaus Tribut
  • 1397–1407 Ludwig Bogelsack
  • 1408–1448 Heinrich von Braunschweig
  • 1448–1467 Heinrich Overbeck (unter ihm wurde ab 1452 die Reformation eingeführt)
  • 1467–1469 Johann Duderstadt
  • 1469–1481 Heinrich Grube (von Hagen)
  • 1481–1516 Hermann Polde (Poelde) von Hannover
  • 1517–1531 Johannes Henne
  • 1531–1546 Henning Brandis

Evangelische Äbte[Bearbeiten]

  • 1546–1560 Dietrich Meppis
  • 1560–1572 Henning Dittmar aus Hildesheim

Administrator[Bearbeiten]

  • 1572–1581 Christoph Graf zu Stollberg (Dompropst zu Halberstadt)

Restituierte katholische Vorsteher[Bearbeiten]

  • 1630–0000 Petrus Ribola (Mönch von Ettersheim)
  • 1631–1632 Joachim Kamphausen (Abt von Berge)

Glocken[Bearbeiten]

In der Glockenstube befindet sich ein mittelalterliches Geläut aus drei Glocken. Alle Glocken hängen im Holzglockenstuhl an Holzjochen. Die Brautglocke hängt am verkröpften Stahljoch und soll im Zuge einer Sanierung an ein gerades Holzjoch gehängt werden. Sie trägt die Inschrift „Qui sequeris lete me dum sono spes bona de te“ (Übersetzung: „Wenn du freudig meinem Klange folgest, ist Gutes für dich zu hoffen“).[10]

Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 Bet- und Trauerglocke 1520 Hermann Koster, Hildesheim 1590 ~2600 c1 +7
2 Brautglocke 1504 Hermann Koster, Hildesheim 1459 ~2000 d1 –1
3 Taufglocke 13. Jh. unbekannt 710 ~250 g2 –5

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Engelbrecht: Chronologia abbatum Ilsineburgensium, Manuskript 1588, abgedruckt bei Leibniz Script. rer. brunswicens. III. 684–690 und Leuckfeld Antt. Poeldens. 217–240
  • Johann Georg Leuckfeld: Antiquitates Halberstadenses oder Historische Beschreibung des vormahligen Bischoffthums Halberstadt. Wolfenbüttel 1714.
  • C. Niemeyer: Ilsenburg. Halberstadt 1848.
  • C. W. Haase: Die Benedictiner-Klosterkirche zu Ilsenburg. In: Die mittelalterlichen Baudenkmäler Niedersachsens. 3, Hannover 1867, S. 151–156.
  • Eduard Jacobs: Über die ehemalige Bibliothek und Archiv des Klosters Ilsenburg und beider Schicksale seit dem 16. Jahrhundert. NMHAF 11/2, 1867, S. 335–372.
  • Eduard Jacobs: Urkundenbuch des Klosters Ilsenburg. 2 Bände, Halle 1882.
  • Adolf Zeller: Frühromanische Kirchenbauten und Klosteranlagen der Benediktiner und der Augustiner Chorherren nördlich des Harzes. Berlin 1928.
  • Ferdinand Schlingensiepen (Hrsg.): Theologisches Studium im Dritten Reich. Das Kirchliche Auslandsseminar in Ilsenburg/Harz. Düsseldorf 1998. ISBN 3-930250-25-X.
  • Dieter Pötschke: Kloster Ilsenburg. Geschichte, Architektur und Bibliothek (= Harz-Forschungen, Bd. 19). Wernigerode/ Berlin 2004. ISBN 978-3-936872-14-9.
  • Dieter Pötschke (Hrsg.): Die Abtei Ilsenburg und andere Klöster im Harzvorraum (= Harz-Forschungen, Bd. 22). Berlin u. Wernigerode 2006.
  •  Carola Nathan: Im Namen der Ilse. Helfen Sie mit ein tausendjähriges Kloster zu bewahren. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nummer 1/2, (Selbstverlag), Pößneck 2008, ISSN 0941-7125, S. 16–19.
  • Reinhard Schmitt: Kloster und Schloß Ilsenburg. Urkundliche, archivalische und sonstige Quellen zur Geschichte und Baugeschichte zwischen 1003 und 2003. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. 18, 2009 S. 68–250.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Ilsenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rose-Marie Knape: Strasse der Romanik Kulturreisen in Sachsen-Anhalt, Halle an der Saale, 2005 S. 98–99.
  2. Dieter Pötschke: Kloster Ilsenburg. 2004, S. 26–31.
  3. Thietmar von Merseburg: Chronik. Neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich. Darmstadt 1957.
  4. UB Ilsenburg I., 1875 Nr. 1.
  5. UB Ilsenburg I., 1875 Nr. 2.
  6. Dieter Pöschke: Kloster Ilsenburg. 2004 S. 48–49.
  7. Pressemeldung Ministerium für Wirtschaft und Arbeit von Sachsen-Anhalt; FAZ-Artikel 2003; Hans Werner Dannowski, Vergessene Klöster: Reise in die Klosterlandschaft am Nordrand des Harzes, Hannover 2006 ISBN 3899936574, Monumente 2008/1 und Harzlife
  8. Christof Römer: Ilsenburg, Äbte. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 766.
  9. UB Ilsenburg 2, 1877, 535–546.
  10. Constanze Treuber: Gegossene Vielfalt. Hinstorff, Rostock 2007, S. 75.


51.85972222222210.678611111111Koordinaten: 51° 51′ 35″ N, 10° 40′ 43″ O