Rolandswerth

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50.644357.205622222222260Koordinaten: 50° 38′ 40″ N, 7° 12′ 20″ O

Rolandswerth
Stadt Remagen
Höhe: 60 m ü. NN
Einwohner: 577 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 53424
Vorwahl: 02228
Rolandswerth (Rheinland-Pfalz)
Rolandswerth

Lage von Rolandswerth in Rheinland-Pfalz

Rolandswerth ist einer von sechs Ortsbezirken und zugleich einer von acht Ortsteilen[2] der verbandsfreien Stadt Remagen im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Zum Ortsbezirk Rolandswerth gehören auch die Wohnplätze Insel Nonnenwerth, Rodderberg, Rodderberghof und Rolandsbogen.[3] Rolandswerth ist der kleinste Stadtteil der Stadt und liegt als nördlichster Punkt des Landkreises Ahrweiler direkt an der Grenze zur Bundesstadt Bonn (Stadtteil Mehlem). Am 31. Dezember 2013 betrug die Einwohnerzahl des Ortsbezirks 577.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Rolandswerth erstreckt sich zwischen Mehlem im Nordwesten und Rolandseck im Süden, zu denen entlang der Bundesstraße 9 ein fließender Übergang besteht. Die Ortschaft umfasst Höhenlagen zwischen 55 m ü. NN und 105 m ü. NN, wobei sie sich nach Süden deutlich verjüngt. Naturräumlich liegt Rolandswerth am nordwestlichen Ausgang der Honnefer Talweitung in den Godesberger Rheintaltrichter. Die Gemarkung von Rolandswerth reicht über das mehrheitlich bewaldete Oberwinterer Terrassen- und Hügelland auf den Rodderberg (195 m ü. NN) und den Wilhelmsberg. Die südliche Grenze zur Gemarkung von Oberwinter wird durch den Rolandswerther Bach markiert, der zwischen Rolandswerth und Rolandseck in den Rhein mündet. Der Großteil der Insel Nonnenwerth gehört zur Gemarkung Rolandswerth.

Geschichte[Bearbeiten]

Die vermutlich erste urkundliche Erwähnung des heutigen Rolandswerth als Wirdt stammt aus dem Jahre 1422, als der Ort gemeinsam mit Mehlem und Lannesdorf genannt wurde. Die ältesten Gebäude im Bereich der späteren Ortschaft waren ein Hospital mit einer Kapelle (geweiht St. Nikolaus), die dem Kloster Rolandswerth auf der gleichnamigen Insel nahestanden und deren Geschichte bis mindestens in das Jahr 1148 zurückreicht. Während des Burgundischen Krieges wurde das Hospital im Jahre 1476 zerstört und anschließend wieder errichtet. 1662 waren in Rolandswerth neben dem gleichnamigen Kloster die Abtei Altenberg mit einem Hof, das Kölner Domkapitel mit einem Kelterhaus, St. Maria im Kapitol mit einem Hof sowie das Kölner Stift St. Gereon und das Kloster St. Ursula begütert.[4] 1670 umfasste Rolandswerth 23 Häuser.[5] 1802 kam es im Zuge der Säkularisation zur Auflösung des Hospitals. Die schlichte, einschiffige und mit einem Dachreiter versehene Kapelle musste im Jahr 1817 dem Ausbau der Provinzialstraße weichen.[6][7][8]

Der Kern der heutigen Ortschaft Rolandswerth hatte vor seiner Umbenennung den Namen Wittgen bzw. Wittchen (Flurname für Weiden), der spätestens bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. Urkundlich belegte Abwandlungen dieses Namens lauteten Im Weitgen, Witgen, Wirdt (Ersterwähnung) sowie Wydtgen.[9] Bevor die auf Höhe des Ortes im Rhein gelegene Insel Nonnenwerth im 19. Jahrhundert ihre heutige Bezeichnung erhielt, trug sie ebenfalls den Namen Rolandswerth. Im dort gelegenen, orografisch linken Rheinarm fand bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt und insbesondere bis zum endgültigen Ausbau des mittleren Arms als Hauptfahrwasser für die Rheinschifffahrt Mitte des 18. Jahrhunderts die Bergfahrt statt.[10] Der für die Bergfahrt benötigte, unmittelbar am Ufer verlaufende Leinpfad ist noch heute abschnittsweise erhalten.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Rolandswerth (damals auch Werth genannt) landesherrlich zum Kurfürstentum Köln und unterstand der Verwaltung des kurkölnischen Amtes (Godesberg-)Mehlem im Oberamt Bonn.[11] Nach der Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) und der Übernahme der französischen Verwaltungsstrukturen (1798) wurde Rolandswerth der Mairie Remagen im Kanton Remagen zugeordnet. Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses war Rolandswerth ab 1816 Teil der Bürgermeisterei Remagen, die zum Kreis Ahrweiler gehörte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfuhr die Ortschaft, auch durch die Verlängerung der linksrheinischen Eisenbahnstrecke zum Bahnhof Rolandseck 1858, ein spürbares Wachstum. Sie wurde zum Zweitwohnsitz zahlreicher Geschäftsleute aus Köln und Umgebung und erhielt eine eigene Schule.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1816[12] 245
1828[13] 280
1843[14] 331
1885[15] 459
1910[16] 725
1969[17] 923

Politik[Bearbeiten]

Der Ortsbezirk Rolandswerth wird durch einen aus sieben Mitgliedern bestehenden Ortsbeirat und einem Ortsvorsteher vertreten.[2]

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Rolandswerth in die Stadt Remagen eingegliedert.[17]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rolandsbogen (2011)
Bittermann & Duka: Geheime Gärten Rolandswerth

Zu den Sehenswürdigkeiten des Stadtteils zählt der Rolandsbogen, ein Artefakt der mittelalterlichen Burg Rolandseck. Am Aufstieg zum Rolandsbogen befindet sich das Freiligrath-Denkmal, das dem Dichter Ferdinand Freiligrath gewidmet ist. Die katholische Kapelle „Mariä Unbefleckte Empfängnis“ in Rolandswerth ist ein Backsteinbau aus dem Jahre 1865, der 1937 umfassend erweitert wurde. Die Mainzer Straße (B 9) wird am Südrand Rolandswerths am Übergang zu Rolandseck von einigen herrschaftlichen Anwesen aus dem 19. Jahrhundert gesäumt, darunter die Villa Rolandseck aus dem Jahre 1888, der Rolandshof und das ehemalige Hotel Rolandseck-Groyen (1955–1976 Sitz der sowjetischen Botschaft).

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Rolandswerth stellt der „Hentzenpark“ zwischen Bundesstraße 9 und Rheinufer dar, der zwei Hektar umfasst und auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Hier schufen die Künstler Duka und Bittermann die Geheimen Gärten Rolandswerth, eröffnet im Jahre 2004. Sie sind Teil des Skulpturenufers Remagen. Die ursprünglich im Park gelegene Villa („Haus Rolandsau“ oder „Villa Henzen“) aus dem Jahr 1896/97 war nach 1949 Residenz des stellvertretenden französischen Hochkommissars und anschließend bis zum Jahreswechsel 1971/72[18] der sowjetischen Botschaft (s.o.).[19][20] Dort wurden zwischen dem sowjetischen Botschafter Falin, dem amerikanischen Botschafter Rush und Egon Bahr Grundlagen des Viermächteabkommens über Berlin (1972) erarbeitet.[21] Da die Villa aufgrund einer regelmäßigen Überflutung des Grundstücks baufällig zu werden drohte, erfolgte um 1974 der Abriss.

Darüber hinaus ist die Insel Nonnenwerth zu erwähnen, die nicht öffentlich zugänglich ist. Sie beherbergt ein Kloster mit einem privaten Gymnasium.

Fremdenverkehr[Bearbeiten]

Rolandswerth verfügt über einen direkt am Rhein gelegenen Campingplatz.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Rolandswerth ist Sitz des Max Brockhaus Musikverlages.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rolandswerth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ohne Nebenwohnsitze; Quelle: Einwohnerstatistik der Stadt Remagen
  2. a b Hauptsatzung der Stadt Remagen vom 15. Dezember 2009 (PDF-Dokument)
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 4 (PDF; 2,3 MB)
  4. A. Wiedemann: Geschichte Godesbergs und seiner Umgebung, Zweite vermehrte Auflage, Verlag des Amtes Godesberg, Bad Godesberg 1930, S. 70.
  5. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 61.
  6. Albert Verbeek u.a.: Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler. (=Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 17. Band, I. Abt.) L. Schwann, Düsseldorf 1938, S. 592 (Nachdruck: Schwann-Bagel, Düsseldorf 1984, ISBN 3-590-32145-8, 2. Halbband, S. 592)
  7. Christian von Stramburg, Anton Joseph Weeidenbach: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer antiquarius: welcher die wichtigsten und angenehmsten geographischen (…), Teil 3, Band 10, Verlag R.F. Hergt 1864, S. 623
  8. Wilhelm Arnold Günther: Codex diplomaticus Rheno-Mosellanus: Urkunden vom VIII. bis zu Ende des XII. Jahrhunderts: mit 23 Siegel-Abdrücken, Band 1, Verlag Hölscher 1822, S. 39
  9. Geschichte von Rolandswerth
  10. Robert Jasmund: Die Arbeiten der Rheinstrom-Bauverwaltung 1851-1900. Halle a.S. 1900, S. 102–105 (PDF; 1,3 MB)
  11. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 283.
  12. Der Regierungs-Bezirk Coblenz nach seiner Lage, Begränzung, Größe, Bevölkerung..., 1817, Seite 50
  13. Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz, Nicolai, Berlin und Stettin 1830, Seite 658
  14. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungs-Bezirks Coblenz, 1843, Seite 12
  15. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Verlag des Königlich statistischen Bureaus (Hrsg.), 1888, Seite 38
  16. Gemeindeverzeichnis 1900
  17. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 193 (PDF; 2,1 MB)
  18. Der Spiegel, Band 25, Ausgaben 41-44, Spiegel-Verlag, 1971, S. 218
  19. Jutta Mattern: „geheime gärten rolandswerth", Heimat-Jahrbuch des Landkreises Ahrweiler 2004, S. 88ff
  20. Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik. Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 57.
  21. Valentin Falin: Politische Erinnerungen, Droemer Knaur, 1993, ISBN 3-426-26657-1