Rickenbacker 4001

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Rickenbacker 4001

Rickenbacker 4001, Farbe: Mapleglo

Allgemeines
Typ E-Bass
Hersteller Rickenbacker; USA
Produktion

1961–1981 (4001), seit 1981 (4003)

Konstruktion und Materialien
Mensur 33,25 Zoll (845 mm)
Korpus Solidbody aus Ahorn
Hals Durchgehender Hals aus Ahorn und Walnuss
Griffbrett Palisander, 20 Bünde
Sattel Kunststoff, Breite: 42,9 mm
Mechaniken 2× links, 2× rechts; offen
Steg / Brücke Feste, einteilige Metall-Brücke mit einzelnen Saitenreitern
Gewicht ca. 4,1 kg
Tonabnehmer und Elektronik
Tonabnehmer

Single Coil

Klangregelung passiv
Soweit nicht anders angegeben, stammen die Daten von der Webseite des Herstellers (Stand: 29. Dezember 2013)

Der Rickenbacker 4001 ist ein viersaitiges E-Bass-Modell der US-amerikanischen Musikinstrumentenbau-Firma Rickenbacker. Bei seiner Markteinführung im Jahr 1961 war es nach dem Modell 4000 Rickenbackers zweiter E-Bass. Außerdem war der 4001 nach dem 4000 der zweite E-Bass auf dem Markt mit einem durchgehenden Instrumentenhals (englisch: Neck-thru). Besondere Bekanntheit erlangte der Rickenbacker 4001 durch Paul McCartney, der das Modell seit Mitte der 1960er-Jahre in der englischen Band The Beatles und später in seiner Rockband Wings spielte.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1957 hatte die Firma Rickenbacker mit dem 4000 ihren ersten E-Bass vorgestellt. Der Entwurf dieses Modells und seiner Nachfolger stammt vom deutschstämmigen Gitarrenbauer Roger Rossmeisl, der von 1954 bis 1962 bei Rickenbacker beschäftigt war (anschließend wechselte Rossmeisl zum Konkurrenzunternehmen Fender).[1] Rossmeisl hatte in seinen Gitarren-Entwürfen für Rickenbacker das Konstruktionsprinzip des durchgehenden Instrumentenhalses umgesetzt; eine Konstruktionsform, die im Jahr 1948 vom US-amerikanischen Musikinstrumentenbauer Paul Bigsby mit der Bigsby/Travis-Gitarre zur Serienreife entwickelt worden war. Im Jahr 1956 hatte Rickenbacker sein erstes E-Gitarren-Modell mit durchgehendem Hals vorgestellt, die von Rossmeisl entwickelte Combo 400. Im Jahr darauf folgte mit dem 4000 Rickenbackers nach demselben Prinzip konstruierter erster E-Bass. Das Modell 4000 verfügt über nur einen elektromagnetischen Tonabnehmer, hatte zunächst einen einteiligen Hals aus Mahagoni[2] und ist insgesamt schlichter ausgestattet als seine Nachfolgemodelle.[1]

Nachdem Rickenbacker bereits seit Ende der 1950er-Jahre einige Exemplare des 4000 mit erweiterter Ausstattung angefertigt hatte, wurde der Rickenbacker 4001 im November 1961 eingeführt und als „Deluxe“-Version des 4000er-Modells vorgestellt.[3] Diese erweiterte Version hat statt einem zwei Tonabnehmer, eine aufwendigere Elektrik sowie eine Ziereinfassung (engl.: Binding) an den Rändern der Vorderseite des Instrumentenkorpus und an den seitlichen Rändern des Griffbretts.[4] Während die Griffbretteinfassung einfach gehalten ist, trägt der Korpus ein mehrlagiges Binding mit Schachbrettmuster (engl.: Checkerboard; verwendet bis 1974).[3]

Geddy Lee, Bassist der Rockband Rush. Links im Bild ein Rickenbacker 4080 Doppelhals-Sondermodell. Das zweite Instrument von rechts ist ein Rickenbacker 4003, Nachfolger des 4001

Im Jahr 1967 erschien ein aufwendig ausgestattetes Sondermodell des 4001 in limitierter Auflage, der 4002. Dieser hatte eine separat angefertigte Instrumentendecke aus besonders stark gemasertem Ahornholz und war mit zwei doppelspuligen Tonabnehmern in Humbucker-Bauweise ausgestattet. Weitere Sondermodelle waren der 4008, der acht Saiten trug anstelle der für das Modell üblichen vier, sowie das Doppelhals-Modell 4080, das den E-Bass mit einer sechs- oder zwölfsaitigen E-Gitarre kombinierte.[1]

Das Basismodell Rickenbacker 4001 wurde bis Anfang der 1980er-Jahre gebaut,[5] bis es ab 1979 vorübergehend durch den Nachfolger 4003 ersetzt wurde.[1] Im Laufe der Jahre nahm Rickenbacker kontinuierlich technische und kosmetische Veränderungen am 4001 und dessen Schwestermodellen vor; so wurde der Tonabnehmer in Stegposition im Jahr 1974 näher an den Hals-Tonabnehmer gerückt.[6] Bereits im Jahr 1984 erschien die erste Neuauflage des 4001, unter der Bezeichnung 4001V63, wobei der Buchstabe V für Vintage steht.[3] Eine Neuauflage aus dem Jahr 2001 mit der Modellbezeichnung 4001C64 wird bis in die Gegenwart von Rickenbacker gebaut.[7]

Das von Rickenbacker bei E-Bässen eingeführte Konstruktionsprinzip des durchgehenden Halses wurde in späteren Jahren von einigen anderen Herstellern von E-Bässen übernommen und weiterentwickelt. Einer der bedeutendesten darunter ist das im Jahr 1969 gegründete US-amerikanische Unternehmen Alembic, das – beginnend mit dem E-Bass Alembic Series I — als Erfinder und Hersteller besonders aufwendig produzierter und hochwertig ausgestatteter E-Bässe (sogenannte „Edelbässe“) gilt, die ausnahmslos einen durchgehenden Hals haben. Ein prominentes Beispiel für ein einzelnes E-Bass-Modell mit dieser Halskonstruktion ist der 1963 vom US-Musikinstrumentenhersteller Gibson vorgestellte Gibson Thunderbird.[2]

Rickenbacker-4001-Kopfplatte: An den durchgehenden Hals sind die Seitenteile angeleimt

Konstruktion[Bearbeiten]

Holzbauteile[Bearbeiten]

Der Rickenbacker 4001 hat einen Korpus aus Ahornholz. Dieser besteht aus zwei Flügeln, die links und rechts an die Halskonstruktion angeleimt sind. Der Hals aus Ahorn und Walnussholz, der durch den gesamten Korpus hindurchläuft, hat nicht das 1951 mit dem Fender Precision Bass eingeführte Longscale-Format, sondern ein von Rickenbacker selbst entwickeltes, etwas kürzeres Maß, das dem Bass eine Mensur von 33-1/4 Zoll gibt.[8] Der obere Teil des Halses trägt ein Griffbrett aus Palisander, das – im Musikinstrumentenbau untypisch für diese Holzart – mit einer Schicht aus Klarlack überzogen ist.[5] Zur Regulierung der Halskrümmung und damit der Saitenlage hat der Hals des 4001 zwei innenliegende, von der Kopfplatte beziehungsweise dem oberen Rand des Griffbretts aus einstellbare Stahlstäbe (Halsspannstab).[4]

Das 1963 vorgestellte Export-Modell, das für den Verkauf in Europa bestimmt war, trägt die Bezeichnung 4001S, zeitweise auch die Modellbezeichnung RM1999. Es unterscheidet sich in einigen Details von der amerikanischen Version – so haben beispielsweise die Griffbretteinlagen (Intarsien) die Form von Punkten statt die in der US-Version verwendete dreieckige Variante aus Epoxidharz, und die Korpus-Einfassung fehlt.[5][3]

Elektrische Ausstattung[Bearbeiten]

Rickenbacker 4001: Der Horseshoe- (unten) und Single-Coil-Tonabnehmer (oben)

Eine Rickenbacker-typische Besonderheit der frühen Exemplare des Modells 4001 ist der Tonabnehmer in Stegposition, der Horseshoe Pickup (deutsch: „Hufeisen-Tonabnehmer“; siehe Abbildung rechts). Die Saiten laufen durch einen Magneten in Hufeisenform hindurch, der deren Schwingungen mittels einer Spule in elektromagnetische Impulse umwandelt.[4] Dieser Tonabnehmer-Typ war von Rickenbacker erstmals auf deren im Jahr 1932 vorgestellten Lapsteel-Gitarre Rickenbacker Frying Pan verwendet worden.[9] Etwa 1968/1969 wurde der Horseshoe Pickup durch einen moderneren Tonabnehmer ersetzt.[3]

Der in der Halsposition des 4001 eingebaute Tonabnehmer ist ein Einzelspuler (engl.: Single Coil) mit untenliegendem Ferritmagnet,[4] der aufgrund seiner charakteristischen, geschlitzten Abdeckung aus verchromtem Metall den Beinamen „Toaster“ erhielt. Die in die Korpusvorderseite eingelassene und mit einem Schlagbrett aus Kunststoff abgedeckte Reglereinheit des 4001 besteht aus je zwei Lautstärke- und Tonreglern mit Drehknöpfen aus Bakelit sowie einem Dreiwege-Kippschalter zur Anwahl der Tonabnehmer.[3]

Das Signal der beiden Tonabnehmer wird durch eine Rick-O-Sound genannte Schaltung verwaltet. Diese ermöglicht über eine zweite Klinkenbuchse in der Zarge des Instruments die getrennte Abnahme beider Tonabnehmer, um so mit jedem Tonabnehmer einen separaten Gitarrenverstärker ansteuern zu können. Diese Ausstattung wurde in den ersten Jahren der Herstellung des 4001 nur als Sonderausführung angeboten und erst in den 1970er-Jahren zum serienmäßigen Standard. Steg und Saitenhalter des Rickenbacker 4001 bestehen aus einem einzelnen, aus Aluminium (ab 1972 aus Zink) gegossenen Werkstück, an dem sich die Saitenlage mittels zweier darin eingelassener Schrauben einstellen läßt. Die Saiten können an den Saitenreitern mit über Schrauben einstellbaren Schaumgummi-Polstern bedämpft werden.[4] Als Stimmmechaniken trägt der 4001 offene Typen des Herstellers Kluson (bis Anfang der 1970er-Jahre, danach geschlossene (gekapselte) Mechaniken der Marke Grover).[3]

Der Rickenbacker 4001 in der Musik[Bearbeiten]

Der Klang des Rickenbacker 4001[Bearbeiten]

Der Klang des Rickenbacker 4001 wird als obertonreich, „drahtig“ und „durchdringend“ beschrieben, mit „weich“ anmutenden Tiefbässen. Durch den weniger stark ausgeprägten Mittenanteil bekommt der Klang einen leicht „hohl“ oder „nasal“ anmutenden Charakter. Die durchgehende Halskonstruktion und das hauptsächlich verwendete harte Ahornholz fördern sowohl den Höhenanteil des Klangs als auch eine lange Ausschwingdauer der Saiten (engl.: Sustain). Besonders in der Rockmusik wird der geringere Mitten-Anteil des Klangs dieses Instruments geschätzt, da so Frequenzüberlagerungen mit dem Ton von E-Gitarren verringert werden, was zu einem „transparenteren“ Klangeindruck beim Ensemblespiel beiträgt. Um dessen Klangcharakteristiken musikalisch weiter hervorheben zu können, bevorzugen einige Bassisten beim Spielen des Rickenbacker 4001 ein Plektrum.[4]

Prominente Bassisten[Bearbeiten]

Paul McCartney mit Rickenbacker 4001 bei einem Auftritt seiner Band Wings, 1976
Lemmy Kilmister mit Sonderanfertigung des Rickenbacker 4001

Einer der ersten prominenten Bassisten, der einen Rickenbacker 4001 einsetzte, war Paul McCartney. Im Jahr 1965, während der Aufnahmen zum Beatles-Album Rubber Soul, wechselte er von seinem bis dahin gespielten Höfner 500/1-Shortscale-E-Bass zu seinem 1964er-Rickenbacker 4001S, einem Longscale-Instrument. Der Bass war ihm im August des Jahres in Los Angeles während einer USA-Tournee der Beatles von Rickenbacker-Geschäftsführer Francis Hall überreicht worden. Das McCartney geschenkte Exemplar war das erste Linkshänder-Instrument der Modellreihe.[10] Der Wechsel zu einem Bass mit langer Mensur ermöglichte es ihm, das Griffbrett besser auszunutzen, so dass die Basslinien in Stücken wie zum Beispiel Paperback Writer (1966) möglich wurden.[11] Ab dem Jahr 1967 war der 4001S zu McCartneys Hauptinstrument im Tonstudio geworden.[12] Ein Beatles-Album, auf dem der Rickenbacker-Bass von Paul McCartney besonders deutlich am Klang auszumachen ist, ist das 1967 erschienene Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band.[1] Die ursprüngliche Korpuslackierung seines Rickenbackers, „Fireglo“ (eine Variante des Farbverlaufs Sunburst) ließ McCartney Anfang 1969 abschleifen.[13]

