Mexikanischer Unabhängigkeitskrieg

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Ferdinand VII., König von Spanien
Eine Statue von Miguel Hidalgo

Der Mexikanische Unabhängigkeitskrieg war der von 1810 bis 1821 dauernde bewaffnete Kampf der Mexikaner gegen die spanische Kolonialherrschaft. Er endete mit der Unabhängigkeit Mexikos.

Aufstand des Miguel Hidalgo 1810[Bearbeiten]

Zuerst handelte es sich um den Aufstand einer von Miguel Hidalgo (1753–1811), einem Priester aus Dolores, und von Juan Aldama geführten Gruppe von kreolischen Bauern, die am 16. September 1810 von Dolores aus mit dem Ruf „Viva México“ den Kampf gegen die in Spanien geborenen peninsulares aufnahm (Grito de Dolores, dt.: Schrei von Dolores).

Im benachbarten San Miguel de Allende schloss sich der schnell auf mehrere Zehntausende angewachsenen Menge von willigen Kämpfern der Leutnant Ignacio Allende an. Am 21. September nahmen die Aufständischen Celaya gewaltlos ein und rückten auf Guanajuato, die Hauptstadt der Intendencia, vor.

Dort verschanzte sich der Intendente Juan Antonio de Riaño y Barcena im städtischen Kornspeicher, welcher aber von Hidalgos Leuten beim Sturm auf die Alhóndiga de Granaditas am 28. September eingenommen werden konnte. Die Stadt wurde daraufhin zwei Tage lang geplündert.

Hidalgo nahm Valladolid (heute Morelia) und Guadalajara, wo er seinen Regierungssitz einrichtete, ein. Die königstreuen Truppen erstarkten aber ebenfalls und eroberten unter Führung von Félix María Calleja am 24. November Guanajuato zurück. Am 17. Januar 1811 schlug Calleja in der Schlacht am Puente de Calderón die Aufständischen vernichtend.

Die Anführer des Aufstandes wurden von den Spaniern gefangengenommen und am 30. Juli 1811 in Chihuahua hingerichtet. Die abgetrennten Köpfe der Anführer Hidalgo, Allende, Aldama und dem Mitverschwörer José Mariano Jiménez wurden zehn Jahre lang an den vier Ecken der Alhóndiga de Granaditas ausgestellt.

Weiterer Verlauf[Bearbeiten]

Ein weiterer Priester – José María Morelos (1765–1815) – rief am 6. November 1813 auf dem Kongress von Chilpancingo in der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero die Unabhängigkeit aus – beflügelt durch die Abdankung der Könige Karl IV. und Ferdinand VII. in Spanien sowie die Besetzung Spaniens durch Frankreich. Aber auch die folgenden Aufstände wurden von den spanischen Truppen – noch unter der Führung von Agustín de Itúrbide – in den Jahren 1814 bis 1816 niedergeschlagen, nachdem die Restauration in Europa auch die spanische Kolonialmacht in Mexiko wieder gestärkt hatte.

Itúrbide war ein typischer Vertreter der konservativen Oberschicht Mexikos, die zu den Kolonial-Herren des spanischen «Mutterlandes» gehörte oder mit diesen verbündet war, ebenso wie mit der konservativen Kirche, während die Rebellion vom einfachen einheimischen Volk, sowie von Liberalen und Freidenkern getragen wurde. Ereignisse in Spanien hatten jedoch eine unverhoffte paradoxe Wirkung auf diese mexikanische Oberschicht. Mit einer Militär-Revolte im Januar 1820 wurde der spanische König Ferdinand VII vorübergehend gezwungen, wieder die liberale Verfassung von 1812 einzuführen, sodass viele mexikanische Konservative überzeugt waren, sie könnten ihre Gesellschaftsordnung als unabhängigen Staat besser bewahren. Itúrbide nahm deshalb geheime Verhandlungen mit dem Rebellenführer Vicente Guerrero auf und wechselte 1820 im Rang eines Obersten und mit dem größten Teil seiner Truppen zu den Rebellen über. Im Februar des Jahres 1821 erarbeiteten er und Guerrero den Plan von Iguala, auch bekannt als Plan de las tres garantías (Plan der Drei Garantien), der die Idee eines vereinigten, unabhängigen und religiös freien Mexikos formulierte.

Mexiko erlangt die Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Nachdem nun beinahe alle Rebellen zu einer Kraft vereinigt waren, verlegte Spanien die „Kampfhandlungen“ von der militärischen auf die juristische Ebene. Am 24. August 1821 unterzeichnete Itúrbide als Chef des neuen Regierungsrates mit dem spanischen Vizekönig Juan O’Donojú den Vertrag von Córdoba, der den Plan de Iguala umsetzte und die Unabhängigkeit Mexikos um einen hohen Preis besiegelte: Die Spanier zogen ab, ließen sich ihren Besitz aber großzügig ausbezahlen. Da den Spaniern die besten Böden des Landes gehörten, blutete Mexiko ob dieser Vertragsklausel rasch aus – mit Folgen für die ganze weitere Geschichte im 19. Jahrhundert.

Feiertage[Bearbeiten]

Der Beginn des Unabhängigkeitskampfes wird heute als „El Grito de Dolores“ oder kurz „El Grito“ am 15. und 16. September gefeiert. Der jeweilige mexikanische Staatspräsident nimmt im zweitletzten Jahr seiner Präsidentschaft an Feierlichkeiten in Dolores teil, um an den Beginn des Kampfes zu erinnern. Dolores bezeichnet sich heute im Übrigen als Dolores Hidalgo und „Schmiede der Unabhängigkeit“, der Nachbarort San Miguel de Allende als „Wiege der Unabhängigkeit“. Der 8. Mai wird als Jahrestag zu Ehren des Geburtstages von Miguel Hidalgo (1753) gefeiert; der 30. September als Jahrestag zu Ehren des Geburtstages von José María Morelos; der 6. November ist ein Feiertag zu Ehren der Bekanntgabe der Unabhängigkeit durch den Kongress von Chilpancingo (1813).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jaime E. Rodríguez O.: „We Are Now the True Spaniards“. Sovereignty, Revolution, Independence, and the Emergence of the Federal Republic of Mexico, 1808–1824. Stanford University Press, Stanford 2012, ISBN 978-0-8047-8463-4 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten]