Periodizität (Mathematik)
In der Mathematik spricht man von Periodizität, wenn sich die Werte einer Funktion oder Folge in regelmäßigen Abständen wiederholen. Die Funktion oder Folge wird periodisch genannt, die Abstände zwischen dem Auftreten desselben Funktionswertes Periode.
Weiterhin wird Periode als Vereinfachungs-Begriff bei der Darstellung rationaler Zahlen im Dezimalsystem verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
Reelle Funktionen [Bearbeiten]
Definition, Eigenschaften der Menge der Perioden und Beispiele [Bearbeiten]
Eine reelle Zahl
ist eine Periode einer in
definierten Funktion, wenn gilt:
Die Funktion
ist periodisch, wenn sie mindestens eine Periode
zulässt. Man sagt dann auch,
sei „
-periodisch“. Für die Periode gelten folgende Eigenschaften:
- Ist
eine Periode von
, so ist auch
eine Periode von
; - Sind
und
zwei Perioden von
, so ist auch
eine Periode von
.
Meist interessiert man sich für die kleinste positive Periode. Diese existiert für jede nichtkonstante stetige periodische Funktion. (Eine konstante Funktion ist periodisch mit jeder beliebigen Periode ungleich 0.)
Wenn
eine kleinste positive Periode hat, so sind die Perioden von
die Vielfachen von
. Im anderen Fall ist die Menge der Perioden von
dicht in
.
Die bekanntesten periodischen Funktionen sind die trigonometrischen Funktionen, insbesondere der Sinus, der eine immer gleich bleibende Schwingung zwischen -1 und 1 durchführt, die sich im Abstand von 2π (π ist die Kreiszahl pi) wiederholt.
Periodische Funktionen als Funktionen auf der Kreislinie [Bearbeiten]
Es sei
der Einheitskreis. Man kann periodische Funktionen auf
mit Periode
mit Funktionen auf
identifizieren: Einer Funktion
auf
entspricht die
-periodische Funktion
Eigenschaften der Funktionen wie Beschränktheit, Stetigkeit oder Differenzierbarkeit übertragen sich jeweils auf die andere Sichtweise.
Fourierreihen
entsprechen Laurentreihen
.
Folgen [Bearbeiten]
Definitionen [Bearbeiten]
Eine Folge
heißt periodisch, wenn es eine natürliche Zahl
gibt, so dass
für alle
gilt.
heißt eine Periode der Folge. Spricht man von der Periode einer Folge, so ist die kleinste Periode gemeint; alle anderen Perioden sind dann Vielfache dieser kleinsten Periode.
Eine Folge heißt allgemeiner schließlich periodisch, wenn es natürliche Zahlen
und
gibt, so dass
für alle
gilt. Ein endlicher Teil der Folge ist also beliebig, und ab dem Index
wiederholen sich die Folgenwerte.
Eigenschaften [Bearbeiten]
Ist eine Folge rekursiv definiert, d.h. durch
mit einer festen Funktion
, und nimmt sie nur endlich viele Werte an, so wird sie schließlich periodisch.
Beispiel: Es sei
und
= (2
mod 100) für
≥ 0.
Anschaulich ist
die aus den letzten beiden Ziffern der Dezimaldarstellung von
gebildete Zahl. Diese Folge fängt an mit den Werten:
- 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 28, 56, 12, 24, 48, 96, 92, 84, 68, 36, 72, 44, 88, 76, 52, 04, 08, 16....
und im Folgenden wiederholen sich die Werte.
Periodische Ziffernfolgen [Bearbeiten]
Es sei
eine feste natürliche Zahl. Sind
und
natürliche Zahlen, so wird die Folge der Nachkommastellen der
-adischen Darstellung von
nach dem obigen Prinzip schließlich periodisch, weil sie iterativ durch die Reste bei der schriftlichen Division bestimmt wird, und diese Reste können nur die endlich vielen Werte
annehmen.
Periodische Funktionen auf reellen Vektorräumen [Bearbeiten]
Es sei
ein
-dimensionaler reeller Vektorraum, z. B.
. Eine Periode einer stetigen, reell- oder komplexwertigen Funktion
auf
oder einem (offenen, zusammenhängenden) Teil
von
ist ein Vektor
, so dass
- der Definitionsbereich
von
invariant unter der Translation mit
ist, d. h. 
- für alle
gilt:
.
Die Menge
aller Perioden von
ist eine abgeschlossene Untergruppe von
. Jede solche Untergruppe ist die direkte Summe aus einem Untervektorraum von
und einer diskreten Untergruppe; letztere lässt sich beschreiben als die Menge der ganzzahligen Linearkombinationen einer Menge linear unabhängiger Vektoren.
Wendet man diese Theorie auf den reell zweidimensionalen Vektorraum
an und betrachtet nur holomorphe Funktionen
, so gibt es die folgenden Fälle:
:
ist nicht periodisch.
:
ist eine gewöhnliche periodische Funktion; beispielsweise ist die Exponentialfunktion periodisch mit Periode
.
enthält einen nichttrivialen reellen Unterraum: Eine holomorphe Funktion, die entlang einer Gerade konstant ist, ist insgesamt konstant.
:
hat zwei reell linear unabhängige Perioden. Ist
auf der ganzen Ebene meromorph, so spricht man von einer elliptischen Funktion.
Periodische Brüche [Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Dezimalsystem dort insbesondere den Abschnitt Dezimalbruchentwicklung
Im Dezimalsystem versteht man unter einem periodischen Bruch eine Zahldarstellung wie 0,31 = 0,3131313131…. =31/99. D. h. die Dezimaldarstellung bricht nicht ab und ab einer bestimmten Stelle wiederholt sich immer wieder die gleiche Zahlfolge (Periode). Ihre Länge heißt Periodenlänge.
.

eine Periode von
und
zwei Perioden von
eine Periode von 
ist, d. h. 
gilt:
.
:
:
.
: