Mary Pickford

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Mary Pickford, 1913
Mary Pickford (1915)

Mary Pickford (* 8. April 1892 in Toronto, Ontario; † 29. Mai 1979 in Santa Monica, Kalifornien, als Gladys Louise Smith) war eine kanadische Schauspielerin und Filmproduzentin der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit. Sie war zudem die einzige weibliche Mitbegründerin des unabhängigen Filmvertriebes United Artists und gehörte zu den 36 Gründungsmitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Oscars vergibt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Mary Pickford war das älteste von drei Kindern von John Charles Smith, einem Sohn methodistischer britischer Einwanderer, und dessen Frau Elsie Charlotte Printer, die unter den Pseudonymen Charlotte Hennessy und Charlotte Pickford als Schauspielerin tätig war. Mary hatte eine Schwester, Charlotte „Lottie“ Smith (* 1895), und einen Bruder, John Charles „Jack“ Smith Jr (1896–1933). Als sie fünf Jahre alt war, starb ihr Vater, und Mary fand sich in der Rolle der Ernährerin ihrer Mutter und ihrer Geschwister wieder. Ihre Mutter besserte das Einkommen für die Familie etwas auf, indem sie Untermieter aufnahm.

Unter dem Namen Baby Gladys tourte sie mit verschiedenen Vaudeville-Truppen durch Kanada und die USA. Um 1907 feierte sie bereits Erfolge am Broadway, wo sie mit 14 Jahren in das Büro von Impresario David Belasco stürmte und ihn überredete, ihr eine Rolle in dem Stück The Warrens of Virginia zu geben. 1909 konnte sie D.W. Griffith überzeugen, ihr Rollen in seinen Filmen zu geben. Noch im selben Jahr begann sie ihre Filmkarriere bei der Biograph. Bis 1912 hatte sie bereits in über 140 Filmen, zumeist kurze Einakter, mitgespielt.

D.W. Griffith, Mary Pickford, Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks, als sie den Gründungsvertrag von United Artists unterzeichnen (1919)

Pickford trug entscheidend zur Entwicklung des Star-Systems bei. Zunächst bekannt als The Girl with the Curls, verlangte das Publikum nach immer neuen Filmen mit der populären Darstellerin, die unter dem Namen Little Mary die Kinosäle füllte. Als sie nach einem hektischen Wechsel von Gesellschaft zu Gesellschaft schließlich zur I.M.P. ging, konnte man dort stolz verkünden: Little Mary is an I.M.P. now. Während sie bei Biograph noch 40 $ pro Woche verdiente, steigerte sie ihre Gage 1910 auf 175 $ und durch den Wechsel zu Majestic im Jahr 1911 auf 275 $ die Woche. Ein Jahr später zahlte ihr Adolph Zukor für den Wechsel zu seiner Famous Players Company bereits eine wöchentliche Vergütung von 500 $. Nach weiteren Wechseln verdiente sie 1916 wöchentlich 10.000 $ plus einen Bonus von 300.000 $. Durch die Gründung einer eigenen Produktionsgesellschaft war sie zudem prozentual an deren Einspielergebnissen beteiligt. Schon im Jahr darauf ging Pickford für eine Gage von 350.000 $ pro Film zur neugegründeten Gesellschaft First National. Sie erhielt völlige Gestaltungsfreiheit für ihre Filme, vom Drehbuch bis zum Final Cut. 1919 gründete sie mit Charlie Chaplin, D.W. Griffith und ihrem späteren Ehemann Douglas Fairbanks senior die Filmgesellschaft United Artists.

Mary Pickford um 1916

Pickfords Stellung war durchaus mit der von Chaplin zu vergleichen. Sie überwachte bei ihren Filmen jedes Detail und arbeitete nur mit den besten Fachleuten zusammen. Die Kameraleute Charles Rosher und Karl Freund waren an vielen ihrer späteren Erfolge beteiligt. Sie arbeitete auch oft mit dem Regisseur Marshall Neilan und der Drehbuchautorin Frances Marion zusammen. Für die Produktion von Little Lord Fauntleroy, bei dem sie 1921 sowohl den kleinen Lord als auch dessen Mutter spielte, setzte sie mit einer Szene, in der die Schauspielerin als kleiner Lord die Mutter und damit sich selbst umarmt, Maßstäbe. Gemeinsam mit Charles Rosher arbeitete sie über 16 Stunden an der Einstellung, die im fertigen Film nur einige Sekunden dauerte. In dem Film Stella Maris übernahm sie ebenfalls sowohl die Rolle der Stella als auch die des hässlichen Waisenmädchens Unity, und die fertigen Szenen, die Mary sozusagen mit sich selbst im Dialog zeigen, waren für die damalige Zeit revolutionär.

Pickford war schon früh unzufrieden damit, auf die Darstellung kleiner Mädchen festgelegt zu sein. Sie versuchte 1922 einen radikalen Imagewechsel, als sie Ernst Lubitsch engagierte, bei der Verfilmung von Faust Regie zu führen. Pickfords Mutter riet dringend davon ab, eine Kindsmörderin zu spielen, und Pickford ließ sich umstimmen. Später bedauerte sie diese Entscheidung sehr und machte sich Vorwürfe, dem Rat gefolgt zu sein. Mit Lubitsch kam die sehr autokratische Pickford nicht gut aus. Als beide sich nicht auf das Kostümdrama Dorothy Veron of Haddon Hall einigen konnten, schlug Lubitsch einen populären Roman der Zeit vor, der unter dem Namen Rosita schließlich in den Verleih kam. Pickford war von der Zusammenarbeit nicht angetan, obwohl sich die meisten Kritiker wohlwollend zeigten. Sie kehrte nach einem zweiten missglückten Ausflug für die nächsten Jahre zu ihrem bewährten Image ins Erwachsenenfach zurück, und das Publikum fand dem Anschein nach wenig dabei, wenn eine über dreißigjährige Frau zwölfjährige Mädchen spielte. Der Streifen Sparrows von 1926, der Pickford gemeinsam mit anderen Waisen auf der Flucht aus einer Babyfarm in den Sümpfen von Florida zeigt, erregte Aufsehen durch Szenen, in denen die Kinder auf einem Baumstamm einen Sumpf voller Alligatoren durchquerten. Dafür wurden die Sequenzen mit den Reptilien zuerst gedreht und später in die Szenen mit Mary und den Kindern hineinmontiert. Lubitsch nannte den Film begeistert „das achte Weltwunder“.

Mit der Komödie My Best Girl aus dem Jahr 1927 versuchte Pickford endgültig, ihr Image als America's Sweetheart zu verlassen und Rollen zu übernehmen, die ihrem Alter eher entsprachen. Sie schnitt unter großem publizistischen Aufwand ihre Locken ab und ließ sich einen damals modernen Flapper-Haarschnitt, einen Bubikopf verpassen. Das Publikum nahm den Wechsel halbherzig an. Auf der Oscarverleihung 1930 (April) wurde Mary Pickford als beste Hauptdarstellerin für ihre Leistung in Coquette ausgezeichnet, mit dem sie ihr Tonfilmdebüt gab. Nach der wenig erfolgreichen Komödie Kiki, die aus Pickford einen französischen Vamp zu machen versuchte, hatte die Schauspielerin auch kein Glück bei dem Versuch von Walt Disney, 1933 mit Mary eine Version von Alice im Wunderland zu drehen. Ihr letzter Film wurde schließlich Secrets, der 1933 unter der Regie von Frank Borzage entstanden ist. Die Schauspielerinnen Janet Gaynor und Shirley Temple spielten danach in etlichen Remakes von Pickford-Filmen. In den folgenden Jahren fehlte es nicht an Versuchen, Pickford zu einem Comeback zu verhelfen. Zu den bekannteren Projekten gehörten Angebote für Unser Leben mit Vater und die Rolle der Norma Desmond in Sunset Boulevard. 1937 gründete sie die Mary Pickford Cosmetic Company. Ihre letzten Anteile an United Artists verkaufte sie 1953. Ihre Memoiren Sunshine and shadow erschienen 1955. 1976 wurde ihr der Ehrenoscar für das Lebenswerk verliehen; ein Fernsehteam übertrug Pickfords Dankesrede direkt aus ihrem Wohnzimmer auf Pickfair.

