RS-24 (Rakete)

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RS-24 Jars
Allgemeine Angaben
Typ: Interkontinentalrakete
Hersteller: Moskauer Institut für Wärmetechnik
Entwicklung: 1998
Indienststellung: 2010
Technische Daten
Länge: 20,90 m
Gefechtsgewicht: 47.000-53.000 kg
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:
Dritte Stufe:

Feststoff
Feststoff
Feststoff & PBV (Post Boost Vehicle)
Reichweite: 12.000 km
Ausstattung
Zielortung: INS und GLONASS
Gefechtskopf: 4 MIRV Nukleargefechtsköpfe mit je 100-300 kt
Waffenplattformen: MZKT-79221 LKW oder Raketensilo
Listen zum Thema

Die RS-24 „Jars“ (russisch РС-24 Ярс, NATO-Codename: SS-27 Mod-2) ist eine moderne russische Interkontinentalrakete, die zum Transport von nuklearen Sprengköpfen dient. Sie wurde am 29. Mai 2007 erstmals öffentlich bekannt, als russische Medien über einen erfolgreichen Test berichteten. Im Jahr 2010 wurde die RS-24 Jars in den Bestand der russischen Raketentruppen aufgenommen. Die Truppenbezeichnung des Systems lautet 15P171.

Die Rakete startete demnach vom Plessezk-Weltraumzentrum im Nordwesten Russlands um 10:20 Uhr UTC und erreichte weniger als eine halbe Stunde später ihr Ziel auf der Halbinsel Kamtschatka, 5300 km weiter östlich, mit der erwarteten Treffergenauigkeit. Zwei weitere erfolgreiche Testflüge von Plessezk gab es am 25. Dezember 2007 und 26. November 2008. Ein zweiter Test im Jahr 2008 wurde gestrichen, der nächste sollte im Jahr 2009 erfolgen.[1]

Technik[Bearbeiten]

Die RS-24 benutzt die Antriebstechnik der ab 1991 entwickelten RS-12M1 Topol-M (NATO-Codename: SS-27 Sickle-B). Dieses System, eine Kombination von Feststoffantrieb mit einer mobilen Raketenstartrampe auf einem geländegängigen 16×16-LKW, ist eine autarke, mobile ICBM, die bei einem gegnerischen Erstschlag hohe Überlebenschancen hat. Die russischen Streitkräfte gaben bekannt, dass es neben der mobilen auch eine Silo-gestützte Version geben wird.[2] Im Unterschied zur Topol-M verfügt die RS-24 jedoch über MIRV-Technik, kann also mehrere Sprengköpfe freisetzen, die unabhängig voneinander Ziele ansteuern, während die Topol-M einen einzelnen MARV Sprengkopf besitzt. Die RS-24 soll 4 MIRV-Sprengköpfe mit einer Sprengleistung von 100-300 kt tragen. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigationsplattform sowie dem GLONASS-Satellitennavigationssystem. Mit diesen beiden Systemen soll eine Treffgenauigkeit (CEP) unter 250 m erreichbar sein. Russland plant, mit der RS-24 die älteren Interkontinentalraketen vom Typ RS-18 (UR-100N) (NATO-Code: SS-19 Stiletto) und RS-20 (NATO-Code: SS-18 Satan) abzulösen. Im Juli 2010 gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass die ersten drei Raketen auf der Raketenbasis Teikowo stationiert wurden.[3]

Politik[Bearbeiten]

Obwohl eine MIRV-Version der Topol-M bereits im Dezember 2006 offiziell von Nikolai Solowzow, Oberbefehlshaber der strategischen Raketentruppen Russlands, angekündigt wurde[4] und es noch länger Spekulationen über einen solchen Schritt gab, wurde der erste Test im Jahr 2007 unter Journalisten als Überraschung aufgenommen. Die auch für westliche Militärkreise überraschende Demonstration, von der weltweit TV-Aufnahmen verbreitet wurden, wird von Beobachtern als Antwort von Russlands Vize-Ministerpräsidenten und Rüstungsverantwortlichen Sergei Iwanow auf die angekündigten US-amerikanischen Raketenabwehrstationen in Polen und Tschechien gedeutet (vgl. Active Layered Theatre Ballistic Missile Defence). Politisch wird der Überraschungscoup auch als russische Mahnung zur Ratifizierung des Abrüstungsvertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) gesehen, der allerdings nach ergebnislosen Verhandlungen in Wien vom russischen Präsidenten Wladimir Putin am 14. Juli 2007 ausgesetzt worden war.[5] Am 1. Dezember 2010 berichtete der Befehlshaber der Strategischen Raketentruppen (RWSN), Generalleutnant Sergei Karakajew, dass die mobilen Topol-M-Raketen mit Einfachsprengkopf (MARV) schrittweise durch die neuen Interkontinentalraketen RS-24 Jars mit Mehrfachsprengköpfen (MIRV) ersetzt werden sollen.[6]

Status[Bearbeiten]

Zum Ende des Jahres 2013 besaßen die russischen Raketentruppen 33 mobile RS-24-Raketen. Diese sind in Teikowo (18), Nischni Tagil (6) und Nowosibirsk (8) stationiert.[7]

Der jüngste Testflug einer RS-24 fand am 14. April 2014 von Plessezk statt. Die Sprengkopfattrappen der Rakete sollen erfolgreich ihre Ziele auf dem rund 6.000 Kilometer entfernt liegenden Testgelände Kura der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka getroffen haben.[8] Nach offiziellen Angaben diente der Test dem Nachweis der Zuverlässigkeit eines Produktionsloses von seriengefertigten Raketen aus dem Werk in Wotkinsk. Es war der erste Test der mobilen Version der Rakete seit 2008. Die Silo-Variante wurde zuletzt im Dezember 2013 getestet.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Flight test of RS-24 missile
  2. Russianforces.org: Silo-based RS-24
  3. Russianforces.org - Le RS-24 est arrivé!
  4. Spekulation um Start-1 - Topol-M-Raketen erhalten Mehrfachgefechtsköpfe. RIA Novosti, 20061219, abgerufen am 16. April 2014.
  5. Jonathan Marcus: Russia sends warning to the West. BBC, 14. Juli 2007, abgerufen am 16. April 2014 (englisch).
  6. Russland plant Aufrüstung mit neuer Superrakete RS-24. RIA Novosti, 1. Dezember 2010, abgerufen am 16. April 2014.
  7. Russianforces.org
  8. Russland zündet Interkontinentalrakete. RIA Novosti, 14. April 2014, abgerufen am 16. April 2014.
  9. RS-24 Yars launched from Plesetsk. Russische Atomstreitkräfte, 14. April 2014, abgerufen am 16. April 2014 (englisch).