Naturgeist

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Elementargeist ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Erzählung von E. T. A. Hoffmann siehe Der Elementargeist.

Als Naturgeist wird in manchen Glaubenssystemen oder konkreten Erlebnisberichten eine „feinstofflicheWesenheit bezeichnet, welche in Verbindung mit einem bestimmten Ort in der Natur steht. Dieser Ort kann eine Pflanze, ein Fluss oder ein Fels sein. Bekannt sind Naturgeister in der Mythologie und alten Überlieferungen. Im Allgemeinen sind Naturgeister weder menschliche noch tierische, aber auch nicht notwendig unkörperliche Konzepte. In Abgrenzung zu den Totengeistern (Ahnenkult, Gespenst) und den Haus- und Herdgeistern stellen sie eine weitere Untergruppe im Geisterglauben (Animismus (Religion)) dar (siehe auch Naturreligion). Im Gegensatz zu den Haus- oder Herdgeistern, welche der Vorstellung nach in Gebäuden leben, werden Naturgeister eher als menschenscheu, gleichwohl aber oft in ihrer äußeren Erscheinung oder ihrem Verhalten als menschenähnlich beschrieben. Der Rang einer Gottheit wird Naturgeistern im Allgemeinen nicht beigemessen.

Naturgeister sind Bestandteil zahlreicher Naturreligionen und häufig von dort in weiterentwickelte Religionen übergegangen, so die arabischen Dschinn in den Islam, die Bhutas in den Hinduismus oder Geister des tibetischen Volksglaubens Bön in den tibetischen Buddhismus.

Kate Greenaway: The Elf Ring. Aquarell, vor 1905

Einteilung[Bearbeiten]

Eine systematische oder gar abschließende Einteilung der Naturgeister scheitert an ihrer Vielfalt, die an diejenige der Natur anknüpft, an der sich menschliche Vorstellungskraft entzündet. Die Vorstellung von Naturgeistern ist im Übrigen an regional oder lokal unterschiedliche Traditionen und Entwicklungen gebunden, so dass eine einheitliche Sichtweise ausscheidet. Heute entstehen durch die esoterische Anknüpfung an diverse Fantasy-Welten zudem immer neue Einzelwesen oder Unterteilungen.

Die nachstehenden Einteilungen verstehen sich daher als vorläufig:

Omnipräsenter Naturgeist[Bearbeiten]

In einigen Bereichen der Esoterik ist der Glaube an eine „Mutter Natur” oder an Gaia als Muttergöttin, verbreitet. Hierbei handelt es sich um die Vorstellung eines omnipräsenten, die gesamte Natur umfassenden Geistwesens. Dieser Glaube schließt dabei die Existenz kleiner Geister nicht aus. Eine verwandte, aber nicht deckungsgleiche Vorstellung ist der Weltgeist, wie ihn etwa Georg Wilhelm Friedrich Hegel vertrat. Der Weltgeist ist am ehesten eine philosophische Variation des Heiligen Geistes.

Elementargeister[Bearbeiten]

An die klassische Vier-Elemente-Lehre (siehe dort) knüpft die Zuordnung an jeweils eines der vier Elemente an. Danach sind zu unterscheiden:

  • Wassergeister oder Undinen. In Regentropfen, Pfützen, Tümpeln, Teichen, Brunnen, Quellen, Bächen, Flüssen und Meeren lebend, zählen zu dieser Gruppe Wassermänner und Necker, Wasserfrauen, Meerjungfrauen und Nixen, womöglich auch die aus der griechischen Mythologie stammenden Nymphen, Najaden und Nereiden. Unter ihrem Schutz stehen Wasserpflanzen, Fische und andere Wassertiere. Einige meinen, dass diese Wesen altern und vergänglich sind, andere sprechen insbesondere den für größere Gewässer zuständigen Wassergeistern Jahrtausende dauernde Existenz zu.
  • Luftgeister oder Sylphen. Sie sind die Hüter der Luft. Die Bewegung des Windes und der Wolken unterliegt ihrer Obhut. Ihre Energie zeigt sich ebenso in der kleinsten Brise wie im mächtigsten Sturm. Zur gleichen Gattung sollen die Lichtelben, Sturmgeister und Devas gehören. Bekannteste Vertreter sind der in Shakespeares Sturm auftretende Ariel sowie Oberon aus dem Sommernachtstraum.
  • Feuergeister oder Salamander. Sie sind das Wesen des Feuers und aller Wärmeprozesse. Zu diesen sollen nicht nur der Feuersalamander, sondern alle Amphibien zählen, dazu auch Echsen, Schlangen und Drachen oder Lindwürmer.

In Fantasyerzählungen, Spielen und Computerspielen tauchen Elementargeister oft auch als durch Magie geformte Wesen aus dem Material ihres Elementes auf. Ein Wasserelementargeist ist so beispielsweise eine große wirbelnde Gestalt aus reinem Wasser, die durch eine magische „Bindung“ gehalten wird.

Einteilung nach dem gedachten Lebensraum[Bearbeiten]

Der Geist der japanischen Blütenkirsche ist ein Beispiel für einen pflanzenspezifischen Naturgeist.

In ähnlicher Weise können die Naturgeister weiter nach ihrem angenommenen „Lebensraum“ unterteilt werden.

  • Dabei kann es sich um eine Pflanze handeln, wie bei den Baumgeistern oder wenn manche Elfen in Blumen hausen sollen.
  • Waldgeister wie die Waldschrate beschränken sich nicht auf einen einzigen Baum. Andere Schrate sind Wiesen- oder Bachschrate.
  • Spezifische Naturgeister sollen aber auch einem Tier oder einem unbelebten Gegenstand anhaften können.
  • Auf oder in Bergen findet man die Berggeister, unter denen Rübezahl der bekannteste Vertreter sein dürfte.

Natürlich kann man diese Einteilung auch in die vorangegangene integrieren, wenn man etwa die Berggeister zu den Erdgeistern zählt.

Bei dem Begriff „Kobold“ handelt es sich um eine Sammelbezeichnung für verschiedene Haus- oder Naturgeister.

Herkunft und Eigenschaften[Bearbeiten]

Naturgeister spielen in manchen Religionen eine Rolle, in vielen Volkssagen und Märchen, germanischen, keltischen und anderen Mythen und in der Esoterik. Bestimmte Ereignisse oder Erscheinungen werden diesen Geistern zugeschrieben.

Oft wird angenommen, dass Naturgeister die Natur verteidigen. Es gibt viele Geschichten, in denen sie den Menschen, die gut zur Natur sind, helfen, oder ihnen schaden, wenn sie sich oder das von ihnen geschützte Gut bedroht fühlen.

In einigen Märchen wird den Naturgeistern eine Affinität zu Menschenkindern unterstellt, welche sie gegen ihre eigenen Nachkommen nach der Geburt austauschen. Diese sogenannten Wechselbälger, die den Menschen untergeschoben wurden, zeichnen sich meist durch einen unangenehmen Charakter aus und quälen ihre Ersatzeltern durch ständiges Schreien etc.

Ein beliebtes Motiv der Romantik ist die Liebe zwischen einem Naturgeist (meist einer Nymphe oder einer Elfe) und einem Menschen, welche tragisch endet, da der jeweilige Traumpartner unerreichbar bleibt. Die Liebe zu einer Undine vermittelt dieser eine Seele. Bei Paracelsus heißt es, dass die Naturgeister die Ehe mit Menschen eingehen wollen, um so an dem Bündnis der Götter mit den Menschen teilhaben zu können und eine Seele zu erlangen, denn sie selbst besäßen keine eigene.

Im Allgemeinen scheint es sich bei den Naturgeistern um keine rein geistigen Wesen zu handeln. Vielmehr scheinen sie in der breiten Mehrzahl an eine feste körperliche Existenz gebunden zu sein. Hierin liegt ein Unterschied zu den Gespenstern, deren Gestalt in der Regel keine festen Strukturen aufweist.

Das schließt allerdings nicht aus, dass die Geister wechselnde äußere Gestalten annehmen, zumal sie nicht selten über Zauberkräfte verfügen.

Heutige Bedeutung[Bearbeiten]

Westliche Welt[Bearbeiten]

Für die Mehrzahl westlich geprägter Menschen dürfte die Beschäftigung mit Naturgeistern unterhaltenden Charakter haben, der aus spannenden oder romantischen Geschichten entsteht und zudem eine Ahnung der Vorstellungen und Ängste unserer Vorfahren vermittelt, zumal sie Bestandteile zahlreicher beliebter Erzählungen der Volksmythologie (Märchen, Sagen) vieler Völker sind.

Einige Menschen nehmen allerdings auch heute für sich in Anspruch, Naturgeister (und andere Geister) wahrnehmen oder mit ihnen kommunizieren zu können.

Island[Bearbeiten]

Auf Island ist der Umgang mit den Naturgeistern heute noch so lebendig, dass spezielle Geisterkundige, man nennt sie Elfenbeauftragte, vor Baumaßnahmen mit den Naturgeistern kommunizieren, da sonst bezeugte Probleme wie Maschinenausfälle oder Unfälle beim Bau auftreten. Daher gibt es auf Island oft scheinbar unsinnige Straßenverläufe, weil die Wohnstatt von Naturgeistern umgangen werden muss. Das Verhältnis zur Geisterwelt ist in den Nordischen Ländern lebendiger als in Mitteleuropa.

Tibet[Bearbeiten]

Auch in der tibetischen vorbuddhistischen Urreligion Bön spielen Naturgeister und deren Besänftigung oder Beherrschung eine bedeutende Rolle. Einzelne Elemente dieser Kultur haben Eingang in den tibetischen Buddhismus gefunden. Zur Zeit der ersten Verbreitung des Buddhismus in Tibet war die Bezwingung der tibetischen Naturgeister durch den tantrischen Meister Padmasambhava zentrale Voraussetzung für die Verbreitung des Buddhismus im Lande. Viele der durch Padmasambhava bezwungenen Naturgeister wurden unter Eidesleistung als Schützer der Lehren Buddhas (sog. Dharmapala) installiert.

Schamanismus[Bearbeiten]

Der Schamanismusforscher Mircea Eliade zum Umgang der Schamanen mit Tier-Geistern:

Es sieht so aus, als könnte diese Nachahmung von Tierbewegungen und Tierstimmen als »Besessenheit« gelten. Richtiger spräche man vielleicht von einem Besitzergreifen des Schamanen von seinen Hilfsgeistern; er selbst verwandelt sich in ein Tier, obwohl er ein ähnliches Resultat erreicht, wenn er eine Tiermaske anzieht. Man könnte auch von einer Identität des Schamanen sprechen; er wird Geistertier und »spricht«, singt oder fliegt wie ein Tier, ein Vogel. Die »Sprache der Tiere« ist nur eine Abart der »Geistersprache«, der schamanischen Geheimsprache."(Lit.: Mircea Eliade 1974, S.101)

Anthroposophie[Bearbeiten]

Die Anthroposophie integriert die Vorstellungen über Naturgeister aus dem alten Volksglauben. Manche Anthroposophen suchen durch Medien die Verbindung und Zusammenarbeit mit den Naturgeistern. So veröffentlicht der anthroposophische Flensburger Hefte Verlag (s. Literatur) in regelmäßigen Abständen „Interviews“ mit Naturgeistern durch Verena Staël von Holstein. Staël von Holsteins Naturgeister werden als distinkte Wesen mit Titeln („der Große“, „der Steinerne“) vorgestellt; sie kennen einander und erweisen sich als äußerst auskunftsfreudig und informiert über die Nachrichtenlage (z. B. Irak-Krieg). Besonders populäre Naturgeister werden in Folge-„Gesprächen“ mit Leserbriefen konfrontiert. Der Verlag hat mittlerweile über ein halbes Dutzend Bücher über Naturgeister veröffentlicht, welche die Naturgeister sogar unter den Autoren auflisten.

Esoterik[Bearbeiten]

Der Glaube an die reale Existenz von Naturgeistern hat im Rahmen der Esoterik zugenommen, wobei die mythologischen Ansätze sehr gerne mit Einflüssen der Fantasy vermengt werden.

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

  • Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik. Rascher, Zürich 1954, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1974 (Nachdr.) ISBN 3-518-07726-0.
  • Nicolaus Equiamicus (Hrsg.) Die Geisterwelt. Eine Schatzkammer des Wunderglaubens. Ubooks, Mossautal 2008, ISBN 978-3-86608-086-7.
  • Ronald C. Finucane: Ghosts: Appearances of the Dead & Cultural Transformation. Prometheus Books, New York 1996, ISBN 978-1-573-92068-1.
  • Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. (= Beck’sche Reihe 427), München 2003, (3. Aufl.), ISBN 978-3-406-49451-2.
  • Marko Pogačnik: Elementarwesen. Die Gefühlsebene der Erde. Droemer-Knaur, München 1995, ISBN 3-426-86083-X.

Anthroposophisch[Bearbeiten]

  • Esko Jalkanen: Der Heiler aus dem Norden. Flensburger Hefte Verlag, Flensburg 1999, ISBN 3-926841-89-3.
  • Was die Naturgeister uns sagen – Im Interview direkt befragt. Flensburg Flensburger Hefte 79. Flensburger Hefte Verlag, Flensburg 2003, ISBN 3-935679-09-2.
  • Neue Gespräche mit den Naturgeistern. Flensburger Hefte 80. Flensburger Hefte Verlag, Flensburg 2003, ISBN 3-935679-10-6.
  • Von Rauchwesen, Wiesenwesen, Torfwesen und Maschinenwesen. Naturgeister Bd. 3. F.H.-Sonderheft 21. Flensburger Hefte Verlag, Flensburg 2004, ISBN 3-935679-17-3.
  • Naturgeister. Bd. 4. Fragenkompendium. F.H.-Sonderheft 22. Flensburger Hefte Verlag, Flensburg 2003, ISBN 3-935679-18-1.

Weblinks[Bearbeiten]