Berlin Nordbahnhof

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Berlin Nordbahnhof (Begriffsklärung) aufgeführt.
Berlin Nordbahnhof
Stettiner Bahnhof um 1875
Stettiner Bahnhof um 1875
Daten
Kategorie 4
Betriebsart Kopfbahnhof (Fernbahn)
Durchgangsbahnhof (S-Bahn)
Bahnsteiggleise 4 (S-Bahn)
Abkürzung BNB (S-Bahn)
IBNR 8089024
Eröffnung 01. August 1842 (Fernbahnhof)
27. Juli 1936 (S-Bahnhof)
Auflassung 18. Mai 1952 (Fernbahnhof)
Lage
Stadt Berlin
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 55″ N, 13° 23′ 16″ O52.53194444444413.387777777778Koordinaten: 52° 31′ 55″ N, 13° 23′ 16″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe im Raum Berlin

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Berlin Nordbahnhof (bis 1950 Stettiner Bahnhof) war einer der großen Berliner Kopfbahnhöfe. Bis 1952 war er Ausgangspunkt der Bahnstrecke zum pommerschen Stettin. Er lag im Norden der Innenstadt an der Invalidenstraße im Bezirk Mitte.

Heute existiert neben einem Gebäuderest des Vorortbahnhofs nur noch der unterirdische S-Bahnhof Nordbahnhof der Nord-Süd-S-Bahn. Im Betriebsstellenverzeichnis wird er als BNB geführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Fernbahnhof[Bearbeiten]

Stettiner Bahnhof nach der Erweiterung um drei Hallen, 1904
Haupteingang zum inzwischen umbenannten Nordbahnhof im April 1952, wenige Wochen vor der Verkehrseinstellung

Ab dem 1. August 1842 fuhren von hier die Züge der Stettiner Bahn in Richtung Bernau, Eberswalde, Angermünde, Stettin und in den Folgejahren darüber hinaus ab 1863 mit der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn nach Pommern. 1878 ging die Berliner Nordbahn über Oranienburg, Neustrelitz und Neubrandenburg nach Stralsund in Betrieb, die im Personenverkehr ebenfalls den Stettiner Bahnhof nutzte. Mit der Kremmener Bahn kam im Jahr 1893 eine dritte Bahnstrecke hinzu, die als Nebenstrecke eher dem Nah- und Regionalverkehr diente.

Bereits 1851 wurde der Stettiner Bahnhof an die im Straßenverlauf liegende Berliner Verbindungsbahn angeschlossen, die den Wagenaustausch mit den anderen Berliner Kopfbahnhöfen Hamburger Bahnhof, Potsdamer Bahnhof, Anhalter Bahnhof und Frankfurter Bahnhof (später Schlesischer Bahnhof) ermöglichte. Dieser Verkehr wurde allerdings 1871 wieder eingestellt, weil er den anwachsenden Straßenverkehr störte.

In dieser Zeit wurde der Aus- und Umbau des Stettiner Bahnhofs in Angriff genommen, da die Anlagen dem stark anwachsenden Verkehrsaufkommen nicht mehr gerecht wurden. Ende 1876 konnte der Bahnhofsneubau seiner Bestimmung übergeben werden, 1903 folgte eine Erweiterung um drei kleinere Hallen am östlichen Rand für den Fernverkehr. 1914 verkehrten vom Stettiner Bahnhof in Berlin Schnellzüge im Fernverkehr nach Stralsund und nach Danzig über Stettin. Die schnellste Verbindung vom Stettiner Bahnhof nach Stettin dauerte 1914 zwei Stunden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Fernbahnhof erheblich beschädigt.

Gleisplan des Nordbahnhofs nach 1952

Nach der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze sollte der Namensbezug zu der nun in Polen liegenden pommerschen Hafenstadt Stettin vermieden werden, und so benannte die DDR den Bahnhof am 1. Dezember 1950 in Nordbahnhof um. Bis dahin war der Name Nordbahnhof für den weiter östlich liegenden Güterbahnhof der Nordbahn benutzt worden. Dieser wurde seit 1950 als Bahnhof Berlin Eberswalder Straße bezeichnet.[1] Zur selben Zeit wurde der Schlesische Bahnhof in Ostbahnhof umbenannt.

Zwei Jahre später wurde am 18. Mai 1952 der Fernbahnhof stillgelegt, sowohl wegen der Kriegszerstörungen als auch wegen der geografischen Lage der Abgangsstrecke. Die führte vom Bahnhof zuerst über den West-Berliner Bahnhof Gesundbrunnen, bevor an der Grenze zwischen Wedding und Pankow wieder das Ost-Berliner Stadtgebiet erreicht wurde. Hintergrund war, dass die DDR ab 1. Juni 1952 West-Berlinern den freien Zugang ihres Territoriums untersagt hatte. Drei Jahre später entschied man sich für die Beseitigung des Gebäudes; 1962 wurden die Abrissarbeiten abgeschlossen.

Der Vorortbahnhof[Bearbeiten]

Empfangsgebäude der Vorortbahn

Ab 1897 fuhr auch die Vorortbahn von hier aus über Gesundbrunnen nach Pankow. Hierfür war westlich neben der großen Halle des Stettiner Fernbahnhofs ein eigenes kleineres Empfangsgebäude, der Stettiner Vorortbahnhof (auch Kleiner Stettiner genannt) nach Plänen des Eisenbahnbauinspektors Armin Wegner errichtet worden. Am 8. August 1924 verließ von hier aus dann der erste elektrisch betriebene S-Bahnzug den Vorortbahnhof in Richtung Bernau.

Nach dem Bau des Nord-Süd-Tunnels verlor der Vorortbahnhof am 27. Juli 1936 seine Funktion und wurde geschlossen. Das Empfangsgebäude des Kleinen Stettiner Vorortbahnhofs an der Zinnowitzer Straße (heute: Julie-Wolfthorn-Straße) hat Krieg und DDR-Zeit beschädigt überstanden. Im Jahr 2011 wurde es umfassend saniert[2] und in das daneben entstandene Gewerbeprojekt Nordbahnhoffices integriert. Heute beherbergt das Empfangsgebäude ein Restaurant.

Der unterirdische S-Bahnhof[Bearbeiten]

Unterirdische S-Bahnsteige
Südlicher Zugang
Rampen vom und zum Nord-Süd-Tunnel mit einfahrendem Zug der Baureihe 480, im Hintergrund das Stellwerk Noa mit Durchfahrten zum ehem. S-Bahn-Betriebswerk, 1997

Der neue S-Bahnhof wurde unterirdisch nach dem Entwurf des Reichsbahnoberrates Lüttich neben dem Fernbahnhof erbaut. Er war der erste Bahnhof des Nord-Süd-Tunnels der S-Bahn, der weiter nach Süden Richtung Friedrichstraße und Unter den Linden führte. Er besitzt ein eigenes Empfangsgebäudes an der Invalidenstraße, auf der rechten Seite des Fernbahnhofs, das vom Reichsbahnarchitekten Richard Brademann entworfen wurde.

Wegen des Umsteigeverkehrs zu den Fernzügen als auch aus betrieblichen Gründen (der Bahnhof befindet sich am nördlichen Tunnelende und besaß einen Anschluss zum oberirdisch gelegenen S-Bahn-Betriebswerk) wurde der Bahnhof in anderthalbfacher Tiefe viergleisig mit zwei Richtungsbahnsteigen angelegt. Nördlich und südlich der Bahnsteige schließt je eine Kehranlage an. Über die nördliche Kehranlage war über eine Spitzkehrenfahrt das S-Bahn-Betriebswerk erreichbar.

Die beiden Mittelbahnsteige sind je 157 Meter lang und maximal 10,5 Meter breit. Die Bahnsteige sind durch Treppen mit den über den Gleisen gebauten unterirdischen Quergängen verbunden, die früher unter den Fernbahnsteigen weiterführten; über dem nördlichen Bahnsteigende entstand ein Tunnel zur Gepäckabfertigung, der jeweils mit einem Aufzug mit den Bahnsteigen verbunden ist. Als Haupteingang des Bahnhofs wurde ein relativ geräumiger Pavillon erbaut.

Für die unterirdische Bahnsteighalle wurde die Berliner Bauweise eingesetzt. Die mit elfenbeinfarbenen Fliesen verkleidete Halle ist durch drei rot verkleidete Stützenreihen in vier Schiffe gegliedert, wobei die äußeren Stützenreihen die Bahnsteigachsen besetzen und die innere Reihe zwischen den Gleisen steht. Die Stützenkapitel beziehungsweise Fußpunkte sind durch Rücksprünge der Verkleidung abstrakt angedeutet. Die Doppel-T-Träger der Decke wurden farbig betont. Obwohl der Bahnhof bereits unter der nationalsozialistischen Herrschaft entworfen wurde, ist die Stilistik des schlicht und sachlich gehaltenen Innenraums durchaus der Moderne zuzurechnen.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 21. April 1945, wurde der Bahnhof stillgelegt. Infolge der Sprengung des Nord-Süd-Tunnels am Landwehrkanal am 2. Mai 1945 stand auch der S-Bahnhof unter Wasser. Bis zur Wiederinbetriebnahme der Station am 31. Januar 1946 fuhren die von Norden kommenden S-Bahnzüge ersatzweise in den oberirdischen Fernbahnhof ein und endeten dort.

Der Tunnelbahnhof war während der Teilung Berlins für den Personenverkehr gesperrt und wurde zu einem sogenannten „Geisterbahnhof“, den die S-Bahnen ohne Halt durchfuhren. Innerbetrieblich hatte der Bahnhof jedoch bis zur Übernahme des S-Bahn-Netzes im Westteil Berlins durch die Berliner Verkehrsbetriebe im Jahr 1984 weiterhin Bedeutung. Bis zum Anfang der 1980er Jahre wurde ein Teil der dort verkehrenden Züge von dem im Ostsektor befindlichen, betrieblich aber zum Westnetz gehörenden S-Bahn-Betriebswerk Nordbahnhof (Bw Nob) eingesetzt.

Nach der Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Nördlicher Zugang an der Gartenstraße (im Vordergrund die Markierung des früheren Mauerverlaufs)

Kurz nach der Wiedereröffnung des S-Bahnhofs am 1. September 1990 musste der Nord-Süd-Tunnel aufgrund umfangreicher Sanierungsmaßnahmen geschlossen werden. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit konnten der Tunnel und der unterirdische Nordbahnhof am 1. März 1992 wiedereröffnet werden.

Nach der Wiederinbetriebnahme wurden auch die Zugänge des unterirdischen Nordbahnhofs nach und nach wieder geöffnet. Der Bahnhof wurde denkmalgerecht saniert und durch einen hellen Aufzugs- und Fahrradabstellraum erweitert. Als letztes Bauwerk wurde im Mai 2006 der ehemalige nördliche Bahnsteigzugang in leicht expressionistischer Formensprache Richard Brademanns an der neuen Straßenbahnhaltestelle wiedereröffnet. Dieser Zugang diente früher als Zugang zum Sonderbahnsteig G des Stettiner Bahnhofs. Von hier fuhren alle „KDF-Züge“ bis zu den Ostseebädern.

Seit 2005 arbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Stettiner Vorortbahnhofs mehr als 2000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG in den neu errichteten Bürobauten des Stettiner Carré. 2011 wurde dieser Standort um das Nordbahnhof Carré, mit weiteren 1300 Arbeitsplätzen, erweitert und bildet heute den größten Bürostandort der Deutschen Bahn in Deutschland.

Im Zusammenhang mit der Neuanlage einer Straßenbahnhaltestelle ließ die Berliner Senatsverwaltung 2006 den Bahnhofsvorplatz neu gestalten. Zwischen alten Bahngleisen, die in das neue Pflaster flächenbündig eingelassen wurden, sind einige Namen der ehemals durch die Stettiner Bahn erreichbaren Städte in Pommern und an der Ostsee – in ihrer deutschen und gegebenenfalls auch ihrer polnischen Form – in die Platzfläche eingeschrieben.

In der nördlichen Verteilerebene des S-Bahnhofs befindet sich eine Ausstellung mit Fotos und Videos von DDR-Grenzsicherungseinrichtungen in Berliner U- und S-Bahnhöfen.

Anbindung[Bearbeiten]

Linie Verlauf
Berlin S1.svg Oranienburg – Lehnitz – Borgsdorf – Birkenwerder – Hohen Neuendorf – Frohnau – Hermsdorf – Waidmannslust – Wittenau – Wilhelmsruh – Schönholz – Wollankstraße – Bornholmer Straße – Gesundbrunnen – Humboldthain – Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof – Yorckstraße (Großgörschenstraße) – Julius-Leber-Brücke – Schöneberg – Friedenau – Feuerbachstraße – Rathaus Steglitz – Botanischer Garten – Lichterfelde West – Sundgauer Straße – Zehlendorf – Mexikoplatz – Schlachtensee – Nikolassee – Wannsee – Griebnitzsee – Babelsberg – Potsdam Hauptbahnhof
Berlin S2.svg Bernau – Bernau-Friedenstal – Zepernick – Röntgental – Buch – Karow – Blankenburg – Pankow-Heinersdorf – Pankow – Bornholmer Straße – Gesundbrunnen – Humboldthain – Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof – Yorckstraße – Südkreuz – Priesterweg – AttilastraßeMarienfelde – Buckower Chaussee – Schichauweg – Lichtenrade – Mahlow – Blankenfelde
Berlin S25.svg Hennigsdorf – Heiligensee – Schulzendorf – Tegel – Eichborndamm – Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik – Alt-Reinickendorf – Schönholz – Wollankstraße – Bornholmer Straße – Gesundbrunnen – Humboldthain – Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof – Yorckstraße – Südkreuz – Priesterweg – Südende – Lankwitz – Lichterfelde Ost – Osdorfer Straße – Lichterfelde Süd – Teltow Stadt

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil X Band B: Anlagen für den Verkehr (2) Fernverkehr. Berlin (West) 1984, ISBN 3-433-00945-7.
  • Batmann: Die Entwicklung der Eisenbahnanlagen im Norden von Berlin seit dem Jahre 1890. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 53 (1903), Sp. 283–290, 479–496, Tafel 33–40. Digitalisat
  • Cornelius: Um- und Erweiterungsbau des Empfangsgebäudes auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 54 (1904), Sp. 213–224, Tafel 21–23. Digitalisat
  • Lüttich: Neubauten der Reichsbahn am Stettiner Bahnhof in Berlin. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jahrgang 57 (1937), S. 805–811. Digitalisat
  • Jürgen Meyer-Kronthaler, Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe – Ein dreiviertel Jahrhundert. Berlin-Brandenburg 1999, ISBN 3-930863-60-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin Nordbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karte der Reichsbahndirektion Berlin 1953
  2.  Kurzmeldungen: S-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 9, 2011, S. 175.