Passage tomb
Als Passage Tomb werden auf den Britischen Inseln Anlagen mehrerer spezieller Bauarten bezeichnet. Das klassische Passage Tomb ist eine für Nordirland und den Norden der Republik Irland charakteristische Form der Megalithanlage, die zudem in Leinster und in einzelnen Exemplaren auch in Munster und Großbritannien vorkommt.
Es sieht völlig anders als die Ganggräber der nordischen Megalitharchitektur aus, während Ähnlichkeiten mit der Allée Couverte in Frankreich und mit einigen portugiesischen Antas durchaus vorhanden sind.
Im Gegensatz zum kontinentalen Ganggrab das einen lateralen Zugang hat, führt der Gang der Passage Tombs stets axial in eine rechteckige (West Torr), polygonale, gerade oder leicht abgeknickte bzw. erweiternde, oder kreuzförmige Kammer (Cruciform Passage tomb). Beim Untertyp der Stalled Cairns oder Orkney-Cromarty-Cairns ist der sehr kurze Gang kein wesentliches Merkmal. Die Kammer selbst ist rechteckig und oft langgestreckt (Midhowe Cairn, Unstan Cairn auf Orkney).
Bekannte Anlagen des Typs mit kreuzförmiger Kammer sind Knowth und Newgrange im County Meath, Maes Howe auf Orkney und Barclodiad y Gawres auf Anglesey in Wales. Dem nordischen Ganggrab halbwegs ähnliche Anlagen - Cotswold Severn tombs mit lateralem Zugang - findet man z.B. in Wales (Capel Garmon und Ty Isaf). Kreuzförmig ist ansonsten auch die Kammer des Court tombs von Behy im County Mayo in Irland.
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Irland [Bearbeiten]
Irische Ganggräber finden sich zumeist einzeln, aber an neun Stellen der Insel auch auf Gräberfeldern (engl. cemetery) mit drei bis 60 Exemplaren (Carrowmore und Carrowkeel, County Sligo, Loughcrew und im Boyne Valley, County Meath). Ihren Namen verdanken die 230 irischen Passage Tombs einem bis zu 40 m langen (zumeist aber viel kürzeren) Gang, der in eine Kammer mündet. Das Ganze wird von einem ovalen oder runden Erdhügel bedeckt, der normalerweise von Randsteinen eingefasst wird. Die Form der Kammer ist sehr verschieden und unterscheidet sich deutlich von den schottischen Exemplaren, die aber auch die Bezeichnung „Passage tomb“ tragen.
Die irischen Kammern sind:
- rund, Carnanmore,
- rechteckig, Cross Townland (beide County Antrim)
- trapezoid, Listoghil in Carrowmore, County Sligo,
- polygonal, Fenagh Beg im County Leitrim
- geknickt, Knowth County Meath
- undifferenziert, bzw. ganglos, das Passage tomb von Harristown County Waterford.
Oft ist der Grundriss jedoch komplexer, mit Seitenkammern, die von einer Hauptkammer ausgehen. Eine der beiden Anlagen unter dem großen Erdhügel von Dowth, im County Meath hat nur eine Seitenzelle, die sich vom großen runden Hauptraum öffnet, aber gewöhnlich sind die Zellen paarweise zu beiden Seiten angeordnet. Oder es gibt fünf oder mehr etwa ahornblattartig angeordnete Nischen. Die Kopfnische liegt dabei auf der Achse der Hauptkammer und des Ganges. Ein Seitezellenpaar und eine Endkammer, ergeben einen kreuzförmigen/cruciformen Plan (z.B. bei Newgrange und einer der beiden Kammern im Hügel 1 von Knowth. Die Mittelkammern der cruciformen Typen sind hoch und haben tholosartige Deckengewölbe. Sie können recht klein sein, wie in Newgrange (ca. 6 m2), aber auch sehr groß, wie in Fourknocks im County Meath, mit 6–7 m Durchmesser etwa 33 m2.
Knowth (das nach langjähriger Grabungszeit (etwa einen Kilometer von Newgrange entfernt) besichtigt werden kann, erbrachte den Beleg dafür, dass die beiden Grundformen (Knick und Kreuz) aufeinander folgten, und zwar in einer plötzlichen Abwendung vom älteren Muster (Knowth West). Dieses Schisma, ist einer der wenigen Fälle, wo ein architektonischer Paradigmenwechsel den Hinweis auf damit zu verbindende weiterreichende Umbrüche im Bereich der Religion erbrachte. Eine in diesem Kontext entstandene Besonderheit ist die Ausrichtung einiger Anlagen des jüngeren Kreuzkammertyps auf die Wintersonnenwende. Siehe: Newgrange und Maes Howe (Orkney).
Schottland [Bearbeiten]
In Schottland sind Passage tombs auf den äußersten Norden konzentriert. Sie lösen insbesondere auf Orkney die gemäß traditioneller britischer Einteilung als Untertyp geführten so genannten Stalled Cairns (Blackhammer, Midhowe Cairn) ab, die insbesondere auf Rousay vorherrschen. Während die nordschottischen Passage tombs auf der Hauptinsel zunächst unter runden oder heel-shaped (absatz- oder hufeisenförmigen) Hügeln liegen, werden sie z.B. bei Tulach an t'Sionnaich und beim Camster Long Cairn nachträglich mit langen gehörnten Steinhügeln überbaut. Als gehörnte oder Lobster Cairns werden ansonsten die für irische Court- und schottische Clyde tombs typischen Hügel bezeichnet.
Siehe auch (in Irland) [Bearbeiten]
Bekannte Passage tombs (in Irland) [Bearbeiten]
- Carrowkeel
- Cloverhill
- Carrownamaddoo 2
- Dowth
- Fourknocks
- Harristown
- Knockmany
- Knowth
- Listoghil
- Loughcrew
- Matthewstown
- Newgrange
- Seefin
- Townleyhall
Literatur [Bearbeiten]
- Glyn Daniel: The megalith builders of Western Europe. Penguin, Harmondsworth u. a. 1963 (Pelican books A 633).
- Frances Lynch: Megalithic tombs and Long Barrows in Britain. Shire, Princes Risborough 1997, ISBN 0-7478-0341-2 (Shire archaeology 73).
- Elizabeth Shee Twohig: Irish Megalithic tombs. Shire, Princes Risborough 1990, ISBN 0-7478-0094-4 (Shire archaeology 63).
- Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36).