Mittlere Don-Operation

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Die Mittlere Don-Operation (russisch Среднедонская операция) war eine Operation der Roten Armee, die vom 16. bis zum 30. Dezember 1942 im Rahmen der Stalingrader Gegenoffensive stattfand. Sie trug den Decknamen „Operation Kleiner Saturn“ (russisch Малый Сатурн).

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Operation Uranus hatte zur Einschließung der 6. Armee in Stalingrad geführt. Ende November 1942 begannen die sowjetischen Planungen für eine Nachfolgeoperation mit dem Decknamen „Saturn“. Dabei sollten die Südwestfront unter Nikolai Watutin und der linke Flügel der Woronescher Front unter Filipp Golikow die Stellungen der italienischen 8. Armee (zugehörig zur Heeresgruppe B) am mittleren Don sowie der „Gruppe Hollidt“ und der rumänischen 3. Armee der Heeresgruppe Don am Tschir durchbrechen und über Millerowo weiter in allgemeiner Richtung auf Rostow und Taganrog vorstoßen. Damit wäre der gesamte deutsche südliche Heeresflügel inklusive der noch im Kaukasus stehenden Heeresgruppe A abgeschnitten worden.

Zeitgleich zu dieser Operation sollten die Donfront und die Stalingrader Front die deutschen Kräfte im Stalingrader Kessel ausschalten (Operation „Kolzo“). Die Pläne für einen weitergehenden Vorstoß nach Rostow wurden jedoch Anfang Dezember aufgrund des hartnäckigen deutschen Widerstands bei Stalingrad abgeändert, da für „Saturn“ vorgesehene Kräfte (2. Garde-Armee) an die Donfront verlegt werden mussten. Der Beginn der Operation, der für den 10. Dezember angesetzt war, musste aufgrund von Transportproblemen auf den 16. verschoben werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Entsatzunternehmen „Wintergewitter“ der Armeegruppe Hoth im Raum Kotelnikowo, auf das vorläufig alle deutschen Anstrengungen gerichtet wurden, bereits begonnen. Als Ziel wurde den beteiligten Fronten jetzt nach der Zerschlagung der italienischen 8. Armee und der Gruppe Hollidt das Unterbinden der deutschen Angriffsbemühungen im Raum Morosowsk und Nischne-Tschirskaja gegeben. Der Name der Operation wurde dementsprechend in „Kleiner Saturn“ abgeändert.

Verlauf[Bearbeiten]

Verlauf der Operation

Am 16. Dezember um 8:00 Uhr begann die Offensive mit einem anderthalbstündigen Artilleriebeschuss. Danach überquerten die Angriffstruppen der 6. Armee und 1. Garde-Armee östlich von Nowaja Kalitwa den zugefrorenen Don und stießen aus ihren Brückenköpfen vor. Dichter Nebel verhinderte bis zum Mittag den Einsatz von Fliegerkräften zur Angriffsunterstützung. Jedoch gelang den Sowjets am 17. Dezember aufgrund ihrer starken Überlegenheit an Panzern der Durchbruch und ihre Angriffsspitzen stießen 20 bis 25 km vor. Die linke Flanke der Gruppe Hollidt wurde durch den italienischen Rückzug entblößt. Am gleichen Tag griff die 3. Garde-Armee in westlicher Richtung über den Tschir die Gruppe Hollidt an. Am Ende des 18. Dezember wurde die feindliche Front in vier Stücke zerschnitten. Um die Sowjets zu verlangsamen, wurden von anderen Frontabschnitten sowie aus Westeuropa vier Panzer- und vier Infanteriedivisionen hierher verlegt. Aufgrund der sowjetischen Erfolge entschied Erich von Manstein am 23. Dezember, das Unternehmen Wintergewitter abzubrechen.

Am 24. Dezember wurde der Flugplatz Tazinskaja mit dem dort befindlichen großen Vorratslager vom sowjetischen 24. Panzerkorps eingenommen. Von den 180 auf dem Flugplatz befindlichen Junkers Ju 52 konnten 108 entkommen.[1] Am Ende des 24. Dezember waren die Hauptkräfte der 8. Italienischen Armee bei Alekseewo-Losowskij und Werchne-Tschirskaja, wo sie eingeschlossen worden waren, zerschlagen. Ende Dezember erreichten die Truppen der Südwestfront die Linie Nowaja Kalitwa - Markowka - Woloschino - Tschernikowskij.

Folgen[Bearbeiten]

Die Rote Armee zerschlug elf Divisionen der Achsenmächte (5 italienische, 5 rumänische und eine deutsche) sowie drei italienische Brigaden, machte 60.000 Gefangene, erbeutete 1.900 Geschütze, 176 Panzer und 370 Flugzeuge, stieß 250–300 km vor und erreichte den Rücken der Heeresgruppe Don.

Alle deutschen Entsatzbemühungen für die in Stalingrad eingeschlossenen Truppen mussten nach dieser Niederlage abgebrochen werden, da die Stabilisierung der Front absoluten Vorrang erhielt. Damit war das Schicksal der 6. Armee praktisch besiegelt. Am 30. Dezember erhielt auch die von der Abschneidung bedrohte Heeresgruppe A im Kaukasus den Rückzugsbefehl.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles D. Winchester: Hitler's War on Russia. Osprey Publishing, 2011. ISBN 978-1-84603-195-3. S. 111.