Ludwig-Musser

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Ludwig-Musser ist ein Hersteller von Schlagzeugen und Perkussion-Instrumenten. Das Unternehmen gehört heute zu Conn-Selmer, Inc.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfangsjahre[Bearbeiten]

Die amerikanische Firma Ludwig wurde 1909 von den zwei Söhnen des deutschen Einwanderers William F. Ludwig senior gegründet. Zunächst betrieben die Brüder Theobald (1888–1918)[1] und William F. Ludwig junior (1916–2008) das Unternehmen gemeinsam unter dem Namen Ludwig & Ludwig. Ihre erste Neuentwicklung war ein verbessertes Pedal für die Große Trommel. Mit diesem war es möglich, schneller zu spielen ohne Einbußen bei der Lautstärke zu haben.[2] Es folgte die Entwicklung einer Pauke, die 1916 abgeschlossen wurde. In den 1920er Jahren erweiterte Ludwig & Ludwig die Produktpalette um Banjos, machte dabei allerdings Verluste, was in der Weltwirtschaftskrise dazu führte, dass das Unternehmen von C. G. Conn übernommen wurde.[3] William F. Ludwig führte das Geschäft im Auftrag von Conn bis 1936 weiter, bevor er sich entschied, ein eigenes Unternehmen zu gründen.[4]

W.F.L. Drum Company[Bearbeiten]

1937 gründete William F. Ludwig in Chicago sein neues Unternehmen unter dem Namen W.F.L. Drum Company. Das erste Produkt, das er auf den Markt brachte, war das „Speed King Pedal“. 1955 gelang es, Ludwig & Ludwig von C. G. Conn zurückzukaufen. Daraufhin wurde die Firma in Ludwig Drum Company umbenannt.

The Beatles und der Aufstieg zum Weltunternehmen[Bearbeiten]

The-Beatles-Logo mit dem abgesenkten T

Weltruhm erlangte das Unternehmen durch einen Zufall. Ringo Starr, der Schlagzeuger der Beatles, wollte 1963 ein neues Schlagzeug erwerben. Bis zu diesem Zeitpunkt spielte er eines der Firma Premier. Beim Händler Ivor Arbiter sah er ein Muster des Farbtones „Black Oyster Pearl“, das ihm gefiel, allerdings nur von Ludwig vorrätig war. So entschied sich Ringo Starr für diese Marke. Dort wurde auch das berühmte Beatles-Logo mit dem dropped (deutsch: abgesenktem) T entworfen und auf die Bass Drum aufgemalt. Mit zunehmender Bekanntheit der Beatles verbreitete sich auch der Name Ludwig, deren Logo neben dem Bandnamen auf dem Fell der Bass Drum angebracht war. Neugegründete Bands kopierten nicht nur die Musik, sondern auch die Kleidung und die Ausrüstung der Beatles. So konnte Ludwig die Produktion extrem steigern. Dieses wiederum hatte einen Multiplikationseffekt, da auch weitere Bands, die Ludwig spielten, Weltruhm erlangten, deren Fans dann ebenfalls Ludwig bevorzugten.

1966 wurde das Geschäft durch die Übernahme der Musser Marimba Company ausgeweitet. Musser stellte Schlaginstrumente wie Vibraphone, Marimbaphone und Röhrenglocken her. Damit deckte Ludwig die komplette Palette im Bereich der Schlaginstrumente ab.[2]

In den 1960er- und 1970er-Jahren war Ludwig die weltmarktführende Schlagzeugfirma. Für seine Verdienste um Ludwig erhielt Ringo Starr bereits 1964 von dem Unternehmen eine spezielle Snare.

Vistalite[Bearbeiten]

Bekannt war Ludwig auch für seine durchsichtigen Schlagzeuge aus Acryl, die in diversen Farben und Bemusterungen unter der Bezeichnung „Vistalite“ angeboten wurden (hauptsächlich in den Farben clear, amber und blue). Die Markteinführung war im Jahr 1972. 1979 wurde die Produktion dieser Schlagzeuge eingestellt. Einer der bekanntesten Musiker auf dem Vistalite war John Bonham.

