Lacoste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Lacoste als Bekleidungsmarke, für weitere Bedeutungen siehe Lacoste (Begriffsklärung).
Lacoste-Logo
Lacoste-Boutique in München

Die LACOSTE S.A. (früher: La Chemise LACOSTE S.A.) ist die Holding-Gesellschaft der international bekannten französischen Bekleidungsmarke Lacoste.

Die Holding bestimmt die strategische Ausrichtung der Marke Lacoste und wacht über deren Image sowie die Vergabe weltweiter Lizenzen.[1] Unter dem Markennamen Lacoste werden Kleidung, Schuhe, Parfüm, Lederwaren, Brillen, Haushaltstextilien, Uhren, Schirme und andere diverse Accessoires im oberen Mittelpreissegment vertrieben. Das Markenzeichen von Lacoste ist ein stilisiertes Krokodil, welches zu den bekanntesten Logos der Welt gehört. Das Unternehmen ist auf allen Kontinenten der Welt (außer Antarktika) tätig. Seit Ende 2012 ist das ehemalige Familienunternehmen Lacoste in der Hand der schweizerischen Maus Frères Holding aus Genf, die sich bereits ab Ende der 1990er Jahre als Minderheitsaktionär an Lacoste beteiligt hatte.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Ein Lacoste-Tennisshirt der Frühjahrskollektion 2006

René Lacoste[Bearbeiten]

Lacoste wurde von dem erfolgreichen französischen Tennisspieler René Lacoste (1904–1996) – einem mehrfachen French Open, Wimbledon und US Open Gewinner – gegründet. Das wahrscheinlich bekannteste Kleidungsstück von Lacoste ist das Polohemd, das Lacoste 1927 zunächst für den eigenen Bedarf als Tennishemd entwarf. Bis dahin wurde in normalen weißen Oberhemden samt weißem Blazer Tennis gespielt. Die Lacoste-Polohemden hatten den eindeutigen Vorteil, dass sie durch den speziell entwickelten Rippenstoff (Jersey Petit Piqué) luftiger als die anderen Hemden waren. Das erste Polohemd von Lacoste war wie die Tennishemden natürlich weiß. Dieses Polohemd ist auch als „L 12.12“ bekannt, eine Codierung, die das Unternehmen als 'L' für Lacoste, '1' für den neuartigen Piqué-Stoff, '2' für die kurzärmelige Version und '12' für das von René Lacoste ausgewählte Mustermodell erklärt.[2]

Dass René Lacoste als Unternehmenslogo ein Krokodil wählte, hängt mit einer Begebenheit im Jahr 1923 zusammen. Sein Tennis-Teamkollege und Davis-Cup-Kapitän Pierre Gillou hatte René Lacoste bei einem Schaufensterbummel in Boston einen Koffer aus Alligatorenleder versprochen, falls dieser das am selben Nachmittag abgehaltene Tennismatch gewänne. Obwohl Lacoste die Partie verlor, haftete von nun an der Spitzname „Das Krokodil“ an ihm, den die amerikanische Presse mit Bezug auf das Koffer-Versprechen lanciert hatte.[3] Dabei wurden sinnbildlich die kämpferischen und zähen Eigenschaften eines Krokodils auf René Lacostes exzellentes Tennisspiel übertragen. Lacoste ließ sich daraufhin ein mittelgroßes grünes Stoffabzeichen in Form eines Krokodils in Brusthöhe an seine Tenniskleidung nähen.

Als Lacoste 1933 eine Kooperation mit dem französischen Strickwarenhersteller André Gillier (1882–1935) zwecks Massenfertigung der Polohemden einging, wurde La Chemise Lacoste offiziell als Markenname eingetragen. Somit gilt 1933 als das Gründungsjahr des Unternehmens. Die Firma Établissements Gillier wurde schließlich 1961 von dem Textilkonzern Devanlay-Recoing (heute: Devanlay S.A.) des Industriellen Pierre Lévy (1907–2002) übernommen. Im gleichen Jahr wurden Lacoste-Artikel erstmals auf dem deutschen Markt verkauft.

Lacoste war die erste Bekleidungsfirma, die ihr Logo gut sichtbar auf den Kleidungsstücken anbrachte.[4] Das Lacoste-Krokodil wird dabei wie ein Abzeichen aufgenäht, im Gegensatz zu Hemden von Herstellern wie Ralph Lauren oder Fred Perry, wo das Logo eingestickt ist.

Nachfolge[Bearbeiten]

Von 1963 bis 2005 wurde das Unternehmen von René Lacostes Sohn Bernard Lacoste (1931–2006) geleitet, bis dieser die Geschäftsführung aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste. Von September 2005 bis Anfang 2008 leitete Bernards Bruder Michel Lacoste (*1944) das Unternehmen. Er war bis 2012 Präsident der Lacoste-Gruppe. CEO von Lacoste war ab 2008 als erstes Nicht-Mitglied der Lacoste-Familie der Franzose Christophe Chenut (*1961). Devanlay wurde ab 2009 von dem Spanier José Luis Duran, einem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Carrefour, geleitet, welcher auf den vormaligen Devanlay-CEO, Guy Latourette (*1944), folgte.

Der Kreativ-Direktor und Chef-Designer der Marke Lacoste ist seit 2010 der Portugiese Felipe Oliveira Baptista. Diesen Posten hatten zuvor Christophe Lemaire (2000–2010, danach zu Hermès), Gilles Rosier (1996–1999, danach zu KENZO) und ab den 1970er Jahren bis 1996 Ruben Torres inne.[5] Seit September 2003 werden die Lacoste-Kollektionen bei der zweimal jährlich stattfindenden New York Fashion Week vorgestellt.[6] In den Jahren zuvor waren die Entwürfe auf Lemaires Initiative bei den Pariser Modenschauen gezeigt worden.

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

1998 erwarb der Schweizer Einzelhandelskonzern Maus Frères 90 % der Anteile von Devanlay.[7][8] Damit ging eine weltweite Expansion und Verjüngung der Marke Lacoste einher, welche bis in die 1990er Jahre als „schlafender Riese“ gegolten hatte.[9] Im Jahr 2013 feierte Lacoste 80-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass lud Lacoste acht traditionsreiche französische Firmen ein, ein limitiertes Jubiläumsprodukt für Lacoste zu gestalten: Baccarat (Kristallvase), Bernardaud (Golf-Tees), Boucheron (Krokodil-Broschen), Christofle (Golfschläger aus Silber), Fauchon (Éclairs), Goyard (Reisetasche), Hermés (Tennistasche aus Krokodilleder), S.T. Dupont (Schreibwarenset).[10][11][12]

Hauptlizenznehmer und Vertragspartner im Bereich Bekleidung ist seit Gründerzeiten (als Nachfolgeunternehmen der Établissements Gillier) die Devanlay S.A. mit Sitz in Paris und Troyes, welche sich seit 1998 zu 90 % im Besitz der schweizerischen Maus Frères Holding befindet. Der Lacoste S.A. gehörten bis 2012 die übrigen 10 % der Anteile von Devanlay. Devanlay wiederum hielt einen 35%-igen Anteil an der Lacoste S.A.; die übrigen 65 % waren bis 2012 im Besitz der Familie Lacoste.[13] Ende 2012 übertrug Michel Lacoste aufgrund von Familienstreitigkeiten einen 30%-Anteil am Unternehmen Lacoste an die Maus Frères S.A., wodurch das Schweizer Unternehmen über Devanlay mit 65 % der Anteile Mehrheitsaktionär bei Lacoste wurde.[14] Michel Lacoste hatte zuvor auf Drängen seiner Kinder Sophie und Philippe Lacoste seinen Posten als Präsident der Lacoste-Gruppe räumen müssen, der im Anschluss mit Sophie Lacoste besetzt wurde.[15] Nach dem Verkauf der Anteile von Michel Lacoste sah sich auch Sophie Lacoste im Oktober 2012 genötigt, einen Anteil am Unternehmen Lacoste – zu diesem Zeitpunkt mit einer Milliarde Euro bewertet[16] – in Höhe von knapp 28 % an Maus Frères zu verkaufen.[17] Das Genfer Unternehmen hielt damit über 93 % der Anteile an Lacoste und kündigte an, auch die restlichen Aktien aufzukaufen. Anfang 2013 wurde José Luis Duran als Nachfolger von Christophe Chenut CEO der Lacoste SA.[18] Mit Sophie Lacoste Dournel und deren Kusine Béryl Lacoste Hamilton sitzen weiterhin zwei Mitglieder der Lacoste-Familie im Aufsichtsrat der Unternehmens.

Der Gesamtumsatz des Unternehmens lag 2010 bei 1,4 Mrd. Euro, wobei 60 % hiervon auf Bekleidung und Textilien entfielen. Im Geschäftsjahr 2011 wurden mit einem Gesamt-Umsatz von 1,6 Mrd. Euro die besten Umsatzzahlen in der bisherigen Firmengeschichte von Lacoste erzielt.[19] Im Jahr 2010 betrieb Lacoste in Deutschland 38 Boutiquen (zur Hälfte von Partnern betrieben); weltweit sind es mehr als 1100 Boutiquen. Das erste deutsche Lacoste-Geschäft war 1989 in Hamburg eröffnet worden.[20] In Deutschland kommen überdies fast 100 Lacoste-Verkaufsflächen in anderen Kaufhäusern hinzu. Die Verkaufszahlen von Lacoste liegen bei um die 48 Millionen Artikel jährlich. Die Kleidung von Lacoste wird zum Teil noch in Frankreich bei Troyes produziert, wobei ein Großteil und die Schuhe fast ausschließlich in Asien hergestellt werden. Für den U.S.-amerikanischen Markt besteht ein Fertigungswerk in Peru.

Das Unternehmen führt seit Jahren einen Kampf gegen Hersteller gefälschter Lacoste-Ware. Seit 2008 setzt sich Lacoste unter dem Slogan „Save our logo“ (dt.: schützt unser Logo) für bedrohte Arten von Krokodilen, Alligatoren, Kaimanen etc. ein. Darüber hinaus ist Lacoste im Bereich Sport-Sponsoring, besonders im Tennis-Segment, tätig.

Lizenzen[Bearbeiten]

Die Lacoste S.A. produziert selbst keine Ware, sondern vergibt stattdessen zahlreiche Lizenzen an verschiedene Herstellerfirmen für die unterschiedlichen Produkte im Portfolio der Marke.

  • Bekleidung und Lederwaren - Devanlay S.A. (Für Deutschland hält die Kölner Yello Sport GmbH eine Lizenz; die Lederwarenlizenz lag bis 2010 bei Samsonite)
  • Schuhe - Pentland Group
  • Parfüm - Procter & Gamble
  • Brillen - Marchon
  • Uhren - Movado
  • Heimtextilien - Zucchi
  • Schmuck - GL Bijoux Group
  • und weitere

Kollektionen[Bearbeiten]

  • Lacoste - sportliche Hauptkollektion für Damen, Herren und Kinder mit Bekleidung, Accessoires, Lederwaren, Parfüm, Uhren und Schuhen im oberen Mittelpreissegment
  • Lacoste L!VE - modische Damen- und Herren-Kollektion für ein jüngeres Publikum mit Bekleidung und Accessoires sowie eigenen Ladengeschäften (seit 2010 die Ersatz-Linie für die ursprünglich 2008 etablierte Lacoste RED! Kollektion)
  • Lacoste Home - im Jahr 2000 lancierte Heimartikel-Kollektion mit Bettwäsche, Handtüchern, Bademänteln etc.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lacoste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Vom Tennisplatz auf die Laufstege, faz.net, 5. Juli 2011
  2. Lacoste L 12.12, lacoste.com, abgerufen: 8. November 2011
  3. History of Lacoste, devanlay.fr, abgerufen: 8. November 2011
  4. Claudia Leu: Index Logo, MITP, ISBN 3-8266-1507-7, Seite 116
  5. Lacoste – Designer Fashion Label, nymag.com, abgerufen: 10. November 2011
  6. FASHION DIARY; Channeling Thurston Howell III, nytimes.com, 17. September 2003
  7. Maus Frères kontrollieren Devanlay, textilwirtschaft.de, 26. März 1998
  8. Krokodil mit Potential, ionewmanagement.ch, 25. März 1998
  9. Das Krokodil taucht wieder auf, textilwirtschaft.de, 19. Juli 2001
  10. Lacoste - Maisons Francaises, lacoste.com, abgerufen: 9. Oktober 2013
  11. Lacoste & Maisons Francaises, elle.de, 25. Juni 2013
  12. Lacoste feiert 80.Geburtstag, vogue.de, 10. Juni 2013
  13. Lacoste Press Kit (Version vom 7. Juli 2011 im Internet Archive), lacoste.com, abgerufen: 8. November 2011
  14. Hungrige Maus schluckt Krokodil (Version vom 13. November 2012 im Internet Archive), ftd.de, 8. November 2012
  15. Lacoste: Maus schluckt Krokodil, derstandard.at, 8. November 2012
  16. Maus Frères übernimmt Lacoste komplett, textilwirtschaft.de, 15. November 2012
  17. Schweizer Maus-Gruppe übernimmt Lacoste, diepresse.com, 7. November 2012
  18. Lacoste ernennt neuen CEO, textilwirtschaft.de, 9. Januar 2013
  19. Lacoste bat son record historique de ventes, lefigaro.fr, 5. März 2012
  20. "Wir müssen in Deutschland unser Image liften", textilwirtschaft.de, 28. Januar 2010