Netzjargon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Netzjargon ist nicht nur auf den virtuellen Raum beschränkt

In Datennetzen hat sich ausgehend vom IRC und Usenet ein Netzjargon als fester Bestandteil der Netzkultur etabliert. Dieser Artikel beschreibt anhand von Beispielen einige typische Formen des Netzjargons, häufig Akronyme, die in deutschsprachigen Newsgroups, Chaträumen, Internetforen gebräuchlich sind. Die Referenz für die englischsprachige (Ur)Version bildet das Jargon File.

Ausdruck von Emotionen[Bearbeiten]

Der Netzjargon zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eine Sprache ist, die dem eigentlichen Textinhalt sehr treffend und knapp Gefühle oder eventuelle Hintergedanken (wie Ironie) beifügen kann. So können Verständigungsprobleme oder die Gefahr von Missverständnissen gegenüber gesprochener Sprache teilweise kompensiert werden. Hierbei helfen zum einen Emoticons, die dem Smiley nachempfunden sind. Zum anderen hilft zunehmend die Aktionsgrammatik, die mittels Inflektiv komplexere Gefühle oder Aktionen knapp und treffend ausdrücken kann.

Akronyme und Rechtschreibung[Bearbeiten]

Damit man Wörter schneller tippen oder um Umlaute, die auf manchen Tastaturen nicht vorhanden sind, umgehen kann, wird die Rechtschreibung im Netz oft drastisch ignoriert.

Talk Mode[Bearbeiten]

Zeit und die Einfachheit der Tastenklicks ist ein wichtiger Faktor in Chaträumen, weshalb viele Schreiber Abkürzungen verwenden. So lassen sich Gefühle wie Freude schnell ausdrücken.

Allgemein schreibt man solche Abkürzungen mit Kleinbuchstaben, um die Umschalttaste auf der Tastatur zu sparen. Im Regelfall werden die Anfangsbuchstaben der in der (meist englischsprachigen) Redewendung vorkommenden Wörter aneinander angehängt oder eine einfache Abkürzung gebildet, wie bei ack für acknowledged („bestätigt“), oder es finden homophone Abkürzungen Verwendung, wie 2 für to oder too, sowie 4 für for. Da der "Talk Mode" nicht besonders geeignet ist, um Stimmungen und Gefühlslagen auszudrücken, wird er in vielen Bereichen durch die Emoticons ersetzt.

Leetspeak[Bearbeiten]

Hauptartikel: Leetspeak

Hierbei werden manche Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern oder Sonderzeichen ersetzt. Meist sind folgende Ersetzungen im Einsatz.

diese Zeichen 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
ersetzen diese O/Q L/I R E A/H S G T B G/P

„14m3“ steht für „lame“ = unfaire Handlung. Alternativ werden Ziffern oder Buchstaben ihrer (meist englischen) Aussprache entsprechend eingesetzt. Ebenfalls werden bei "Leetspeak" ähnlich klingende Buchstaben gegenseitig ersetzt oder durch geeignete Zeichen nachgeformt. Beispielsweise wird das „Plural-s“ durch „z“ ersetzt, wie in Warez. Das „W“ wird (mit zweimal / und zweimal \) zu „\/\/“ oder „L“ zu „|_“.

Ersetzungen nach dem Klang sind 2=to (zu) oder too, 4=for (für), 8=ate (als Teil von "later" (später), "hate" (hassen), "mate" (Freund), "great" (großartig)), B=be (sein), C=see (sehen), I=eye (Auge), O=oh! oder O=owe (I owe him = „Ich bin ihm schuldig“ [oder] „ich habe ihm zu verdanken“) , R=are ([du] bist, [ihr] seid), U=you (Du), Y=why (warum?). Eine Umschreibung für "Leetspeak" kann so die Form 13375p3@|< annehmen und bezeugt wiederum Insiderwissen.

Sternchen (Asterisken)[Bearbeiten]

Zwei Sternchen (*) markieren den zwischen ihnen stehenden Inflektiv. Damit ist es möglich, eine Tätigkeit oder Aktion des Autors mit zu übermitteln: *g*=„grins“. Selbst komplexe, mehrgliedrige Gefühlsregungen oder Aktionen können so gebildet werden, wobei das inflektive Verb meist am Satzende steht: *computerausdemfensterschmeiß*. Üblicherweise wird hier auf eine Trennung der Satzteile gänzlich verzichtet. Zur besseren Lesbarkeit, insbesondere bei längeren Satzzusammenstellungen, könnten Leerzeichen, Unterstrich oder der Strich („-“) als Trennzeichen oder Binnenmajuskeln zur Strukturierung dienen.

Ursprünglich stammt diese Schreibweise aus dem Usenet, wo Sternchen eher zur Betonung verwendet werden: „Ich habe es *unzählige Male* versucht; immer erfolglos!“. Einige Clients, die Sternchenpaare als Betonungszeichen interpretieren, stellen die Wörter dazwischen im Fettdruck dar. Alternativ kann man die Sternchen durch ein Pluszeichen „+“ ersetzen (als hätte man die Shift-Taste zu früh losgelassen), um einen automatischen Fettdruck dieser Programme zu vermeiden.

Die Sternchenakronyme wie *g* werden vor allem im deutschen Sprachraum verwendet, kamen jedoch Anfang der 2010er Jahre zunehmend aus der Mode.[1] In englischsprachiger Kommunikation sind sie viel seltener anzutreffen. Ähnlich wie Sternchen zur Fettschriftauszeichnung verwendet werden, benutzt man vor- und nachgesetzte Unterstriche für das Andeuten einer _Unterzeichnung_ der Textpassage.

Pseudo-HTML[Bearbeiten]

Insbesondere in Usenet-Newsgroups werden als Stilmittel Sätze in HTML-artige Pseudotags eingefasst. Diese Pseudotags werden vom Client natürlich nicht interpretiert, aber angezeigt, und sollen dem Leser eine Information geben, wie das Geschriebene gemeint ist oder interpretiert werden soll. Häufig lässt man das öffnende Tag weg, aus Ersparnisgründen oder um erst nachträglich darauf hinzuweisen, dass die Bemerkung ironisch gemeint sei.

<irony mode="sarcasm">Die Wikipedia wird den Brockhaus und die Encyclopædia Britannica niemals ablösen.</irony>

oder vereinfacht:

<Ironie>Die Wikipedia wird den Brockhaus und die Encyclopædia Britannica niemals ablösen.</Ironie>
<aol>Wird insb. im Englischen zur Markierung von besonders einfältigen Kommentaren verwendet, da AOL (ehem. America Online) es vielen neuen Nutzern ermöglichte, das Internet zu nutzen, die zuvor wenig oder keine Erfahrung mit neuen Medien und teilweise auch einen geringeren Bildungsstand hatten.</aol>

Eine ähnliche Form ist in den diversen Internetforen verbreitet, die oftmals keine HTML-Formatierung durch die Schreibenden zulassen. Es handelt sich hierbei um BBcode-artige Pseudotags.

[Ironie]Die Wikipedia wird den Brockhaus und die Encyclopædia Britannica niemals ablösen.[/Ironie]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Geers: Der Faktor Sprache im unendlichen Daten(t)raum. Eine linguistische Betrachtung von Dialogen im Internet Relay Chat. In: Bernd Naumann (Hrsg.): Dialogue analysis and the mass media. Proceedings of the international Conference, Erlangen, April 2 - 3, 1998. Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-75020-0, (Beiträge zur Dialogforschung 20), S. 83–100.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chats belegen das Gegenteil von Sprachverfall, Die Zeit vom 14. Januar 2013