Regierungsbezirk Wiesbaden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den preußischen und später hessischen Regierungsbezirk Wiesbaden. Für den nassauischen Regierungsbezirk Wiesbaden 1806 bis 1815 siehe Regierung des Herzogtums Nassau
Regierungsbezirk Wiesbaden, 1905.

Der Regierungsbezirk Wiesbaden war einer der drei Regierungsbezirke (neben Darmstadt und Kassel), aus denen das Land Hessen 1945 gebildet wurde. Er bestand von 1867 bis 1968.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Regierungsbezirk Wiesbaden entstand[1] nach dem Deutschen Krieg von 1866, als das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert und zusammen mit den ebenfalls annektieren Ländern Kurfürstentum Hessen und Freie Stadt Frankfurt sowie Teilen von Hessen-Darmstadt zur Provinz Hessen-Nassau vereinigt wurde. Unmittelbar nach dem Krieg war Robert von Patow ab dem 11. August 1866 Zivilgouverneur für Nassau und Frankfurt sowie für Oberhessen. Innerhalb dieser Provinz bildeten die ehemaligen Länder Nassau, Hessen-Homburg und Frankfurt auf Grund einer Verordnung vom 22. Februar 1867 den Regierungsbezirk Wiesbaden. Der erste Regierungspräsident Gustav von Diest trat sein Amt am 2. März 1867 an. Zuvor war er seit 1858 Landrat des bereits preußischen Kreises Wetzlar und ab dem 31. Juli 1866 Zivilkommissar in Nassau gewesen. Die Verwaltung des Regierungsbezirks nahm am 1. Oktober 1867 im vollen Umfang ihre Arbeit auf.

Der Regierungsbezirk behielt zunächst die alte Aufteilung der nassauischen Ämter sowie die dort beschäftigten Kommunalbeamten bei. Gleichzeitig wurden folgende Kreise als übergeordnete Verwaltungsebene geschaffen, die jeweils einige Amtsbezirke zusammenfassten sowie die Gebiete von Hessen-Homburg, Hessen-Darmstadt und Frankfurt einbezogen und nur die Stadt Wiesbaden aussparten:

1886 wurden mit der neuen Kreisordnung der Provinz Hessen-Nassau die Ämter als Verwaltungsebene aufgelöst. Zugleich wurden die vorhandenen Kreise verkleinert und neue Kreise geschaffen. Die Bezirksverwaltung selbst bestand zu etwas mehr als der Hälfte aus Beamten aus altpreußischen Gebieten. Der Beamtenstab des Regierungspräsidenten übernahm in Wiesbaden das nassauische Ministerialgebäude in der Luisenstraße 13. Nach der Jahrhundertwende waren einzelne Abteilungen in einem Behördenhaus in der Rheinstraße untergebracht.

Diest wurde bereits 1869 nach Danzig versetzt, da er sich als Konservativer heftige Auseinandersetzungen mit dem Liberalen Karl Braun. Bismarck wollte sich Braun, der einer der Führer der nationalliberalen Reichstagsfraktion war, gewogen halten und betrieb deshalb Diests Versetzung. Auch sein Nachfolger, der mit 37 Jahren recht junge Botho Graf zu Eulenburg, blieb nur kurz im Regierungsbezirk und übernahm 1872 als Präsident die Stelle des Verwaltungschefs des gerade erst an Deutschland gefallenen Bezirks Lothringen. Sein Nachfolger Lothar von Wurmb sollte mit 18 Jahren die längste Amtszeit eines Wiesbadener Regierungspräsidenten als ruhiger, unauffälliger Verwaltungsbeamter absolvieren und 1890 im Dienst sterben.

Viktor Tepper-Laski, von 1890 bis 1897 Regierungspräsident, fiel unter anderem dadurch auf, dass er die Landtagswahl im Landkreis Biedenkopf beeinflusste und dadurch das dortige Mandat gewann. Als er sich 1897 darüber beschwerte, dass die Kriegervereine bei einer Kaiserparade in Bad Homburg schlechte Plätze zugeteilt bekamen, ließ Wilhelm II. ihn nach Pommern strafversetzen. Seine beiden Nachfolger nutzten die Regierungspräsidentenstelle lediglich als Durchgangsstation für höhere Verwaltungsämter. Mit dem Frankfurter Karl Wilhelm von Meister, der ein persönlicher Vertrauter Wilhelms II. war, übernahm 1905 erstmals jemand dieses Amt, der nicht aus dem alten preußischen Kernland stammte. Meister legte sein Amt 1919 wegen des so genannten Dortenputsches nieder.

In den Jahren nach dem Krieg wurde die Verwaltungsarbeit durch die Alliierte Rheinlandbesetzung mit den Brückenköpfen bei Mainz und Koblenz, durch separatistische Bewegungen und den Ruhrkampf stark behindert.

