Lily Braun
Lily Braun, geboren als Amalie von Kretschmann, in erster Ehe Lily von Gizycki, (* 2. Juli 1865 in Halberstadt; † 9. August 1916 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin.
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Leben [Bearbeiten]
Lily Braun kam als Tochter des preußischen Generals Hans von Kretschmann zur Welt. Ihre Großmutter mütterlicherseits, Jenny von Gustedt, geborene Rabe von Pappenheim, ist die uneheliche Tochter von Jérôme Bonaparte und damit war sie mit dem Haus Bonaparte verwandt. Ihre Großnichte Marianne von Weizsäcker, geborene von Kretschmann, ist die Ehefrau von Richard von Weizsäcker.
1893 heiratete Lily Braun den Philosophieprofessor Georg von Gizycki, der den Sozialdemokraten nahestand, ohne jedoch Parteimitglied zu sein. Nach dessen Tod heiratete sie 1896 den sozialdemokratischen Politiker und Publizisten Heinrich Braun.
Lily Braun trat schon früh der SPD bei und wurde eine der Führerinnen der deutschen Frauenbewegung. Im Laufe ihrer politischen Karriere versuchte sie, zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung zu vermitteln, wurde dafür aber von beiden Seiten scharf kritisiert. Auch die von ihr propagierte Idee, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit zu verbinden (ein Modell, das sie selbst lebte), stieß auf Kritik. Als Tochter aus adligem Haus wurde sie von der sozialistischen Frauenbewegung – allen voran Clara Zetkin und Ottilie Baader – eher abgelehnt, obwohl sie sich selbst dieser Bewegung zugehörig fühlte. Clara Zetkin verriss die 1901 erschienene Studie Die Frauenfrage in der sozialistischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit. Den bürgerlichen Frauen hingegen waren ihre Ideen zu radikal. Um die Doppel- und Dreifachbelastung berufstätiger Frauen zu reduzieren, forderte Lily Braun die Herabsetzung der Arbeitszeit auf das geringste Tagesmaß. Sie propagierte neue Formen des Zusammenlebens und entwarf in einem 1901 erschienenen Aufsatz das Modell des Einküchenhauses.
Als „ganze Halbheit“ kritisierte sie die Ausgestaltung der Wöchnerinnenversicherung, da sie nicht einmal die notwendigsten Bedürfnisse von Mutter und Kind gedeckt sah,[1] sowie die Unzulänglichkeit des Sozialversicherungswesens, das ganze Bereiche ausschloss, die als Frauenarbeit angesehen wurden. Dazu gehörten insbesondere der häusliche Dienst, die Heimarbeit und die Landarbeit.[2]
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterstützte sie vorbehaltlos die Kriegspolitik des Kaiserreichs. Bis zu ihrem Tod 1916 infolge eines Schlaganfalles lebte sie in Kleinmachnow. Ihr Sohn, der Lyriker Otto Braun, fiel im April 1918 an der Somme.
Ehrungen [Bearbeiten]
In mehreren Orten, so in Berlin und Hamburg, gibt es Lily-Braun-Straßen, in München einen Lily-Braun-Weg. Zudem wurde die Lily-Braun-Oberschule in Berlin-Spandau nach ihr benannt.
Werke [Bearbeiten]
- Die Frauenfrage. Ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite. Hirzel, Leipzig 1901. (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche bzw. eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche sowie Online-Volltext auf gutenberg.org)
- Hans von Kretschman, — (Hrsg.): Kriegsbriefe aus den Jahren 1870 – 1871. Reimer, Berlin 1903.
- Wahrheit oder Legende. Ein Wort zu den Kriegsbriefen des Generals von Kretschman
- Die Mutterschaftsversicherung. Ein Beitrag zur Frage der Fürsorge für Schwangere und Wöchnerinnen. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1906.
- Die Frauen und die Politik. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1903. – Online bei ALO.
- Im Schatten der Titanen. Erinnerungen an Baronin Jenny von Gustedt. (Ausgabe 3. Tausend unter dem Titel Im Schatten der Titanen. Ein Erinnerungsbuch an Baronin Jenny von Gustedt. Westermann, Braunschweig 1908).
