Michelle Nunn

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Michelle Nunn (2012)

Michelle Nunn (* 16. November 1966 in Perry, Georgia) ist eine amerikanische NGO-Geschäftsführerin und Politikerin der Demokraten. Sie bewarb sich bei der Wahl im November 2014 um die Nachfolge von Saxby Chambliss im Senat der Vereinigten Staaten. Ihr wurden während des Wahlkampfs Chancen eingeräumt, diesen Senatssitz für den republikanisch geprägten Bundesstaat Georgia zu erobern, sie verlor jedoch schließlich deutlich gegen David Perdue.

Michelle Nunn stammt aus einer politisch engagierten Familie; ihr Vater Sam Nunn war für die Demokraten 24 Jahre lang zentristischer[1] US-Senator für den Bundesstaat Georgia und war zuletzt 2008 als potenzieller US-Vizepräsidentschaftskandidat im Gespräch,[2] ihre Mutter Colleen Ann O’Brien arbeitete für US-Bundesbehörden und Geheimdienste. Michelle Nunn absolvierte die University of Virginia mit dem Bachelorgrad in Geschichte und Religionswissenschaft und mit Studienaufenthalten in Oxford und Indien. Ihren Master in öffentlicher Verwaltung erhielt sie an der John F. Kennedy School of Government (Harvard University).[3]

Zusammen mit elf weiteren Aktivisten gründete Michelle Nunn nach ihrem Studium 1989 die Initiative HandsOn Atlanta, die ehrenamtliche Freiwilligenarbeit initiierte und koordinierte und schnell wuchs. 2007 vereinigte sich die inzwischen US-weit operierende Organisation mit der 1990 auf Initiative von US-Präsident George H. W. Bush gegründeten Freiwilligeninitiative Points of Light unter diesem Namen; Michelle Nunn übernahm die Geschäftsführung dieser weltweit größten Organisation des Ehrenamts[4] und hat sie bis heute inne.[3] Unter mehreren Auszeichnungen wurde sie sechsmal in Folge (zuletzt 2012) in die Power & Influence Top 50 der Zeitschrift Nonprofit Times aufgenommen.[5] Vor der US-Senatswahl 2004 in Georgia war sie bereits als Kandidatin im Gespräch, lehnte aber aus familiären Gründen ab.[6]

Am 22. Juli 2013 gab Michelle Nunn bekannt, dass sie sich als Kandidatin für den US-Senat in der parteiinternen Vorwahl (Primary) der Demokraten in Georgia bewerbe, um den bisher vom Republikaner Saxby Chambliss gehaltenen Sitz bei der Wahl im November 2014 zu erobern. Das Ausscheiden des Amtsinhabers eröffnete trotz der republikanischen Dominanz in Georgia für die Demokraten in einem für sie generell schwierigen Umfeld 2014[7] eine der wenigen Möglichkeiten, einen Sitz im US-Senat dazuzugewinnen.[8] Auf republikanischer Seite erklärten drei Mitglieder des US-Repräsentantenhauses und eine frühere Staatssekretärin von Georgia ihre Kandidatur, darunter zwei als sehr konservativ geltende Männer, die im Falle einer Nominierung durch die Republikaner die Chancen Nunns erhöht hätten.[9] Als Vorzüge ihrer Kandidatur gelten ihre familiäre Herkunft (dank der langjährigen parteiübergreifend geschätzten Arbeit ihres Vaters im US-Senat und seiner Verbindungen zu potenziellen Geldgebern)[10] und ihre Distanz zur Partei- und Tagespolitik (bisher ohne politisches Amt und mit guten Verbindungen zur Familie Bush), als Nachteil ihre Unerfahrenheit auf der politischen Bühne.[1] Als Themen hob Michelle Nunn – wie es für Demokraten in republikanischem Umfeld üblich ist – Wirtschaftsförderung und Haushaltsdisziplin hervor.[11] Ihre Kandidatur wurde als Ausfluss eines Trends verstanden, dass in der US-Politik verstärkt Familien Dynastien bilden.[12] Der Wahlkampf war der teuerste in der Geschichte Georgias.[13]

Obwohl viele Umfragen im Wahlkampf Michelle Nunn Kopf an Kopf oder in Führung sahen und allgemein erwartet wurde, dass kein Kandidat am 4. November 2014 mehr als 50 Prozent erreichen würde und es daher zu einer Stichwahl hätte kommen müssen, verlor Nunn mit 45 zu 53 Prozent der Wählerstimmen deutlich gegen den Republikaner David Perdue.[14]

Michelle Nunn lebt mit ihrem Ehemann Ron Martin und zwei gemeinsamen Kindern in Atlanta.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Catalina Camia: Michelle Nunn Engages Battle for Senate in Georgia. In: USA Today, 23. Juli 2013.
  2. Jonas Oransky: ‘The Time Has Come’ for Sam Nunn as VP. The Perennial Could-be Is Perfect for Obama. In: Newser.com, 13. Juni 2008.
  3. a b Kurzvita und Blogbeiträge bei The Huffington Post.
  4. Hands On Network, Points of Light Foundation to Merge. In: Philanthropy News Digest, 19. Juli 2007.
  5. Michelle Nunn named to The 2012 NonProfit Times Top 50. In: HandsOn Network (Website).
  6. Michelle Nunn Decides Not to Run for Senate. In: Free Republic, 25. Oktober 2003.
  7. Larry J. Sabato, Kyle Kondik, Geoffrey Skelley: Senate 2014. One Direction, but How Far? In: Sabato’s Crystal Ball, University of Virginia Center for Politics, 27. Juni 2013.
  8. Paul Steinhauser: Will Nunn’s Entrance into Senate Race Put Georgia in Play? In: CNN (Onlineausgabe), 23. Juli 2013.
  9. Sean Sullivan: Michelle Nunn Means Georgia Republicans Need to Think Long and Hard About Their Senate Nominee. In: The Washington Post, 23. Juli 2013.
  10. Cameron McWirther: Michelle Nunn Enters Georgia Senate Race. In: Wall Street Journal, 23. Juli 2013.
  11. Sean Sullivan: Five Things to Know About Michelle Nunn. In: The Washington Post, 23. Juli 2013.
  12. Eric Ostermeier: Michelle Nunn: A Return to Dynastic Politics in Georgia? In: Smart Politics (Blog), University of Minnesota, Humphrey School of Public Affairs, 25. Juli 2013. Und allgemein Charles Mahtesian: The United States Of Dynasty: Boom Times For Political Families. In: New Public Republic, 18. Juli 2013.
  13. Kimberley Leonard: GOP's Perdue Trounces Nunn in GA Senate Race. In: USNews.com, 4. November 2014.
  14. Sarah Wheaton: David Perdue Beats Michelle Nunn to Avoid Georgia Senate Runoff. In: Politico.com, 4. Oktober 2014, aktualisiert am 5. Oktober 2014.
  15. Kurzbiographie auf der Website der NGO Points of Light.