Erst unter Fritz Ehrler begann wieder eine gestaltende Verwaltungsarbeit, vor allem mit der Neugliederung der Landkreise und kreisfreien Städte von 1926 bis 1928. Am 1. August 1932 wurde der bisher zum Regierungsbezirk Koblenz gehörende Landkreis Wetzlar eingegliedert. Am 1. Juli 1944 wurden die Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern vom Regierungsbezirk Kassel dem Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet, um die geplante Gliederung des Reiches in "Gaue" vorzubereiten, die wegen des rasch voranschreitenden Krieges aber nie umgesetzt wurde. Bis zur Gebietsreform in Hessen 1974 blieben diese Strukturen unverändert und sind heute noch weitgehend erhalten.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die westlichen Teile des Regierungsbezirks Wiesbaden mit den vier Landkreisen Oberwesterwaldkreis (Westerburg), Sankt Goarshausen, Unterlahnkreis (Diez) und Unterwesterwaldkreis (Montabaur) unter französische Besatzung gestellt. Sie wurden 1946 als Regierungsbezirk Montabaur Bestandteil des Landes Rheinland-Pfalz.

Die östlichen Teile kamen unter amerikanische Verwaltung und wurden somit Bestandteil des Landes Hessen. Dieser Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden umfasste die Stadtkreise Frankfurt am Main, Hanau und Wiesbaden sowie die Landkreise Biedenkopf, Dillkreis (Dillenburg), Gelnhausen, Hanau, Limburg, Main-Taunus-Kreis (Frankfurt-Höchst), Oberlahnkreis (Weilburg), Obertaunuskreis (Bad Homburg vor der Höhe), Rheingaukreis (Rüdesheim), Schlüchtern, Untertaunuskreis (Bad Schwalbach), Usingen und Wetzlar.

Die amerikanische Besatzungsverwaltung griff wieder auf die alten Regierungsbezirke zurück und setzte am 1. Mai 1945 Hans Bredow als Regierungspräsidenten ein. Bis am 15. Oktober die großhessische Landesregierung in Wiesbaden ihre Arbeit aufnahm, war das Regierungspräsidium die oberste deutsche Behörde unter der Besatzungsverwaltung und für nahezu sämtliche zivilen Aufgaben verantwortlich. Das alte Gebäude des Regierungspräsidiums war bis 1953 Sitz des Kommandos der amerikanischen Luftwaffe in Europa, so dass die Präsidialverwaltung zunächst in drei ehemalige Hotels in der Taunusstraße untergebracht wurde. Nach und nach dehnte sie sich auf bis zu 14 über die Wiesbadener Innenstadt verstreute Amtssitze aus. Am 1. Juli 1964 begann der Bau eines neuen Behördengebäudes für die Verwaltung des Regierungspräsidiums gegenüber dem Wiesbadener Hauptbahnhof.

1968 wurde der Regierungsbezirk Wiesbaden aufgelöst und sein Gebiet dem Regierungsbezirk Darmstadt zugeordnet.

Bei der Kreisreform, die in Hessen im Wesentlichen zwischen 1972 und 1977 vollzogen wurde (im Raum Mittelhessen teilweise bis 1979), wurden die Landkreise zu größeren Verwaltungseinheiten zusammengeschlossen sowie die kreisfreie Stadt Hanau in den Main-Kinzig-Kreis integriert. Seit dem Abschluss der Kreisreform in Hessen im Jahre 1979 bzw. nach Bildung des neuen Regierungsbezirks Gießen im Jahre 1981 erstreckt sich das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden nunmehr auf die beiden Regierungsbezirke Darmstadt und Gießen.

Regierungspräsidenten[Bearbeiten]

Bezirksverband Wiesbaden[Bearbeiten]

Der Bezirksverband Wiesbaden, auch Bezirksverband Nassau, entstand durch die Verwaltungsreform 1885/1886 als höherer Kommunalverband. Er fasste die Kreise des Regierungsbezirks zu einer Selbstverwaltungskörperschaft zusammen, die die Aufgaben erfüllten, die sonst ein Provinzialverband übernahm. Vertretungsorgan war der Kommunallandtag Wiesbaden, der ab 1868 bestand. Der Bezirksverband war für Wirtschafts- und Sozialpolitik, für Kulturförderung und Verkehrsplanung verantwortlich. 1953 ging seine Aufgaben und Einrichtungen an den neuen Landeswohlfahrtsverband Hessen über.

Landesdirektor und Landeshauptleute[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhart G. Franz: Die Chronik Hessens Chronik Verlag, Dortmund 1991 ISBN 3-611-00192-9
  • Karl Müller: Preußischer Adler und Hessischer Löwe – Hundert Jahre Wiesbadener Regierung 1866–1966, Wiesbaden 1966
  • Andreas Anderhub: Verwaltung im Regierungsbezirk Wiesbaden 1866 - 1885, Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1977

Überlieferung[Bearbeiten]

Quellen zur Geschichte des preußischen Regierungsbezirks Wiesbaden finden sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. durch Verordnung vom 22. März 1867 aus dem Herzogtum Nassau, der Stadt Frankfurt am Main, dem Amt Homburg v.d.H., dem Kreis Biedenkopf und dem nordwestlichen Teil des Kreises Gießen (Bieber, Fellinghausen, Frankenbach, Haina, Hermannstein, Königsberg, Krumbach, Naunheim, Rodheim, Waldgirmes), dem Ortsbezirk Rödelheim und dem bisher großherzogl. hessischen Teil von Niederursel