Frank Gust

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Frank Gust (* 24. Mai 1969 in Oberhausen) ist ein zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilter deutscher Serienmörder. Er wuchs in mittelständischen Verhältnissen im Ruhrgebiet auf und erlernte den Beruf des Dachdeckers. In den Medien wurde der noch unbekannte Serienmörder unter dem Pseudonym Rhein-Ruhr-Ripper bekannt. Dieser Spitzname wurde von der Presse auch während des Prozesses immer wieder für Gust verwendet.

Psychosexuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Gust gehört zum Typus der sexuellen Sadisten unter den Serienmördern.[1] Bereits mit acht Jahren zeigte er einen ausgeprägten Hang zur Tierquälerei.[2] Als Gust neun Jahre alt war, kaufte er einem Mitschüler ein Meerschweinchen ab, das er aber wegen der Tierhaarallergie seines Stiefvaters nicht behalten durfte. Auf Geheiß seiner Großmutter sollte er das Tier töten. Er band es mit Bast an in die Erde gerammte Stöckchen und versuchte, das bewegungsunfähige Tier mit einer Betonplatte zu erschlagen. Die Betonplatte traf jedoch nicht den Kopf, sondern den Leib des Meerschweinchens, sodass dessen Eingeweide herausquollen. Dieser Anblick bereitete Gust große Lust und er begann, mit seinen Händen in der Bauchhöhle des Meerschweinchens zu wühlen.[3] Dabei „betastete [Gust] die Eingeweide“ des getöteten Tieres, „mochte das Gefühl, die Wärme, wenn er mit den Händen in die Bauchhöhle fasste.“[2] Später bezeichnete Gust dieses prägende, mit großer Intensität erlebte Ereignis als eine Art „Schlüsselerlebnis“.[3]

Pubertät und Jugend[Bearbeiten]

Um erneut die beim Anblick des sterbenden Meerschweinchens empfundene Lust zu verspüren, quälte und tötete Gust in den folgenden Jahren immer wieder Kaninchen, die er in der Nachbarschaft stahl. Mit Einsetzen der Pubertät vergrößerte sich diese Lust noch und er begann, beim Anblick der gemarterten Tiere zu masturbieren, sodass sich Sexualtrieb, Sadismus und Gewalt miteinander unheilvoll zu verbinden begannen.[3] Im Alter von 13 Jahren versuchte Gust, seine nekrophile Neigung durch Einbrüche in Leichenschauhäusern und sexuelle Handlungen an den dort aufbewahrten Leichnamen zu befriedigen, die er zu diesem Zweck aufschlitzte. Da die Körper jedoch bereits abgekühlt waren, konnte er nicht den erhofften Grad an Gratifikation erreichen.[2] Seine Phantasien drehten sich zu diesem Zeitpunkt auch schon um das Töten von Pferden[3], aber erst im Alter von 24 Jahren setzte Gust diese Vorstellung in die Tat um.[3] Nach seiner Festnahme berichtete Gust, sein „größer Wunsch“ bestehe darin, „einer sterbenden Frau an das pochende Herz zu fassen.“[2]

Ähnlich gelagerte Taten zeigen auch die Biografien anderer sadistisch motivierter Serientäter auf. Von Forensikern wird dieses sich langsam steigernde Gewaltverhalten als typische „Probierphase“ von Serienmördern gewertet, das später, wie im Fall Gust, von diesen auch bei Menschen angewandt wird.

Serienmorde[Bearbeiten]

Zwischen 1994 und 1998 ermordete Frank Gust mindestens vier Frauen. Sein erstes Opfer war 1994 eine 28-jährige hellhäutige, südafrikanische Anhalterin. 1996 und 1998 brachte er zwei Prostituierte im Alter von 30 und 26 Jahren um, die er jeweils am Essener Hauptbahnhof aufgelesen hatte. Bei seinem mutmaßlich letzten Opfer handelte es sich um eine 47-jährige angeheiratete Tante.

Den Namen „Rhein-Ruhr-Ripper“ erhielt er von den Boulevard-Medien, da er seine Taten überwiegend im Rhein-Ruhr-Gebiet verübte und diese Parallelen zu den Morden von Jack the Ripper aufwiesen. Frank Gust platzierte die Leichen seiner stark verstümmelten und teilweise ausgeweideten Opfer in der Regel an gut einsehbaren Orten, so dass sie unmittelbar nach dem Tatgeschehen aufgefunden wurden. Einzig die Leiche seiner Tante blieb verschwunden.

Aufklärung der Taten und Urteil[Bearbeiten]

1999 deutete Frank Gust seiner Mutter gegenüber an, einen Mord begangen zu haben. Diese berichtete geschockt einer Freundin davon, die daraufhin die Polizei auf den Serienmörder aufmerksam machte. Gust wurde kurze Zeit später verhaftet.

Am 21. September 2000 wurde er vom Duisburger Schwurgericht wegen vierfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Dies war mit der Auflage verbunden, sich einer Therapie zu stellen. Gust war zuvor eine eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert worden. Er trat seine Haftstrafe unmittelbar nach dem Urteil in einer forensischen Strafanstalt an. Schon nach 6 Monaten brach er die Therapie ab und ließ sich in den normalen Vollzug verlegen. Er begründete den Abbruch mit der Feststellung, nicht therapierbar zu sein, und äußerte die Absicht, bis zu seinem Tod verwahrt werden zu wollen, da er in Freiheit eine dauerhafte Gefahr für Andere sei.

Mediales Nachspiel[Bearbeiten]

Der Fall Frank Gust wurde in verschiedenen Dokumentationen thematisiert. 2001 in der 37°-Sendung des ZDF „Die Hölle in mir“, später in der dreiteiligen Dokumentation „Die Maske des Bösen“. Weiterhin wurde er in der 2010 erstmals auf VOX ausgestrahlten Dokumentation „Das Böse nebenan – wenn Menschen zu Bestien werden“ behandelt. Im Oktober des gleichen Jahres war seine Mutter Dagmar Eichhorn in der ZDF-Talkshow Markus Lanz zu Gast.[4] Am 24. April 2012 trat seine Mutter in der Sendung Menschen bei Maischberger - „Gier, Hass, Eifersucht: Kann jeder zum Mörder werden?“ auf. Mit Dagmar Eichhorn hat sich auch die 37°-Folge „Mein Sohn, der Mörder - Eltern zwischen Liebe und Entsetzen“ am 2. April 2013 im ZDF beschäftigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Engler/H. Ensink: Der "Rhein-Ruhr-Ripper". Bericht über Highlights, Frust, Zufälle und erzwungenes Glück in 17 Monaten Ermittlungsarbeit bis zur Überführung des Serientäters Frank Gust, in: Der Kriminalist (Jg. 2000), S. 491–498; ebd. (Jg 2001), S. 17–22 und 67–71.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philip Eppelsheim: Sicherheitsverwahrung: Der böse Wolf (Teil 5). Frankfurter Allgemeine, 11. Juli 2011, abgerufen am 15. November 2014 (deut.).
  2. a b c d Philip Eppelsheim: Sicherheitsverwahrung: Der böse Wolf (Teil 4). Frankfurter Allgemeine, 11. Juli 2011, abgerufen am 15. November 2014 (deut.).
  3. a b c d e Hauke Goos: Ein nützlicher Mörder. Spiegel Online, 22. August 2005, abgerufen am 16. November 2014 (deut.).
  4. Video Sendung Markus Lanz: „Das Böse im Menschen“ (5. Oktober 2010, 76 Minuten) in der ZDFmediathek, abgerufen am 26. Januar 2014 (offline)