- Memoiren einer Sozialistin. Roman. Band 1: Lehrjahre. (Autobiographie). Albert-Langen-Verlag, München 1909.
- Die Emanzipation der Kinder. Eine Rede an die Schuljugend. Albert-Langen-Verlag, München 1911.
- Memoiren einer Sozialistin. Roman. Band 2: Kampfjahre. (Autobiographie). Albert-Langen-Verlag, München 1911.
- Die Liebesbriefe der Marquise. Albert-Langen-Verlag, München 1912.
- Mutterschaft. Ein Sammelwerk für die Probleme des Weibes als Mutter. Albert-Langen-Verlag, München 1912.
- Die Frauen und der Krieg. Zwischen Krieg und Frieden, Band 17. S. Hirzel, Leipzig 1915. – Online bei ALO.
- Lebenssucher. Roman. Albert-Langen-Verlag, München 1915.
- Gesammelte Werke. Fünf Bände. Klemm, Berlin-Grunewald 1923.
- Mutter Maria. Eine Tragödie in fünf Akten. (Band 4, beigefügtes Werk).
- Madeleine Guimard. Eine lyrische Oper in drei Akten. (Band 5, beigefügtes Werk).
- —, Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.): Frauenarbeit und Beruf. Originalausgabe. Fischer-Taschenbücher, Band 2046, Die Frau in der Gesellschaft, Frühe Texte. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-596-22046-7. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
- —, Hans-Peter Oswald (Hrsg.): Die Frauenfrage – ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite. Nachdruck der Ausgabe Hirzel, Leipzig 1901. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-5774-4. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
Literatur [Bearbeiten]
- Elisabeth Heimpel: Braun, Lily. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 546 f. (Digitalisat).
- Dieter Borkowski: Rebellin gegen Preußen. Das Leben der Lily Braun. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1984. ISBN 3-596-23731-9.
- Antje Trosien, Claudia Walther: Lily Braun – Kämpferische und bekämpfte Sozialistin. In: Zeitschrift für Sozialistische Politik und Wirtschaft. Heft 1/97, ZDB-ID 282841-8.
- Ulla Terlinden, Susanna von Oertzen: Die Wohnungsfrage ist Frauensache. Frauenbewegung und Wohnreform. 1870–1933. Reimer, Berlin 2006, ISBN 978-3-496-01350-1., S. 137-185. – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
- Evelyn de Roodt: Het rebelse leven van Lily Braun. 1865–1916. Uitgeverij Ad. Donker, Rotterdam 2012, ISBN 9789061006664.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Lily Braun im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lily Braun. In: FemBio. Frauen-Biographieforschung (mit Literaturangaben und Zitaten).
- Kai-Britt Albrecht, Levke Harders: Tabellarischer Lebenslauf von Lily Braun im LeMO (DHM und HdG)
- Werke von Lily Braun. In: Project Gutenberg.
- Werke von Lily Braun. In: Zeno.org.
- Werke von Lily Braun. In: Projekt Gutenberg-DE.
- Edeltraud Glaser: Für ein selbstbestimmtes Leben: Lily Braun und die Frauenemanzipation Bayerischer Rundfunk, (pdf.)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Lily Braun: Die Frauenfrage. Ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite
- ↑ Kirsten Scheiwe: Soziale Sicherungsmodelle zwischen Individualisierung und Abhängigkeiten. Abgerufen am 25. März 2009 (PDF; 2,0 MB). S. 131
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Braun, Lily |
| ALTERNATIVNAMEN | Kretschmann, Amalie von (Geburtsname); Gizycki, Lily von (Name aus 1. Ehe); Gizycki-Braun, Lily von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schriftstellerin, Sozialistin und Frauenrechtlerin |
| GEBURTSDATUM | 2. Juli 1865 |
| GEBURTSORT | Halberstadt, Provinz Sachsen, Königreich Preußen |
| STERBEDATUM | 9. August 1916 |
| STERBEORT | Berlin, Königreich Preußen, Deutsches Kaiserreich |