Monetarisierung

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Unter Monetarisierung versteht man in der Wirtschaft allgemein den Vorgang, bei dem einer Sache, einer Tätigkeit oder einer Begebenheit ein Geldwert zugemessen wird. Unter anderem können folgende Phänomene gemeint sein:

  • der Versuch, für Leistungen, die vormals ohne Gegenleistung erbracht wurden, Geld zu verlangen,
  • die Zuordnung von Geldwerten (Zahlungsbereitschaften) zu Nicht-Sachwerten,
  • der Aufkauf bzw. Rückkauf von Schuldpapieren durch die Zentralbank des Staates, der die Schuldpapiere herausgegeben hat.

In der Geldgeschichte verwendet man den Begriff, wenn es um den über längere Zeit veränderlichen Verwendungsgrad von Geld geht.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Die wörtliche Bedeutung des Hauptwortes Monetarisierung lässt sich mit "Vergeldlichung", "Umwandlung in Geld" wiedergeben. Es wird aus dem Zeitwort monetarisieren ("in Geld umwandeln", "zu Geld machen") gebildet und setzt sich den folgenden Teilen zusammen:

  • aus dem Stamm monetar-, von lateinisch monētārius ("zur Münze gehörig", "Münz-"), zu lateinisch Moneta ("Mahnerin", "Warnerin"), ein Beiname der römischen Staatsgöttin Juno; im Heiligtum der mahnenden Schirmherrin Roms (Templum Iunonis Monetae) befand sich eine Münzstätte, wodurch Moneta später synonym für "Münze" bzw. "Münzstätte" wurde.
  • aus der Endung -isieren, über spätlateinisch -izāre eine ursprünglich griechische Endung in der Bedeutung machen zu, umwandeln in,

Zuordnung von Geldwerten[Bearbeiten]

Ziel einer Monetarisierung von Nicht-Sachwerten ist häufig, eine Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen. Das Verfahren wird zum Beispiel für die Bewertung von Umweltschäden bei der Planung von Infrastruktur angewendet.

Die Monetarisierung kann erfolgen

  • durch die Berechnung der Schadenskosten (wie stark sind wirtschaftliche Schäden durch die Zerstörung eines Biotopes, etwa wenn Fremdenverkehr gestört wird oder der Grundstückswert in der Umgebung sinkt),
  • durch die Bestimmung der Ersatz- oder Vermeidungskosten (was würde es theoretisch kosten, ein qualitativ ähnliches Biotop herzustellen),
  • durch die Ermittlung des potentiellen Preises (was würden Betroffene für einen Erhalt des Gutes zahlen) oder
  • durch die Ermittlung des kompensatorischen Preises (welchen Preis halten Betroffene für angemessen, um auf das Gut zu verzichten).

Ersatz- oder Vermeidungskosten können jedoch nur unter sehr restriktiven Bedingungen in eine wohlfahrsökonomische Kosten-Nutzen-Analyse einfließen, da hinter diesen Kosten nicht notwendigerweise tatsächliche gesellschaftliche Zahlungs- bzw. Kompensationsbereitschaften stehen. Zahlungs- bzw. Kompensationsbereitschaften können auch für Güter ermittelt werden, die keinen Marktpreis besitzen und auch nicht zu gängigen Marktgütern in einer engen Beziehung stehen. Hier werden sozialwissenschaftliche Umfragemethoden eingesetzt.

Monetarisierung von Staatsschulden[Bearbeiten]

Schließlich wird von Monetisierung[1] bzw. Monetarisierung von Staatsschulden gesprochen, wenn diese Schulden durch die jeweilige Zentralbank aufgekauft, also „in Geld verwandelt werden“, was in bestimmten Situationen als Beschönigung der Lage betrachtet werden kann und zum Teil heftig kritisiert wird[2]. Erfolgt die Monetarisierung dauerhaft, kann sie den faktischen Staatsbankrott des betroffenen Staates verschleiern (verschleierter Staatsbankrott). Dies ist der Fall, wenn der Staat seine Verbindlichkeiten zwar nominell bedient, dies jedoch faktisch nur mit entwertetem Geld erreichen kann. Bei der dauerhaften Monetarisierung betreibt die Zentralbank eine expansive Geldpolitik durch den Aufkauf von Staatsanleihen bei gleichzeitiger Ausschüttung der Seigniorage an den Staatshaushalt. Dieses Vorgehen unterscheidet sich im Extremfall kaum davon, den Staatshaushalt direkt durch die Ausgabe von Geld durch die Zentralbank zu decken („Geld drucken“). Faktisch wird die Geldmenge im Vergleich zur vorhandenen Gütermenge aufgebläht, d. h. das Geld der Bürger wird durch Inflation entwertet.

In Extremfällen folgt einer Monetarisierung mit Hyperinflation und verschleiertem Staatsbanktott eine Währungsreform. Da eine in Gang gebrachte Inflationsspirale für viele Bürger und die Wirtschaft in der Regel mit extremen Kosten verbunden ist, wurde in vielen Staaten der Einfluss der Regierungen auf die Zentralbank stark eingeschränkt oder die Monetarisierung verboten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeitspapier des Europäischen Parlaments
  2. FDP-Experte: „Monetarisierung von Staatsschulden führt zum Totalitarismus“, Handelsblatt online 11. November 2011

Quelle[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • TEEB-Studie zur ökonomischen Bewertung von biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen