Rochus Misch

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Rochus Misch (* 29. Juli 1917 in Alt Schalkowitz bei Oppeln, heute Stare Siołkowice), war ein SS-Mann in der Leibstandarte-SS Adolf Hitler, zuletzt mit dem Dienstgrad Oberscharführer. Misch war 1940–1945 als Angehöriger des Führerbegleitkommandos im Führerhauptquartier tätig, zuletzt auch als Telefonist. Misch ist der letzte noch lebende Zeitzeuge des Suizids von Adolf Hitler und dessen Frau Eva, geb. Braun, sowie der Familie Goebbels im Jahre 1945 in Berlin.

Aufnahme von Rochus Misch vor dem Bunker der Wolfsschanze
Rochus Misch Mai 2009

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kindheit und Ausbildung

Rochus Misch war das zweite Kind des Bauarbeiters Rochus Misch und dessen Frau Victoria. Sein Vater, der als Soldat im Ersten Weltkrieg durch einen Lungenschuss schwer verwundet worden war, starb kurz vor seiner Geburt.[1] 1920 starb die Mutter an einer Lungenentzündung. Im Mai 1922 erlitt sein älterer Bruder einen tödlichen Badeunfall. Misch wuchs ab seinem sechsten Lebensjahr bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf.

Misch besuchte acht Jahre die Volksschule und machte danach eine Ausbildung zum Maler in der Firma „Schüller und Model“ in Hoyerswerda für Kinoplakate und Reklamesprüche auf Fassaden.[2] Im Dezember 1936 beendete er dort seine Gesellenzeit mit Auszeichnung. Nachdem er einige Zeit Malergeselle gewesen war, machte er sich mit einem älteren Kollegen in Hornberg im Schwarzwald selbstständig. Misch erstellte im Rahmen des staatlichen Förderprogramms „Deutschland soll schöner werden“ Entwürfe für öffentliche Gebäude.[3]

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg

Misch meldete sich 1937 bei der Musterung freiwillig zur SS-Verfügungstruppe, einer Vorgängerorganisation der Waffen-SS. Seinen Einberufungsbefehl zur Leibstandarte-SS Adolf Hitler erhielt er am 1. Oktober 1937. Misch nahm mit seiner SS-Einheit am „Anschluss“ Österreichs und der Besetzung des Sudetenlands in Folge des Münchner Abkommens teil. Am 24. September 1939 wurde Misch während des Kriegs gegen Polen am Arm und durch einen schweren Lungendurchschuss verwundet.[4] Nach mehreren Wochen im Feldlazarett verlegte man ihn in das Lazarett Bad Berka. Im Anschluss daran hielt er sich sechs Wochen in einem Erholungsheim in den Alpen auf.[5] 1939 wurde ihm das Eisernen Kreuz 2. Klasse und das Verwundetenabzeichen in Schwarz verliehen.

Auf Empfehlung seines Kompaniechefs, Wilhelm Mohnke, teilte der damalige Chefadjutant Hitlers, Wilhelm Brückner, Misch dem Führerbegleitkommando zu.[6] Als Mitglied des Führerbegleitkommandos hielt er sich in den Jahren 1940 bis 1945 überwiegend in Berlin (Reichskanzlei), Berchtesgaden (Berghof) oder Rastenburg (FHQ Wolfsschanze) auf.

Misch berichtet von den letzten Tagen im Bunker unter der Reichskanzlei und einem Gespräch mit Goebbels am 1. Mai 1945:

Goebbels: „Irgendwelche Anrufe für mich, Misch?“
Misch: „Ja, Herr Reichskanzler. Die Gauleitung, General Weidling und ein Anruf von Oberstleutnant Seiffert.“
„Na, das ist ja nicht mehr viel“, winkte Goebbels nun ab.[7]

Misch verließ in der Folge den Führerbunker. Als Misch ging, blieb nur der Maschinist Johannes Hentschel mit Goebbels zurück.[8] Misch flüchtete am Morgen des 2. Mai 1945 von der Vorderfront der Alten Reichskanzlei durch die U-Bahn-Gleisschächte vom U-Bahnhof Kaiserhof über den Bahnhof Friedrichstraße und die Weidendammer Brücke bis zum Stettiner Bahnhof, wo er von Soldaten der Roten Armee gefangengenommen wurde. Wegen seiner Nähe zur politischen Prominenz des Dritten Reiches wurde er in die Sowjetunion geflogen und im Moskauer Militärgefängnis Butyrka festgesetzt, wo er nach eigenen Angaben wiederholten Misshandlungen ausgesetzt war.[9] 1954 wurde Misch aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

[Bearbeiten] Nachkriegszeit und Karriere als Zeitzeuge

Rochus Misch lebt in Berlin. Er ist seit dem Tod von Hitlers Adjutanten Otto Günsche im Oktober 2003 der letzte Augen- und Zeitzeuge aus dem inneren Zirkel des „Dritten Reiches“. Misch hatte 1942 geheiratet und hat eine Tochter.[10]

Im April 2006 erschien eine TV-Dokumentation des MDR unter dem Titel Der letzte Zeuge – Rochus Misch. Ebenfalls im April 2006 wurde die Biografie von Misch unter dem Titel J'étais garde du corps d'Hitler in Frankreich publiziert. Das Buch behandelt überwiegend den Zeitraum von 1940 bis 1945. Weitere Veröffentlichungen folgten in Argentinien, Spanien, Brasilien, Polen, der Türkei und Japan. In Deutschland erschienen die Lebenserinnerungen von Misch am 30. Juni 2008 unter dem Titel Der letzte Zeuge im Münchner Pendo-Verlag.

Mischs Rolle als Zeitzeuge ist umstritten, da er sich nicht von seiner Tätigkeit für die nationalsozialistische Diktatur distanziert und z. B. Claus Schenk Graf von Stauffenberg als „Kameradenmörder“ bezeichnet.[11]

In den Filmen Der Bunker (1981) wurde er von Michael Kitchen, in Der Untergang (2004) von Heinrich Schmieder und in Die letzte Schlacht (2005) von Florian Lukas gespielt. Alle Produktionen setzen sich mit den letzten Tagen des Naziregimes auseinander.

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

  • Rochus Misch: Der letzte Zeuge. Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter. Mit einem Vorwort von Ralph Giordano, 3. Auflage, Zürich und München 2008, ISBN 978-3-86612-194-2
  • HÖRBUCH - Rochus Misch: Der letzte Zeuge. Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter. Gesprochen von Frank Engelhardt, audio media verlag, München. ISBN 978-3-86804-060-9

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Misch: „Der letzte Zeuge“, 4. Auflage, S. 38f.
  2. Misch: „Der letzte Zeuge“, 4. Auflage, S. 43
  3. Misch: „Der letzte Zeuge“, 4. Auflage, S. 49 f.
  4. Misch: „Der letzte Zeuge“, 1. Auflage, S. 59 f.
  5. Misch: „Der letzte Zeuge“, 1. Auflage, S. 60 f.
  6. Hitlers Ende: „Der Chef brennt!“ Beitrag von Dominik Reinle (WDR) auf kriegsende.ard.de (o. D.)
  7. Rochus Misch: Der letzte Zeuge. 8. Auflage, 2008, S. 231
  8. Jetzt wird der Chef verbrannt. Süddeutsche.de, 29. April 2005
  9. Misch: „Der letzte Zeuge“, 3. Auflage, S. 241
  10. Ralf Simon: Des Teufels Leibwächter. Die Geheimnisse des letzten lebenden Hitler-Vertrauten, Spiegel-Online, 29. Juli 2007.
  11. Interview mit Rochus Misch im ZDF-Kulturmagazin aspekte vom 27. Juni 2008
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