Phong Nha-Ke Bang

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Phong Nha-Ke Bang
Phong Nha-Ke Bang (Vietnam)
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17.5106.175Koordinaten: 17° 30′ 0″ N, 106° 10′ 30″ O
Lage: Vietnam
Nächste Stadt: Dong Hoi
Fläche: 857,54 km²
Gründung: 1. Oktober 1990
Besucher:  ? (?)
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Der Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng (PNKB, vietnamesisch Vườn quốc gia Phong Nha-Kẻ Bàng) liegt als Teil der Distrikte Bố Trạch und Minh Hoa in der Provinz Quảng Bình des nördlichen Zentral-Vietnam, etwa 500 Kilometer südlich der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, dort, wo das Land eine schmale Brücke zwischen dem Südchinesischen Meer und Laos bildet. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 86.000 Hektar und liegt direkt an der Grenze zu Laos.[1]

Geologie[Bearbeiten]

Phongnhakebang2.jpg

Die Karstformation des Nationalparks Phong Nha-Ke Bang hat sich seit dem Paläozoikum (vor etwa 400 Millionen Jahren) entwickelt und ist die älteste bedeutende Karstregion in Asien. Infolge tektonischer Prozesse ist die Karstlandschaft des Parks spezifisch zusammengesetzt und zeigt zahlreiche und sehr bemerkenswerte geomorphologische Eigenschaften. Das weite Gebiet zeigt eindrucksvolle Erscheinungen, darunter zahlreiche Grotten und unterirdische Flüsse auf über 65 Kilometer Länge.[2]

Phongnha17.jpg

Im April 2009 entdeckten britische Forscher in diesem Nationalpark zwanzig neue Höhlen mit einer Gesamtlänge von 56 Kilometern, darunter die nach ihren Angaben größte der Welt. Die Sơn-Đoòng-Höhle ist größer als die Deer Cave in Malaysia (im Gunung Mulu Nationalpark).[3]

Nationalpark
Phong Nha-Ke Bang
*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

Tien Son-Höhle
Tien Son-Höhle
Staatsgebiet: VietnamVietnam Vietnam
Typ: Natur
Kriterien: vii
Referenz-Nr.: 951
Region: ª Asien und Ozeanien
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2003  (Sitzung 27)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

UNESCO-Weltnaturerbe[Bearbeiten]

Der Nationalpark wurde 2003 durch die UNESCO in die Liste der Weltnaturerbestätten Vietnams aufgenommen.[2] Er liegt 450 Kilometer südöstlich von Hanoi, 45 km nordwestlich von Dong Hoi und 300 km nordwestlich von Da Nang und bildet das Kernstück des letzten geschlossenen Waldgebiets in Zentralvietnam. Der Nationalpark liegt unmittelbar an der Grenze zu Laos und gehört zum Annamiten-Gebirgszug, der für seine bizarren Kalkfelsen und -höhlen sowie für seine ungeheure Artenvielfalt bekannt geworden ist.

Das Parkareal ist zusammen mit dem auf der laotischen Seite angrenzendem Hin Namno Biodiversitäts-Schutzgebiet eines der zwei größten Kalkstein-Gebiete in der Welt und umfasst mehrere hundert Höhlen, einschließlich langer Gänge mit Stalaktiten und Stalagmiten. Britische und vietnamesische Wissenschaftler haben zwanzig Kilometer davon erforscht. Es gibt viele unterirdische Flüsse und Wasserfälle.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Mit unter anderem 381 beschriebenen Wirbeltier-, darunter 59 Amphibienarten beherbergt Phong Nha-Ke Bang eine große Artenvielfalt. Der Park gilt als ein floristisches Zentrum hoher biologischer Vielfalt in Indochina; hier gibt es mehr als 1320 beschriebene Pflanzenarten. Allein 112 Säugetierarten leben im Park, darunter mindestens neun Affenarten wie Makaken, Languren und Gibbons [4][5].

Regelmäßig werden in den Annamiten neue Tierarten entdeckt. Dazu gehören unter anderem die Saola-Antilope, der Riesenmuntjak, das Annamitische Streifenkaninchen und der bedrohte Grauschenklige Kleideraffe. [6]

Flora[Bearbeiten]

Phongnhakebang6.jpg
Phongnhakebang11.jpg

Die häufigsten Baumarten in diesem Park sind Hopea sp., Sumbaviopsis albicans, Garcinia fragraeoides, Burretionendron hsienmu, Chukrasia tabularis, Photinia aroboreum und Dysospyros saletti. In dem Park dominieren immergrüne Bäume, vor allem Dipterocarpus kerri, Anogeissus acuminate, Pometia pinnata und Lagerstroemia calyculata.

In dieser Parkanlage sind die beherrschenden Familien: Lauraceae, Fagaceae, Theaceae und Rosaceae, und Gymnospermen wie Podocarpus imbricatus, Podocarpus neriifolius, und Nageia fleuryi.[7][8]

Mindestens drei seltene Orchideenarten sind beschrieben,[9], Paphiopedilum malipoense, Paphiopedilum dianthum, Paphiopedilum concolor.[10]

Endemische Arten in diesem Nationalpark sind: Burretiodendron hsienmu, Cryptocarya lenticellata, Deutrizanthus tonkinensis, Eberhardtia tonkinensis, Heritiera macrophylla, Hopea sp., Illicium parviflorum, Litsea baviensis, Madhuca pasquieri, Michelia faveolata, Pelthophorum tonkinensis, Semecarpus annamensis, Sindora tonkinensis.[11]

Fauna[Bearbeiten]

Cyrtodactylus phongnhakebangensis

Das Gebiet ist etwa 800 km² groß. Das Projekt wurde 1999 vom Kölner Zoo gemeinsam mit der Nationaluniversität Hanoi gegründet. Der Kölner Zoo setzt sich dort für den Waldschutz ein und bildet Ranger aus. Die Erfassung der Artenvielfalt ist Grundlage des Artenschutzes. Zahlreiche Arten wurden in den letzten zehn Jahren entdeckt.[12] Gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (Deutschland) wird ein Schongebiet für zehn Primatenarten, darunter den Hatinh-Langur und den Rotschenkligen Kleideraffen gefördert. Am 3. November 2005 erklärte sich Deutschland bereit, den Nationalpark mit 12,6 Millionen Euro zu unterstützen. Damit soll vor allem die Artenvielfalt des Gebietes bewahrt werden.[13]

Mehrere Säugetiere Arten sind als gefährdet eingestuft, darunter Capricornis sumatraensis, Megamuntiacus vuquangensis und wahrscheinlich gefährdeter Arten sind: Saola (Pseudoryx nghetinhensis), Asiatischer Schwarzbär (Ursus thibetanus) und Helarctos malayanus. In diesem Gebiet leben außerdem Manis javanica und tho van (Nesolagus timminsii). Von den kleinen Säugetieren im Park sind 18 in der Rote Liste gefährdeter Arten Vietnams und 6 in der Roten Liste aufgeführt. Zehn Fledermausarten stehen auf der Rote Liste gefährdeter Arten.

72 Vogelarten leben im Park, die am häufigsten Arten sind: Arborophila charltonii, Picus rabieri, Anorrhinus austeni, Stachyris herberti und Jabouilleia danjoui[7][14].

2005 wurde von deutschen und vietnamesischen Wissenschaftlern eine neue, im Park endemische Gecko-Art (Cyrtodactylus phongnhakebangensis) entdeckt.[15][16] Ein weiterer endemischer Gekko, Gekko scienciadventura, erhielt 2004 zu Ehren der ZDF-Sendung Abenteuer Wissen seinen wissenschaftlichen Namen.[4][5] Schon 1999 entdeckte ein internationales Forscherteam die ebenfalls endemisch vorkommende Dreihorn-Grubenotter im Nationalpark.[17]

72 Arten von Fischen sind beschrieben, von denen vier in der Roten Liste aufgelistet sind, darunter Chela quangbinhensis.[1][11]

Tourismus[Bearbeiten]

Phongnhatourism.jpg

Das Tourismusservice-Center befindet sich in der Gemeinde Son Trach, im Quang Trach-Distrikt. Der Park ist für Besucher per Zug (Strecke Saigon-Hanoi), Bus (nationale Straße 1A) oder Flugzeug (Flughafen Dong Hoi) erreichbar. Der Park befindet sich auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad. Die Nord-Süd Bahn stoppt in Đồng Hới. Die Vietnam Airlines bedient den internationalen Flughafen Noi-Bai (Hanoi).[18] Diese Fluggesellschaft wird sich im Jahr 2009 mit dem internationalen Flughafen Tan-Son-Nhat (in Ho-Chi-Minh-Stadt) verbinden.[19] Reiseleiter des Tourismus-Zentrums stehen in Englisch, Französisch und Chinesisch zur Verfügung.

Auch der Tourismussektor, der sich dynamisch, aber nicht umweltgerecht entwickelt, ist Bedrohung und Chance gleichermaßen für den Park. Derzeit kommen pro Jahr zirka 200.000 Touristen hauptsächlich aus dem Inland, die sich die berühmten Kalkhöhlen des Parks vom Boot aus anschauen. Die örtliche Bevölkerung hat daran Anteil etwa durch Bootsverleih sowie Hotel- und Gaststättengewerbe. Insbesondere das Parkmanagement und die Regulierungsbehörden sind gefordert, die touristische Infrastruktur bereitzustellen und zu unterhalten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Phong Nha-Ke Bang National Park. United Nations Environment Programme. March 2003. Abgerufen am 21. Februar 2008.
  2. a b UNESCO's assessment
  3. British explorers discover the light at the end of the tunnel... in the world's largest cave, MailOnline, vom 5. Mai 2009
  4. a b [1]
  5. a b Molecular identification and description of the tadpole of the Annam Flying Frog auf www.mvences.de. Abgerufen am 14. Oktober 2009 (Englisch, PDF; 279 kB)
  6. Vietnam: Weltnaturerbe in Wartestellung
  7. a b Official website of Communist Party of Vietnam
  8. The Encyclopedia Earth
  9. http://www.thiennhien.net/news/153/ARTICLE/2243/2007-06-16.html
  10. Những phát hiện chấn động về Phong Nha - Kẻ Bàng. In: Thanh Niên. 6. September 2005. Abgerufen am 5. Februar 2008.
  11. a b Di sản thiên nhiên thế giới - Vườn quốc gia Phong Nha - Kẻ Bàng (Quảng Bình). Vietnam Geological and Mineral Resources Department. 23. Juli 2006. Abgerufen am 26. Februar 2008.
  12. "Amphibienvielfalt bewahren". Die Bundesregierung.
  13. Deutsche Botschaft Hanoi
  14. Bird Life Indochina, Birding Center in Vietnam
  15. New Lizard Species Found In Phong Nha-Ke Bang (englisch)
  16. [2]
  17. Thomas Ziegler: Erforschung der Artenvielfalt im Vietnamprojekt des Kölner Zoos: Die Amphibien und Reptilien von Phong Nha-Ke Bang. Zeitschrift des Kölner Zoo, Heft 4, 2004, S. 147–171
  18. Official website of Vietnam Airlines
  19. Quang Binh province urged to fully tap its advantages by VietnamNet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phong Nha-Ke Bang National Park – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien