Lipari

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Lipari
Wappen
Lipari (Italien)
Lipari
Staat: Italien
Region: Sizilien
Provinz: Messina (ME)
Lokale Bezeichnung: Lìpari
Koordinaten: 38° 29′ N, 14° 57′ O38.47972222222214.955Koordinaten: 38° 28′ 47″ N, 14° 57′ 18″ O
Fläche: 88,61 km²
Einwohner: 12.159 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 137 Einw./km²
Stadtviertel Alicudi, Filicudi, Panarea, Stromboli, Vulcano, Lipari:Canneto, Acquacalda,Quattropani,Pianoconte
Angrenzende Gemeinden Santamarina Salina, Leni, Malfa
Postleitzahl: 98055
Vorwahl: 090
ISTAT-Nummer: 083041
Schutzpatron: San Bartolo

Die Insel Lipari gehört mit ihren Nachbarinseln Stromboli, Salina, Vulcano, Panarea, Filicudi und Alicudi zur Inselgruppe der Äolischen oder Liparischen Inseln (italienisch: Isole Eolie) im Tyrrhenischen Meer.

Lipari ist der Name der Gemeinde, der Insel und des Hauptortes. Die Insel gehört zur Region Sizilien in Italien und liegt in der Provinz Messina.

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst ein Gebiet von 88,61 km² und hat 12.159 Einwohner (Stand 31. Dezember 2012), von denen 5000 im gleichnamigen Hauptort Lipari leben. Zu der Gemeinde gehören auch die Ortsteile Alicudi, Filicudi, Panarea, Stromboli und Vulcano auf den gleichnamigen Inseln.

Die nächstgelegenen Gemeinden sind Santa Marina Salina, Leni und Malfa, sie liegen alle auf der Insel Salina.

Geologie[Bearbeiten]

Bimsabbau bei Acquacalda

Die Insel Lipari ist vulkanischen Ursprungs, allerdings ist kein aktiver Vulkanismus mehr vorhanden. Die Entstehung erfolgte in mehreren Phasen, wobei sowohl die Eruptionszentren als auch das eruptierte Material sehr verschieden waren. Während der Süden der Insel zusammen mit der benachbarten Insel Vulcano entstanden ist und Lavadome aufweist (z.B. Monte Guardia), ist der Westen und Osten durch strombolianische Eruptionen entstanden, in der Mitte befinden sich die Stratovulkane Monte Chirica (höchste Erhebung der Insel, 602 m hoch) und Monte S. Angelo, und im Nordosten gibt es die bis zu 300 m dicken Bimsablagerungen und zwei Obsidianströme des Monte Pilato (476 m hoch).

Der Obsidian wurde schon seit der Jungsteinzeit abgebaut; Funde aus dieser Zeit gibt es im ganzen westlichen Mittelmeerraum. Die weißen Bimsablagerungen wurden bis 2007 abgebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Fischerhafen von Lipari
Schwertfisch-Fänger
Lipari von Marina Lunga aus

Eine Besiedlung der Insel lässt sich seit etwa 4000 v. Chr. nachweisen. Zu griechischer Zeit entwickelte sich der Ort Meliguni. Diodorus Siculus (Diodor) berichtet von einer Kolonisation der Liparischen Inseln zur Zeit der fünfzigsten Olympiade (580-576 v. Chr.) durch griechischstämmige Auswanderer aus Knidos und Rhodos. Der Gründer dieser Polis habe Liparos geheißen.[2]

Eine Besonderheit bildete angeblich das Gemeinwesen unter den Bewohnern. Aller Besitz war laut Diodor Gemeineigentum. Die arbeitsfähigen Männer wurden in zwei Gruppen geteilt: Eine Gruppe bewirtschaftete das Land und sicherte so die Nahrungsversorgung. Die andere Gruppe kämpfte auf See, verteidigte die Gemeinschaft gegen etruskische Seeräuber und fuhr später selber auf Beutezug. Die Einkommen beider Gruppen wurden bei Syssitien gleichmäßig verteilt.[3]

