Hubert Burda

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Hubert Burda (* 9. Februar 1940 in Heidelberg) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Verleger. Er ist seit 1991 mit der deutschen Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler verheiratet. Hubert Burda ist Eigentümer der Hubert Burda Media, die unter anderem Focus und Bunte herausgibt. Er gilt als Umdenker und Verfechter des Iconic Turns und propagierte daher schon sehr früh den Erfolg des Internet. Hubert Burda ist Vorsitzender der Konferenz Digital Life Design (DLD), die jährlich im Januar in München stattfindet. Mit einem geschätzten Vermögen von 2,75 Milliarden gehört er laut Manager Magazin zu den 50 reichsten Deutschen und ist nach Friede Springer der zweitreichste Verleger der Bundesrepublik.

Hubert Burda (Juni 2008)

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jugend und die Zeit vor New York[Bearbeiten]

Burda wurde nach Franz und Frieder als der jüngste von drei Söhnen des Verleger-Ehepaares Franz und Aenne Burda geboren. Er nahm als Primaner bis zum Abitur – also knappe zwei Jahre – jeden Nachmittag Malunterricht und entwickelte dabei den Wunsch, Maler zu werden. Der Vater wünschte sich eine andere Karriere für den Sohn, als Kompromiss durfte er stattdessen Kunstgeschichte studieren, doch nur unter der Bedingung, mit 25 Jahren Studium und Promotion abgeschlossen zu haben. Burda studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er promovierte vor dem 26. Lebensjahr – ob Burda seinen Wehrdienst ableisten musste, ist nicht bekannt – in Kunstgeschichte und erfüllte so den Wunsch des Vaters. Das Thema seiner Dissertation lautete Die Ruine in den Bildern Hubert Roberts.[1]

Nach mehreren Volontariaten in US-amerikanischen Werbeagenturen und Verlagen arbeitete Burda bis 1974 als Verlagsleiter der Burda-eigenen Zeitschrift Bild und Funk. 1969 wagte er mit m – Die Zeitschrift für den Mann zusätzlich ein eigenständiges Magazin-Projekt. Im Stil der Zeit und in Anlehnung an twen waren darin auch halbnackte Frauen abgebildet, was der katholische Vater nach einem Jahr abstellte.

Burda heiratete im Jahr 1967 die Kunsthistorikerin Christa Maar. Die Ehe wurde 1972 geschieden. Anschließend ging er nach New York.

Übernahme des Unternehmens und erste Jahre dort[Bearbeiten]

Burda übernahm Ende 1986/ Anfang 1987 als alleiniger Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender die Burda Holding, nachdem sein Vater gestorben war und die Söhne erst kurz davor zu seinen Stellvertretern gemacht hatte. Franz jun. und Frieder nahmen eine Realteilung vor. Zu einer schwerwiegenden Familienkrise kam es, als die Brüder im April 1988 entgegen einer Abmachung ihre Aktien des Axel-Springer-Verlags an dessen Erben verkauften. Sie misstrauten Burdas geschäftlichen Fähigkeiten und stellten ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund. Burda prozessierte, gewann in erster Instanz und verlor schließlich in dritter Instanz beim Bundesverwaltungsgericht.

Burda konnte 1988 dem Springer-Verlag den Chefredakteur der Bild-Zeitung, Günter Prinz, abwerben. Nach der Wende forderte er die Bild-Zeitung im Mai 1991 in Zusammenarbeit mit dem Medieninvestor Rupert Murdoch durch die Boulevardzeitung Super! heraus. Prinz zeichnete für die Konzeption. Ein erster Rückschlag war die neuerliche Abwerbung von Prinz durch den Springer-Verlag im Frühjahr 1991. Murdoch zog sich im Juli 1992 wegen finanzieller Schwierigkeiten aus dem Vertrag zurück, und Burda musste mit 30 Millionen DM Verlust das Projekt aufgeben. Neben der Programmzeitschrift Super TV konnte er ab 1990 mit der SUPERillu die Zeitschrift mit der stärksten Auflage in Ostdeutschland etablieren.

Etablierung des Focus und Burdas Firmenstrategie[Bearbeiten]

Mit der Begründung des Nachrichtenmagazins Focus gelang es ihm 1993 in Zusammenarbeit mit Helmut Markwort, eine bis heute bestehende Konkurrenz gegenüber dem Rivalen Der Spiegel aufzubauen und zu behaupten. 1999 firmierte Burda die Holding in die Hubert Burda Media um, der er bis Januar 2010 als Vorstandsvorsitzender vorstand und heute als Verleger vorsteht. Neben dem Erfolg mit Focus errang er durch den konsequenten Ausbau der Titelpalette das größere geschäftliche Plus. Während sich in der Ära Burda sen. Verlags- und Druckumsatz noch etwa die Waage hielten, erwirtschaftet die Burda-Holding heute ein Mehrfaches mit ihren Verlagsprodukten und vor allem dem Bereich Digital. Burda weitete sein Engagement auch auf internationale Kooperationen (Hachette, Rizzoli), internationale Expansion (Singapur, Thailand, Indien, Russland) und besonders das Internet aus. Er ging unter anderem mit Microsoft eine Zusammenarbeit als Content-Lieferant ein und baute zahlreiche andere Online-Dienste auf.

Das Unternehmen Hubert Burda Media erzielte 2011 in den vier Geschäftsbereichen Verlage Inland, Verlage Ausland, Digital und Druck mit rund 8250 Mitarbeitern einen konsolidierten Außenumsatz in Höhe von 2.176 Mio. Euro. Der Konzern verkaufte rund 331 Millionen Zeitschriften im Inland und erreichte mit den 82 Titeln in Deutschland 79,1 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren. Gemeinsam mit seinen Partnerverlagen publizierte Hubert Burda Media 2011 im Ausland 229 Titel. Die Burda Digital GmbH, deren sechs Geschäftsfelder mehr als 50 Beteiligungen umfassen, ist eines der führenden digitalen Medienhäuser in Europa. Burda Druck gehört zu den großen Druckunternehmen Europas.

Burda ist seit 1991 in zweiter Ehe mit der Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler-Burda verheiratet und hat mit ihr die zwei Kinder Jacob und Elisabeth. Der am 25. November 1967 geborene Sohn Felix Burda aus erster Ehe, der ebenfalls in Kunstgeschichte promoviert wurde, starb Ende Januar 2001 an Darmkrebs (siehe Felix Burda Stiftung).

Hubert Burda war auf Vorschlag der CDU Mitglied der 14. Bundesversammlung und nahm am 30. Juni 2010 an der Wahl des deutschen Bundespräsidenten teil.

Iconic Turn und In medias res[Bearbeiten]

„Die Macht der Bilder ist hochaktuell. Nach jahrhundertelanger Prägung unserer Kultur durch Schrift und Text ist nun die visuelle Kommunikation wieder in den Vordergrund gerückt.“ Hubert Burda wird als Verfechter des Iconic Turn gesehen. Dieser beschreibt den gewaltigen Einfluss von Bildern, Photographien, multimedialem Content und dem bildreichen Internet auf die heutige Gesellschaft. In seinem Buch In medias res verfasst Hubert Burda zehn Thesen zum Iconic Turn. Hier spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation. „Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, so Burda.

Mäzenatentum[Bearbeiten]

Burda stiftete 1975 den Petrarca-Preis und 1988 den Nicolas-Born-Preis für Lyrik, der bis 1995 verliehen wurde. Er gründete 1994 die Akademie zum dritten Jahrtausend und initiierte 1997 den Corporate-Art-Preis für das kulturelle Engagement von Unternehmen und Initiativen. Er stiftete 1999 den Hermann-Lenz-Preis für deutschsprachige Literatur und den Hubert Burda Preis für junge Lyrik aus Osteuropa. 1999 gründete er die Hubert Burda Stiftung, die sich der Literatur, der Völkerverständigung, der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft widmet. 2001 folgte die Felix Burda Stiftung, die sich der Förderung der Darmkrebsvorsorge verschreibt. Gemeinsam mit der Stadt Offenburg stiftete Hubert Burda 2005 den Europäischen Übersetzerpreis Offenburg.

Burda setzt sich für die deutsch-jüdische Aussöhnung ein und beteiligte sich unter anderem finanziell an der Produktion einer englischsprachigen CD-ROM der Shoah Foundation (Survivors of the Shoah Visual History Foundation) von Steven Spielberg, so dass sie etwa Schulen als Unterrichtsmaterial zur Verfügung steht.

Burda spendete eine Million Euro für das im November 2006 eröffnete Jüdische Zentrum München, das einen Hubert-Burda-Saal beherbergt.[2]

Aenne Burda Award[Bearbeiten]

Im Rahmen der seit dem Jahr 2005 veranstalteten DLD-Conference (Digital, Life, Design) verleiht Burda seit 2006 einen Aenne Burda Award. Der Preis soll die Arbeit junger Frauen in den Medien bestärken, ihrem eingeschlagenen Weg treu zu bleiben, an ihre Ideen zu glauben und sie durchzusetzen.[3]

Gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

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  • Es sind nicht Texte, sondern Bilder, die die Wende zum 21. Jahrhundert markieren. (2004)
  • Modernes Denken und brillantes Wissen pulsiert in binären Datenströmen durch die Netze. Hier wächst der Wohlstand von morgen.
  • Redesign ist Online immer wichtig. (1996)
  • Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen.[8]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Hubert Burda. Zwischen Rebellion und Pflicht. Dokumentation, Deutschland, 2006, 45 Min., Buch und Regie: Kathrin Pitterling, Produktion: Norddeutscher Rundfunk, Reihe: Die Erben, Teil 3, Erstsendung: 22. Januar 2007.[10]
  • Gero von Boehm begegnet… Hubert Burda. Gespräch. Deutschland, 2002, 45 Min., Regie: Gero von Boehm, Produktion: Interscience, Erstausstrahlung: 24. April 2002 in 3sat.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hubert Burda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dissertation von Hubert Burda im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  2. Burda: Millionen-Spende für das Jüdische Zentrum. merkur-online.de, 28. Januar 2005
  3. Zitiert nach: Daniela Terbu: Digital Lifestyle Day 2006. PRVAnews, 1. Februar 2006
  4. Leo-Baeck-Preis – Zentralrat der Juden ehrt Hubert Burda, focus.de, 2. November 2006
  5. Neuer Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg: Dr. Hubert Burda. In: Vorträge und Termine, Website der Hochschule für Jüdische Studien, abgerufen am 1. Juni 2011.
  6. Ehrung: Frankreich ernennt Hubert Burda zum Offizier der Ehrenlegion. badische-zeitung.de, 22. November 2012
  7. Verleihung der Toleranzringe 2014. European Academy of Sciences and Arts, 22. September 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014 (deutsch).
  8. a b Gero von Boehm begegnet … Hubert Burda, 3sat, 24. April 2002
  9. Hubert Burda: Die Bunte-Story. Ein People-Magazin in Zeiten des Umbruchs. Pantheon, München 2012, Leseprobe (PDF; 156 kB); Hans-Jürgen Jakobs: That’s new, Pussycat. In: Süddeutsche Zeitung, 8. November 2012 (Besprechung)
  10. Peter Heinlein: Vom Schatten befreit. In: Hamburger Abendblatt, 22. Januar 2007 (Besprechung)