Manfred Faber

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Manfred Faber (* 26. Oktober 1879 in Karlsruhe; † 15. Mai 1944 ermordet im KZ Auschwitz) war ein deutscher Architekt.

Leben[Bearbeiten]

Manfred Faber stammte aus einer Karlsruher Kaufmannsfamilie und hatte drei Schwestern. Er studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe zunächst Elektrotechnik und dann Architektur. 1903 zog er zunächst nach Düsseldorf, wo eine seiner Schwestern lebte, und 1914 nach Köln. Dort übernahm er nach dem Tod des Architekten Hermann Eberhard Pflaume 1921 dessen „Atelier für Baukunst und Kunstgewerbe“. Seine frühen Werke waren noch traditionell, während er in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu den Vertretern des Neuen Bauens zählte. Er wurde einer der wichtigsten Architekten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GAG.[1] Er war eng befreundet mit dem Ehepaar Hanstein, Inhaber des Kölner Kunstauktionshauses Lempertz, für die er 1933/34 deren Unternehmensgebäude am Neumarkt in Köln umbaute und erweiterte. Zuvor hatte er für Lempertz schon Aufträge über Ausstellungs- und Innengestaltung ausgeführt.[2]

Nach 1935 wurde Faber, der unverheiratet war, wegen seiner jüdischen Herkunft in das „Ghettohaus“ in der Cäcilienstraße zwangseingewiesen und später in das Messelager Köln überstellt. Von dort aus wurde er im Juli 1942 zunächst nach Theresienstadt und am 15. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er noch am selben Tag ermordet wurde.[1] Zwei seiner Schwestern wurden ebenfalls deportiert und gelten als verschollen. Die dritte Schwester emigrierte nach Argentinien.

Arbeit als Architekt[Bearbeiten]

Haus in der Kölner Märchensiedlung

Als umfangreichste Arbeit Fabers gilt der Bau von Fabrikanlagen und einer Wohnsiedlung der Erftwerk AG in Grevenbroich 1916/17. Von 1922 bis 1929 entstand im Zuge der rechtsrheinischen Stadterweiterung südlich der Bergisch-Gladbacher Straße in den Kölner Stadtteilen Holweide und Dellbrück die Märchensiedlung, geplant von Faber und Wilhelm Riphahn. Die Siedlung besteht aus 181 Einfamilienhäusern. Der Name soll die wohnreformerische Idee vom „Wohnen wie im Märchen“ ausdrücken, mit märchenhaften Straßennamen und kleinen Gassen.[3] Mit der Siedlung wurden Ideale der aus England kommenden Gartenstadtbewegung umgesetzt, deren Ziel es war, für Arbeiterfamilien ausreichenden Wohnraum zu schaffen mit einem Garten, in dem die Familien Gemüse anbauen und Kleintiere halten konnten.[4]

Ab 1928 war Faber an der Planung der „Naumann-Siedlung“, benannt nach dem evangelischen Theologen und liberalen Politiker Friedrich Naumann, in Köln-Riehl beteiligt, weitere Architekten dieser Siedlung waren Otto Scheib, Fritz Fuß und Hans Heinz Lüttgen.[5] Zudem plante er Mehrfamilienhäuser entlang des Höninger Wegs in Köln-Zollstock (1927/1928), Häuser in der sogenannten „Professoren-Siedlung“ in Köln-Marienburg (1921/1922) und zahlreiche weitere Wohn- und Bürogebäude besonders in Köln.[6] 1926 legte er einen Entwurf für die Mülheimer Brücke vor, der aber nach einem Wettbewerb nicht auserwählt und umgesetzt wurde.

Faber war ab 1918 Mitglied des in Köln ansässigen Architekten- und Ingenieur-Verein, 1936 wurde er aus rassenpolitischen Gründen ausgeschlossen. Zudem war er zeitweise Mitglied im Bund Deutscher Architekten (BDA) sowie im Deutschen Werkbund (DWB).

Ehrungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Ausstellung „Köln und seine jüdischen Architekten“ 2010 im NS-Dokumentationszentrum wurde Faber als einer von rund 50 jüdischen Kölner Architekten gewürdigt.[7]

Im Kölner Stadtteil Porz-Elsdorf ist seit 2006 eine Straße nach ihm benannt.[1]

Werk[Bearbeiten]

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten]

Villa Klute in Iserlohn
  • 1916/1917: Fabrikanlagen der Erftwerk AG in Grevenbroich
  • 1919–1921: “Wohnsiedlung Erftwerk” der Erftwerk AG in Grevenbroich (nur in Teilen realisiert)
  • 1921–1922: Einfamilienhäuser in Köln-Marienburg
  • 1922–1929: Märchensiedlung in Köln-Dellbrück und Köln-Holweide (gemeinsam mit Wilhelm Riphahn)
  • 1927–1928: Mehrfamilienhäuser in Köln-Zollstock
  • 1928–1930: Mehrfamilienhäuser in der „Naumann-Siedlung“ der GAG in Köln-Riehl, Boltensternstraße 111–131 / Stammheimer Straße 171–175 (mit Hans Heinz Lüttgen)
  • 1930: Villa Klute für den Fabrikanten Karl Klute in Iserlohn[8][9]

Schriften[Bearbeiten]

  • Billige Kleinwohnungen. Ein Vorschlag. Köln 1918.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Märchensiedlung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Gemeindeblatt der Synagogen-Gemeinde Köln, Dezember 2006 bis Januar 2007, S. 26 (PDF-Datei; 516 kB)
  2. Josef Hanstein wurde 1942 wegen „allzu großer Judenfreundlichkeit“ von der Gestapo längere Zeit im Keller des EL-DE-Hauses inhaftiert, kam aber durch Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten wieder frei.
  3. bilderbuch-koeln.de
  4. holweide-bv.de
  5. Geschäftsbericht 2008 der GAG Immobilien AG (PDF; 88 kB)
  6. Gemeindeblatt der Synagogen-Gemeinde Köln, Dezember 2006 bis Januar 2007, S. 27 (PDF-Datei; 2,10 MB)
  7. „Köln und seine jüdischen Architekten“ auf www.koelnarchitektur.de
  8. Klute schloss sich 1933 der NSDAP an. Vgl.: Volker Jakob (Hrsg.): Kolonnen und Kulissen. Der Nationalsozialismus im Film. Iserlohn 1933–1939. (Begleitheft zum Film) Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2009, ISBN 978-3-939974-08-6, S. 12. (online als PDF-Dokument mit ca. 1,09 MB)
  9. Jost Schäfer: Neues Bauen in Westfalen. Wohnhäuser des modern movement in der Provinz. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe (ISSN 0947-8299), 16. Jahrgang 2010, Heft 2 (online als PDF-Dokument mit ca. 5,54 MB), S. 48f.