Übernahme durch Selmer[Bearbeiten]

1981 wurde Ludwig von der Selmer Company übernommen.

Ab den 1980er-Jahren verlor Ludwig zunehmend Marktanteile. Dies war zum einen den aufgekommenden japanischen Konkurrenzunternehmen wie Pearl, Yamaha und Hoshino Gakki (Tama) geschuldet, zum anderen aber auch der mangelnden Verarbeitungsqualität.

Tomhalterung[Bearbeiten]

Bis Ende der 1960er-Jahre montierte Ludwig eine leicht gebogene Rosette auf der Bass Drum. Wegen der Form wird diese als sogenannte „Bananentomhalterung“ bezeichnet. Der Dorn, auf den das Hängetom gesteckt und befestigt wurde, konnte auf der Bass Drum durch diese Konstruktionen nach links oder rechts geschoben und positioniert werden (engl. „Rail Consolette“).

Ab Ende der 1960er-Jahre wechselte Ludwig zu einem neuen Tomhaltesystem, das zum heutigen Standard gehört und unter anderem von Tama verwendet wird. Dieses war nun mittig angebracht. Ein Grund hierfür war die zunehmende Verwendung von zwei Hängetoms. Hierbei wurde nun ein langes Rohr in der Bass Drum versenkt, was jetzt eine gute Höhenverstellung ermöglichte, auf dem die geriffelten Dorne für die Tomaufnahmen befestigt sind. Diese sind unkompliziert in beinahe alle Richtungen verstellbar.

Speed King[Bearbeiten]

Legendär ist die Ludwig „Speed King“-Fußmaschine, die über lange Zeit Maßstäbe setzte. Sie war als besonders schnell bekannt. Die Maschine wurde 1936 unter der Nummer - POSK - NTC zum Patent angemeldet.

Snares[Bearbeiten]

Snares von Ludwig sind bis heute legendär. Hier sind die Black Beauty, Super Sensitiv oder Supraphonic zu nennen. Die Supraphonic unterscheidet sich durch die bei der Super Sensitiv angebrachte Parallelabhebung von dieser. Durch die Parallelabhebung entsteht allerdings auch ein deutlicher Klangunterschied. Die Super Sensitiv wurde hauptsächlich in den 1960er-Jahren verwendet, während die Supraphonic von vielen Rock- und Hard-Rock-Schlagzeugern verwendet wird/wurde, wie beispielsweise von John Bonham (Led Zeppelin), Ian Paice, Ginger Baker, Carl Palmer und Steve Gadd. Diese gibt es in den Maßen 14"×5 und 14"×6,5". Letztere setzte sich im Hard-Rock-Bereich durch, da sie im Gegensatz zur 5" durchsetzungsfähiger ist.

In den 1980er-Jahren wurde die Ludwig Coliseum viel verwendet. Dies ist eine Holzsnare in den Maßen 14"×8". Sie gab in vielen Produktionen den typischen 1980er-Snare-Sound.

Vintage[Bearbeiten]

Auf dem Vintage-Markt sind Schlagzeuge und Trommeln von Ludwig die begehrtesten Schlaginstrumente und erzielen hohe Preise. Dies gilt insbesondere für die Black Beauty-Snares.

Bekannte Ludwig-Schlagzeuger[Bearbeiten]

Zahlreiche berühmte Schlagzeuger spielten oder spielen Schlagzeuge von Ludwig. Einige davon sind:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig-Musser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • William F. Ludwig II: The Making of a Drum Company. Rebeats Publications, 2001, ISBN 1-888408-05-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.vintagedrumguide.com: Theobald Ludwig; abgerufen am 27. April 2013.
  2. a b Ludwig History; Geschichte des Unternehmens auf der offiziellen Website
  3. Geschichte von C. G. Conn; abgerufen am 15. Dezember 2008
  4. www.drummercafe.com: William F. Ludwig II (1916–2008); abgerufen am 27. April 2013.