Weitere bekannte Bassisten, die den Rickenbacker spielen beziehungsweise spielten, sind Chris Squire (Bassist der Rockband Yes, spielt das Modell 4001S),[14] Roger Glover (Deep Purple)[15] und Cliff Burton (Metallica).[16] Ein namhafter deutscher Bassist, als dessen Erkennungsmerkmal der Rickenbacker 4001 galt, ist Hellmut Hattler, bekannt geworden mit der Rockgruppe Kraan.[3][17]

Ein prominenter Musiker, der den Rickenbacker 4001 und dessen Nachfolgemodell 4003 zu seinem Markenzeichen gemacht hat, ist der Bassist Lemmy Kilmister von der englischen Rockband Motörhead. Kilmister spielte im Laufe seiner Karriere mehrere Sonderanfertigungen des Instruments mit teilweise aufwendig gearbeiteten dekorativen Elementen.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tony Bacon: Gitarrenklassiker – alle Modelle und Hersteller. Premio Verlag 2007. ISBN 978-3-86706-050-9
  • Tony Bacon: The Rickenbacker Book – A Complete History of Rickenbacker
    Electric Guitars
    (englisch). GPI-Books, San Francisco 1994. ISBN 0-87930-329-8
  • Tony Bacon, Barry Moorhouse: The Bass Book – a complete illustrated history of bass guitars. Deutsche Ausgabe, Balafon Books, London 1996
  • Jim Roberts: American Basses – an illustrated history and player’s guide (englisch). Backbeat Books, San Francisco 2003. ISBN 0-87930-721-8
  • Jogi Sweers: Rickenbacker History. Zweiteiliger Artikel zur Geschichte der Modelle Rickenbacker 4000 und 4001 in: Bass Professor, Fachzeitschrift für Bassisten. Hefte Nr. 51 (2/2009), S. 108 ff. und Nr. 52 (3/2009), S. 124 ff. ISSN 1431-7648

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rickenbacker bass guitars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Jim Roberts: American Basses, S. 156 ff.
  2. a b Jogi Sweers: Rickenbacker History, in: Bass Professor, Heft Nr. 51 (2/2009), S. 108 ff.
  3. a b c d e f g h Jogi Sweers: Rickenbacker History, in: Bass Professor, Heft Nr. 52 (3/2009), S. 124 ff.
  4. a b c d e f Dirk Groll: Traditionelle Alternative – Rickenbacker 4001 Bass in: Stromgitarren; Sonderheft der Zeitschrift Gitarre & Bass zur Geschichte der E-Gitarre, S. 166 f. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. ISSN 0934-7674
  5. a b c Vintageguitars. Zugriff am 2. Juli 2011.
  6. Rickbeat Zugriff am 2. Juli 2011.
  7. Rickenbacker Produkt-Seite. Zugriff am 2. Juli 2011.
  8. Jim Roberts: American Basses, S. 158
  9. Manfred Nabinger: Bratpfanne & Hawaii-Hemd – Rickenbacker Frying Pan & Gibson EH-150, in: Stromgitarren, Sonderheft der Zeitschrift Gitarre & Bass zur Geschichte der E-Gitarre, S. 122 ff. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. ISSN 0934-7674
  10. Andy Babiuk: Der Beatles-Sound. Die Fab Four und ihre Instrumente – auf der Bühne und im Studio, S. 168. PPV Presse Project Verlag, Bergkirchen 2002, ISBN 3-932275-36-5
  11. Evolution of rock bass playing. Zugriff am 2. Juli 2011.
  12. Bacon, Moorhouse: The Bass Book, S. 34
  13. Andy Babiuk: Der Beatles-Sound, S. 216.
  14. Interview mit Chris Squire. Zugriff am 2. Juli 2011.
  15. Interview mit Roger Clover. Zugriff am 2. Juli 2011.
  16. Metallicaworld. Abgerufen am 25. August 2011.
  17. Bert Gerecht: Hellmut Hattler – Bass im 21. Jahrhundert. Interview in: Bass Professor, Heft 4/2000, S. 12 ff. ISSN 1431-7648
  18. Lemmy Kilmister auf rickenbacker.com, mit Fotos eines Rickenbacker-Sondermodells (englisch; abgerufen am 22. Februar 2012)