Dieser Zustand währte solange, bis die Gefahr durch Seeräuber gebannt war. Anschließend setzte ein Aufweichen dieser strengen Güterteilung zuerst mit der festen Aufteilung Liparas, später mit der Neuverteilung des Ackerlandes der anderen Inseln alle 20 Jahre durch ein Losverfahren ein. Diese Gesellschaftsform wurde in der Forschung zuweilen als Urkommunismus diskutiert. Diese Meinung ist jedoch stark umstritten, zumal Diodor, der Jahrhunderte später schrieb, als oft unzuverlässig gilt.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. geriet die Insel unter römische Herrschaft, und die griechische Sprache wurde in der Folgezeit vom Lateinischen verdrängt. Vom 5. bis zum Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. ist Lipari als spätantiker Bischofssitz bezeugt. Unter der anschließenden zeitweiligen Herrschaft der Sarazenen ging es in dieser Rolle unter. Während der Herrschaft der Normannen wurde das Bistum Lipari - Patti errichtet. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Lipari eine starke Festung. Der Ort befand sich damals in der Nähe der Kathedrale.

Während des Erdbebens von 1783 wurde Lipari zum größten Teil zerstört. Erst 1939 bauten die Einwohner einen Einschnitt in den Mauergürtel und schufen somit einen direkten Zugang zum Schloss und der Kathedrale.

Stadtbild und Bauwerke[Bearbeiten]

Fischerboote im Hafen und Blick auf den Burgberg
Amphoren im Archäologischen Museum in Lipari
  • Der Burgberg mit der Burganlage aus dem 16. Jahrhundert, im Inneren des Mauerrings der Burg liegt auch die Kathedrale San Bartolomeo, heute Konkathedrale des Erzbistums Messina-Lipari-Santa Lucia del Mela
  • Das Archäologische Museum, das größtenteils in der Burg untergebracht ist, mit Fundstücken aus der Vorzeit und Frühzeit von Lipari, Inschriften von Nekropolen, weitere Abteilungen befassen sich mit der klassischen Archäologie und der Meeresarchäologie, zusätzlich gibt es eine vulkanologische Abteilung
  • Marina Corta mit der Piazza Ugo di Sant' Onofrio und der Kirche Anime del Purgatorio
  • Die archäologische Zone außerhalb der Stadt

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Santi Luigi Agnello: L'iscrizione di Proba. In: Luigi Bernabò Brea: Le isole Eolie dal Tardo Antico ai Normanni (= Biblioteca di Felix Ravenna. Bd. 5). Edizioni del Girasole, Ravenna 1989, ISBN 88-7567-192-3, als Anhang.
  • Peter Amann: Liparische Inseln. Mit reisepraktischen Tipps zu Neapel und Milazzo. 5., aktualisierte Auflage. Iwanowski's Reisebuchverlag, Dormagen 2010, ISBN 978-3-933041-91-3.
  • Luigi Bernabò Brea: Le isole Eolie dal Tardo Antico ai Normanni (= Biblioteca di Felix Ravenna. Bd. 5). Edizioni del Girasole, Ravenna 1998, ISBN 88-7567-192-3.
  • Wolfgang Krönig: Sul complesso architettonico normanno contiguo alla Cattedrale di Lipari. In: Archivio Storico Siracusano. NS Bd. 5, 1978/1979, ISSN 0044-8737, S. 91-99.
  • Roland Zoss: Die Insel hinterm Mond. Eine Äolische Erzählung. 2. Auflage. Licorne, Murten 2002, ISBN 3-85654-853-X, auch E-Book Englisch und Französisch.
  • Hans Pichler: Italienische Vulkan-Gebiete III - Lipari, Vulcano, Stromboli, Tyrrhenisches Meer. (=Sammlung Geologischer Führer 69). Verlag Gebr. Borntraeger, Stuttgart 1990, ISBN 3-443-15052-7

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Diod. 5,7-11. Vgl. Diodorus Siculus. Griechische Weltgeschichte. Buch I-X, übers. von Gerhard Wirth, Stuttgart 1993.
  3. Stefan Link: Lipara, der Beutestaat. In: Laverna 13, 2002, S. 45–55.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lipari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien