Eisenhut

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Dieser Artikel behandelt die Pflanze Eisenhut; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Eisenhut (Begriffsklärung).
Eisenhut
Bunter Eisenhut (Aconitum variegatum)

Bunter Eisenhut (Aconitum variegatum)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Delphinieae
Gattung: Eisenhut
Wissenschaftlicher Name
Aconitum
L.

Die Pflanzengattung Eisenhut (Aconitum), auch Sturmhut, Akonit, früher auch Wolfswurz genannt, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Die wissenschaftliche Bezeichnung Aconitum rührt vermutlich von dem Berg Akonitos in Pontos (Kleinasien) her. Dort holte in der griechischen Mythologie Herakles (lat. Hercules) den dreiköpfigen Höllenhund Kerberos (Zerberus) aus dem Hades (Unterwelt), aus dessen Geifer die Pflanze erwuchs. Die Bezeichnung Eisenhut leitet sich von der helmartigen Blütenform ab.

Der Eisenhut wurde 2005 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Bei Aconitum-Arten handelt sich um meist ausdauernde, oder pseudoeinjährige, selten einjährige krautige Pflanzen. Die Stängel wachsen selbständig aufrecht oder klimmend. Die manchmal alle in einer grundständigen Rosette angeordneten, meistens wechselständig am Stängel verteilten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreiten gegliedert. Die Blattspreiten sind meist handförmig geteilt oder selten ungeteilt.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Blüte des Blauen Eisenhuts
Schnitt durch eine reale Blüte des blauen Eisenhuts Aconitum napellus.
Nektarblätter des Blauen Eisenhuts im helmförmigen Kronblatt. Nektar nur für langrüsselige Hummelarten zugänglich.

In endständigen, meist verzweigten, traubigen Blütenständen stehen über je zwei Deckblätter die gestielten Blüten zusammen. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Charakteristisch sind die fünf blauen, gelben oder weißen kronblattartigen Kelchblätter. Die zwei unteren Kelchblätter sind klein und schmal lanzettlich oder länglich. Die zwei seitlichen Kelchblätter sind fast kreisförmig. Das obere sichel-, kahn-, helmförmig bis zylindrisch ausgebildete Kelchblatt schließt die zwei langgestielten, an der Spitze mützenförmigen Honigblätter ein. Es sind viele fertile Staubblätter mit ellipsoid-kugeligen Staubbeuteln vorhanden. Es sind drei bis fünf, selten bis dreizehn Fruchtblätter vorhanden. Der kurze Griffel ist lange haltbar.

Heilpflanze und Gesundheitsgefahr[Bearbeiten]

Die Eisenhut-Arten zählen zu den giftigsten Pflanzen Europas. In den meisten Ländern, in denen Eisenhut vorkommt, sind auch Erzählungen überliefert, die auf die Giftigkeit dieser Pflanze hinweisen. So wird in der chinesischen und indischen Literatur oft der Einsatz von mit Eisenhut vergifteten Pfeilen erwähnt. [1] Ähnlich wie beim Blauen Eisenhut in Europa kennt auch die chinesische Geschichte Morde, die mit Hilfe von Eisenhutpflanzen vollbracht wurden. So soll die Ehefrau des chinesischen Generals Huo Guang versucht haben, ihre Tochter in die Favoritenrolle zu bringen, indem sie die Kaiserin mit Eisenhutextrakten vergiftete. Diese Tradition ist bis heute nicht abgerissen. Zwischen 1980 und 1984 verzeichnete man allein in der chinesischen Provinz Sichuan 72 Todesfälle, die auf Eisenhut zurückzuführen waren. Davon waren 35 Morde, in 16 Fällen nutzten Personen Eisenhut, um Selbstmord zu begehen und 21 Fälle führte man auf unglückliche Verwechslungen zurück. Ähnliches wird aus Hongkong berichtet, wo man zwischen 1989 und 1993 35 Vergiftungsfälle meldete, die auf Dosierungsfehler bei der Zubereitung traditioneller chinesischer Medizin zurückgingen.[2] In vielen Ländern, in denen Eisenhut vorkommt, ist er ein traditionelles Mittel zur Vergiftung von Wildtieren wie Wölfen, Bären und Nagetieren.

Die verschiedenen Aconitum-Arten enthalten toxische DiterpenAlkaloide, die sich in allen Pflanzenteilen finden. In den in Europa heimischen und kultivierten Arten sind im Wesentlichen die Alkaloide Aconitin, Benzoylnaponin, Hypaconitin, Lycaconitin und Neopellin, und die Aminoalkohole Aconin, Napellin, Neolin und Lycoctonin nachweisbar. Daneben sind in manchen Arten noch Isochinolin-Alkaloide oder Katecholamine enthalten. Die Giftigkeit einer einzelnen Pflanze ist dabei von Standortbedingungen sowie genetischen Faktoren abhängig. Das Aconitin wird von der unverletzten Haut und den Schleimhäuten aufgenommen. Bei zarthäutigen Personen kann dies sogar zu Nesselausschlägen führen. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet Eisenhut. Er gilt dort als Mittel bei Erkältung und Fieberanfällen sowie bei Beklemmungen und Todesangst. [3] Auch Homöopathen sowie die anthroposophische Medizin benutzen Aconitum.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Aconitum gilt als arktische Gattung aus dem Tertiär, die sich von Sibirien aus über Europa, Asien und Amerika ausgebreitet hat, wobei als Auslöser der pflanzlichen Wanderung die Eiszeiten gelten [1]. Etwa die Hälfte der etwa 400 gültigen Arten kommen in China vor (211 Arten, davon 166 nur dort) [4].

In Mitteleuropa sind die beiden blaublühenden Arten Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) und Bunter Eisenhut (Aconitum variegatum) sowie der gelbblühende Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum subsp. vulparia) am weitesten verbreitet; sie stehen unter Naturschutz.

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Aconitum gehört zur Tribus Delphinieae in der Unterfamilie der Ranunculoideae innerhalb der Familie der Ranunculaceae [5].

Gift-Eisenhut (Aconitum anthora)
Chinesischer Eisenhut (Aconitum carmichaelii)
Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum)
Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Die Gattung Eisenhut (Aconitum) enthält etwa (je nach Autor 100 bis) 400 Arten (Auswahl) [5]:

Quellen[Bearbeiten]

  • Alan T. Whittermore & Bruce D. Parfitt: Ranunculaceae in der Flora of North America, Volume 3, 1997: Aconitum - Online. (Abschnitt Beschreibung)
  • Wencai Wang, Dezhi Fu, Liang-Qian Li, Bruce Bartholomew, Anthony R. Brach, Bryan E. Dutton, Michael G. Gilbert, Yuichi Kadota, Orbélia R. Robinson, Michio Tamura, Michael J. Warnock, Guanghua Zhu & Svetlana N. Ziman: Ranunculaceae, in der Flora of China, 2001: Aconitum - Online. (Abschnitt Beschreibung)
  • Paul Wagler: Ἀκόνιτον. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 1178–1183.
  • Walter Erhardt u. a.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller: Exkursionsflora von Deutschland. Band 5. Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag. Berlin, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-0918-8
  • The International Plant Name Index, aufgerufen am 22. März 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jean Marie Pelt: Die Geheimnisse der Heilpflanzen, Verlag Knesebeck, München 2005, ISBN 3-89660-291-8, S. 80
  2. Jean Marie Pelt: Die Geheimnisse der Heilpflanzen, Verlag Knesebeck, München 2005, ISBN 3-89660-291-8, S. 85
  3. Jean Marie Pelt: Die Geheimnisse der Heilpflanzen, Verlag Knesebeck, München 2005, ISBN 3-89660-291-8, S. 13
  4. Wencai Wang, Dezhi Fu, Liang-Qian Li, Bruce Bartholomew, Anthony R. Brach, Bryan E. Dutton, Michael G. Gilbert, Yuichi Kadota, Orbélia R. Robinson, Michio Tamura, Michael J. Warnock, Guanghua Zhu & Svetlana N. Ziman: Ranunculaceae, in der Flora of China, 2001: Aconitum - Online.
  5. a b Aconitum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eisenhut (Aconitum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Eisenhut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen