Petrus von Alcantara

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Ein vier Meter hohes Denkmal für den heiligen Petrus in seiner Heimatstadt Alcántara in Extremadura (von Navarro Gabaldón)

Petrus von Alcantara (vor dem Ordenseintritt: Juan de Garavito y Vilela de Sanabria) (* 1499 in Alcántara, Spanien; † 18. Oktober 1562 in Arenas de San Pedro bei Ávila) war ein spanischer Mystiker, Bußprediger und franziskanischer Ordensreformator. 1669 wurde er heiliggesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Juan stammte aus einer Adelsfamilie der Extremadura. Er übte von frühester Jugend an härteste Askese. Nach zweijähriger Ausbildung an der Universität Salamanca trat er mit 15 Jahren in den Franziskanerorden ein und war zunächst Pförtner in dem kleinen Kloster San Francisco de los Majarretes in der Nähe von Valencia de Alcántara. Im Jahr 1524 wurde er zum Priester geweiht. Er wirkte als Priester und Oberer in verschiedenen Klöstern und war bald ein gefragter Prediger. Als solcher wurde er von König Johann dem Frommen an den portugiesischen Königshof gerufen, wo er prominente Höflinge, darunter Mitglieder der königlichen Familie, zu Umkehr und Buße bewegt haben soll und hohes Ansehen gewann.

Nach seiner Rückkehr nach Spanien setzte er sich für die Reform des Franziskanerordens ein. Bereits 1540 wurden unter seiner Ägide die Konstitutionen der Franzikaner-Ordensprovinz St. Gabriel verschärft. Daneben gab Petrus den Anstoß zu zahlreichen Klostergründungen. Er wanderte barfuß über die Pyrenäen bis nach Rom, um vom Papst Julius III. die Erlaubnis für sein Reformwerk einzuholen. 1555 erfolgte die Gründung einer Reformkongregation, aus der die 1561 gegründete und 1563 päpstlich approbierte Provinz St. Joseph erwuchs. Ab 1557 war er als Generalkommissar für die von ihm betreuten Reformklöster in Spanien zuständig. Nach seinem Vorbild wurden auch die im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert entstandenen Reformzweige anderer Orden als Barfüßer bezeichnet, beispielsweise die reformierten Karmeliten.

Er selbst zog sich in das von ihm gegründete Kloster Pedroso im Nordwesten Portugals zurück, wo er in strengster Askese in einer winzigen Klosterzelle lebte. Berichtet wird unter anderem, er habe nur alle drei Tage etwas gegessen und in seiner Zelle, in der er sich aufgrund der Enge nicht ausstrecken konnte, auf dem Fußboden mit dem Kopf an ein Brett gelehnt nur anderthalb oder zwei Stunden pro Nacht geschlafen. Außerdem sind grauenhafte Selbstkasteiungen überliefert. Die Zelle kann noch besichtigt werden.

Aus dem reformierten Franziskanerverband gingen die nach Petrus benannten Alcantariner hervor, die auch als Discalceaten (Unbeschuhte) oder Minoriten der strengsten Observanz bekannt wurden und einen bis 1897 selbständigen Zweig des Franziskanerordens bildeten. Seit dem 17. Jahrhundert existierte in Spanien und Portugal auch ein weiblicher Zweig, die Alcantarinerinnen.

In der Frage der Verfasserschaft des nachhaltig auf Frömmigkeit und Mystik wirkenden und auf Spanisch verfassten Tratado de la oración y meditación (Traktat vom Gebet und der Meditation), der auch Ludwig von Granada zugeschrieben wurde, kommt Petrus nach herrschender Meinung die Priorität zu. Petrus vertrat die Ansicht, Frauen seien für das spirituelle Leben als Asket und Mystiker im Allgemeinen besser geeignet als Männer.

1557 lernte die später ebenfalls heiliggesprochene Ordensreformerin Teresa von Ávila Petrus in hohem Alter kennen und schätzte ihn als Ratgeber. Der bei Hof und im Vatikan angesehene Ordensmann unterstützte Teresas eigene Reformvorhaben als gewichtiger Fürsprecher, und sie berief sich auch nach seinem Tode gegenüber kirchlichen und weltlichen Autoritäten häufig auf ihn als Gewährsmann für ihre Anliegen. Als Beichtvater des zurückgetretenen Kaisers wurde Petrus von Alcantara auch an das Refugium von Karl V. im Kloster von Yuste berufen.

1622 wurde er von Papst Gregor XV. selig- und 1669 von Papst Clemens IX. heiliggesprochen. Sein Fest wird in der katholischen Kirche am 19. Oktober begangen. Er gilt als Schutzpatron Brasiliens und Beschützer der Nachtwächter und Nachtarbeiter; Letzteres wird damit begründet, dass er die Nächte häufig im Gebet durchwacht haben soll. Außerdem wird er gegen Fieberkrankheiten angerufen.

Werke[Bearbeiten]

  • Hauptwerk: Tratado de la oración y meditación (lat.: De meditatione et oratione, 1843, dt.: Das goldene Büchlein über die Betrachtung und das innerliche Gebet. Aus dem Spanischen hrsg. und übers. von Philibert Seeböck, 1900).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Petrus von Alcantara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien