Nationalheld

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Als Nationalhelden bezeichnet man Personen, die Teil des politischen Mythos einer Nation sind. Bekannte Beispiele sind William Wallace in Schottland, Jeanne d'Arc in Frankreich oder Wilhelm Tell in der Schweiz.

Der Mythos um eine zum Nationalhelden idealisierte Person dient der Personalisierung der Geschichte. Die Komplexität geschichtlicher und politischer Prozesse wird auf diese Weise aus dem Geschichtsbild einer Gesellschaft ausgeblendet und auf wenige Faktoren reduziert. Die Berufung auf einen Nationalheld erzeugt den Eindruck einer historischen Tradition und Kontinuität, „so dass die Gegenwart als Ergebnis der Leistung der mythisch verklärten Person gesehen wird“.[1] Damit erfüllt die Erzählung von Nationalhelden wie auch andere politische Mythen eine sinnstiftende Funktion für die Gemeinschaft. Als „Erzieher des ganzen Volkes“[2] sollen die Nationalhelden mit ihrem stilisierten Vorbild und ihrer historischen Leistung den Mitgliedern der Nation eine Handlungsorientierung bieten.

In Deutschland gehört die Stilisierung des Arminius zum Nationalhelden Hermann der Cherusker und Siegfried dem Drachentöter zu den wichtigen Elementen der Herausbildung eines deutschen Landes- und Nationalbewusstseins seit der Frühen Neuzeit.[3] Im 19. Jahrhundert nutzte die wachsende Nationalbewegung bekannte Personen aus der deutschen Geschichte, um zu Ehren dieser Personen Feste zu feiern und Denkmäler einzuweihen. Dabei erhielten kulturgeschichtliche Anlässe eine nationalpolitische Bedeutung. Der Bau des Hermannsdenkmal zu Ehren von Arminius ab 1838 ist dabei das bekannteste Beispiel. Eine ähnliche Rolle spielen das Gutenbergfest 1837 in Mainz, die Einweihung von Denkmälern für Schiller 1839 in Stuttgart, für Dürer 1840 in Nürnberg oder für Bach in Leipzig 1843, bei denen sich die bürgerlichen Schichten als nationale Gesellschaft darstellen konnten.[4]

Eine ähnliche Rolle wie „Hermann der Cherusker“ für die Deutschen nahm für die französische Nation, vor allem im späten 19. Jahrhundert, der legendäre Gallierhäuptling Vercingetorix ein.

In einigen Ländern ist oder war Nationalheld auch die Bezeichnung für einen Verdienstorden (vgl. Held der DDR).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heidi Hein-Kircher: Politische Mythen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 11-2007, S. 26–31, hier S. 27.
  2. Hein-Kircher, S. 30.
  3. Otto Dann: Nation und Nationalismus in Deutschland 1770–1990, Beck, München 1996, ISBN 3-406-34086-5, hier S. 42.
  4. Dann 1996, S. 119f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Nationalheld – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen