Karl Kautsky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Deckblatt des Protokolls des Erfurter Parteitages 1891
Deckblatt des Protokolls des Erfurter Parteitages 1891

Karl Johann Kautsky (* 16. Oktober 1854 in Prag; † 17. Oktober 1938 in Amsterdam) war ein führender Theoretiker der deutschen und internationalen Sozialdemokratie.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben & Schaffen

[Bearbeiten] Jugend und Politisierung (1854–79)

Er wurde 1854 als Sohn von Minna Kautsky, einer Schauspielerin und Schriftstellerin, und Johann Kautsky, eines Theatermalers, in Prag geboren.

1875 kam er nach Österreich und studierte dort an der Universität in Wien bis 1878 Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft, er arbeitete zugleich als Schriftsteller und Kunstmaler. 1875 wurde Kautsky ebenfalls Mitglied der österreichischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).

[Bearbeiten] Marxismus und Sozialdemokratie (1880–99)

Zwischen 1880 und 1882 war Kautsky Mitarbeiter des Privatgelehrten Karl Höchberg in Zürich. Dort freundete er sich mit dem Sozialdemokraten Eduard Bernstein an und begann sich mit dem Marxismus zu beschäftigen. 1881 lernt er bei einer Reise nach London Karl Marx und Friedrich Engels kennen. 1883 gründete er die Zeitschrift Die Neue Zeit, deren Herausgeber und leitender Redakteur er bis 1917 blieb. Er schrieb politische und historische Studien, wurde zu einer Autorität auf dem Gebiet der Marx’schen Theorie.

Von 1885 bis 1890 lebte er in London und war eng mit Friedrich Engels befreundet. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes 1890 kehrte er nach Deutschland zurück, von 1890 bis 1897 lebte er in Stuttgart, wo Die Neue Zeit erschien. 1891 bereitete er zusammen mit August Bebel und Eduard Bernstein das Erfurter Programm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) vor. Auf der Grundlage der marxistischen Theorie strebte es eine sozialistische Gesellschaft in Deutschland an. Nach dem Tode von Friedrich Engels wurde Kautsky der wichtigste und einflussreichste Theoretiker der SPD und stand an der Seite von August Bebel im damals marxistischen Zentrum der Partei.

[Bearbeiten] Revisionismusdebatte, Imperialismuskritik, Parteiwechsel und Lebensende (1900–38)

1903 profiliert sich Kautsky in der Partei als Kritiker des Bernsteinschen Revisionismus, vermittelte zwischen der reformorientierten Parteiführung und der radikalen Linken. 1909 veröffentlichte er das Buch Der Weg zur Macht. 1914 brach er mit Rosa Luxemburg und der Parteilinken.

Zusammen mit Rudolf Hilferding, Karl Liebknecht und anderen entwickelte Kautsky ab ca. 1900 kritische Positionen zum Gesamtphänomen des Imperialismus, der nur durch den Sozialismus aufgehoben werden könnte. 1912 jedoch schwenkte er um und vertrat die These eines möglichen Ultra-Imperialismus, in dem ein Staaten-Kartell an die Stelle der imperialistischen Konkurrenz treten und somit das Wettrüsten und die Kriegsgefahr beseitigen könnte. Von Lenin wurde er für diese Auffassung ab 1915/17 entschieden kritisiert und seinerseits des Revisionismus bezichtigt.

1917 trat Kautsky der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) bei. Von 1918 bis 1919 war Kautsky im Rat der Volksbeauftragten Staatssekretär im deutschen Auswärtigen Amt. Ebenfalls 1918 wandte er sich scharf gegen die Oktoberrevolution in Russland und begründete das in der Schrift Die Diktatur des Proletariats. In der USPD war er bald isoliert, verließ die Partei 1919 und kehrte 1922 in die SPD zurück. 1925 war er Mitautor des Heidelberger Programms der SPD, das den Sozialismus durch Reformen erreichen wollte.

1924 war Kautsky wieder zurück nach Wien gegangen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 emigrierte er in die Niederlande und lebte bis zu seinem Tod im Oktober des selben Jahres in Amsterdam.

[Bearbeiten] Persönliches und Andenken

Gedenktafel in der Saarstraße
Gedenktafel in der Saarstraße

Kautsky war seit 1890 mit Luise Ronsperger (1864–1944) verheiratet. Er hatte drei Söhne. Er lebte lange Jahre in Berlin-Friedenau. Rosa Luxemburg, die ebenfalls in Friedenau (Cranachstraße 58) wohnte, verband eine enge Freundschaft mit seiner Frau Luise.

Am Haus Saarstraße 14 erinnert eine Gedenktafel an ihn.

[Bearbeiten] Werke

Karl Kautskys Nachlass wird vom Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis in Amsterdam verwaltet.

  • Karl Marx´ ökonomische Lehren. 1887.
  • Friedrich Engels. 1887.
  • Das Erfurter Programm in seinem grundsätzlichen Teil erläutert. 1892.
  • Die Vorläufer des neueren Sozialismus. 1895. (2 Bände)
  • Die Agrarfrage: Eine Uebersicht über die Tendenzen der modernen Landwirthschaft und die Agrarpolitik der Sozialdemokratie. 1899.
  • Die Soziale Revolution. 1902.
  • Ethik und materialistische Geschichtsauffassung. 1906.
  • Der Ursprung des Christentums. 1908.
  • Der Weg zur Macht. 1909.
  • „Der Imperialismus“. 1914. In: Die Neue Zeit, 1914/2.
  • Nationalstaat, imperialistischer Staat und Staatenbund. 1915.
  • Elsaß-Lothringen. Eine historische Studie. Dietz, Stuttgart 1917.
  • Die Diktatur des Proletariats. 1918.
  • Demokratie oder Diktatur. 1918.
  • Die Internationale. 1920.
  • Die proletarische Revolution und ihr Programm. 1922.
  • Die materialistische Geschichtsauffassung. 1927. (2 Bände)
  • Krieg und Demokratie. 1932. (3 Bände)
  • Erinnerungen und Erörterungen. 1960.

[Bearbeiten] Literatur

  • Georg Fülberth: Karl Kautskys Schrift 'Der Weg zur Macht' und seine Kontroverse mit dem Parteivorstand der SPD 1909. In: Karl Kautsky: Der Weg zur Macht. Anhang: Kautskys Kontroverse mit dem Parteivorstand, Hrg. und eingeleitet von Georg Fülberth. Europäische Verlagsanstalt Frankfurt am Main 1972. ISBN 3-434-45012-2
  • Erich Matthias: Kautsky und der Kautskyanismus. Die Funktion der Ideologie in der deutschen Sozialdemokratie vor dem ersten Weltkrieg. In: Marxismusstudien, 2. Folge, Hrg. von Iring Fetscher, Tübingen 1956, S. 151-197
  • W. I. Lenin: Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky. In: Lenin: Werke, Berlin 1955–1962, Bd. 28, S. 225-327

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Texte

[Bearbeiten] Allgemeines

Persönliche Werkzeuge