Die Schauspielerin überließ die Negative zu den meisten ihrer Stummfilme 1970 dem American Film Institute.

Privates[Bearbeiten]

Mary Pickford war dreimal verheiratet: von 1911 bis 1920 mit Owen Moore, von 1920 bis 1936 mit Douglas Fairbanks und von 1937 bis zu ihrem Tod mit Charles „Buddy“ Rogers. Während ihrer Ehe mit Fairbanks sen. war Pickford zeitweise die Stiefschwiegermutter von Joan Crawford. Pickford adoptierte mit ihrem dritten Mann zwei Kinder, 1943 einen Jungen namens Ronald und im Folgejahr das zweite Kind namens Roxanne. Laut der Dokumentation The Mary Pickford Story lag ihr die Mutterrolle allerdings nicht. Ihre Geschwister Lottie (1895–1936) und Jack Pickford machten ebenfalls Karriere beim Film. Jack war 1920 in den Skandal um den Tod seiner Ehefrau, der Schauspielerin Olive Thomas, verwickelt. Am 29. Mai 1979 verstarb Mary Pickford an einer Hirnblutung. Sie wurde im Garten der Erinnerung des Forest Lawn Memorial Park-Friedhofs in Glendale, Kalifornien, begraben. Neben ihr – auf dem privaten Grundstück – liegen ihre Mutter Charlotte und ihre Geschwister Lottie und Jack begraben.

1988 erregte der Kauf des Pickford-Anwesens durch Pia Zadora Aufsehen. Diese ließ es kurz darauf abreißen, wofür sie in der Öffentlichkeit heftig kritisiert wurde. 2007 veröffentlichte Katie Melua das Lied „Mary Pickford“, in dem auch Douglas Fairbanks und Charlie Chaplin erwähnt werden.

Filme (Auswahl)[Bearbeiten]

Daddy Long Legs im Mai 1919 im Verleih der „Mary Pickford Company“
  • 1917: The Little Princess
  • 1920: Pollyanna
  • 1920: Suds
  • 1921: The Love Light
  • 1921: Through the Back Door
  • 1921: Little Lord Fauntleroy
  • 1922: Tess of the Storm Country: Rosita
  • 1923: Rosita
  • 1924: Dorothy Vernon of Haddon Hall
  • 1925: Little Annie Rooney
  • 1926: Sparrows
  • 1927: My Best Girl
  • 1929: Der Widerspenstigen Zähmung
  • 1929: Coquette
  • 1930: Forever Yours
  • 1931: Kiki
  • 1933: Secrets

Literatur[Bearbeiten]

  • Kevin Brownlow: Mary Pickford Rediscovered. Rare pictures of a Hollywood legend. Abrams, New York 1999, ISBN 0-8109-4374-3.
  • Lee Raymond: The Films of Mary Pickford. Barnes, New York 1970, ISBN 0-498-07380-7.
  • Christel Schmidt, Hg.: Mary Pickford. Queen of the Movies. University Press of Kentucky, Lexington 2012, ISBN 978-0-8131-3647-9.
  • Eileen Whitfield: Pickford. The Woman Who Made Hollywood. University Press of Kentucky, Lexington 1997, ISBN 0-8131-2045-4.
  • Robert Windeler: Sweetheart. The Story of Mary Pickford. Praeger, New York 1973, ISBN 0-491-01210-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mary Pickford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien