Leó Frankel

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Leó Frankel

Leó Frankel (Léo Frankel) (* 25. Februar 1844 in Újlak, Óbuda; † 29. März 1896 in Paris) war ein marxistischer Politiker aus Ungarn und Mitglied der Rats der Pariser Kommune 1871.

Leben[Bearbeiten]

Frankel war der Sohn eines jüdischen Arztes und wurde 1844 in Altofen-Neustift (heute Teil von Budapest) geboren. Zur Ausbildung zum Goldschmied ging er zunächst nach Deutschland. Frankel arbeitete für verschiedene Zeitungen unter anderem für die Zeitung "Volksstimme" in Wien. In Frankreich wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet und zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde im Zuge des politischen Umbruchs am 4. September 1870 aus dem Gefängnis in Beauvais befreit. Während der Pariser Kommune im Jahr 1871 war er für Finanzen zuständig. Er war Beauftragter der Arbeits-, Gewerbe- und Handelskommission. Unter anderem ließ er in allen Bezirken der Stadt Arbeitsämter einrichten. Damit erfüllte er faktisch die Funktion eines Arbeitsministers. Frankel wurde bei der Verteidigung der Stadt verwundet, konnte aber in die Schweiz entkommen.

Später ging er nach London und beteiligte sich führend an der Arbeit der Ersten Internationale. Frankel arbeitete eng mit Karl Marx und Friedrich Engels zusammen. Außerdem schrieb er für die in Genf erscheinende Zeitung „Der Vorbote. Organ der Internationalen Arbeiterassociation“ von Johann Philipp Becker. Bereits seit 1867 war er Korrespondent der Zeitung Der Social-Demokrat.[1] Dort erklärte er Moses Heß 1869 für einen ehrlosen Lohnschreiber.[2]

Für seine Tätigkeit während der Zeit der Kommune wurde Frankel in Frankreich am 19. September 1872 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die englische Regierung verweigerte seine Auslieferung. Er war in sozialistischen Kreisen so berühmt, dass es eine Reihe von Personen gab, die sich für Frankel ausgaben, um so eine Unterstützung zu erhalten, so sei Wilhelm Blos mehrfach auf Betrüger reingefallen.[3]

Auf dem Kongress der Internationale in Den Haag (September 1872), stimmte er für den Ausschluss von Bakunin, James Guillaume, Adhémar Schwitzguébel aus der Internationale.[4] Frankel war korrespondierender Sekretär der Generalrats der I. Internationale für Österreich-Ungarn.

Im Jahr 1876 kehrte Frankel nach Ungarn zurück. Er gründete dort die zweisprachige Arberiter-Wochen-Chronik und war 1880 maßgeblich an der Gründung der Allgemeinen Arbeiterpartei beteiligt. Der Staat reagierte mit Repressionen und bereits 1882 wurde Frankel zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung ging er 1884 erneut ins Exil nach Wien. 1889 nahm er am Gründungskongress der Zweiten Internationale in Paris teil. Er starb an einer Lungenentzündung in Paris und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. 1968 wurde er auf den Friedhof Kerepesi temető in Budapest umgebettet.[5]

Eintragung in das Confession book von Jenny Marx (Tochter)[Bearbeiten]

Im September 1872 füllte Léo Frankel den Fragebogen in Den Haag für Jenny Marx aus. Die Fragen sind in der Handschrift von Eleanor Marx in französischer Sprache abgefasst.[6] Frankel beantwortete die Fragen in französischer Sprache:

Frage Antwort
Ihre Lieblingstugend (Votre vertu favorite) Modestie (malgré Goethe qui dit: Nur Lupen sind bescheiden)
– beim Mann (– bdans l'homme) Franchise
– – bei der Frau (–dans la femme) Se faisant [faire] obéir, en se faisant aimer
– Haupteigenschaft (– Idée Votre caracteristique) Susceptible
Auffassung vom Glück (Idée du bonheur) Liebend geliebt zu werden
– – Unglück (– – malheur) d' être expulsé de l'Internationale
Das Laster, das Sie entschuldigen (Le vice que vous excusez) Tous ceux qui résultent de notre sociéte
– – verabscheuen (– – détestez) platitude, hypocrisie
Ihre Abneigung (Votre aversion) Les gens qui trouvent toutes les institutions bonnes, parce qu'elles existent
Die historische Person, die Sie am meisten mögen (Les caractęres de l'histoire que vous admirez le plus) Thomas Münzer, Babœf
– – wenigsten mögen (detestez) Les Révolutionaires du lendemain
Lieblingsbeschäftigung (Occupation favorite) observer
– Held (– Héro) Celui que les historiens noment: Le Peuple
– Heldin (– Héroine) Luise Michel
– Dichter (– Poéte) Aesope, Heine, & auteur des chatiments
– Prosa (– Prosateurs) Thomas Buckle
– Farbe (–Coeur des yeux et des cheveux) noir
– Lieblingsblume (– Fleur favorite) Violette
– Lieblingsnamen (– Noms favoris) Elise, Marguerite & ???? Tussy
– Speise (– Plat) Pouding
– Motto (– Devise) S'il faut mourir, tâchons au moins [de] mourir pour une bonne cause.
Léo Frankel[7]
Septembre 1872

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Proklamation der sozialrepublikanischen Kommune in Paris. In: Der Volksstaat. Leipzig Nr. 31 vom 15. April 1871.[8]
  • Die Arbeiter und die Zollfrage. Mit besonderem Bezug auf Ungarn. Vorwärts, Leipzig 1876 Nr. 1 vom 1. Oktober, Nr. 2 vom 4. Oktober, Nr. 3. vom 6. Oktober und Nr. 4 vom 8. Oktober
  • anonym: Weder - Noch! In: Vorwärts, Leipzig 1877 Nr. 104 vom 5. September.
  • Karl Marx. Arbeiter-Wochen-Chronik, Budapest 1883. Nr. 122 vom 25. März 1883.[9]
  • Karl Marx als Denker und Agitator. o. O. und o. J.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Adlers Aufsätze, Reden und Briefe. Hrsg. vom Parteivorstand der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs. Erstes Heft: Victor Adler und Friedrich Engels. Wiener Volksbuchhandlung, Wien 1922, S. VII.[11]
  • Magda Aranyossi: Frankel Leó. Szikra, Budapest 1952 (2. Aufl. Akadémiai, Budapest 1974)
  • Magda Aranyossi: Leo Frankel. Übersetzt von Géza Engl. Dietz Verlag, Berlin 1957
  • Jean Bruhat, Jean Dautry, Emile Tersen: Die Paris Kommune von 1871. Hrsg. der deutschen Ausgabe Heinz Köller. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1971, S. 325 (Kurzbiografie)
  • János Jemnitz: Leo Frankel. In: International review of social history. Amsterdam 1972 ISSN 1469-512X, Band. 17.1972, 1 (Apr.), S. 391-394
  • The Hague Congress of the first International. September 2-7, 1872. Minutes and Documents. Progress, Moscow 1976
  • Die Geschichte der Zweiten Internationale. Band 1. Progress, Moskau 1983.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leó Frankel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jean Bruhat, Jean Dautry, Emile Tersen: Die Paris Kommune von 1871.
  2. Wilhelm Liebknecht an Moses Heß 28. November 1869. Wilhelm Liebknecht. Briefwechsel mit deutschen Sozialdemokraten. Band cI. 1862-1878. vHrsg. von Georg Eckert. Van Grocum, Assen 1975, S. 271-272, hier S. 272.
  3. Wilhelm Blos: Denkwürdigkeiten
  4. Die I. Internationale in Deutschland. (1864-1872). Dokumente und Materialien. Dietz Verlag, Berlin 1964, S. 679.
  5. Artikel in dem Jewish Virutal Library
  6. Familie Marx privat. Akademie Verlag, Berlin 2005 Abb. 48, ISBN 3-05-004118-8, S. 328–329.
  7. Er selbst unterschrieb in dieser Form: „Léo Frankel“.
  8. Nachdruck in: Tagebuch der Pariser Kommune. Dietz Verlag, Berlin 1971, S. 71-77.
  9. Nachdruck in: Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1983, S. 199-204.
  10. Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 8. Berlin 1981 Nr. 271, S. 63.
  11. Léo Frankel an Friedrich Engels 14. Juli 1883.
  12. Kapitel: Die Arbeiterbewegung in Ungarn. L. Frankel, S. 129-132.