Peter Kruse

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Kruse auf der re:publica 2010

Peter Kruse (* 30. Januar 1955 in Osnabrück) ist ein deutscher Psychologe,[1] Unternehmensberater und lehrt als Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen.

Leben[Bearbeiten]

Kruse studierte von 1976 bis 1981 in Münster und Bremen Psychologie, Humanmedizin und Biologie. 1984 promovierte er im Fach Psychologie mit der Note summa cum laude. Von 1979 bis 1980 und von 1981 bis 1982 wurde er als Stipendiat von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Assistent und Lehrbeauftragter an den Universitäten Bremen, Oldenburg und Gießen tätig.

Leistungen[Bearbeiten]

2001 wurde er vom Senator für Bildung und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen zum Honorarprofessor ernannt.

Kruse beschäftigte sich mit Ordnungsbildungsprozessen im menschlichen Gehirn. Seine Forschung bewegte sich an der Schnittstelle von Neurophysiologie und Experimentalpsychologie. Er verband dabei die Prinzipien von Selbstorganisation und Konstruktivismus mit der Tradition der Gestalttheorie.[2]

Seit 1995 ist Kruse als Unternehmensberater tätig. 2001 gründete er die nextpractice GmbH, die sich auf die strategische und praktische Begleitung von kulturellem Wandel sowie Trend- und Zukunftsforschung spezialisiert hat. Kruses Beratungsansatz überträgt Erkenntnisse der jüngeren Hirnforschung und der Theorie dynamischer Systeme auf Unternehmensprozesse. Kruse ist Ideengeber und Mitentwickler verschiedener computergestützter Managementwerkzeuge zum innovativen Umgang mit Komplexität und Vernetzung. Zu den wichtigsten gehören das Programmsystem Nextmoderator zur Moderation großer Gruppen und das qualitative Interviewverfahren Nextexpertizer. Es ist eine Weiterentwicklung der Repertory-Grid-Technik des US-amerikanischen Psychologen George A. Kelly. Damit ist es möglich, qualitative Einschätzungen von mehreren hundert Auskunftspersonen unter Lösung des Semantik-Problems quantitativ vergleichbar zu machen.[3] Kruse ist Autor zahlreicher Schriften zur Kognitionspsychologie, zur Theorie dynamischer Systeme, zum Konstruktivismus und zur Managementlehre.[4]

Zusammen mit Nichtregierungsorganisationen wie zum Beispiel der Global-Marshall-Plan-Initiative, der Bertelsmann-Stiftung, dem Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS), dem Ökosozialen Forum Europa u. a. beschäftigt er sich intensiv mit neuen Ansätzen der Partizipation in politischen Entscheidungsprozessen.[5][6]

Kruses wissenschaftliches wie beraterisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet.[7] 1994 erhielt er den Berninghausen-Preis für innovative Lehre. 2004 war er Träger des Innovationspreises von SPD und Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger (AGS) in der SPD. Die Computerwoche bezeichnete ihn 2005 als „Deutschlands Change-Management-Papst“.[8] Im Jahr 2009 wählte ihn das „Personalmagazin“ zum dritten Mal (2005/2007/2009) in die Liste der 40 einflussreichsten Persönlichkeiten für das Personalwesen.[9] Das Magazin „managerSeminare“ nannte ihn 2008 „Deutschlands Querdenker Nummer 1“.[10]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kruse, P./Stadler, M.: The significance of nonlinear phenomena for the investigation of cognitive systems. In: Haken, H./Mikhailov, A. S. (Hrsg.): Interdisciplinary approaches to nonlinear complex systems, S. 138–160. Springer, Berlin 1993, ISBN 3-540-56834-4.
  • Kruse, P./Stadler, M. (Hg.): Ambiguity in nature and mind. Multistability in cognition. Springer, Berlin 1995, ISBN 3-540-57082-9.
  • next practice. Erfolgreiches Management von Instabilität. Gabal, Offenbach, 6. Auflage 2011, ISBN 978-3-89749-439-8.
  • Kruse, P./Dittler, A./Schomburg, F.: nextexpertizer und nextcoach: Kompetenzmessung aus der Sicht der Theorie kognitiver Selbstorganisation In: Erpenbeck, John/Rosenstiel, Lutz von (Hg.): Handbuch Kompetenzmessung, S. 405–427.Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7910-2477-6.
  • Stadler, M / Kruse, P. / Strüber, D.: Struktur und Bedeutung in kognitiven Systemen. In: Metz-Göckel. H. (Hg.): Gestalttheorie aktuell, Band 1, S. 71–96. Krammer, Wien 2008, ISBN 978-3-901811-36-4.
  • Ein Kultobjekt wird abgewrackt. In: Gottlieb Duttweiler Institute (Hg.): GDI Impuls 1-2009, S. 12–19. Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), Rüschlikon/Zürich 2009, ISSN 1422-0-482. (PDF)
  • Der letzte Tanz ums Goldene Kalb. In: Süddeutscher Verlag GmbH (Hg.): Süddeutsche Zeitung Nr. 124 (Dienstag, 2. Juni 2009), S. 33. Süddeutscher Verlag GmbH, München 2009. (PDF)
  • Rechts, Links, Mitte – Raus! Vom politischen Wagnis der Partizipation. In: Hendrik Heuermann/Ulrike Reinhard (Hrsg.): Reboot_D Digitale Demokratie – Alles auf Anfang, S. 46–59, 2009. (online)
  • Kontrollverlust als Voraussetzung für die digitale Teilhabe. In: Hubert Burda / Mathias Döpfner / Bodo Hombach / Jürgen Rüttgers (Hrsg.): 2020 – Gedanken zur Zukunft des Internets. Klartext, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0376-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edo Reents: Der Vollweise : Peter Kruse gilt im Internet vielen als Guru, als „Netzwerkpapst“ und „Vordenker“. Dabei gehört er auch nur zu den Leuten, die das Einfache kompliziert erklären und sich als Berater ausgeben, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19. Mai 2010, online
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  • Bender, Hanna: Wie eine riesige Casting-Show. Der Handel 4/2010.
  • Diehn, Timur: Wie verändern die neuen Medien die gesellschaftliche Wirklichkeit. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft 2011.
  • Lange, Sebastian: Den Sturm entfachen. Politik & Kommunikation 10/2010, S.10-16.
  • Meller, Philipp: Revolution 2.0. Facebook und die Mobilisierung von Gesellschaften. Cicero Online 03/2011.
  • Reischl, Gerald/ Sterbenz, Benjamin: 20 Jahre Internet. Kurier vom 6. August 2010, S.12f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Kruse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender 2009, Bd. 2, H-L. München: Saur, 2276.
  2. Kruse, P./Stadler, M. 1995 (Hrsg.): Ambiguity in nature and mind. Multistability in cognition. Berlin: Springer
  3. Kruse, P./Dittler, A./Schomburg, F. ²2007: nextexpertizer und nextcoach: Kompetenzmessung aus der Sicht der Theorie kognitiver Selbstorganisation. In: Erpenbeck, J./Rosenstiel, L.v. (Hg.): Handbuch Kompetenzmessung, S. 405–427. Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
  4. Liste aktueller Publikationen. nextpractice.de, abgerufen am 17. April 2010.
  5. Initiative Perspektive Bremen 2007. nextpractice.de, abgerufen am 17. April 2010.
  6. „IdeenWerkstatt“ 2008. nextpractice.de, abgerufen am 17. April 2010.
  7. Liste der Awards. nextpractice.de, abgerufen am 17. April 2010.
  8. Syra Thiel: „Die Deutschen sind zu ängstlich“. Computerwoche, 11. Februar 2005, abgerufen am 17. April 2010 (PDF; 1,4 MB).
  9. „Die 40 führenden Köpfe – Vordenker und Vorbilder im Personalwesen 2007“. In: Personalmagazin 9/2007 und Personalmagazin 9/2009. S. 18ff, bzw. 12ff, abgerufen am 17. April 2010 (PDF; 1,3 MB).
  10. „Arbeiten im Zeitalter von Web 2.0“. In: managerSeminare 11/2008. Abgerufen am 17. April 2010.