Kellinghusen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kellinghusen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kellinghusen
Kellinghusen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kellinghusen hervorgehoben
53.959.71666666666676Koordinaten: 53° 57′ N, 9° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Steinburg
Amt: Kellinghusen
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 18,81 km²
Einwohner: 7794 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 414 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25548
Vorwahl: 04822
Kfz-Kennzeichen: IZ
Gemeindeschlüssel: 01 0 61 049
Adresse der Amtsverwaltung: Am Markt 9
25548 Kellinghusen
Webpräsenz: www.amt-kellinghusen.de
Bürgermeister: Axel Pietsch (BFK)
Lage der Stadt Kellinghusen im Kreis Steinburg
Karte
Rathaus
St.-Cyriacus-Kirche
Luisenberger Turm
Kellinghusen

Kellinghusen ist eine Stadt im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt nordöstlich von Itzehoe. Durch Kellinghusen fließt die Stör, deren Wasserstand bis etwas oberhalb von Kellinghusen durch die Gezeiten beeinflusst wird. In Kellinghusen beträgt der Tidenhub etwa 1,50 m, in Itzehoe ca. 2,50 m [2]. Ein bis zweimal im Jahr tritt die Stör so weit über die Ufer, dass einige Straßen gesperrt werden müssen. Durch den nach ihr benannten Kellinghusener Ortsteil Mühlenbek fließt die in die Stör mündende Mühlenbek.

Bis Kellinghusen darf die Stör noch mit Motorfahrzeugen befahren werden, ab etwas oberhalb des Kellinghusener Hafens ist nur noch das Befahren ohne Motor erlaubt. Der Flusslauf ist jedoch an vielen Stellen durch Versandung nicht einmal tief genug für kleine Motorboote.

Kellinghusen liegt am Naturpark Aukrug. Die leicht hügelige Umgebung dieses Naturparks in klimatisch günstiger Lage, bestehend aus Wäldern, Teichen, Moor- und Heideflächen, ist eine beliebte Ferienregion. Ebenfalls in der Nähe sind das Stör- und Bramautal. Im Ortsteil Rensing liegt der Rensinger See.

Ortsteile sind Feldhusen, Grönhude, Mühlenbek, Overndorf, Rensing und Vorbrügge.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 206 läuft durch das Stadtgebiet, wird heute jedoch über eine Umgehungsstraße am Stadtzentrum vorbeigeführt. Kellinghusen hat über die Ausfahrt Bad Bramstedt Anschluss an die Bundesautobahn 7 und über die Ausfahrten Itzehoe Nord, West und Süd Anschluss an die Bundesautobahn 23. Die A 20 soll nach aktueller Planung südlich an Kellinghusen vorbeiführen, wodurch ein weiterer Anschluss an das deutsche Autobahnnetz zwischen Wrist und Bokel entstehen wird.

Die nächsten Bahnhöfe sind in Wrist, Itzehoe und Bad Bramstedt. Kellinghusen war von 1889 bis 1975 (Güterverkehr bis 1995) mit einem eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Wrist–Itzehoe an das Schienennetz angebunden. Bis Dezember 2014 soll die Bahnstrecke nach Wrist reaktiviert werden, es ist dann ein stündlicher Zugverkehr nach Hamburg-Altona vorgesehen.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der – mit ziemlicher Sicherheit – schon vor der Zeit Karls des Großen (768–814) entstandene Ort ist um das Jahr 1148 erstmals namentlich als Kellinghusen benannt worden („Thoto von Kerlegehuse“). Der Name hat altnordische Wurzeln und lässt sich als „Mit Häusern bebauter Platz der Leute des Karl“ übersetzen, wobei die Leute des Karl keine Franken Karls des Großen, sondern altnordische Gemeindefreie sind. Kellinghusen war zeitweilig Sitz des Goding bzw. Goting der Holsteiner und daher schon in vorchristlicher Zeit ein wichtiger Ort. Die Einwohner waren später vornehmlich Handwerker, Handel- und Gewerbetreibende. Reichliche Tonvorkommen begünstigten die Gründung von Fayence-Fabriken. In der dänischen Zeit stellte Kellinghusen das Geschirr für Dänemark her. Die Stadt wurde damit im 18. Jahrhundert bekannt.

Das Fleckenrecht wurde 1740 verliehen; das Stadtrecht 1877.

Im 19. Jahrhundert erlangte der aus Hamburg stammende Hugenotte Camille Vidal, Gründer und Mitinhaber[4] der „Fernsichter Thonwaaren Fabriken AG“,[5][6] auf der Londoner Weltausstellung 1862 Anerkennung für seine Kachelöfen, von denen sich noch ein Exemplar im Museum Kellinghusen befindet.[7][8] 1870 stellte auch er wie die anderen Produzenten wegen der Konkurrenz durch ausländische Industrieware den Betrieb ein. Fernsicht wurde Landgut des späteren Hamburger Politikers August Jauch.[9]

Zur Zeit des Kalten Krieges beherbergte Kellinghusen eine große Garnison der Bundeswehr; hier waren vor allem Artillerie-Einheiten der 6. Panzergrenadierdivision stationiert. Außerdem gab es das Sondermunitionslager Kellinghusen, ein Atomwaffenlager der US-Streitkräfte.

Politik[Bearbeiten]

Amt Kellinghusen[Bearbeiten]

Kellinghusen ist Teil und Verwaltungssitz des Amtes Kellinghusen, das am 1. Januar 2008 aus dem alten Amt Kellinghusen-Land, der Stadt Kellinghusen und den Gemeinden Lockstedt und Hohenlockstedt gebildet wurde.

