Peter Hille

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Peter Hille, Gemälde von Lovis Corinth, 1902, Kunsthalle Bremen

Peter Hille (* 11. September 1854 in Erwitzen bei Nieheim, Westfalen; † 7. Mai 1904 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Peter Hille wurde als Sohn eines Rentmeisters und Lehrers geboren. Von 1869 bis 1872 besuchte er das Gymnasium Marianum Warburg, danach das Gymnasium Paulinum in Münster, wo er Mitglied der geheimen Schülerverbindung Satrebil wurde. Die Gruppe las Karl Marx, August Bebel, Charles Darwin, auch Johann Georg Hamann, Pierre-Joseph Proudhon, Karl Gutzkow und Ludwig Büchner. 1874 musste Hille wegen ungenügender Leistungen das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und arbeitete kurze Zeit als Protokollschreiber beim Staatsanwalt in Höxter und als Korrektor in einer Leipziger Druckerei.

1877 schrieb er an der Zeitschrift Deutsche Dichtung mit, die von den Brüdern Heinrich und Julius Hart gegründet worden war. Hier erschienen seine ersten Gedichte. Für die Deutschen Monatsblätter schrieb er literaturwissenschaftliche Beiträge. Eine Zeit lang arbeitete er auch in Bremen an der sozialdemokratischen Zeitung Bremer Tageblatt. 1880 lebte er in den Londoner Elendsvierteln, lernte Sozialisten und Anarchisten kennen.

1884 finanzierte er mit seiner Erbschaft eine niederländische Schauspielertruppe, die ihn mit in den Ruin riss. Er lebte zeitweilig als Obdachloser, spielte jedoch trotzdem eine wichtige Rolle in der naturalistischen Bewegung.

1888 kam seine Tuberkulose zum Ausbruch. Karl Henckell rettete ihn vor dem Verhungern und nahm ihn mit nach Zürich. Doch bald war Hille wieder unterwegs, diesmal nach Südeuropa. 1891 suchte er Zuflucht bei seinem Freund Julius Hart. Die Polizei verfolgte ihn als angeblichen Sozialdemokraten, er flüchtete durch ganz Deutschland, bis er 1895 nach Berlin zurückkehrte. Dort findet ab 1899 Else Lasker-Schüler durch die Freundschaft mit ihm Anschluss an die literarische Szene.

Die naturalistischen Schriftsteller sorgten für ihn. Die Neue Gemeinschaft bestritt seinen Lebensunterhalt. 1902 eröffnete er ein Kabarett. Bald darauf erlag er seinem chronischen Lungenleiden und starb am 7. Mai 1904 im Alter von 49 Jahren.

Lasker-Schüler hat Hille in ihrem 1906 erschienenen Erstlingsprosawerk Das Peter-Hille-Buch postum enthusiastisch gewürdigt.[1]

Ein Teilnachlass von Peter Hille befindet sich in der Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Sozialisten. W. Friedrich, Leipzig 1886 (Roman)
  • Des Platonikers Sohn. E. F. Conrad's Buchhandlung (O. Reuter), Berlin 1896 (Erziehungstragödie)
  • Semiramis – Cleopatra. Messer & Cie., Berlin 1902
  • Die Hassenburg – Roman aus dem Teutoburger Wald. Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig 1905
  • Das Mysterium Jesu, 1910 (Wochenschrift Der Sturm, in Fortsetzungen) und 1921 (Insel-Bücherei 330/1)

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Peter Hille. Gesammelte Werke. hrsg. v. seinen Freunden, 4 Bde., Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig 1904–1905
  • Peter Hille. Gesammelte Werke. hrsg. v. Friedrich Kienecker, 6 Bde., 1984–1986
  • Peter Hille (1854–1904). Werke zu Lebzeiten nach Erstdrucken und in chronologischer Reihenfolge, hrsg. v. Walter Gödden, 2 Bde., Bielefeld 2007
  • Peter Hille. Sämtliche Briefe. Kommentierte Ausgabe. Herausgegeben von Walter Gödden und Nils Rottschäfer, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 43, Reihe Texte Band 18, Aisthesis Verlag Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89528-781-7.

Zusammenstellungen[Bearbeiten]

  • Helmut Birkelbach, Michael Kienecker, Pierre Georges Pouthier (Hrsg.): „Aus allen Taschen muss es fallen …“ Ein Peter-Hille-Lesebuch. Mentis, Paderborn 2004, ISBN 3-89785-180-6.
  • Walter Gödden (Hrsg.): Peter-Hille-Lesebuch. Köln 2004
  • Günter Albrecht (Hrsg.): Peter Hille - Der Bohemien von Schlachtensee (Märkischer Dichtergarten). 1. Auflage. Morgenbuch Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-371-00365-5.

Hörbücher[Bearbeiten]

  • Peter Hille – ein großer Lump schreitet durch die Himmel. Hörspiel von Walter Gödden. Edition Nyland, Köln 2004 (2 Audio-CD, 59:19 Min.)
  • Vom Finden und Gefundenwerden. Peter Hille und Else Lasker-Schüler. Eine szenische Collage von Walter Gödden. Edition Nyland, Köln/Paderborn 2006 (Audio-CD, 52:45 Min.)

Gedenken[Bearbeiten]

  • Hille-Haus - die Hille-Gesellschaft unterhält in Erwitzen das Geburtshaus Peter Hilles; es ist als literarische Gedenk- und Begegnungsstätte eingerichtet.[2]
  • Peter-Hille-Literaturpreis „Nieheimer Schuhu” - seit 2007 alle drei Jahre vergeben[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Bernhardt: „Ich bestimme mich selbst.“ Das traurige Leben des glücklichen Peter Hille (1854–1904). Bussert u. Stadeler, Jena 2004, ISBN 3-932906-46-2.
  • Liselotte Folkerts: Peter Hilles Beziehungen zu Münster und dem Münsterland. Münster 2004, ISBN 3-00-014563-X.
  • Franz Glunz: Peter Hille. Der Lebensweg eines ruhelosen Dichters. Huxaria, Höxter 1976.
  • Cornelia Ilbrig (Hrsg.): Peter Hille im Urteil seiner Zeitgenossen und Kritiker. 2 Bde.: Tl. 1: 1884–1919; Tl. 2: 1920–2006. Aisthesis, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89528-615-5.
  • Friedrich Kienecker (Hrsg.): Peter Hille. Dokumente und Zeugnisse zu Leben, Werk und Wirkung des Dichters. Schöningh, Paderborn 1986, ISBN 3-506-78455-2.
  • Martin M. Langner (Hrsg.): Peter Hille (1854–1904). Weidler, Berlin 2004, ISBN 3-89693-411-2.
  • Walther Pfannmüller: Der Nachlaß Peter Hilles. Dissertation, Universität Bonn 1940.
  • Bernward Pohlmann: Spontaneität und Form. Romanstrukturen im deutschen Impressionismus – untersucht an den Romanen „Die Sozialisten“ und „Die Hassenburg“ von Peter Hille. Lang, Frankfurt am Main/u.a. 1985, ISBN 3-8204-8225-3.
  • Nils Rottschäfer: Peter Hille (1854–1904). Eine Chronik zu Leben und Werk. Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 44, Aisthesis, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89528-791-6.
  • Dietmar N. Schmidt: Hille, Peter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 146 f. (Digitalisat).
  • Franz Schüppen: Feuersbrunst und Kultur. Peter Hilles unvollendete Auseinandersetzung mit Schiller, in: Walter Gödden (Hrsg.): Literatur in Westfalen. Beiträge zur Forschung 10, Aisthesis, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89528-782-4.
  • Ernst Timmermann: Peter Hille. Persönlichkeit und Werk. Dissertation, Universität Köln 1936.
  • Alois Vogedes: Peter Hille. Ein Welt- und Gottestrunkener. Mit unveröffentlichten Arbeiten aus dem Nachlass des Dichters. Schöningh, Paderborn 1947.
  • Peter Hamecher: Peter Hille, in: Peter Hamecher: Zwischen den Geschlechtern. Literaturkritik - Gedichte - Prosa. Bibliothek rosa Winkel Bd. 58, Männerschwarm Verlag 2011, ISBN 978-3-939542-58-2.
  • Auf das Grab Peter Hille’s. Leipzig 1904 (Digitalisat der UB Paderborn)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Hille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Jakob Hessing: Peter Hille. Wiederauferstehungen oder Peter Hille und die Folgen (Digitalisat)
  2. [1]
  3. [2]