Pfeilgift

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Als Pfeilgift werden Gifte bezeichnet, die von verschiedenen Wildbeutergruppen zur Jagd auf ihre Pfeilspitzen (Bogen- oder Blasrohrpfeile) aufgetragen werden. Viele Gifte sind Nervengifte, die in der Regel ohne gesundheitliche Auswirkungen mit der zubereiteten Nahrung aufgenommen werden können. Andere führen zum Herzstillstand oder inneren Blutungen.

Pflanzliche Pfeilgifte[Bearbeiten]

Ein in Südamerika verbreitetes, pflanzlich gewonnenes Pfeilgift ist das Curare aus Rinden und Blättern verschiedener Lianen (Behaarter Knorpelbaum, Brechnüsse). Curare bewirkt die Lähmung der Atemmuskulatur, die zum Tode durch Atemstillstand führt.

In Südostasien (Borneo, Java) wird der Milchsaft aus dem Upasbaum mit dem Wirkstoff Antiarin verwendet, der zum Herzstillstand führt.

In Afrika wird aus den Samen der Strophanthusgewächse das Strophanthin gewonnen, das zu den Herzglykosiden zählt. In Südafrika werden Pfeilgifte hauptsächlich aus der Fächerlilie gewonnen. Diese enthält ein starkes Nervengift, das zu Benommenheit, Koma bis hin zum Tod führt.

Auf der Nordhalbkugel wurden aus Germer-Arten das Protoveratrin und Germerin gewonnen. Der Weiße Germer wächst im Alpenraum und in Osteuropa. Symptome der Vergiftung sind Muskelkrämpfe, Halluzinationen, Atemnot und schließlich der Kreislaufkollaps. Das stärkste pflanzliche Pfeilgift der Nordhalbkugel (Europa, China) ist das Aconitin aus dem Eisenhut. Typische Vergiftungserscheinungen des Blauen Eisenhuts sind Kreislauf- und Atemlähmung.

In der Odyssee, die vom griechischen Dichter Homer im 8. Jahrhundert v. Chr. verfasst wurde, beschreibt dieser dass der Held Odysseus seine Pfeile mit pflanzlichem Gift versetzt habe. Nach neuzeitlicher Interpretation wird dafür die Orientalische Nieswurz (Helleborus orientalis) wahrscheinlich gemacht.[1] Aus der griechischen Bezeichnung „toxikon Pharmakon“ für das Pfeilgift (gr. τόξον, Toxon „Pfeil“) wurde später für Gifte im Allgemeinen das Wort „Toxikon“ gebildet, das den Wortstamm der Toxikologie bildet.

Tierische Pfeilgifte[Bearbeiten]

Tierisch gewonnene Pfeilgifte stammen aus den Hautabsonderungen der in Mittel- und Südamerika vorkommenden Pfeilgiftfrösche. Das Gift (Batrachotoxin) des Schrecklichen Pfeilgiftfrosches wurde von den Chocó-Indianern Kolumbiens für Blasrohrpfeile benutzt.

In Westafrika (Togo) wurde Pflanzengift zusammen mit Schlangengift gemischt. Bei den San in Südwestafrika wurden die zerdrückten Larven des Gefleckten Pfeilgiftkäfers verwendet, zum Teil gemischt mit den gerösteten Samen der Swartzia.

Eine Übersicht zu Geschichte, Chemie und Ethnopharmakologie von Pfeilgiften tierischen und pflanzlichen Ursprungs mit umfangreicher Literatursammlung wurde 1989 veröffentlicht.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Louis Lewin: Die Pfeilgifte. Gerstenberg Hildesh., 1984 (Reprint der Ausgabe von 1923). ISBN 3806720215
  • Hans Dieter Neuwinger: Afrikanische Arzneipflanzen und Jagdgifte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh Stuttgart, 1994. ISBN 3-8047-1314-9
  • Bernhard Witkop: Neuere Arbeiten über Pfeilgifte. Die Chemie (Angewandte Chemie, neue Folge) 55(11/12), S. 85 – 90 (1942), ISSN 1521-3757

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oswald Schmiedeberg: Über die Pharmaka in der Ilias und Odyssee. (Schriften der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Straßburg, 36. Heft). Straßburg, Verlag Karl J. Trübner, 1918, 29 S.
  2. N.G. Bisset: Arrow and dart poisons., J Ethnopharmacol, Band 25(1), 1989, S. 1-41. Review. PMID 2654488

Weblinks[Bearbeiten]

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