Ratsversammlung[Bearbeiten]

Von den 23 Sitzen in der Ratsversammlung hat die Wählergemeinschaft BFK seit der Kommunalwahl 2013 acht Sitze, die CDU und die SPD haben jeweils 5, die Wählergemeinschaft KeLi hat vier Sitze und die FDP einen.

ehrenamtliche Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1945–1946 Emil Staben (SPD)
  • 1946 Hermann Nau (SPD)
  • 1946–1948 Emil Staben (SPD)
  • 1948–1950 Otto Staack (DWB)
  • seit 2010 Axel Pietsch (BFK)

Stadtdirektoren[Bearbeiten]

  • 1945–1947 Albin Strobel
  • 1947–1950 Walter Ellerbrock

hauptamtliche Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1950–1953 Gerhard Muhs (parteilos)
  • 1953–1971 Paul Jeske (parteilos)
  • 1971–1976 Herbert Hinz (CDU)
  • 1977–1982 Helmut Hagedorn (CDU)
  • 1982–1992 Franz-Joseph Kuß (parteilos)
  • 1992–2003 Siegfried Kalis (SPD)
  • 2004–2010 Helga Maria Nießen (parteilos)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt von Gold und Blau. Oben auf grünem Hügel eine rote Burg mit drei schwarz bedachten Zinnentürmen und offenem Tor, unten auf Wellen ein silberner Einmaster mit silbernem Wimpel am Mast.“[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die St.-Cyriacus-Kirche, das Rathaus sowie der Luisenberger Turm sind markante Wahrzeichen von Kellinghusen, die Besuchern sofort ins Auge fallen.

Die St.-Cyriacus-Kirche[Bearbeiten]

1154 wurde die St.-Cyriacus-Kirche von Mönchen aus dem von Vizelin gegründeten Kloster in Wippendorf (Neumünster) erbaut.

Rathaus[Bearbeiten]

Das 1906 bis 1908 errichtete Rathaus wurde durch Spenden Kellinghusener Bürger ermöglicht. An der Fassade finden sich Formen des Historismus sowie Jugendstilelemente. Das Treppenhaus ist mit Buntglasfenstern ausgestattet, die allegorische Motive aus Handel, Industrie, Handwerk und Landwirtschaft zeigen.

An der Fassade des Rathauses sind das Kellinghusener Wappen sowie das Landeswappen von Schleswig-Holstein abgebildet. Beim Landeswappen allerdings stehen im heraldisch rechten Feld (also für den Betrachter links) die beiden blauen übereinander schreitenden Löwen nach außen gewandt, also wie die originalen Schleswigschen Löwen und genauso, wie sie der Anekdote nach Bismarck nicht sehen wollte. Diese falsche Darstellung des Landeswappens findet sich recht selten.

Luisenberger Turm[Bearbeiten]

Der im neugotischen Stil gestaltete Turm wurde 1858 als Ersatz für einen hölzernen Aussichtsturm errichtet. Sein Name stammt von dem nördlich gelegenen Wohnhaus des Grafen Hans Heinrich von Rantzau, der es nach seiner Ehefrau Louise benannt hatte.[11]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Kellinghusen ist sowohl für seinen Geranienmarkt als auch seinen Töpfermarkt, in der Regel am zweiten Augustwochenende, weit über seine Grenzen hinaus bekannt.

Außerdem fand bis vor einigen Jahren über 25 mal der Stör-Pokal, ein internationales Tennisturnier im Rahmen der German Masters Series, statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Kellinghusen geboren[Bearbeiten]

Gutshaus Fernsicht am Ufer der Stör

Mit Kellinghusen verbunden[Bearbeiten]

  • August Jauch (1848–1930), Gutsherr auf Fernsicht und Marienhof bei Kellinghusen, Hamburger Politiker
  • Detlev von Liliencron (1844–1909), Dichter, Kirchspielvogt in Kellinghusen
  • Julius Mannhardt (1834–1893), deutscher Ophthalmologe, Schriftsteller und Diplomat

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Bluhm: Fayencen aus Kellinghusen. Produkte. Werkstätten. Vertriebswege. Husum Verlag, Husum 2006, ISBN 978-3-89876-290-8
  • Jan Schlürmann: Drei Ämter, zwei Könige und ein Wappen. 125 Jahre Stadtrecht für Kellinghusen. In: Schleswig-Holstein 2003, H. 3, S. 13-15
  • Kay Dohnke, Die drei Leben des Detlev von Liliencron: die Kellinghusener Jahre, 1994
  • Detlev Freiherr von Liliencron: Einst Kirchspielvogt in Kellinghusen;[aus seinem Kellinghusener Leben]., 1927

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kellinghusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.rish.de/gewaesser/stoer/
  3. Netz Mitte ab Dezember 2014
  4. Edgar S. Hasse, Wie aus Hugenotten Hanseaten wurden, in Welt vom 8. Mai 2007Online-Textversion
  5. Aus einem ehemaligen Tonabbaugebiet entstand Parkanlage nach englischem Vorbild in: Norddeutsche Rundschau vom 22. Juli 2011
  6. Vgl. Rede auf der Aktionärsversammlung der Fernsichter Thonwaaren Fabriken von Wilhelm Ahlmann Verzeichnis Nachlass (PDF; 1,6 MB)
  7. Erich Maletzke, „Teuflische Maschinen und emaillierte Milchsatten“ – Schleswig-Holstein auf Weltausstellungen, Online-Textversion (PDF; 5,2 MB) S. 224
  8. Museum Kellinghusem
  9. Ministerium der Justiz Schleswig-Holstein, Schleswig-Holsteinische Anzeigen, 1870, S. 456
  10. Landesarchiv Schleswig-Holstein: Kommunale Wappenrolle
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStadtrundgang. Stadt Kellinghusen, abgerufen am 1. Oktober 2012.